Place de l’Hôtel-de-Ville

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Place de l’Hôtel-de-Ville im Sommer mit Beachvolleyball-Feld

Die Place de l’Hôtel-de-Ville in Paris, bis 1803 Place de Grève, ist das alte wirtschaftliche und heutige kommunale Zentrum der Stadt. Der Platz liegt am Nordufer der Seine im Quartier Saint-Merri des 4. Arrondissements. Er ist 155 Meter lang und 82 Meter breit.

Die Place de l’Hôtel de Ville wird eingerahmt

An der Westseite beginnt die Avenue Victoria; über den Pont d’Arcole ist die Place mit der Île de la Cité verbunden.

Nicolas Raguenet: "Die Place de Grève und Ausschmückungen für das Feuerwerk anlässlich der Geburt von Maria Theresia, Tochter des Dauphins" (1746)
Nicolas Raguenet: "Das Rathaus und die Place de Grève" um 1753

Die Place de Grève[Bearbeiten]

In der Antike querte die spätere Place de Grève die auf Bohlen durch das Sumpfland (Marais) verlegte Römerstraße nach Melun und in die Champagne, die auch später noch die wichtigste Straßen nach Osten bleiben sollte. Im frühen Mittelalter entwickelte sich hier, an der ein Viertel kleineren Place de Grève und dem angrenzenden Uferstreifen aufgrund der geografischen Besonderheiten der wichtigste Hafen der Stadt, der Port en Grève, der auch bald über eine Infrastruktur aus Lagern (Chantiers) und zur Bewirtung (Weinstuben, Gasthäuser) verfügte. Das Wort Grève bezeichnete einen flachen Sand- oder Kiesstrand, und der Name bezog sich damit auf die Möglichkeit, die Schiffe an Land zu ziehen, und die genutzt werden musste, solange es noch keine Pontons gab. Der Ort ist darüber hinaus die etymologische Wurzel für das französische Wort für Streik, da hier im Hafen erstmals in Frankreich in größerem Umfang Tagelöhner, die Schauerleute, und organisierte Unternehmer, die Nautae, aufeinander trafen.

An der Place de Grève stand auch die Maison aux piliers, das Haus der Kaufmannsgilde, der Prévôté des marchands, aus der sich die kommunalen Strukturen entwickelten, weswegen sich auch heute noch an dieser Stelle das Hôtel de Ville befindet.

Als zentraler Platz der Stadt wurde die Place de Grève auch für Hinrichtungen genutzt. Hier starben:

Die Hinrichtung Anne du Bourgs 1559
1310 : Margareta Porete (verbrannt)
1475 : Ludwig I. von Luxemburg (geköpft)
1549 : Jacques Ier de Coucy (geköpft)
1559 : Anne du Bourg (gehängt dann verbrannt)
1574 : Gabriel I. de Montgomery (geköpft)
1589 : Jacques Clément (gevierteilt)
1602 : Guy Éder de La Fontenelle (gerädert)
1610 : François Ravaillac (gevierteilt)
1617 : Leonora Galigaï (geköpft)
1627 : François de Montmorency-Bouteville (geköpft)
1632 : Louis de Marillac (geköpft)
1680 : Catherine Deshayes, genannt la Voisin (verbrannt)
1721 : Louis Dominique Bourguignon, genannt Cartouche (gerädert)
1757 : Robert François Damiens (gevierteilt)
1766 : Thomas Arthur de Lally-Tollendal (geköpft)
1789 : Joseph Francois Foullon (erhängt und geköpft)
1790 : Thomas de Mahy de Favras (gehängt)
1792 : Nicolas Jacques Pelletier (geköpft)

Am 25. April 1792 wurde auf der Place de Grève an Nicolas Pelletier, einem Raubmörder, die erste Hinrichtung durch die Guillotine vorgenommen. Die Menge war von der Schnelligkeit der Prozedur so enttäuscht, dass schon am nächsten Tag der Gassenhauer Rendez-moi ma potence de bois, rendez-moi ma potence – gebt mir meinen Galgen zurück – gesungen wurde.

