Rocket Internet

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Rocket Internet SE
Logo
Rechtsform SE (Societas Europaea)
ISIN DE000A12UKK6
Gründung 2007
Sitz Berlin, Deutschland
Leitung Oliver Samwer (CEO), Peter Kimpel (CFO), Alexander Kudlich (Group Managing Director)
Umsatz 2,2 Mrd. Euro (konsolidiert)[1]
Branche Beteiligungsgesellschaft (Risikokapital), Elektronischer Handel
Website www.rocket-internet.com
Stand: 31. Dezember 2016 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2016

Die Rocket Internet SE mit Sitz in Berlin ist ein börsennotiertes Beteiligungsunternehmen mit Beteiligungen an unterschiedlichen Internet-Startups, darunter Home24, Westwing und Zalando. Es wurde im Jahr 2007 von den Brüdern Marc, Oliver und Alexander Samwer gegründet und war einst auch mit dem European Founders Fund, der Beteiligungsgesellschaft der Samwer-Brüder, verbunden.[2] Aushängeschild von Rocket Internet ist das Online-Versandhaus Zalando, an dessen Gründung Rocket Internet maßgeblich beteiligt war und weiterhin eine Beteiligung hält.[3]

Im Geschäftsjahr 2016 machte die Rocket Internet SE (ohne assoziierte Unternehmen) einen Umsatz von 50,4 Millionen Euro bei einem Verlust von 741,5 Millionen Euro.[1]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rocket Internet wurde 2007 gegründet. Das Unternehmen ging primär Beteiligungen an Internetunternehmen in deren Gründungsphase ein, indem es mit jungen Gründerteams Unternehmen gründet und unmittelbares Risikokapital, unterschiedliche Infrastrukturdienstleistungen (Büroräume, IT-Unterstützung, Marketingdienstleistungen usw.), sowie Zugang zu einem Netzwerk aus Investoren bereitstellt. Zu ihrem Geschäft gehört das Halten, Verwalten und gegebenenfalls Verkaufen der Beteiligungen.[4] Dabei werden meist funktionierende Geschäftsmodelle aus den USA kopiert und international etabliert.[5] Häufig werden die Unternehmen nach wenigen Jahren wieder abgestoßen.[6] Inzwischen wurde das Geschäftsmodell dahingehend abgewandelt, dass auch bestehende Unternehmen aufgekauft werden, anstatt selbst Neugründungen durchzuführen.[7] Im Gegensatz zu vielen Internet-Unternehmen aus den USA setzt Rocket Internet gezielt auf die Entwicklung internationaler Märkte. Die Firma unterhält weltweit eine Vielzahl an Standorten. In den Unternehmen, an denen Rocket Internet Beteiligungen hält, arbeiten insgesamt rund 36.000 Mitarbeiter.[8][9][10][11]

Im Juni 2016 schreibt Rocket Internet in Zusammenarbeit mit Google und McKinsey & Company den Startup-Preis DT50 aus.[12] Mit dem Preis sollen Unternehmen aus der Tech-Szene in Europa, vielversprechendsten Startups und Scaleups sowie ein Startup im Bereich "Social Impact" ausgezeichnet werden.[13][14]

Im Januar 2016 legt Rocket Internet den Rocket Internet Capital Partners Fonds auf; anfänglich wurden über 420 Millionen US-Dollar eingeworben;[15] bis Januar 2017 wurde dieser Fonds auf 1 Milliarde US-Dollar ausgeweitet.[16] Der Fonds stellt Unternehmen im Internetsektor Early Stage- und Wachstumskapital zur Verfügung.

Im Juli 2017 hat Rocket Internet ein neues Logo samt neuer Website veröffentlicht. Damit wurde der Wandel vom Inkubator zum Investor verdeutlicht.

Börsengang und Aktionärsstruktur

Am 1. Juli 2014 wandelte Rocket Internet seine Rechtsform von einer GmbH in eine Aktiengesellschaft um[17][18], der Börsengang war am 2. Oktober 2014.[19] Die Aktie war zunächst im Entry Standard notiert. Am 18. März 2015 änderte das Unternehmen seine Rechtsform in eine Europäische Gesellschaft (SE).[20] Im September 2016 wechselte die Aktie in den Prime Standard;[21] im Oktober 2016 wurde sie in den SDAX aufgenommen.

