Sins

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Dieser Artikel beschreibt die Gemeinde Sins im Kanton Aargau. Weitere Bedeutungen siehe Sins (Begriffsklärung).
Sins
Wappen von Sins
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Muriw
BFS-Nr.: 4239i1f3f4
Postleitzahl: 5643
UN/LOCODE: CH SIN
Koordinaten: 672529 / 227193Koordinaten: 47° 11′ 30″ N, 8° 23′ 44″ O; CH1903: 672529 / 227193
Höhe: 410 m ü. M.
Fläche: 20,28 km²
Einwohner: 4289 (31. Dezember 2016)[1]
Einwohnerdichte: 211 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Bürgerrecht)
19,4 % (31. Dezember 2016)[2]
Website: www.sins.ch
Sins

Sins

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Sins (schweizerdeutsch: [seis])[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Muri des Schweizer Kantons Aargau. Sie liegt im Reusstal an der Grenze zu den Kantonen Zug und Luzern. Mit über zwanzig Quadratkilometern ist es die flächenmässig zweitgrösste Gemeinde des Kantons. Bis 1941 war Meienberg der offizielle Name der Gemeinde.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde besteht aus mehreren Dörfern und Weilern sowie über das gesamte Gemeindegebiet verstreuten Einzelhöfen. Die Hauptsiedlung Sins, in der etwa zwei Drittel aller Einwohner leben, liegt knapp einen halben Kilometer vom westlichen Ufer der Reuss entfernt. Etwas erhöht am Osthang des Moränenhügels Totrist (495 m ü. M.) liegt eine ausgedehnte Neubausiedlung. Rund zwei Kilometer nördlich von Sins liegt an der Reuss das Dorf Reussegg (404 m ü. M.). Etwa eineinhalb Kilometer westnordwestlich befindet sich Meienberg (456 m ü. M.).[4]

Von hier an steigt das durch zahlreiche Bachtäler unterteilte Gelände zum Kamm des Lindenbergs an. Am Osthang, rund zweieinhalb Kilometer von Sins entfernt, liegt das Dorf Alikon (526 m ü. M.). Fast zwei Kilometer westsüdwestlich von Sins befindet sich das Dorf Aettenschwil (491 m ü. M.), auf halbem Weg nach Abtwil. Zwei Kilometer westlich davon, am Osthang des Lindenbergs, befindet sich der Weiler Holderstock (607 m ü. M.). Südlich von Aettenschwil beginnt ein über vier Kilometer langer und bis zu eineinhalb Kilometer breiter Gebietsstreifen zwischen den Gemeinden Abtwil, Dietwil und Oberrüti. Am nördlichen Ende, unmittelbar an der Grenze zu Oberrüti, liegt der Weiler Winterhalden (469 m ü. M.), nah beieinander in der Mitte das Dorf Fenkrieden (499 m ü. M.) sowie die Weiler Chrüzstross (493 m ü. M.) und Gärischwil (501 m ü. M.). Das Gelände steigt leicht an, bis zum Sulzberg (541 m ü. M.) ganz im Süden.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 2028 Hektaren, davon sind 354 Hektaren bewaldet und 195 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt der Gemeinde befindet sich auf dem Kamm des Lindenbergs auf 750 m.ü.M., der tiefste an der Reuss auf 390 m.ü.M. Die längste Nord-Süd-Ausdehnung beträgt 8.5 Kilometer, die längste Ost-West-Ausdehnung 5.5 Kilometer.

Nachbargemeinden sind Auw und Mühlau im Norden, Hünenberg im Osten, Oberrüti und Dietwil im Südosten, Inwil im Süden, Ballwil im Südwesten sowie Abtwil und Hohenrain im Westen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sins wurde erstmals 1230 urkundlich erwähnt, Alikon bereits 893 (Halahinchova), Reussegg um 1130 (Ruseca), Aettenschwil im Jahr 1179 (Agetiswilare) und Fenkrieden um 1300 (Venchrieden). Der Ortsname Sins stammt vom gallo-römischen Sentias und bedeutet «bei den Wegen».[3] Um 1230 gründeten die Habsburger das Städtchen Meienberg (Meienberch). Das befestigte Städtchen wurde 1386 während des Sempacherkriegs von den Eidgenossen geplündert und niedergebrannt. Meienberg konnte sich aufgrund der fehlenden wirtschaftlichen Basis nie mehr von diesem Schlag erholen und sank zu einem Weiler herab, blieb aber Gerichtsort. Das wirtschaftliche und politische Zentrum der Gemeinde verlagerte sich daraufhin nach Sins.

