Schönbuchbahn

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Böblingen–Dettenhausen
Ein RegioShuttle in Böblingen Süd
Streckennummer (DB):4871
Kursbuchstrecke (DB):790.46
Streckenlänge:16,978 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Streckenklasse:CE
Stromsystem:15 kV 16,7 Hz ~
Maximale Neigung: 1:45 = 22 
Minimaler Radius:190 m
Höchstgeschwindigkeit:100 km/h
Zweigleisigkeit:Böblingen – Danziger Straße und
Zimmerschlag – Holzgerlingen Hülben[1]
von Stuttgart
von Renningen
0,000 Böblingen
nach Horb
0,755 DB Netz AG / Zweckverband Schönbuchbahn
Herrenberger Straße
1,348 Böblingen Danziger Straße (seit 1996)
2,303 Böblingen Südbahnhof (ehemals Böblingen Süd)
2,500 Anschluss Pfinder Chemie (bis 200x)
Schönbuchstraße
3,493 Böblingen Heusteigstraße (seit 1996)
Heusteigstraße
4,443 Böblingen Zimmerschlag (ehemals Schönaicher First)
nach Schönaich
7,875 Holzgerlingen Nord (1996–2019)
8,225 Holzgerlingen Hülben (seit 2019)
9,072 Holzgerlingen Bahnhof (ehemals Holzgerlingen)
Erlachstraße (Landesstraße 1184)
10,900 Holzgerlingen Buch (seit 1996)
12,453 Weil im Schönbuch Troppel (seit 1996)
12,970 Weil im Schönbuch Röte (ehemals Weil (Schönbuch))
13,985 Weil im Schönbuch Untere Halde (seit 1996)
Schulsteige
Schaich
16,800 Anschluss BTD (bis 28. April 1990)
16,978 Dettenhausen

Koordinaten: 48° 38′ 21″ N, 9° 0′ 39″ O

Die Schönbuchbahn ist eine 16,978 Kilometer lange eingleisige normalspurige Stichstrecke, mit zweigleisigen Begegnungsabschnitten, in der Region Stuttgart. Sie wird von der Württembergischen Eisenbahngesellschaft (WEG) betrieben, Eisenbahninfrastrukturunternehmen ist der Zweckverband Schönbuchbahn (ZVS). Im Jahr 2013 wurde eine Betriebsleistung von rund 400.000 Zugkilometern erbracht, bei bis zu 8.000 Fahrgästen pro Tag.[2] Im Keilbahnhof Schönaicher First – heute Böblingen Zimmerschlag – zweigte ferner zwischen 1922 und 1959 eine Stichstrecke nach Schönaich ab. Güterverkehr findet seit den 2000er Jahren nicht mehr statt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Staatsbahnzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um die zwischen Stuttgart und Tübingen gelegene Schönbuchlichtung für den Schienenverkehr zu erschließen, planten die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen den Bau einer Nebenbahn von Böblingen über Holzgerlingen und Weil im Schönbuch nach Dettenhausen. Nachdem 1909 mit dem Bau begonnen worden war, konnte die erste Teilstrecke von Böblingen bis Weil im Schönbuch am 16. Oktober 1910 in Betrieb genommen werden. Der zweite Abschnitt bis Dettenhausen folgte am 29. Juli 1911.

Im Zuge der Einschränkungen auf den Nebenstrecken der Deutschen Bundesbahn (DB) fuhren zwischen Böblingen und Dettenhausen ab 29. Mai 1965 keine reinen Personenzüge mehr, den überwiegenden Teil des Reisendenverkehrs übernahmen Bahnbusse. Nur ein Güterzug mit Personenbeförderung (GmP) verkehrte noch bis Ende September 1966,[3] wobei in jenem Jahr nur noch 90 Reisende täglich die Strecke nutzten. Danach fuhren nur noch reine Güterzüge, 1988 beantragte die Deutsche Bundesbahn schließlich die Streckenstilllegung. Nachdem der Landkreis Böblingen aber Interesse an der Übernahme der Strecke zeigte, verfolgte diese ihre Stilllegungsabsichten aber nicht weiter.[3] Letztlich endete der Güterverkehr zwischen Schönaicher First und Dettenhausen dann zum 28. April 1990, wurde bis Schönaicher First aber weiter aufrechterhalten. Der Abschnitt Schönaicher First–Dettenhausen wurde damals nicht entwidmet, sondern war fortan lediglich außer Betrieb.

