Hohenrain

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Hohenrain (Begriffsklärung) aufgeführt.
Hohenrain
Wappen von Hohenrain
Staat: Schweiz
Kanton: Luzern LU
Wahlkreis: Hochdorf
BFS-Nr.: 1032i1f3f4
Postleitzahl: 6276 (Hohenrain)
6277 (Kleinwangen)
6277 (Lieli)
UN/LOCODE: CH HOH
Koordinaten: 666601 / 226005Koordinaten: 47° 10′ 54″ N, 8° 19′ 2″ O; CH1903: 666601 / 226005
Höhe: 606 m ü. M.
Fläche: 23,52 km²
Einwohner: 2539 (31. Dezember 2015)[1]
Einwohnerdichte: 108 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne Bürgerrecht)
7,5 % (31. Dezember 2015)[2]
Website: www.hohenrain.ch
Karte
Hallwilersee Baldeggersee Gütschweiher Sempachersee Steinibuelweier Rotsee Vierwaldstättersee Zugersee Kanton Aargau Kanton Schwyz Kanton Zug Kanton Zürich Wahlkreis Entlebuch Wahlkreis Luzern-Land Wahlkreis Luzern-Stadt Wahlkreis Sursee Aesch LU Altwis Ballwil Emmen LU Ermensee Eschenbach LU Hitzkirch Hitzkirch Hochdorf LU Hohenrain Inwil Rain LU Römerswil Rothenburg LU Schongau LUKarte von Hohenrain
Über dieses Bild
ww

Hohenrain ist eine politische Gemeinde im Wahlkreis Hochdorf des Kantons Luzern in der Schweiz. Auf den 1. Januar 2007 wurde die Fusion mit der Gemeinde Lieli LU rechtskräftig. Die neue Gemeinde heisst weiterhin Hohenrain.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hohenrain liegt im Osten, Nordosten und Norden von Hochdorf. Zur Gemeinde gehören das Dorf sowie zahlreiche Ortsteile, Weiler, Häusergruppen und Einzelgehöfte.

Das Dorf selber liegt auf einem südwestwärts liegenden Hang des Lindenbergs. Gleich nördlich des Dorfs liegt in einer Entfernung von 1 km der Weiler Günikon (580 m ü. M.). Durch diese Siedlung fliesst der Stägbach. Nordnordöstlich von Günikon liegt eine grössere Waldpartie, der Güniker Tannwald. Südöstlich des Dorfs liegt der Weiler Oberebersol (560 m ü. M.). Östlich von Oberebersol liegen der Grütwald, der Oberebersolerwald und der Hiltiwald.

Weiter südlich an der Strasse Hohenrain-Ballwil liegt der Ortsteil Ottenhusen (2 km südsüdöstlich vom Dorf, nahe Ballwil; 524 m ü. M.). An der Grenze zum Kanton Aargau im Osten von Ottenhusen liegen der Tannwald und der Steinbruchwald. Nahe Hochdorf, 1,2 km südwestlich von Hohenrain, liegt der Weiler Unterebersol (513 m ü. M.).

Im Nordwesten der Gemeinde liegt der Ortsteil Kleinwangen (549 m ü. M.), der aus den Teilen Unterdorf, Rütihubel und Oberdorf besteht. Gleich südwestlich von Kleinwangen liegt der heute mit dem Unterdorf zusammen gewachsene Weiler Ferren (499 m ü. M.). Durch beide fliesst der Spittlisbach (dem Baldeggersee zu). Zwei weitere Bäche fliessen nördlich von Kleinwangen und Ferren in südwestlicher Richtung dem Baldeggersee zu: der Höhebach und der Scheidbach. Ein Teil des Laufs des Letzteren bildet die Gemeindegrenze zu Gelfingen. Nordöstlich von Kleinwangen-Oberdorf liegen der Buchwald und der Wanger Tannwald, in welchem sowohl der Spittlis- wie der Höhebach entspringen.