Von November 1794 bis Mai 1795 war erneut eine Guillotine auf der Place des Grèves aufgestellt. Unter den letzten hier Hingerichteten waren der Abgeordnete Jean-Baptiste Carrier und der öffentliche Ankläger Fouquier-Tinville.

Zitat[Bearbeiten]

«Il ne reste aujourd'hui qu'un bien imperceptible vestige de la place de Grève telle qu'elle existait alors. C'est la charmante tourelle qui occupe l'angle nord de la place, et qui, déjà ensevelie sous l'ignoble badigeonnage qui empâte les vives arêtes de ses sculptures, aura bientôt disparu peut-être, submergée par cette crue de maisons neuves qui dévore si rapidement toutes les vieilles façades de Paris. [...] La Grève avait dès lors cet aspect sinistre que lui conservent encore aujourd'hui l'idée exécrable qu'elle réveille et le sombre Hôtel de Ville de Dominique Boccador, qui a remplacé la Maison-aux-Piliers. Il faut dire qu'un gibet et un pilori permanents, une justice et une échelle, comme on disait alors, dressés côte à côte au milieu du pavé, ne contribuaient pas peu à faire détourner les yeux de cette place fatale, où tant d'êtres pleins de santé et de vie ont agonisé ; où devait naître cinquante ans plus tard cette fièvre de Saint-Vallier, cette maladie de la terreur de l'échafaud, la plus monstrueuse de toutes les maladies, parce qu'elle ne vient pas de Dieu, mais de l'homme.»

„Es verbleibt heute nur noch ein recht unmerkliches Überbleibsel der Place de Grève, wie sie damals existierte. Dies ist ein bezaubernder Turm, welcher die Nordost-Ecke des Platzes einnimmt, und welcher, bereits begraben unter der unwürdigen Malerei, die die scharfen Kanten seiner Skulpturen zukleistert, bald vielleicht verschwunden sein wird, überschwemmt von der Sintflut neuer Häuser, die so schnell all die alten Fassaden von Paris verschlingt.[...] Die Grève hatte sich somit ihren finsteren Anblick auch heute noch bewahrt, durch den abscheulichen Gedanken, den sie wachruft und das düstere Hôtel de Ville von Dominique Boccador, der die Maison-aux-Piliers ersetzt hat. Es muss gesagt werden, dass die dauerhaften Galgen und Pranger - Gerechtigkeit und Maßstab, wie man so sagte, die nebeneinander mitten auf dem Pflaster errichtet wurden, nicht wenig dazu beitrugen, den Blick von diesem schicksalsträchtigen Ort zu wenden, wo so viele Lebewesen voller Leben und Gesundheit gequält wurden; wo 50 Jahre später das "Fieber von Saint-Vallier" seinen Ursprung nehmen sollte, die Seuche des Terrors des Schafotts, die ungeheuerlichsten aller Krankheiten, weil sie nicht von Gott kommt, sondern vom Menschen.“

Victor Hugo, Notre Dame de Paris, 2. Buch, 2. Kapitel (1831)

Die Place de l’Hôtel-de-Ville[Bearbeiten]

Die Place de Grève wurde am 19. März 1803 in Place de l’Hôtel de Ville umbenannt. Robert Doisneau inszenierte hier sein bekanntestes Werk, Baiser de l'Hôtel de Ville. Seit 1982 ist der Platz Fußgängerzone. Im Sommer 2004 wurden große Teile zu einem Beachvolleyball-Feld gemacht, im Winter steht hier eine Eiskunstlaufbahn, auch ansonsten wird der Platz vorwiegend für Veranstaltungen genutzt.

Weblinks[Bearbeiten]

48.8566666666672.3513888888889Koordinaten: 48° 51′ 24″ N, 2° 21′ 5″ O