1415 eroberte Luzern das Amt Meienberg, musste es aber 1425 an den gemeinsamen Besitz der Eidgenossen zurückgeben. Aus den eroberten Gebieten wurden die Freien Ämter gebildet, eine Gemeine Herrschaft. Sins gehörte zusammen mit Auw, Beinwil (ohne Winterschwil), Abtwil, Oberrüti und Dietwil zum Amt Meienberg. Das Gebiet der heutigen Gemeinde (mit Ausnahme von Meienberg) gehörte im Mittelalter den Herren von Reussegg, die dort einen kleinen Wohnturm besassen. Im 15. Jahrhundert ging das Lehen und somit die niedere Gerichtsbarkeit an Luzerner Bürger und schliesslich an die Stadt Luzern über. Mindestens seit 1246 bestand in Sins eine Fähre über die Reuss. 1640/41 baute Zug die Reussbrücke Sins–Hünenberg.

Gefecht von Sins

Während des Zweiten Villmergerkriegs kam es am 20. Juli 1712 zum Gefecht von Sins rund um die Brücke und die Pfarrkirche, als die katholischen Innerschweizer die reformierten Berner vertrieben. Das Gefecht forderte rund 500 Tote, der Sieg war aber letztlich bedeutungslos, da die Innerschweizer fünf Tage später die entscheidende Zweite Schlacht von Villmergen verloren. Im März 1798 eroberten die Franzosen die Schweiz und riefen die Helvetische Republik aus. Sins gehörte zum Distrikt Muri im kurzlebigen Kanton Baden, seit 1803 ist es eine Gemeinde des neuen Kantons Aargau. Zuger Truppen zerstörten am 10. November 1847 im Sonderbundskrieg die Brücke zur Hälfte, um den Vormarsch von Dufours Truppen zu stoppen. Diese Massnahme erwies sich als wirkungslos, da Zug zwei Wochen später vor den liberalen Kräften kapitulierte. Eine Notbrücke wurde errichtet und der Ostteil bis 1852 wieder hergestellt.

Am 1. Dezember 1881 erhielt Sins mit der Eröffnung der letzten Etappe der Aargauischen Südbahn einen Anschluss an das Eisenbahnnetz. Im nahe gelegenen Rotkreuz gab es ein Jahr später einen direkten Anschluss an die Gotthardbahn. 1940 liess sich der erste Industriebetrieb nieder, eine Aluminiumfabrik der Lonza. Am 1. Oktober 1941 änderte die Gemeinde ihren Namen von Meienberg in Sins, um den Bedeutungszuwachs dieses Ortsteils zum Ausdruck zu bringen. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts weist die Bevölkerungszahl ein konstantes Wachstum auf, mit Ausnahme einer Stagnationsphase in den 1950er Jahren.

Überschwemmung Reussegg 2004

Die jahrhundertealte Reussbrücke konnte den zunehmenden Verkehr nicht mehr bewältigen, zusammen mit dem anschliessenden Bahnübergang bildete er einen Flaschenhals. Nach knapp dreijähriger Bauzeit wurde 1996 südlich davon eine neue Brücke eröffnet; die alte Brücke ist seither Fussgängern und Fahrradfahrern vorbehalten. Auch die Gemeinde Sins war von den schweren Regentagen im September 2004 betroffen. Die alte Holzbrücke kam mit leichten Schäden davon. Im kleinen Weiler Reussegg waren jedoch landwirtschaftlich genutzte Flächen an der Reuss weitgehend überschwemmt. In der angrenzenden Gemeinde Hünenberg wurden im darauf folgenden Jahr Baumassnahmen durchgeführt, um weitere Überschwemmungen auf beiden Seiten der Reuss in Zukunft zu verhindern.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Amtshaus in Meienberg

Etwas nördlich des Dorfzentrums von Sins befindet sich auf einer erhöhten Geländestufe der frühere Kirchenbezirk. Erhalten geblieben sind die barocke Pfarrkirche Maria Geburt (erbaut zwischen 1744 und 1748) und das im Jahr 1726 errichtete Gemeindehaus, das bis 1953 als Pfarrhaus diente. Der Ort Meienberg lässt stellenweise die Herkunft als mittelalterliches befestigtes Städtchen erkennen. Er liegt auf einem halbmondförmigen Hügel und weist Überreste einer Stadtmauer und eines Grabens auf. Das aus dem Mittelalter stammende Amtshaus wurde 1575 wieder aufgebaut und erhielt 1765 sein heutiges Aussehen.[5]

