Rocket Internet

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Rocket Internet SE
Logo
Rechtsform SE (Societas Europaea)
ISIN DE000A12UKK6
Gründung 2007
Sitz Berlin, Deutschland
Leitung Oliver Samwer (CEO), Peter Kimpel (CFO), Alexander Kudlich (Group Managing Director)
Umsatz 2,64 Mrd. Euro (konsolidiert)[1]
Branche Beteiligungsgesellschaft (Risikokapital), Elektronischer Handel, Unternehmensberatung
Website www.rocket-internet.com
Stand: 13. April 2018

Die Rocket Internet SE ist ein börsennotiertes Beteiligungsunternehmen und Startup-Inkubator mit Sitz in Berlin. Das Unternehmen hält Beteiligungen an unterschiedlichen Internet-Startups, darunter Delivery Hero, HelloFresh oder Westwing. Rocket Internet gründet und investiert in junge Unternehmen und setzt dabei vor allem auf Neugründungen von Unternehmen, die bereits ein erfolgreiches, internationales Vorbild aufweisen können. Das Unternehmen wurde im Jahr 2007 von den Brüdern Marc, Oliver und Alexander Samwer in Berlin gegründet.[2] Aushängeschild von Rocket Internet ist das Online-Versandhaus Zalando, an dessen Gründung Rocket Internet maßgeblich beteiligt war.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rocket Internet wurde im Jahr 2007 in Berlin gegründet. Ursprünglich konzentrierte sich das Unternehmen auf Neugründungen von Internetfirmen. Neben der Bereitstellung von Risikokapital unterstützt das Unternehmen junge Firmen ebenso mit Know-how und verschiedenen Dienstleistungen aus den Bereichen IT, Marketing oder Vertrieb. In der Vergangenheit griff Rocket Internet häufig auf funktionierende Geschäftsmodelle aus den USA zurück und versuchte, diese in anderen Teilen der Welt zu etablieren.[4][5] Immer mehr wendet sich Rocket Internet von seinem ursprünglichen Geschäftsmodell der Neugründung von Unternehmen ab und investiert vermehrt in bereits bestehende Unternehmen.[6]

Im Gegensatz zu vielen Internet-Unternehmen aus den Vereinigten Staaten setzt Rocket Internet gezielt auf die Entwicklung internationaler Märkte. Das Unternehmen unterhält weltweit eine Vielzahl an Standorten. In den Unternehmen, an denen Rocket Internet Beteiligungen hält, arbeiten insgesamt rund 33.000 Mitarbeiter.[7][8][9]

Im Juni 2016 schrieb Rocket Internet in Zusammenarbeit mit Google und McKinsey & Company erstmals den Startup-Preis DT50 aus.[10] Mit dem Preis werden junge, ausgewählte Unternehmen aus der Tech-Szene in Europa in den Kategorien B2B, B2C sowie “Tech-for-social-impact” ausgezeichnet.[11] Im Juni 2018 werden die Digital Top 50 (DT50) Awards zum zweiten Mal an junge Unternehmen vergeben. Austragungsort und Partner der diesjährigen Awards ist neben McKinsey & Company und Google das Tech Open Air Festival (TOA) in Berlin.[12]

Im Januar 2016 legte Rocket Internet den Rocket Internet Capital Partners Fonds auf; anfänglich wurden über 420 Mio. US-Dollar eingeworben;[13] bis Januar 2017 wurde dieser Fonds auf 1 Mrd. US-Dollar ausgeweitet.[14] Der Fonds stellt Unternehmen im Internetsektor Early Stage- und Wachstumskapital zur Verfügung.

Im Juli 2017 hat Rocket Internet ein neues Logo samt neuer Website veröffentlicht.

In London startete Rocket Internet im Dezember 2017 mit Global Growth Capital eine Bank für die Vergabe hochverzinslicher Kredite an Startup-Unternehmen. Der Bank sollen 500 Mio. Euro für Kredite zur Verfügung stehen.[15]

Ende März 2018 verfügte Rocket Internet über 2,7 Mrd. Euro an liquiden Mitteln.[16]

Unternehmensstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sitz von Rocket Internet in Berlin

Börsengang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Juli 2014 wandelte Rocket Internet seine ursprüngliche Rechtsform der GmbH in eine Aktiengesellschaft um,[17][18] der Börsengang erfolgte am 2. Oktober 2014.[19] Die Aktie war zunächst im Entry Standard notiert. Am 18. März 2015 änderte das Unternehmen seine Rechtsform in eine Europäische Aktiengesellschaft (SE).[20] Im September 2016 wechselte die Aktie in den Prime Standard;[21] im Oktober 2016 wurde sie in den SDAX aufgenommen. Seit dem 19. März 2018 ist die Aktie im deutschen Mittelwerte Index MDax gelistet. Diese Entscheidung wurde am 5. März 2018 von der Deutschen Börse AG bekannt gegeben.[22]

Aktionärsstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut dem aktuellen Geschäftsbericht 2017 hält die Global Founders GmbH der Samwer-Brüder mit 37,1 Prozent den größten Anteil an Rocket Internet. Weitere Anteilseigner sind United Internet mit 8,3 Prozent, Baillie Gifford & Co mit 6,5 Prozent sowie PLDT mit 6,1 Prozent. Rund 42 Prozent der Aktien befinden sich im Streubesitz. Die schwedische Beteiligungsgesellschaft Kinnevik stieg im Jahr 2017 als Großaktionär von Rocket Internet aus und veräußerte seine zuletzt 6,6 Prozent an dem Unternehmen an institutionelle Investoren.[23][24]

Wirtschaftszahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für das Geschäftsjahr 2017 wies die Rocket Internet SE einen aggregierten Umsatz ausgewählter Unternehmen von 2,64 Milliarden Euro aus. Der Konzernumsatz der Rocket Internet SE ohne assoziierte Unternehmen belief sich 2017 auf 36,8 Millionen Euro, bei einem Verlust von 6 Millionen Euro. Rocket Internet verfügte Ende März 2018 über liquide Mittel in Höhe von 2,7 Milliarden Euro.[25]

Beteiligungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut aktuellem Geschäftsbericht 2017 gehören zu Rocket Internets ausgewähltem Portfolio, an denen der Konzern Beteiligungen in unterschiedlicher Höhe hält, unter anderem folgende Unternehmen: HelloFresh, Jumia, Global Fashion Group, dafiti, home24, Delivery Hero, lamoda, westwing und zalora.[26] Weitere Unternehmen, die zu Rocket Internets Portfolio zählen, sind unter anderem: campsy, caterwings, eatfirst, everdine, GlobalSavingsGroup, helpling, instafreight, nestpick, spotcap, vaniday, visito, zanui und zipjet.[27]

Rocket Internet brachte im Jahr 2017 die Unternehmen HelloFresh und Delivery Hero an die Börse.

Im Februar 2015 erwarb Rocket Internet für einen Kaufpreis von 496 Mio. Euro eine 30-%-Beteiligung an Delivery Hero, einem internationalen Netzwerk für Essens-Bestellungen.[28] Nur einen Monat später stockte Rocket Internet seine Beteiligung an Delivery Hero auf 39 % auf.[29] Der operative Einfluss auf Delivery Hero galt allerdings als beschränkt, da Rocket Internet weder im Vorstand noch im Aufsichtsrat von Delivery Hero vertreten war, und entgegen seiner üblichen Vorgehensweise als Investor und nicht als Inkubator auftrat. Im Dezember 2016 verkaufte Rocket Internet seine Foodpanda-Beteiligung an Delivery Hero.[30] Seit 2016 hat sich Rocket Internet in mehreren Finanzierungsrunden an Humanoo beteiligt,[31] einem Berliner Start-up-Unternehmen im Bereich Betrieblicher Gesundheitsförderung.[32] Im Januar 2018 erwarb Rocket Internet eine Mehrheitsbeteiligung an der australischen Catering-Plattform Order In.[33]