Übernahme durch den Zweckverband Schönbuchbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bevölkerung entlang der Strecke wollte sich mit der Einstellung des Personenverkehrs und der drohenden Gesamtstilllegung nicht abfinden. Jedoch hatten die zahlreichen Aktionsgemeinschaften, Resolutionen und Beschlüsse der Gemeinderäte der Anliegergemeinden in den Jahren 1959 bis 1986 keinen Erfolg. Erst am 30. Mai 1988 kam neue Bewegung in die Angelegenheit. Der Landkreis Böblingen und der Landkreis Tübingen beauftragten die Württembergische Eisenbahngesellschaft mit der Erstellung eines Gutachtens über die Möglichkeiten einer Wiederaufnahme des Personenverkehrs auf der Schönbuchbahn. Dieses Gutachten vom September 1989 prognostizierte 2500 Fahrgäste täglich, 25 Prozent mehr als beim Omnibusverkehr.[4]

Daraufhin befürwortete im Herbst 1992 das Verkehrsministerium Baden-Württemberg die Wiederinbetriebnahme und stufte das Vorhaben als förderungswürdig ein. Als Träger eines künftigen Bahnbetriebs beschlossen die Landkreise Böblingen und Tübingen im Juli beziehungsweise Oktober 1993 die Reaktivierung der Strecke und gründeten hierzu am 21. Dezember 1993 den Zweckverband Schönbuchbahn (ZVS), an welchem Böblingen 80 und Tübingen 20 Prozent Anteil haben. Dieser kaufte am 28. Dezember 1993 die Strecke zum symbolischen Preis von einer D-Mark zuzüglich Mehrwertsteuer von der Deutschen Bundesbahn ab. Anschubmittel für unterlassene Instandsetzungen am Fahrweg und sonstige Starthilfen wurden nicht gewährt. Nach einer beschränkten Ausschreibung zum Bau und Betrieb der Bahn, an der sechs Verkehrsunternehmen Angebote abgaben, darunter die Deutsche Bahn AG,[4] erhielt die WEG am 6. Juli 1994 den Zuschlag. In der Ausschreibung waren 27 Zugpaare Montags bis Freitags, 14 an Samstagen und sechs an Sonn- und Feiertagen gefordert.[3]

1995 begann die WEG mit dem umfassenden Ausbau der Strecke, der – ohne die Beschaffung neuer Fahrzeuge – 14,6 Millionen Euro kostete und mit Mitteln des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG) gefördert wurde. Im Einzelnen wurden folgende Maßnahmen durchgeführt:[3]

  • Ertüchtigung des Gleiskörpers und Anhebung der Streckengeschwindigkeit von 50 auf 80 km/h
  • Neubau von sechs Stationen für möglichst kurze Fußwege zum nächsten Bahnhof, darunter Holzgerlingen Neubau als Kreuzungsbahnhof mit Rückfallweichen
  • Ertüchtigung von sechs vorhandenen Stationen
  • Ausrüstung aller zwölf Stationen mit 76 Zentimeter hohen Bahnsteigen für stufenloses Einsteigen sowie neuer Wartehäuschen
  • technische Sicherung von zwölf Bahnübergängen mit Schranken oder Ampelanlagen
  • Rückbau von fünf Bahnübergängen von Fuß- und Radwegen zu Umlaufsperren
  • Schließung von vier Bahnübergängen
  • Bau einer Unterführung anstelle eines Bahnübergangs
  • Sanierung beziehungsweise Neubau von sechs Brücken
  • Herstellung von vier Gleisanschlüssen für den Güterverkehr
  • Bau einer Fahrzeugunterstellhalle mit Werkstatt in Dettenhausen
  • Einrichtung von Zugleitfunk
  • Aufstellung von Fahrkartenautomaten
Bei Wiedereröffnung im Jahr 1996 konnte der Böblinger Hausbahnsteig für die Schönbuchbahn nur partiell erhöht werden

Im Rahmen der Wiedereröffnung wurden außerdem Park-and-ride-Anlagen gebaut. Lediglich im Bahnhof Böblingen konnte der von der Schönbuchbahn genutzte Hausbahnsteig (Gleis 1) nur partiell erhöht werden, so dass dort nur der erste Einstieg in Fahrtrichtung Dettenhausen barrierefrei war.

Wiedereröffnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 28. September 1996 konnte die Schönbuchbahn feierlich wiedereröffnet werden, aus technischen Gründen wurde der fahrplanmäßige Betrieb aber erst am 1. Dezember 1996 wieder aufgenommen. Die Reisezeit auf der Gesamtstrecke betrug damals 24 Minuten, es galt folgendes Fahrplanangebot:[4]

  • Montag bis Freitag: 30-Minuten-Takt von 5:02 bis 22:02 Uhr, danach Stundentakt bis Betriebsschluss um 0:02 Uhr
  • Samstag: Betriebsbeginn 7:02 Uhr, 30-Minuten-Takt von 8:02 bis 16:02 Uhr, danach Stundentakt bis Betriebsschluss um 0:02 Uhr
  • Sonn- und Feiertage: Stundentakt von 8:02 bis 22:02 Uhr

Im Bahnhof Böblingen besteht seither Anschluss an die Stuttgarter S-Bahn, in Dettenhausen an Regionalbusse in Richtung Tübingen. Die Schönbuchbahn wurde im Zuge der Wiedereröffnung in den Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) integriert und von diesem zunächst als Linie R72 bezeichnet. Hierbei wurde auch die Gemeinde Dettenhausen ins Tarifgebiet des VVS aufgenommen, obgleich im Landkreis Tübingen liegend.

Am ersten Werktag nach Wiedereröffnung, dem 2. Dezember 1996, wurden 3740 Fahrgäste gezählt. Zuvor waren auf der Busverbindung entlang der Strecke 2000 Fahrgäste pro Tag gezählt worden.[2] Mitte 2000 wurden durchschnittlich 5500 Fahrgäste gezählt, die Züge waren oft überfüllt. Eine Verdichtung des Takts war auf der eingleisigen Strecke mit einer Ausweichstelle jedoch nicht möglich. So wurden 2001[2] die Bahnsteige verlängert, so dass auch dreiteilige Triebwagenzüge – hauptsächlich im Schülerverkehr – gefahren werden konnten, und die Wagenhalle in Dettenhausen vergrößert.

Während der Sommerferien 2003 wurde der Verkehr erstmals vorübergehend im Schienenersatzverkehr erbracht, um dringend notwendige Sanierungsarbeiten durchführen zu können. Bei der ersten Sanierung der Strecke wurden alte, noch brauchbare Schienen und Schwellen benutzt, die durch neues Material ersetzt wurden. Außerdem wurden mehrere Problemstellen im Unterbau, hauptsächlich an Bahndämmen und Brücken, beseitigt. Im Frühjahr 2003 wurden werktags 6800 Fahrgäste gezählt. Im April 2008 benutzten täglich über 7400 Fahrgäste die Schönbuchbahn.[5]

2010 wurden im Nordabschnitt der Strecke 4200 Reisende pro Tag gezählt und bis 2025 ein Anstieg auf 6200 Fahrgäste pro Tag erwartet.[6] Die Umsteigemöglichkeiten verbesserten sich in Böblingen ab Juni 2010 mit dem Anschluss an die S-Bahn S60 in Richtung Renningen.

Im Jahr 2011 wurden die Fahrkartenautomaten an den Stationen abgebaut und stattdessen neue in den Triebwagen installiert.

Elektrifizierung und partieller zweigleisiger Ausbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 2000er Jahren stiegen die Fahrgastzahlen auf der Strecke weiter. Im Jahr 2012 wurden an Werktagen schon über 10.000 Fahrgäste befördert. Deshalb wurde seit 2009 angestrebt, die Strecke mit 15 kV Wechselstrom zu elektrifizieren und, zwecks Einrichtung eines 15-Minuten-Takts zwischen Böblingen und Holzgerlingen, die Abschnitte Böblingen – Böblingen Danziger Straße sowie Böblingen Zimmerschlag – Holzgerlingen Hülben zweigleisig auszubauen.[7] Auf dem Restabschnitt bis Dettenhausen sollte es beim 30-Minuten-Takt bleiben.[8] Ebenso war die Ertüchtigung für 100 km/h Höchstgeschwindigkeit, der Neubau der gesamten Signalanlagen sowie der Umbau aller Bahnsteige auf einheitlich 85 Meter Länge und 76 cm Höhe über Schienenoberkante vorgesehen.

