Stade Vélodrome

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Stade Vélodrome
Fan-Choreographie im Stade Vélodrome im April 2015
Fan-Choreographie im Stade Vélodrome im April 2015
Daten
Ort 3, Boulevard Michelet
FrankreichFrankreich 13008 Marseille, Frankreich
Koordinaten 43° 16′ 11,3″ N, 5° 23′ 45,3″ OKoordinaten: 43° 16′ 11,3″ N, 5° 23′ 45,3″ O
Eigentümer Stadt Marseille
Betreiber Arema
Baubeginn 28. April 1935
Eröffnung 13. Juni 1937
16. Oktober 2014
Erstes Spiel Olympique MarseilleAC Torino 2:1
Renovierungen 1984, 1998, 2011–2014
Oberfläche Hybridrasen
Architekt Henri Ploquin[1] (1937)
Jean-Pierre Buffi[2] (1998)
SCAU[3], Atelier 9[4] (2014)
Kapazität 67.394 Plätze
Spielfläche 105 m × 68 m
Verein(e)
Veranstaltungen

Das Stade Vélodrome ist ein Fußballstadion im 8. Arrondissement der südfranzösischen Hafenstadt Marseille. Die 1937 eingeweihte Sportstätte wurde für die Fußball-Europameisterschaft 2016 umgebaut. Vor den Bauarbeiten für die Euro 2016 bot es 60.301 Plätze. Während der Saison 2013/14 war das Stadion für 48.000 Besucher zugelassen.[5] Momentan bietet die Spielstätte auf den vier Rängen 67.394 Plätze.[6] Damit ist es das größte Stadion in Frankreich, in dem ein Verein spielt. Noch größer ist nur das französische Nationalstadion, das Stade de France in Saint-Denis.

Das Stade Vélodrome gehört der Stadt Marseille und ist die Heimat der Fußballer von Olympique Marseille. Es ist außerdem noch eine Spielstätte der französischen Rugbynationalmannschaft und war Austragungsort bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1998 und der Rugby-Union-Weltmeisterschaft 2007. Zudem war das Stadion Spielstätte bei den Weltmeisterschaften 1954, 1972 und 1975 im Rugby League.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftaufnahme 2016

Das ursprüngliche Stadion mit 30.000 Plätzen wurde für die Fußball-Weltmeisterschaft 1938 gebaut und am 13. Juni 1937 eingeweiht. Für die Weltmeisterschaft 1998 wurde das Stadion renoviert und auf seine jetzige Größe erweitert. Obwohl die namengebende Radrennbahn zwischen Tribünen und Spielfeld im Zuge dieses Umbaues abgerissen wurde, wurde seine traditionelle Bezeichnung beibehalten.

Im Dezember 2005 wurde durch den Bürgermeister von Marseille ein Modell für eine erneute Erweiterung der Kapazität auf 80.000 Zuschauer vorgestellt.[7] Diese Pläne stießen aber auf starke Kritik in der Bevölkerung, da die Baukosten als zu hoch angesehen wurden. Aufgrund dieser Kritik und ungesicherter Finanzierung wurden die Pläne gestoppt. Beim Champions-League-Spiel Marseille gegen den FC Liverpool am 11. Dezember 2007 war das Stade Vélodrome erstmals komplett ausverkauft (60.031 Zuschauer); bis dahin stand der Rekord bei 58.897 aus dem Jahr 2004.

Ausbau zur Europameisterschaft 2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Fußball-Europameisterschaft 2016 ist das Stade Vélodrome überdacht und auf rund 67.000 Plätze erweitert worden.[8] Mit dem Bau wurde im März 2011 begonnen, die Fertigstellung des Stadions sollte im Sommer 2014 erfolgen. Zusätzlich sollte bis 2016 eine neue „Mantelbebauung“ mit einem Einkaufszentrum errichtet werden.