Die vom Dorf am weitesten entfernten Häusergruppen sind Sennenmoos (hinter dem Chramiswald; 3,7 km südöstlich des Dorfs) und Ober-Ilau (3,6 km nördlich des Dorfs). Der höchste Punkt der Gemeinde befindet sich im Lieliwald auf 850 m ü. M., der tiefste nahe Baldegg auf 472 m ü. M.

Vom Gemeindeareal von beinahe 20 km² wird 76,7 % landwirtschaftlich genutzt. 17,5 % sind mit den oben erwähnten Wäldern bedeckt und 5,9 % Siedlungsfläche.

Hohenrain grenzt im eigenen Kanton an Ballwil, Hitzkirch und Hochdorf. Im Osten grenzt es an die aargauischen Gemeinden Abtwil, Auw, Beinwil (Freiamt) und Sins.

Ortsteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ottenhusen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Johannes-Kapelle Wann die erste Kapelle errichtet wurde, ist nicht bekannt. Es ist möglich, dass sie bereits im 17. Jahrhundert entstanden, wie der Historiker Konrad Lütolf 1902 im Geschichtsfreunde schrieb. Damals wurden in der Innerschweiz viele Kapellen erbaut. Das Patrozinium Johannes des Täufers geht auf die Johanniterkommende Hohenrain zurück. Bis zur Zuteilung nach Ballwil um 1812 gehörte Ottenhusen zur alten Pfarrei Hochdorf. Die Kapelle wird erstmals im ältesten Buch der Korporation erwähnt. Es ist dies ein 1762 begonnenes Zinsbuch. Am 19. Juli 1840 beschloss die Korporationsgemeinde Ottenhusen, die Kapelle neu zu erbauen und jene Kosten zu übernehmen, die nicht von Wohltätern beigesteuert würden.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1798 1'228
1816 1'741
1850 2'008
1870 1'793
1900 1'685
1920 2'094
1970 2'014
1980 1'929
2000 2'240
2005 2'357
2010 2'365

Die Zahl der Einwohner stieg von 1798 bis 1850 stark an (1798–1850: +63,5 %). Dann setzte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine massive Abwanderung in die Industriegebiete ein (1850–1900: −16,1 %). Besonders stark war diese von 1850 bis 1870. Von 1900 bis 1920 gab es ein starkes Bevölkerungswachstum (1900–1920: +24,3 %). Dann stabilisierte sich die Zahl der Einwohner bis 1970 bei 2'000 bis 2'100 Einwohnern. In den 1970er-Jahren fiel sie nochmals leicht und wuchs dann bis zur Jahrtausendwende auf einen historischen Höchststand an. Seither ist die Einwohnerzahl leicht schwankend.

Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bevölkerung benutzt als Umgangssprache eine hochalemannische Mundart. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 gaben 95,98 % Deutsch, 1,12 % Albanisch und 0,49 % Portugiesisch als Hauptsprache an.

Religionen - Konfessionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In früheren Zeiten gehörten alle Bewohner der Römisch-Katholischen Kirche an. Durch Kirchenaustritte und Zuwanderung aus anderen Regionen der Schweiz und dem Ausland hat sich dies geändert. Heute (Stand 2000) gibt es 83,21 % römisch-katholische und 7,63 % evangelisch-reformierte Christen. Daneben findet man 3,75 % Konfessionslose, 1,29 % Muslime und 0,67 % Angehörige anderer nichtchristlicher Religionen (meist Hindus tamilischer Herkunft). Die Muslime sind albanischer, kurdischer und türkischer Abstammung.