Am 31. Dezember 2015 hielt die Global Founders GmbH der Samwer-Brüder 38,1 % am Unternehmen Rocket Internet, Kinnevik 13,2 %, United Internet 8,3 %, Baillie Gifford 6,8 %, Philippine Long Distance Telephone Company (seit August 2016: PLDT) 6,1 % und Access Industries 6,0 %. 21,5 % der Aktien befanden sich in Streubesitz. Der Großaktionär Kinnevik reduzierte seine Beteiligung im Februar 2017 auf 6,6 % und kündigte im Juni desselben Jahres an, komplett auszusteigen.[22]

Beteiligungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rocket Internet hält Beteiligungen unterschiedlicher Höhe an folgenden Unternehmen, die teilweise direkt von Rocket Internet gegründet worden sind:[23] Carmudi, Global Savings Group, EasyTaxi, EatFirst, Global Fashion Group (Lamoda, Namshi, Dafiti, Jabong und Zalora), HelloFresh, Helpling, Home24, Jumia, Kaymu, Lamudi, Linio, Nestpick, Shopwings, SpaceWays, Spotcap, Tink, TravelBird, Traveloka, Tripda, Westwing, Zalando, Zanui und ZipJet.

Im Februar 2015 erwarb Rocket Internet für einen Kaufpreis von 496 Millionen Euro eine 30 % Beteiligung an Delivery Hero, einem internationalen Netzwerk für Essens-Bestellungen.[24] Nur einen Monat später stockte Rocket Internet seine Beteiligung an Delivery Hero auf 39 % auf.[25] Der operative Einfluss auf Delivery Hero galt allerdings als beschränkt, da Rocket Internet weder im Vorstand noch im Aufsichtsrat von Delivery Hero vertreten war, und entgegen seiner üblichen Vorgehensweise als Investor und nicht als Inkubator auftrat. Im Dezember 2016 verkaufte Rocket Internet seine Foodpanda-Beteiligung an Delivery Hero.[26]

HelloFresh[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

HelloFresh Kochbox

HelloFresh bietet sogenannte „Kochboxen“ für Verbraucher an: Pakete mit vorbereiteten Zutaten und einem Rezept, die im Abonnement erhältlich sind. Schon im November 2015 wurde ein Börsengang des Start-ups angekündigt, der jedoch schon kurz darauf aufgrund der Volatilität im deutschen IPO Markt und der Sorge um ausreichende Investorennachfrage verschoben wurde.[27] Ende 2017 wurde dann bekannt gegeben, dass HelloFresh in einem zweiten Versuch den Börsengang wagen möchte, woraufhin am 22. Oktober 2017 die price range auf 9,00 - 11,50 Euro festgesetzt wurde. Dies entspricht Platzierungsvolumen von 279 Millionen bis 357 Millionen Euro bei ausgeschöpfter Greenshoe-Option entsprechen.[28] Am 1. November 2017 wurden die Aktien dann zu einem Ausgabepreis von ungefähr 10,25 Euro pro Aktie an der Frankfurter Börse platziert, was einen Unternehmenswert von ca. 1,6 Milliarden Euro und einem eingesammelten Kapital von ca. 318 Millionen Euro bedeutet.[29]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das als „Klon-Schmiede“ bezeichnete Unternehmen wird immer wieder für seine Strategie kritisiert, das Geschäftsmodell anderer Firmen zu kopieren.[30]

Ende 2011 verließen 20 hochrangige der damals insgesamt 130 Beschäftigten gleichzeitig das Unternehmen. Als Grund wurde nach übereinstimmenden Medienberichten Zeitdruck und eine damit verbundene „schlechte Qualität der neuen Produkte“ genannt sowie ein „ruppiger“ Umgang, was mit einem Strukturwandel hin zu einem „Großkonzern“ in Verbindung gebracht wurde.[30][31] Die ehemaligen Manager von Rocket Internet gründeten daraufhin mithilfe gezielter Förderung des Otto-Konzerns den Frühphaseninvestor und Risikokapital­gesellschaft Project A Ventures.[32]