Im Sommer 2009 stimmte der Stadtrat trotz erheblicher Bedenken mehrheitlich einem Vertrag zu, wonach dies in Form einer öffentlich-privaten Partnerschaft zwischen Marseille und einem Konsortium namens Arema geschehen sollte, das sich aus den Bauunternehmen GFC Construction (eine Tochterfirma von Bouygues), Eiffage und Vinci zusammensetzte. Zu diesem Zeitpunkt wurden die Gesamtkosten auf 120 bis 160 Mio. Euro beziffert, die zum Teil das Konsortium bereitstellen sollte, da die hoch verschuldete Stadt alleine dazu nicht in der Lage gewesen wäre. Allerdings hatte sich bereits 2010 herausgestellt, dass sich die Gesamtkosten tatsächlich auf 267,5 Mio. Euro belaufen würden. Davon müssen die öffentlichen Hände (vom französischen Staat über die verschiedenen regionalen Gebietskörperschaften bis zur Kommune) 135 Mio. zuzüglich dem auf etwa 30 Mio. Euro geschätzten Verzicht auf Baugenehmigungsgebühren aufbringen, Arema hingegen lediglich gut 100 Mio. Euro. Als Gründe der Kostenexplosion wurden die Bedingung, dass der Umbau bei laufendem Spielbetrieb von Olympique Marseille erfolgen müsse, der Wunsch nach einem angrenzenden zusätzlichen kleinen Stadion und die ursprünglich ebenfalls nicht eingeplante Berücksichtigung einer erdbebensicheren Bauweise genannt.[9]

Dafür, dass Arema für die Baukosten finanziell in Vorlage tritt, sollte das Konsortium von 2013 bis zum Jahr 2044 jährlich 23,5 Mio. Euro, insgesamt also beinahe 730 Mio. Euro, aus dem Verkauf der Namensrechte, den Eintrittsgeldern diverser Veranstaltungen, sowie – so beabsichtigt es zumindest die Stadtverwaltung – vom Hauptmieter Olympique Marseille erhalten; dann müsste die klamme Kommune nichts dazubezahlen. Für den Verein würde dies ab Fertigstellung des Stadions eine jährliche Mietzahlung von 8 Mio. Euro bedeuten, mithin mehr als fünf Mal so viel wie bisher (1,5 Mio. Euro pro Jahr). Dazu ist der Verein, der an der Vertragsgestaltung im Vorwege nicht beteiligt worden war, nicht bereit. Er weist zudem darauf hin, dass er während der Umbauphase einen massiven Rückgang der Einnahmen aus den Eintrittsgeldern hinzunehmen hat: betrug die mittlere Zuschauerzahl bei Punktspielen in der Saison 2010/11 noch gut 51.000 Besucher, ist sie in der Saison 2012/13 auf etwas über 33.000 zurückgegangen. Über die dreijährige Bauphase hochgerechnet, entspricht dies einem Einnahmeminus von rund 30 Mio. Euro abzüglich der 4,35 Mio., die Olympique einspart, weil es währenddessen lediglich symbolische 50.000 Euro pro Jahr Miete an die Stadt bezahlen muss.[10]

Die offizielle Einweihung des umgebauten Stade Vélodrome fand am 16. Oktober 2014 statt. Knapp zwei Wochen später am Tag der offenen Tür am 25. und 26. Oktober strömten 55.000 Besucher in die umgestaltete Heimstätte von OM.[11] Am 18. November 2014 traf die französische Fußballnationalmannschaft im ersten Länderspiel nach der Neueröffnung auf Schweden und siegte mit 1:0.