Die Standardisierte Bewertung für den Ausbau ergab einen Nutzen-Kosten-Indikator von 1,42.[9] Das Land Baden-Württemberg stellte damals Fördermittel in Höhe von 37,5 Millionen Euro in Aussicht, der Zweckverband Schönbuchbahn musste rund 38,5 Millionen Euro als Eigenanteil aufbringen.[10] Am 9. März 2015 hatte der Verkehrsausschuss und am 10. März 2015 der Finanzausschuss des Kreistages dem Förderangebot des Landes zugestimmt.[11]

Das Planfeststellungsverfahren war in vier Abschnitte aufgeteilt:

  1. Neubau eines Betriebshofs mit Werkstatt und Stellwerk in Böblingen zwischen Bahnhof und Haltepunkt Danziger Straße. Umwandlung der Fahrzeughalle in Dettenhausen in eine reine Abstellhalle. Der Planfeststellungsbeschluss erging am 25. September 2015.[12]
  2. Böblingen Bahnhof bis Haltepunkt Zimmerschlag: Neubau eines zweiten Gleises vom Bahnhof Böblingen bis zum Streckenkilometer 1,55 und zweigleisiger Neubau des Haltepunkts Danziger Straße, Streckenkilometer 1,2 bis 1,3. Beseitigung des schienengleichen Bahnübergangs Herrenberger Straße in Böblingen.
  3. Haltepunkt Zimmerschlag bis Holzgerlingen Bahnhof. Neubau eines zweiten Gleises zwischen Haltepunkt Zimmerschlag und Holzgerlingen Bahnhof und Neubau eines zweiten Bahnsteigs beim Haltepunkt Zimmerschlag. Aufgabe und Rückbau des Haltepunkts Holzgerlingen Nord, Ersatz durch den neuen Haltepunkt Holzgerlingen Hülben circa 350 Meter weiter südlich. Rückbau des bestehenden Bahnsteigs im Bahnhof Holzgerlingen und Ersatz durch einen neuen Mittelbahnsteig. Beseitigung des schienengleichen Bahnübergangs Böblinger Straße in Holzgerlingen. Der Planfeststellungsbeschluss zu den Abschnitten 2 und 3 erging am 16. Juni 2016.[13]
  4. Holzgerlingen Bahnhof bis Streckenende in Dettenhausen: Verlängerung der Bahnsteige, Verbesserungen der Gleislage und der Entwässerungsanlagen.

Am 11. November 2016 begann mit dem Spatenstich für den neuen Betriebshof am Bahnhof Böblingen offiziell der Ausbau. Die Kostenschätzungen lagen damals bei circa 93,8 Millionen Euro, davon 20 Millionen Euro für den Betriebshof. Am 30. März 2017 vergab der Zweckverband Schönbuchbahn den Ausbau der Strecke für knapp zehn Millionen Euro an das Unternehmen Leonhard Weiss.[14] Für die Bauarbeiten wurde die Strecke ab 30. Juli 2017 gesperrt. Die Bauarbeiten am Bahnübergang Herrenberger Straße in Böblingen begannen am 31. August 2017, am Bahnübergang Böblinger Straße in Holzgerlingen am 18. Oktober 2017.

Im Juli 2018 wurde bekannt, dass aufgrund eines Planungsfehlers 80 von 457 Oberleitungsmasten unbrauchbar waren und ersetzt werden mussten. Dies führte zu einer rund vierwöchigen Bauverzögerung, die Inbetriebnahme sollte statt Anfang eher Ende Dezember 2018 erfolgen. Der Zweckverband kündigte an, den Planer für den entstandenen Schaden von 2,25 Millionen Euro in Regress nehmen zu wollen. Mit prognostizierten Gesamtkosten von 91 Millionen Euro lag das Projekt dabei 0,85 Millionen Euro über dem vorigen Ansatz. Die Mehrkosten seien notwendig geworden, um die Trasse auf dem steinigen Untergrund bei Holzgerlingen gegen Erschütterungen zu ertüchtigen.[15]

Die Strecke zwischen Holzgerlingen und Dettenhausen ging am 24. Februar 2019 wieder in Betrieb. Die Wiederinbetriebnahme zwischen Böblingen und Holzgerlingen war zunächst für Dezember 2018 geplant, fand jedoch nach mehreren Verschiebungen erst am 14. Dezember 2019 statt.[16] Während der Sperrung wurde ein Schienenersatzverkehr mit Omnibussen durchgeführt. Im Zuge der Wiedereröffnung erhielt die Strecke die neue Liniennummer RB 46.