Laut einem Bericht des Manager Magazins wurden in der Zentrale des Unternehmens in Berlin im Jahr 2016 „massiv“ Stellen abgebaut.[7] Das Unternehmen dementierte den Bericht später.[33]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Rocket Internet SE: Rocket Internet meldet anhaltendes Umsatzwachstum und verbesserte Profitabilität bei ausgewählten Unternehmen in 2016, DGAP, 25. April 2017
  2. Investorenprofil von Rocket Internet. In: Gründerszene. Abgerufen am 8. Januar 2013.
  3. Samwer-Brüder bringen Rocket Internet an die Börse. Handelsblatt, 1. Juni 2014; abgerufen am 1. April 2017.
  4. Felix Wadewitz, Teresa Goebbels: Kopierweltmeister des Netzes. In: Financial Times Deutschland. 22. November 2012, archiviert vom Original am 5. Juli 2013; abgerufen am 8. Januar 2013.
  5. Achim Sawall: Samwer-Brüder starten Amazon-Kopie Lazada. In: Golem. 23. März 2012; abgerufen am 1. April 2017.
  6. Christian Rickens, Thomas Werres: Die Murks-Brothers. In: Manager Magazin. 18. Februar 2011; abgerufen am 8. Januar 2013.
  7. a b Radikaler Rückbau: Rocket Internet baut in Berlin massiv Personal ab. Spiegel Online, 18. November 2016.
  8. https://www.rocket-internet.com/about (offline)
  9. Hans Evert: Der schlechte Ruf des deutschen Internet-Giganten. In: Die Welt. 22. April 2013; abgerufen am 22. April 2013.
  10. Will Rocket Internet Aim Too High? - Handelsblatt Global Edition. In: Handelsblatt Global Edition. Abgerufen am 5. April 2016 (amerikanisches Englisch).
  11. Rocket Internet Geschäftsbericht 2015. Rocket Internet SE; abgerufen am 26. Juli 2016 (englisch).
  12. Mike Butcher: Google, McKinsey and Rocket Internet launch search for Europe’s best. TechCrunch, 30. Juni 2016; abgerufen am 26. Juli 2016 (englisch).
  13. Digital Top 50 Awards: Google, McKinsey und Rocket Internet kündigen European Entrepreneurship Award an. McKinsey & Company; abgerufen am 26. Juli 2016.
  14. Google, McKinsey, and Rocket Internet announce European Entrepreneurship Award. Google, 6. Juli 2016; abgerufen am 1. April 2017 (englisch).
  15. Christina Kyriasoglou: Neuer Rocket-Fonds schließt mit über 420 Millionen US-Dollar. In: gruenderszene.de. Gründerszene, 19. Januar 2016; abgerufen am 20. Januar 2017.
  16. Rocket Internet sammelt eine Milliarde US-Dollar von Investoren ein. In: t3n.de. t3n, 19. Januar 2017; abgerufen am 20. Januar 2017.
  17. Rocket Internet wird Aktiengesellschaft. In: Sueddeutsche.de. Abgerufen am 3. Juli 2014.
  18. Kopier-Könige zünden Börsenrakete. In: Handelsblatt. 2. Juni 2014; abgerufen am 1. April 2017.
  19. Rocket Internet zieht Börsengang vor. In: Heise online. 26. September 2014. Abgerufen am 1. April 2017.
  20. BRIEF-Rocket Internet changes legal form and transforms into Societas Europaea. Reuters, 18. März 2015; abgerufen am 1. April 2017 (englisch).
  21. Rocket Internet SE wechselt in Prime Standard, Pressemeldung auf dgap.de, 23. September 2016.
  22. heise online: Schwedischer Großaktionär Kinnevik steigt bei Rocket Internet aus. Abgerufen am 8. September 2017.
  23. Companies | Rocket Internet. Abgerufen am 8. September 2017 (englisch).
  24. Florian Rinke: Rocket Internet glaubt an Liefergeschäft: Essen auf Rädern aus dem Netz. Abgerufen am 8. September 2017.
  25. Niklas Wirminghaus: Rocket erhöht bei Delivery Hero. In: gruenderszene.de. Gründerszene, 11. März 2015; abgerufen am 18. Januar 2017.
  26. Caspar Tobias Schlenk: Delivery Hero schluckt Foodpanda. In: gruenderszene.de. Gründerszene, 10. Dezember 2016; abgerufen am 14. Dezember 2016.
  27. Tina Plewinski: Börsengang: HelloFresh macht einen (kurzen) Rückzieher. Abgerufen am 8. November 2017.
  28. Ad-hoc News | Rocket Internet. Abgerufen am 8. November 2017 (englisch).
  29. finanzen.net GmbH: Hellofresh: IPO bringt wohl 318 Millionen Euro ein - 01.11.17 - BÖRSE ONLINE. Abgerufen am 8. November 2017 (englisch).
  30. a b Falk Hedemann: Samwer-Klon-Schmiede verliert massiv Führungspersonal. In: t3n Magazin. 19. Dezember 2011; abgerufen am 8. Januar 2013.
  31. Alexander Hüsing: Mitten im Wandel zum globalen Internetkonzern geht fast das komplette Führungsteam. In: Deutsche Startups. 18. November 2011; abgerufen am 1. April 2017.
  32. Erste Eindrücke von Project A Ventures. In: Gründerszene, aufgerufen am 1. Oktober 2013
  33. Startup-Schmiede weist Bericht über starken Jobabbau zurück. Reuters bei Wiwo.de, 18. November 2016.