Am 15. März 2015 wurde zum dritten Mal in der Saison 2014/15 ein neuer Besucherrekord aufgestellt. Bei der Partie des Tabellendritten OM gegen den Ersten Olympique Lyon waren 62.832 Zuschauer anwesend. Damit wurde der Rekord vom 21. Dezember 2014 mit 62.408 Besucher beim Spiel gegen den OSC Lille gebrochen.[12]

Auf einer Pressekonferenz am 3. Juni 2016 im Rathaus der Stadt mit Bürgermeister Jean-Claude Gaudin, Stéphane Richard (PDG von Orange) und Bruno Botella (Präsident der Betreibergesellschaft Arema) wurde die Umbenennung des Stade Vélodrome verkündet.[13] Die Arema einigte sich mit dem Telekommunikationsanbieter Orange auf einen Sponsoringvertrag über zehn Jahre.[14] Ab der Saison 2016/17 trägt die Fußballarena den offiziellen Namen Orange Vélodrome. Jährlich soll das Unternehmen etwa 2 bis 2,7 Mio. Euro zahlen. Darüber hinaus sollen im Stadion 1.000 WLAN-Terminials installiert werden. Dadurch könnten bei den Spielen von OM rund 20.000 Zuschauer das Internet parallel nutzen. Der neue Name wird nach der Fußball-Europameisterschaft am Stadion angebracht.[15]

Spiele zur Fußball-Europameisterschaft 2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Datum Runde Heim Gast Ergebnis
11. Juni 2016 Vorrunde EnglandEngland England RusslandRussland Russland 1:1 (0:0)
15. Juni 2016 Vorrunde FrankreichFrankreich Frankreich AlbanienAlbanien Albanien 2:0 (0:0)
18. Juni 2016 Vorrunde IslandIsland Island UngarnUngarn Ungarn 1:1 (1:0)
21. Juni 2016 Vorrunde UkraineUkraine Ukraine PolenPolen Polen 0:1 (0:0)
30. Juni 2016 Viertelfinale PolenPolen Polen PortugalPortugal Portugal 1:1 n. V. (1:1, 1:1), 3:5 i. E.
07. Juli 2016 Halbfinale DeutschlandDeutschland Deutschland FrankreichFrankreich Frankreich 0:2 (0:1)

Tribünen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insgesamt bietet das Stade Vélodrome 67.394 Plätze.[6]

  • Tribune Jean Bouin: 18.851
  • Tribune Ganay: 22.321
  • Virage Sud: 12.937
  • Virage Nord: 12.947
  • 1.263 V.I.P.-Sitze in 80 Logen
  • 371 behindertengerechte Plätze

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innenraumpanorama des Stadions am 19. Oktober 2010 beim Spiel der UEFA Champions League gegen MŠK Žilina (1:0)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dossier „Vélodrome, la bombe à retardement“ („Das Vélodrome, die Zeitbombe“) in France Football vom 30. April 2013, S. 18–25

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Stade Vélodrome – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. History of the stadium, lenouveaustadevelodrome.com
  2. Das Stadion Velodrome, marseille-tourisme.com
  3. Projekt auf der Website von SCAU, scau.com
  4. Daten zum Umbau, stadiumdb.com
  5. Vélodrome: 48.000 places pour 2013-14, mediafootmarseille.fr (französisch)
  6. a b Stade Vélodrome, stadiumdb.com (englisch)
  7. Bilder des damaligen Stadionentwurfs, stadiumguide.com
  8. Modell des Stadions, scau.acr-ri.com (französisch)
  9. Vélodrome, la bombe à retardement, S. 20
  10. Vélodrome, la bombe à retardement, S. 22 und 24
  11. Viele Fans strömten ins neue Stade Vélodrome, de.uefa.com vom 27. Oktober 2014 (französisch)
  12. Erneuter Zuschauerrekord im Stade Vélodrome, stadionwelt.de vom 18. März 2015
  13. Offizielle Pressemitteilung zur Umbenennung des Stadions, lenouveaustadevelodrome.com vom 3. Juni 2016 (PDF-Datei, französisch)
  14. OM: le stade rebaptisé Orange Vélodrome, lequipe.fr vom 3. Juni 2016 (französisch)
  15. Namensgeber für Stade Vélodrome gefunden, stadionwelt.de vom 6. Juni 2016