HelloFresh[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

HelloFresh-Kochbox

HelloFresh bietet sogenannte „Kochboxen“ für Verbraucher an: Pakete mit vorbereiteten Zutaten und einem Rezept, die im Abonnement erhältlich sind. Im November 2015 wurde ein Börsengang des Start-ups angekündigt, der jedoch bereits kurz darauf aufgrund der Volatilität im deutschen IPO-Markt und der Sorge um ausreichende Investorennachfrage verschoben wurde.[34] Ende 2017 wurde bekannt gegeben, dass HelloFresh in einem zweiten Versuch den Börsengang wagen möchte, woraufhin am 22. Oktober 2017 die Preisspanne auf 9,00 bis 11,50 Euro festgesetzt wurde. Dies würde einem Platzierungsvolumen von 279 bis 357 Mio. Euro bei ausgeschöpfter Greenshoe-Option entsprechen.[35] Am 1. November 2017 wurden die Aktien zu einem Ausgabepreis von ungefähr 10,25 Euro pro Aktie an der Frankfurter Börse platziert, was einen Unternehmenswert von etwa 1,6 Mrd. Euro und einem gesammelten Kapital von ca. 318 Mio. Euro bedeutet.[36]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das in der Anfangsphase als „Klon-Schmiede“ bezeichnete Unternehmen wurde für seine Strategie kritisiert, die Geschäftsmodelle anderer Firmen zu kopieren.[37]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rocket Internet SE: Rocket Internet meldet anhaltendes Umsatzwachstum und verbesserte Profitabilität bei ausgewählten Unternehmen in 2016, DGAP, 25. April 2017
  2. Investorenprofil von Rocket Internet. In: Gründerszene. Abgerufen am 8. Januar 2013.
  3. Samwer-Brüder bringen Rocket Internet an die Börse. Handelsblatt, 1. Juni 2014, abgerufen am 1. April 2017.
  4. Felix Wadewitz, Teresa Goebbels: Kopierweltmeister des Netzes. In: Financial Times Deutschland. 22. November 2012, archiviert vom Original am 5. Juli 2013; abgerufen am 8. Januar 2013.
  5. Achim Sawall: Samwer-Brüder starten Amazon-Kopie Lazada. In: Golem. 23. März 2012, abgerufen am 1. April 2017.
  6. Radikaler Rückbau: Rocket Internet baut in Berlin massiv Personal ab. Spiegel Online, 18. November 2016.
  7. Hans Evert: Der schlechte Ruf des deutschen Internet-Giganten. In: Die Welt. 22. April 2013, abgerufen am 22. April 2013.
  8. Will Rocket Internet Aim Too High? - Handelsblatt Global Edition. In: Handelsblatt Global Edition. Abgerufen am 5. April 2016 (amerikanisches Englisch).
  9. Rocket Internet Geschäftsbericht 2017. Rocket Internet SE, 13. April 2018, abgerufen am 6. Juni 2018 (englisch).
  10. Mike Butcher: Google, McKinsey and Rocket Internet launch search for Europe’s best. TechCrunch, 30. Juni 2016, abgerufen am 26. Juli 2016 (englisch).
  11. Google, McKinsey, and Rocket Internet announce European Entrepreneurship Award. Google, 6. Juli 2016, abgerufen am 1. April 2017 (englisch).
  12. TOA 2018 in Berlin. EU-Startups, 6. Juni 2018, abgerufen am 6. Juni 2018 (englisch).
  13. Christina Kyriasoglou: Neuer Rocket-Fonds schließt mit über 420 Millionen US-Dollar. In: gruenderszene.de. Gründerszene, 19. Januar 2016, abgerufen am 20. Januar 2017.
  14. Rocket Internet sammelt eine Milliarde US-Dollar von Investoren ein. In: t3n.de. t3n, 19. Januar 2017, abgerufen am 20. Januar 2017.
  15. Rocket Internet: CEO Oliver Samwer baut Bank für Start-ups auf - manager magazin. In: manager magazin. (manager-magazin.de [abgerufen am 14. März 2018]).
  16. Rocket Internet: Die Start-up-Fabrik verringert den Verlust – Rocket-Zahlen in der Blitzanalyse. (handelsblatt.com [abgerufen am 3. Mai 2018]).
  17. Rocket Internet wird Aktiengesellschaft. In: Sueddeutsche.de. Abgerufen am 3. Juli 2014.
  18. Kopier-Könige zünden Börsenrakete. In: Handelsblatt. 2. Juni 2014, abgerufen am 1. April 2017.
  19. Rocket Internet zieht Börsengang vor. In: Heise online. 26. September 2014. Abgerufen am 1. April 2017.
  20. Rocket Internet vollzieht Umwandlung in Europäische Aktiengesellschaft. 18. März 2015, abgerufen am 6. Juni 2018 (englisch).
  21. Rocket Internet SE wechselt in Prime Standard, Pressemeldung auf dgap.de, 23. September 2016.
  22. ircenter.handelsblatt.com: Rocket Internet SE
  23. Großaktionär Kinnevik steigt bei Rocket Internet aus. 8. Juni 2017, abgerufen am 6. Juni 2018.
  24. Annual Report 2017 Rocket Internet. Rocket Internet SE, 13. April 2018, abgerufen am 6. Juni 2018 (englisch).
  25. Rocket Internet Press Release FY Results 2017. Rocket Internet SE, 13. April 2018, abgerufen am 6. Juni 2018 (englisch).
  26. Rocket Internet selected companies. Abgerufen am 6. Juni 2018 (englisch).
  27. Rocket Internet businesses. Abgerufen am 6. Juni 2018 (englisch).
  28. Florian Rinke: Rocket Internet glaubt an Liefergeschäft: Essen auf Rädern aus dem Netz. Abgerufen am 8. September 2017.
  29. Niklas Wirminghaus: Rocket erhöht bei Delivery Hero. In: gruenderszene.de. Gründerszene, 11. März 2015, abgerufen am 18. Januar 2017.
  30. Caspar Tobias Schlenk: Delivery Hero schluckt Foodpanda. In: gruenderszene.de. Gründerszene, 10. Dezember 2016, abgerufen am 14. Dezember 2016.
  31. Fünf Millionen für Berliner Healthtech Humanoo. In: Gründerszene Magazin. (gruenderszene.de [abgerufen am 18. Februar 2018]).
  32. Gründer der Woche: humanoo. Abgerufen am 18. Februar 2018.
  33. Rocket Internet kauft australische Catering-Plattform. In: Gründerszene Magazin. (gruenderszene.de [abgerufen am 10. Februar 2018]).
  34. Tina Plewinski: Börsengang: HelloFresh macht einen (kurzen) Rückzieher. Abgerufen am 8. November 2017.
  35. Ad-hoc News | Rocket Internet. Abgerufen am 8. November 2017 (englisch).
  36. finanzen.net GmbH: Hellofresh: IPO bringt wohl 318 Millionen Euro ein - 01.11.17 - BÖRSE ONLINE. Abgerufen am 8. November 2017 (englisch).
  37. Falk Hedemann: Samwer-Klon-Schmiede verliert massiv Führungspersonal. In: t3n Magazin. 19. Dezember 2011, abgerufen am 8. Januar 2013.