Rhena

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Rhena
Stadt Korbach
Koordinaten: 51° 17′ 18″ N, 8° 47′ 32″ O
Höhe: 438 m ü. NHN
Fläche: 12,11 km²[1]
Einwohner: 523 (30. Jun. 2020)[2]
Bevölkerungsdichte: 43 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1970
Postleitzahl: 34497
Vorwahl: 05631

Rhena ist ein Stadtteil der Kreis- und Hansestadt Korbach im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rhena liegt im Westteil Nordhessens in bewaldeten und hügeligen Nordostausläufern des Rothaargebirges. Es befindet sich im Naturpark Diemelsee etwa 5,5 km (Luftlinie) westnordwestlich der Korbacher Kernstadt. Nördlich des 440 m hoch gelegenen Dorfs erhebt sich der Goddelsberg (525 m). Rhena wird etwa in Nord-Süd-Richtung vom Neerdar-Zufluss Rhena durchflossen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den Anfängen bis zur Gebietsreform in Hessen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage von Rhena („Rehen“), Karte von 1572

Die älteste gesicherte schriftliche Erwähnung von Rhena erfolgte unter dem Namen in Rehon in einer Urkunde aus dem Jahr 980,[1] in der Kaiser Otto II. das Dorf Rhena zusammen mit Korbach und Lelbach an das Kloster Corvey abgab und im Gegenzug die Kaiserpfalz Memleben hierfür eintauschte.

1120 wurde die Wehrkirche im romanischen Stil mit rechteckigem und zweijochigem Schiff erbaut. Die St.-Thomas-Kirche befindet sich abseits der Hauptstraße, auf dem „Kleppenberg“ genannten Kirchhügel. Hier befand sich auch der Sitz der Herren von Rhena, einem örtlichen Adelsgeschlecht, das lange das Patronat der Kirche innehatte. Ein Mitglied des Geschlechts, Johann von Rhena (auch Johann von Rehen) war 1543–1570 Landkomtur der Ballei Marburg des Deutschen Ordens.

Ihre erste Burg (Ältere Burg Rhena) erbauten die Herren von Rhena auf einem nach Süden gerichteten Sporn hinter der Kirche. Diese wird 1235 erstmals erwähnt. Von dieser ist heute nichts mehr erhalten. Sie wurde vermutlich 1755 zerstört oder abgebrochen.

Vermutlich um 1555 erbaute Reinhard von Rhena die Wasserburg Rhena, von der heute noch zwei Steinhäuser erhalten sind. Es wird vermutet, dass einige ornamentale Teile von Philipp Soldan stammen. Die Wasserburg Rhena liegt an der Straße Zur Alten Mühle 11, südlich der Upländer Straße, an der Rhene.

Seit der Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum 1. Juli 1970 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Rhena im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis als Stadtteil in die Kreisstadt Korbach eingegliedert.[3][4] Die Gemeinde Rhena hatte eine Gemarkungsfläche von 12,11 km².[5] Für Rhena, wie für alle eingegliederten ehemals eigenständigen Gemeinden von Korbach, wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.[6]

In Rhena befand sich die kleinste Grundschule Hessens, die Astrid-Lindgren-Schule, die im Sommer 2013 geschlossen wurde.

Territorialgeschichte und Verwaltung im Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Rhena lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][7]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle: Historisches Ortslexikon[1]
• 1541: 24 Häuser
• 1620: 30 Häuser
• 1650: 14 Häuser
• 1738: 31 Häuser
• 1770: 35 Häuser, 256 Einwohner
Rhena: Einwohnerzahlen von 1770 bis 2020
Jahr  Einwohner
1770
  
256
1800
  
?
1834
  
310
1840
  
288
1846
  
275
1852
  
308
1858
  
293
1864
  
284
1871
  
294
1875
  
290
1885
  
325
1895
  
348
1905
  
323
1910
  
365
1925
  
402
1939
  
392
1946
  
617
1950
  
582
1956
  
510
1961
  
490
1967
  
516
1971
  
579
1980
  
581
1990
  
555
1995
  
587
2000
  
569
2005
  
567
2010
  
520
2011
  
504
2015
  
525
2020
  
523
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: ;[1][8][2] Zensus 2011[9]

Einwohnerstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Rhena 504 Einwohner. Darunter waren 6 (1,2 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 93 Einwohner unter 18 Jahren, 210 zwischen 18 und 49, 90 zwischen 50 und 64 und 111 Einwohner waren älter.[10] Die Einwohner lebten in 210 Haushalten. Davon waren 69 Singlehaushalte, 57 Paare ohne Kinder und 75 Paare mit Kindern, sowie 9 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 57 Haushalten lebten ausschließlich Senioren/-innen und in 126 Haushaltungen lebten keine Senioren/-innen.[10]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Romanische Kirche Rhena

Zum Kirchspiel Rhena gehörten in den Jahren 1556–1566 Flechtdorf und vor 1789 auch Schweinsbühl. Seit 1972 ist Alleringhausen eine Filialgemeinde von Rhena. Mit der Gründung des Kirchspiels „Eimelrod–Rhena“ im Jahr 2018 besteht dieses aus den Orten Eimelrod, Hemmighausen, Deisfeld, Alleringhausen, Neerdar, Bömighausen, Rhena und Schweinsbühl. Vor der Reformation gehörte Rhena zur Diözese Paderborn der Kirchenprovinz Mainz. Die Grafschaft Waldeck führte ab 1526 in ihrem Gebiet die Reformation ein. Erster evangelischer Pfarrer in Rhena ist von 1544 bis 1552 Ludwig Reinperti (Remberti). Im Jahr 1885 waren von den 348 Einwohnern in Lelbach 347 evangelisch und ein Einwohner waren katholisch. 1961 wurden 454 evangelische (92,6 % der Bevölkerung) und 33 katholische (6,7 %) Christen gezählt.[1]

Romanische Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die romanischen Kirche von Rhena hat die Struktur einer Wehrkirche und ähnelt im Aussehen sehr der des Willinger Ortsteils Welleringhausen. Auf dem blockförmigen Altar steht ein schönes Kruzifix aus dem 13. Jahrhundert. Das massive Taufbecken aus Sandstein stammt aus dem 12. Jahrhundert.[11]

An der linken Chorwand stehen zwei gusseiserne Grabplatten, die der Kirchenpatron Arnolt von Rhena seinen beiden Ehefrauen Catharina, geborene von Padberg († 1568), und Elisabeth, geborene von Spiegel († 1572), setzen ließ. Die Grabplatte für Arnolt von Rhena trägt oben drei Wappen, die von Rhena, Padberg und Spiegel. Die Grabplatten sind von der Hand des Formenschneiders Conrad Luckeln, einem Schüler von Philipp Soldan.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rhena liegt am Abschnitt BömighausenLelbach der Bundesstraße 251, von der dort die Kreisstraße 68 nach Schweinsbühl abzweigt. Nördlich vorbei verläuft etwa in West-Ost-Richtung die Bahnstrecke Wabern–Brilon-Wald (Uplandbahn) mit naher Haltestelle „Rhena-Lelbach“ östlich der Ortschaft; nördlich steht an dieser Bahnstrecke das Rhenaer Viadukt an einem kleinen Zufluss der Rhena.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Rhena geboren

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Rhena (Korbach) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Rhena, Landkreis Waldeck-Frankenberg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b Daten & Fakten. In: Webauftritt. Stadt Korbach, abgerufen im Dezember 2020.
  3. Eingliederung der Gemeinden Alleringhausen, Eppe, Goldhausen, Helmscheid, Hillershausen, Lengefeld, Meineringhausen, Nieder-Schleidern, Rhena und Strothe in die Stadt Korbach, Landkreis Waldeck vom 19. Juni 1970. In: Der Hessische Minister des Innern (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1970 Nr. 27, S. 1366, Punkt 1326 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 6,0 MB]).
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 407.
  5. Amtliches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland mit Übersichten über die Verwaltungsgliederung und Angaben über die Zugehörigkeit der Gemeinden zu Ortsklassen, Postleitgebieten und einigen wichtigen Verwaltungseinheiten. Statistisches Bundesamt, Ausgabe 1957, S. 275
  6. Hauptsatzung. (PDF; 133 kB) § 3. In: Webauftritt. Stadt Korbach, abgerufen im Dezember 2020.
  7. Michael Rademacher: Land Hessen. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: treemagic.org.
  8. Bevölkerungsentwicklung. (PDF) (Nicht mehr online verfügbar.) In: Haushaltsplan 2018. Stadt Korbach, S. Vorbericht VIII, archiviert vom Original; abgerufen am 2. Juni 2018.
  9. Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,1 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt;
  10. a b Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,0 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 48 und 104;.
  11. Romanische Dorfkirche St. Thomas. (Nicht mehr online verfügbar.) In: semmler24.de, private Website. Archiviert vom Original; abgerufen im Jahr 2016.