Die Kosten für den Ausbau der Infrastruktur betrugen 120 Millionen Euro. Der Zweckverband hofft auf einen Fahrgastzuwachs von bislang 8.000 auf 14.000 Fahrgäste.[17] Der 15-Minuten-Takt wurde im Dezember 2019 eingeführt.

Fahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regio-Shuttle RS1
Triebwagen im Güterverkehrseinsatz, 2005
Zwei Triebwagen der Baureihe 426 am Eröffnungstag des elektrischen Betriebs in Dettenhausen

Zwischen der Regionalisierung und der Elektrifizierung kamen ausschließlich Dieseltriebwagen des Typs Stadler Regio-Shuttle RS1 zum Einsatz, die bis zu dessen Einstellung auch als Schlepptriebwagen im Güterverkehr dienten.[4] Bei Wiedereröffnung im Jahr 1996 standen zunächst vier Einheiten zur Verfügung:[18]

  • VT 430 „Dettenhausen“
  • VT 431 „Weil im Schönbuch“
  • VT 432 „Holzgerlingen“
  • VT 433 „Böblingen“

2001 wurden schließlich noch die Triebwagen VT 415 „Schönbuch“ und VT 423 „Schaichtal“ nachbeschafft, die jedoch nicht fabrikneu waren, sondern im Rahmen eines Ringtauschs von der Strohgäubahn beziehungsweise der Wieslauftalbahn übernommen wurden.

Im Juni 2013 schrieb der Zweckverband Schönbuchbahn die Beschaffung von zehn elektrischen Triebzügen, mit Option auf drei weitere später zu liefernde baugleiche Züge, europaweit aus. Die Auslieferung sollte bis September 2017 erfolgen.[19] Da keiner der infrage kommenden Anbieter passende Triebzüge im Angebot hatte,[20] wurde die Ausschreibung abgebrochen und unter geänderten technischen Bedingungen die Beschaffung von neun leichten Elektro-Triebzügen, mit Option auf zwei weitere Züge, ausgeschrieben.[21] Den Zuschlag erhielt CAF für 53 Millionen Euro. Die neun Züge der Baureihe 455 (CAF NEXIO[22]) sollten ab Dezember 2020 geliefert werden. Sie sind 40 Meter lang, verfügen über 94 Sitzplätze und 118 Stehplätze und haben eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h.[23] Ende Juni 2020 traf der erste Triebzug in Böblingen ein. Er wurde zunächst zusammen mit dem ebenfalls ausgelieferten 455 002[24] für Test- und Abnahmefahrten verwendet. Die kommerzielle Inbetriebnahme der Fahrzeuge sollte bis Ende 2021 erfolgen.[25] Die drei nachbestellten Einheiten sollten bis März 2022 folgen.[26]

Wie im August 2021 bekannt wurde, sei die für September 2021 geplante Zulassung aufgrund falsch dimensionierter Bremsen zunächst nicht absehbar. Das Eisenbahn-Bundesamt sehe in den Bremsen, die auch bei hohen Geschwindigkeiten sehr große Bremsverzögerungen (wie bei Stadtbahnen) ermöglichen, eine Gefährdung von Fahrgästen.[27] Die für Straßenbahnen dimensionierten Bremsen seien für Bahnen, die nach Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung betrieben werden, zu kräftig und müssten geändert werden.[28] Die genauen Anforderungen an die Bremsen war im September 2021 ebenso unklar wie die Frage, ob die Bremsen neu konstruiert werden müssen. Bis Ende 2021 soll ein Nachweisplan der Genehmigungsbehörden vorliegen und Klarheit schaffen. Laut Angaben des Fahrzeugherstellers hätten die Genehmigungsbehörden während der Entwicklung der Fahrzeuge die Anforderungen verändert.[29] Nachdem im Vierten Eisenbahnpaket der Begriff „Leichter Nahverkehrstriebwagen“ (LNT) definiert wurde, gelten die Fahrzeuge nicht mehr als LNT und profitieren daher auch nicht von einem erleichterten Zulassungsverfahren. Eine 2017 erfolgte Abklärung der Zulassungsbestimmungen mit dem „Landeseisenbahnamt“ war damit hinfällig. Ende 2021 war eine Lösung des Problems noch nicht absehbar.[28] Der Landkreis Böblingen ging Anfang 2022 davon aus, dass die Fahrzeuge frühestens ab Jahresende zum Einsatz kommen werden. Der Fahrzeughersteller rechnet hingegen eher mit einem späteren Einsatzbeginn. Ziel sei, eine Genehmigung für die Fahrzeuge zu erhalten, ohne eine komplett neue Bremse entwickeln zu müssen.[30]

