Rotzbub

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Film
OriginaltitelRotzbub
Produktionsland Österreich,
Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2021
Länge 85 Minuten
Stab
Regie Marcus H. Rosenmüller,
Santiago López Jover
Drehbuch Martin Ambrosch
Produktion Josef Aichholzer,
Ernst Geyer
Musik Gerd Baumann
Schnitt Philipp Bittner
Synchronisation

Rotzbub ist ein österreichisch-deutscher Animationsfilm von Marcus H. Rosenmüller und Santiago López Jover aus dem Jahr 2021. Der Film basiert auf dem Figurenkosmos des 2016 verstorbenen Karikaturisten Manfred Deix. Im September 2021 soll der Film am Zurich Film Festival unter dem Titel Willkommen in Siegheilkirchen[1] und bei der Filmkunstmesse Leipzig unter dem Titel Willkommen in Siegheilkirchen – Der Deix Film gezeigt werden.[2]

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1967 in der ultrakonservativen Kleinstadt Siegheilkirchen im österreichischen Hinterland. Die Ewiggestrigen, die hier leben, sind größtenteils fettleibig und eingefleischte Nazis. Der Gendarm erledigt seinen Dienst meist betrunken, der Pfarrer ist ein gewalttätiger Tyrann und Friseur Kurz könnte sich gut vorstellen, der nächste Führer zu sein. Der Wirt der Dorfkneipe, der im Krieg einen Arm verlor, hat einen Sohn mit einem großen Talent für das Zeichnen. Sein Onkel Neidhardt wird darauf aufmerksam, als er die kunstvollen Akte seines Neffen entdeckt, so von der üppigen neuen Metzgergehilfin. Die Arbeiten des von allen nur Rotzbub genannten Jungen bringen dessen geschäftstüchtige Mitschüler unters Volk. Das alles erzürnt besonders ihren Lehrer.

Rotzbub will sich nicht von seiner Bestimmung als Künstler abbringen lassen. Das Zeichnen ist für ihn ein Ventil für seine Unzufriedenheit, durch das er seinen Unmut zum Ausdruck bringt. Einen Gegenentwurf zur spießigen Enge des Dorfes hat er in dem kiffenden Hippie und Betreiber eines Cafés gefunden.

Nachdem Roma in den Ort kommen, basteln die Bewohner an einer Bombe, doch Rotzbub hat sich in ein Roma-Mädchen namens Mariolina verguckt, deren Herz er zu gewinnen versucht.[3][4][5]

Produktion und Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ästhetisch, stilistisch und inhaltlich ist der Film von den Karikaturen des im Juni 2016 verstorbenen österreichischen Karikaturisten, Grafikers und Cartoonisten Manfred Deix inspiriert

Der filmischen Erzählung wurden in Rotzbub die Ästhetik und der Spirit der Karikaturen des im Juni 2016 verstorbenen österreichischen Karikaturisten, Grafikers und Cartoonisten Manfred Deix zugrunde gelegt.[6] Die Arbeiten am Film begannen 2013, und Deix war vor seinem Tod selbst noch in dessen Entwicklung involviert.[7] Das Budget lag bei rund 5,5 bis 6 Millionen Euro. Ursprünglich war der österreichische Kinostart für 2020 vorgesehen. Nach einer Crowdfunding-Kampagne im September 2020, bei der über 43.000 Euro für die Fertigstellung gesammelt wurden, wurde der österreichische Kinostart auf den 23. Dezember 2021 verschoben.[3][7][8]

Produziert wurde der Film von der österreichischen Aichholzer Filmproduktion GmbH des Produzenten Josef Aichholzer in Koproduktion mit der deutschen Filmbüro Münchner Freiheit GmbH (Produzent Ernst Geyer), den Verleih übernahm in Österreich die Filmladen Filmverleih GmbH und in Deutschland die Pandora Film Medien GmbH.[9][10]

Unterstützt wurde der Film vom Österreichischen Filminstitut, vom Filmfonds Wien, von Filmstandort Austria, dem Land Niederösterreich und dem Land Salzburg sowie dem FilmFernsehFonds Bayern, beteiligt war der Österreichische Rundfunk.[9][10]

Das Drehbuch schrieb Martin Ambrosch. Regie führten Santiago López Jover und Marcus H. Rosenmüller. Letzterer wurde insbesondere gewählt, weil dessen Erstlingswerk Wer früher stirbt ist länger tot eine Affinität zum Stoff von Rotzbub hatte.„Er erzählt die schräge Welt eines pubertierenden Buben und schafft daraus einen Kosmos, in den man sich trotz aller Schrägheit verlieben kann. Die Idee hat uns überzeugt und auch Marcus H. Rosenmüller war fasziniert“, so Produzent Aichholzer.[6]

Die Filmmusik komponierte wie bei Rosenmüllers Film Trautmann Gerd Baumann. Luitgard Koch schreibt in seiner Funktion als Filmkorrespondent der Gilde deutscher Filmkunsttheater, dessen Arbeit und die für den Film kreierten Songs, die aus den 1960ern stammen könnten, vermittelten exakt den Zeitgeist, und mit einer Prise Hendrix und einem Hauch Pink Floyd sorge er für die damalige Aufbruchsstimmung a la Woodstock.[11]

Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Premiere erfolgte Mitte Juni 2021 am Festival d’Animation Annecy in Annecy in Frankreich, wo der Film in den Wettbewerb eingeladen wurde.[12][13] Im Juli 2021 wurde der Film am Filmfest München in der Reihe Spotlight gezeigt.[14] Ende August 2021 soll der Film beim Fünf Seen Filmfestival gezeigt werden[15], im September 2021 bei der Filmkunstmesse Leipzig.[16] Der österreichische Kinostart ist für den 23. Dezember 2021 vorgesehen[9], der deutsche am 13. Januar 2022.[17]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teresa Vena vergab auf Filmstarts.de drei von fünf Sternen und meinte, dass der Film genauso wie die Arbeiten des Karikaturisten Deix mit Überzeichnung, Überspitzung und Übertreibungen arbeite. Der Humor sei ein derber, der vor allem mit sexuellen Ungehörigkeit und Fäkalien aller Art schockieren will. Trotzdem habe die Coming-of-Age-Geschichte ihre unterhaltsamen und anrührenden Momente, selbst wenn sie weniger als aufrüttelnde Gesellschaftssatire und mehr als Hommage an das Werk von Manfred Deix funktioniere.[18]

Heike Angermaier von Blickpunkt:Film schreibt, Rotzbub werfe einen Blick in die Wiege eines der größten, subversivsten Cartoonisten, dessen Werk die Obsession des Weiblichen ebenso prägt wie der Aufschrei gegen Ungerechtigkeit, Kirche und Obrigkeitshörigkeit: „Gegen Enge und Borniertheit, für Liebe und Freiheit, dafür steht jeder Zeichenstrich dieser sorgsam animierten Hommage [...] Die hervorragende Animation ist nicht Deix pur, aber seinem Stil und Spirit treu – das warmherzige, lustige, anarchistische und hundsgemein österreichische Charakterporträt von einem, der aufbegehrt.“[5]

Dirk Wagner meinte in der Süddeutsche Zeitung, dass dieser Humor nicht für jeden geeignet sei. Wer aber jenen bösen österreichischen Humor mag, der auch Filme wie Muttertag oder Wilde Maus prägte, werde Rotzbub lieben. Darüber hinaus sorge die Musik von Gerd Baumann mit Gästen wie Ernst Molden, Matze Brustmann von Balloon Pilot und Peter Horn von Bananafishbones für einen klanglichen Genuss.[19]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Festival d’Animation Annecy 2021

Internationales Filmfestival Warschau 2021

  • Nominierung im Free Spirit Competition[21]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Willkommen in Siegheilkirchen. In: zff.com. Abgerufen am 21. September 2021.
  2. Willkommen in Siegheilkirchen – Der Deix Film. In: filmkunstmesse.de. Abgerufen am 21. September 2021.
  3. a b Franco Schedl: Erfolgreiche Crowdfunding Kampagne für "Rotzbub - Der Deix Film". In: film.at. 14. September 2020, abgerufen am 23. Mai 2021.
  4. Rotzbub / Snotty Boy. In: annecy.org. Abgerufen am 9. Juli 2021.
  5. a b Heike Angermaier: Preview Filmfest München: „Rotzbub“. In: Blickpunkt:Film, 9. Juli 2021.
  6. a b Karin Schiefer: «Schau, ein Deix.» In: austrianfilms.com, Mai 2021. Abgerufen am 28. Juni 2021.
  7. a b Julia Schafferhofer: Animationsspaß: Deix-Film: Hilfe für den Rotzbub. In: Kleine Zeitung. 20. September 2020, abgerufen am 23. Mai 2021.
  8. Rotzbub - Der Deix Film. In: startnext.com. Abgerufen am 23. Mai 2021.
  9. a b c Rotzbub. In: Österreichisches Filminstitut. Abgerufen am 23. Mai 2021.
  10. a b Rotzbub bei crew united, abgerufen am 23. Mai 2021.
  11. Luitgard Koch: Rotzbub. In: programmkino.de. Abgerufen am 5. August 2021.
  12. "Rotzbub": Deix-Animationsfilm läuft bei wichtigem Festival. In: film.at. 22. Mai 2021, abgerufen am 23. Mai 2021.
  13. Longs métrages en compétition: Rotzbub. In: annecy.org. Abgerufen am 23. Mai 2021 (französisch).
  14. Rotzbub. In: filmfest-muenchen.de. Abgerufen am 8. Juni 2021.
  15. Fünf Seen Filmfestival 2021. In: fsff.de. Abgerufen am 3. August 2021.
  16. Jochen Müller: „The French Dispatch“ eröffnet Filmkunstmesse Leipzig. In: Blickpunkt:Film, 17. August 2021.
  17. Starttermine Deutschland. In: insidekino.com. Abgerufen am 9. Oktober 2021.
  18. Teresa Vena: Kritik zu Rotzbub: In Siegheilkirchen geht’s dreckig zu. In: Filmstarts.de. Abgerufen am 29. Juni 2021.
  19. Dirk Wagner: Anziehend abstoßend. In: Sueddeutsche.de. 9. Juli 2021, abgerufen am 10. Juli 2021.
  20. Fabien Lemercier: 20 feature films set to compete in Annecy. In: cineuropa.org, 8. Juni 2021.
  21. Welcome to Siegheilkirchen. In: wff.pl. Abgerufen am 7. Oktober 2021.