Mehrere der kleineren Dörfer der Gemeinde besitzen eine Kapelle. Es sind dies die Eligiuskapelle in Meienberg (erbaut 1553), die Verenakapelle in Aettenschwil (erbaut 1574/75), die Andreaskapelle in Holderstock (erbaut 1665), die Wendelinskapelle in Fenkrieden (erbaut 1684, vergrössert 1844), die Jost- und Antoniuskapelle in Alikon (erbaut 1756) und die Vierzehn-Nothelfer-Kapelle in Gärischwil aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.[5]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Weiss auf grünem Dreiberg drei rote, gelb bebutzte Rosen mit grünen Kelchblättern, Stängeln und Blättern.» Das Wappen ist vom Banner des Amtes Meienberg abgeleitet, welches 1531 verliehen wurde. Das Wappen des Amtes Meienberg zeigte auf weissem Grund eine grüne Linde auf einem Dreiberg. Bis 1821 war ein nicht näher definierter Baum abgebildet, der dann durch drei Rosen ersetzt wurde. Es ist ein «redendes» Wappen und stellt eine «Meien» (Wiese) dar, was wiederum auf das alte Städtchen Meienberg hinweist.[6]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[7]

Jahr 1803 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 1'136 1'788 1'480 1'689 2'160 2'195 2'435 2'625 2'956 3'282 4'055

Am 31. Dezember 2016 lebten 4289 Menschen in Sins, der Ausländeranteil betrug 19,4 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 71,6 % römisch-katholisch, 12,6 % reformiert, 1,2 % christlich-orthodox und 5,2 % moslemisch; 0,9 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[8] 92,7 % gaben Deutsch als Hauptsprache an, 2,0 % Serbokroatisch, 1,3 % Albanisch, 0,9 % Portugiesisch, je 0,7 % Italienisch und Türkisch.[9]

Politik und Recht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Muri zuständig. Auf lokaler Ebene gibt es einen Friedensrichter, der auch für die Gemeinden Abtwil, Auw, Dietwil und Oberrüti verantwortlich ist.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemäss Betriebszählung 2008 werden in rund 250 Betrieben etwa 1800 Arbeitsplätze angeboten. Der Anteil der Beschäftigten in der Landwirtschaft beträgt 17 %, auf die Industrie entfallen 39 %, auf Dienstleistungen 44 %.[10] Die wichtigsten Industriezweige sind die Stahlverarbeitung und die Herstellung von Schaumstoffen. Ein bedeutendes Unternehmen mit Sitz in Sins ist 3A Composites (ehemals Airex AG). Zahlreiche Erwerbstätige arbeiten in den Agglomerationen der Städte Zug und Luzern.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Sins

Sins ist der Kreuzungspunkt der Hauptstrasse 25 (LenzburgZug) mit den Strassen nach Bremgarten und Luzern und besitzt einen Bahnhof an der SBB-Linie AarauArth-Goldau. Buslinien der Zugerland Verkehrsbetriebe verkehren nach Gisikon-Root, Auw und Cham. Der nächste Autobahnanschluss an die A14 befindet sich zwei Kilometer östlich des Dorfkerns bei Cham, nach Passieren der Reussbrücke Sins–Hünenberg.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über sämtliche Schulstufen der obligatorischen Volksschule (Primarschule, Realschule, Sekundarschule, Bezirksschule). In Sins befinden sich vier Kindergärten und drei Schulhäuser. Darüber hinaus gibt es im Dorf Aettenschwil ein Primarschulhaus und einen Kindergarten, in Alikon gab es bis Sommer 2016 ein zusätzliches Primarschulhaus.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Germann: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Band V: Der Bezirk Muri. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 55). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1967, DNB 457321970.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sins – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerungsentwicklung zweites Halbjahr 2016. Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2017, abgerufen am 4. März 2017 (PDF, 779 kB).
  2. Bevölkerungsentwicklung zweites Halbjahr 2016. Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2017, abgerufen am 4. März 2017 (PDF, 779 kB).
  3. a b Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100. Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 397–399.
  4. a b Landeskarte der Schweiz, Blatt 1130 und 1131, Swisstopo
  5. a b Georg Germann: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Hrsg.: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Band V: Bezirk Muri. Birkhäuser Verlag, Basel 1967.
  6. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 277.
  7. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  10. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.