Bis zur Ablieferung der neuen Fahrzeuge verkehren vier gebrauchte, von der Deutschen Bahn gemietete, Elektrotriebwagen der Baureihe 426 im Mischbetrieb mit den vorhandenen Regio-Shuttles, wobei die Leihfahrzeuge überwiegend während des 15-Minuten-Takts in den Hauptverkehrszeiten zum Einsatz kommen. Bei ihnen ist die erste Wagenklasse deklassiert, zudem sind sie permanent mit einem Zugbegleiter besetzt, der aufgrund der fehlenden Automaten und Entwerter den Verkauf beziehungsweise das Abstempeln der Fahrkarten übernimmt.

Planungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Regionalplan besteht eine Option, die Züge der Schönbuchbahn nach Stuttgart durchzubinden. Hierzu wird die Fläche für ein drittes Gleis von Böblingen nach Stuttgart freigehalten.[31] Eine Verlängerung über Dettenhausen hinaus bis Tübingen schätzt das Landratsamt Böblingen als unwirtschaftlich ein.[32]

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schönbuchbahn wurde in Folge 234 der SWR-Reihe Eisenbahn-Romantik vorgestellt.

Modelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von dem VT 433 der Schönbuchbahn bietet die Firma BEMO Modelleisenbahnen ein Modell im Maßstab H0 im Handel an.[33]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Landkreis Böblingen (Hrsg.): Gleisgeschichten. 100 Jahre Schönbuchbahn. Böblingen 2011
  • Peter-Michael Mihailescu, Matthias Michalke: Vergessene Bahnen in Baden-Württemberg. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1985, ISBN 3-8062-0413-6, S. 176–182.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Schönbuchbahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zweckverband Schönbuchbahn (Hrsg.): Erläuterungsbericht PFA 2 und 3. 21. Dezember 2015, S. 27 f. (PDF-Datei).
  2. a b c Allianz pro Schiene (Hrsg.): Stadt, Land, Schiene. 4. Auflage. Berlin Dezember 2014, S. 8 f. (PDF-Datei).
  3. a b c d Fakten zur Schönbuchbahn Böblingen-Dettenhausen – Ein Paradebeispiel für eine erfolgreiche Streckenreaktivierung auf vcd-bayern.de, abgerufen am 5. Januar 2020
  4. a b c d Beispiele die Wege zeigen – Die 17 Kilometer lange Schönbuchbahn von Böblingen nach Dettenhausen ist das Musterbeispiel für ein attraktives Bahnkonzept schlechthin. auf schnaittachtalbahn.de, abgerufen am 2. Januar 2020
  5. Sybille Schurr: Schönbuchbahn soll schneller werden, Sindelfinger Zeitung/Böblinger Zeitung. 29. Juli 2009.
  6. Regionalverkehrsplan. (PDF) Verband Region Stuttgart, Juli 2018, S. 57 f., abgerufen am 7. Februar 2020 (S. 59 f. im PDF).
  7. Eisenbahn-Magazin 10/2009, S. 22.
  8. Ausbau der Schönbuchbahn – Städte werden zur Kasse gebeten. In: stuttgarter-zeitung.de. 5. März 2015, abgerufen am 23. Januar 2022.
  9. Ausbau und Elektrifizierung der Schönbuchbahn: Verkehrsminister bestätigt Förderwürdigkeit des Projektes mit Kosten-Nutzen-Faktor von 1,42. Landkreis Böblingen, 4. Januar 2016, abgerufen am 8. Januar 2016.
  10. Baden-Württemberg: Ausbau und Elektrifizierung der Schönbuchbahn begonnen. In: eurailpress.de. 15. November 2016, abgerufen am 23. Januar 2022.
  11. Michael Stürm: Brav sein zum Minister. In: krzbb.de. Archiviert vom Original am 20. Juni 2018; abgerufen am 23. Januar 2022.
  12. Planfeststellungsverfahren nach §§ 18 bis 18e Allgemeines Eisenbahngesetz (AEG) für die Errichtung eines Betriebshofs in Böblingen im Rahmen von Elektrifizierung und Ausbau der Schönbuchbahn von Böblingen bis Dettenhausen; hier: Planfeststellungsbeschluss des Regierungspräsidiums Stuttgart (…). (PDF) Regierungspräsidium Stuttgart, 25. September 2015, abgerufen am 20. September 2016.
  13. Planfeststellungsbeschluss Ausbau Schönbuchbahn Abschnitte 2 und 3, Böblingen bis Holzgerlingen Az.: 24-3826.1 / ZVS - Böblingen bis Holzgerlingen. (PDF) Regierungspräsidium Stuttgart, 15. Juni 2016, archiviert vom Original am 24. Oktober 2020; abgerufen am 23. Januar 2022.
  14. DVV Media Group GmbH: Baden-Württemberg: Leonhard Weiss ertüchtigt Schönbuchbahn. In: Eurailpress. (eurailpress.de [abgerufen am 20. April 2017]).
  15. Günter Scheinpflug: Schönbuchbahn fährt vier Wochen später. In: stuttgarter-zeitung.de. 30. Juli 2018, abgerufen am 2. Oktober 2018.
  16. Michael Stürm: Erneute Verzögerung: Schönbuchbahn rollt erst ab 14. Dezember. In: krzbb.de. 16. Juli 2019, archiviert vom Original am 23. September 2020; abgerufen am 17. Juli 2019.
  17. Baden-Württemberg. In: Bahn-Report. Nr. 2, März 2020, ISSN 0178-4528, S. 67–71.
  18. Fahrzeuge des Zweckverbands Schönbuchbahn auf privat-bahn.de, abgerufen am 1. Januar 2020
  19. Lieferung E-Triebzüge ZVS, Bekanntmachung am 3. Juni 2013 (Memento vom 21. Oktober 2013 im Internet Archive)
  20. Elektrifizierung soll im Jahr 2016 starten. In: stuttgarter-zeitung.de. 13. November 2014, abgerufen am 11. April 2020.
  21. Schönbuchbahn: Erneute Ausschreibung von E-Triebwagen. In: Eurailpress. 28. Mai 2015, abgerufen am 6. Dezember 2021.
  22. Nahverkehrszug Schönbuchbahn. In: caf.net. CAF, abgerufen am 6. Dezember 2021.
  23. Hansjörg Jung: 53-Millionen-Euro-Investition für die Schönbuchbahn ist perfekt. In: bbheute.de. 11. April 2017, archiviert vom Original am 20. April 2017; abgerufen am 23. Januar 2022.
  24. CAF-NEXIO für die Schönbuchbahn. In: Eisenbahn Magazin. Nr. 12, 2020, S. 25.
  25. So sieht er aus: Erster Testzug der Schönbuchbahn angekommen. In: kzrbb.de. 26. Juni 2020, abgerufen am 27. Juni 2020.
  26. Schönbuchbahn: Erster Triebzug aus Spanien geliefert. In: Eisenbahn-Revue International. Nr. 10, Oktober 2020, ISSN 1421-2811, S. 492.
  27. Michael Stürm: Schönbuchbahn aus dem Takt. In: Stuttgarter Nachrichten. Band 76, 3. August 2021, S. 19 (ähnlicher Beitrag online – mit Bezahlschranke).
  28. a b Hansjörg Jung: Die neue Schönbuchbahn auf dem Wartegleis. In: Sindelfinger Zeitung/Böblinger Zeitung. 31. Dezember 2021, S. 43.
  29. Michael Stürm: Bremsen-Problem: Rasche Lösung nicht in Sicht. In: stuttgarter-zeitung.de. 29. September 2021, abgerufen am 6. Januar 2022.
  30. Michael Stürm: Das Startsignal ist noch nicht absehbar. In: Stuttgarter Zeitung, Böblingen. Band 78, 19. Januar 2022.
  31. Günter Scheinpflug: Böblingen bleibt vorerst Endstation. In: Stuttgarter Zeitung. Band 73, Nr. 21, 9. Juni 2017, S. 21 (unter anderem Titel online).
  32. Nahverkehr im Kreis Böblingen. In: leonberger-kreiszeitung.de. Abgerufen am 11. April 2020.
  33. Bemo: Schönbuchbahn VT 433 RegioShuttle RS1. Abgerufen am 11. April 2020.