Herkunft - Nationalität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende 2014 waren von den 2'481 Einwohnern 2'317 Schweizer und 164 (= 6,6 %) Ausländer.[3] Die Einwohnerschaft bestand aus 93,4 % Schweizer Staatsbürgern. Ende 2014 stammten die ausländischen Einwohner aus Deutschland (47,0 %), Serbien inklusive Kosovo (12,8 %), Italien (6,1 %) und Portugal. 18,9 % stammten aus dem übrigen Europa und 9,8 % waren aussereuropäischer Herkunft.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Johanniterkommende Hohenrain

Wie der Fund eines Opferdepots von 25 Schwertern aus der Bronzezeit im Gebiet Oberillau belegt, war die Gemeinde schon früh besiedelt. Bei Oberebersol wurden Skelettgräber aus der La-Tène-Zeit entdeckt. Auf Gemeindegebiet liegen zudem zahlreiche römische Fundstellen, so bei Ferren, auf der Höchi bei Kleinwangen und in Ottenhusen, wo 1851 bei den Fundamenten einer römischen Villa u.a. eine Bronzestatue des Gottes Merkur (aus der Zeit des Kaisers Trajan) geborgen wurde.

In historischer Zeit wird der Ortsteil Ferren als Erster namentlich erwähnt. Er ist im Jahr 893 als Besitztum der Fraumünsterabtei Zürich aufgeführt.

Um 1175/1180 entsteht die Kommende Hohenrein des Johanniterordens (Ersterwähnung 1182/83, die Entwicklung zu einem Konvent mit Prior muss um 1180 abgeschlossen gewesen sein)[5]. Alle heutigen Ortsteile unterstanden der Herrschaft dieser Kommende. Bis 1413 steht sie unter der Oberherrschaft der Habsburger. In diesem Jahr wird ein Burgrechtsvertrag mit der Stadt Luzern abgeschlossen. Da in den Jahren 1523 bis 1542 kein Komtur in Hohenrain anwesend ist, übt in dieser Zeit Luzern die Hoheit aus. Im Jahr 1798 kommt die Komturei zum Distrikt Hochdorf, ab 1803 als Gemeinde zum neu geschaffenen Amt Hochdorf. Die Kommende wird 1807 liquidiert und 1847 in den historischen Gebäuden eine Taubstummenanstalt eingerichtet. Heute besteht hier das kantonale Heilpädagogische Zentrum (HPZ) Hohenrain. Vom mittelalterlichen Baubestand der Kommende sind wesentliche Teile aus dem späten 12. und dem 13. Jahrhundert bis heute erhalten.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat Hohenrain besteht aus sechs Mitgliedern und ist wie folgt aufgestellt:

  • Herbert Schmid (CVP): Gemeindepräsident
  • Markus Vanza (parteilos): Gemeindeschreiber
  • Stephan Egli (CVP): Bildung, Öffentliche Sicherheit
  • Jörg Muggli (FDP): Verkehr, Baupolizei, Energie
  • Brigitte Pfrunder-Rüttimann (CVP): Gesundheit, soziale Wohlfahrt, Vormundschaftswesen
  • Fredy Winiger (SVP): Finanzen, Infrastruktur, Umweltschutz, Volkswirtschaft

Kantonsratswahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Kantonsratswahlen 2015 des Kantons Luzern betrugen die Wähleranteile in Hohenrain: CVP 38,8 %, SVP 32,4 %, FDP 12,4 %, SP 7,5 %, GPS 4,6 %, glp 3,0 %.[6]

Nationalratswahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Schweizer Parlamentswahlen 2015 betrugen die Wähleranteile in Hohenrain: SVP 39,5 %, CVP 32,2 %, FDP 9,5 %, SP 7,4 %, glp 4,3 %, GPS 4,0 %, BDP 1,0 %.[7]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde ist durch die Buslinie Hochdorf–Hohenrain–Hochdorf ans Netz des Öffentlichen Verkehrs angeschlossen. In Hochdorf liegt die nächstgelegene Bahnstation (an der Linie Luzern–Lenzburg).

Hohenrain liegt an keiner wichtigen Strassenverbindung. Von Ballwil führt eine Strasse in nördlicher Richtung bis Hämikon. Ausserdem gibt es eine Strasse hinunter nach Hochdorf. Die nächstgelegenen Autobahnanschlüsse sind Sempach in 12 Kilometer und Emmen-Nord in 16 Kilometer Entfernung. Beide liegen an der A2.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Josef Leu (1800–1845), Schweizer Politiker
  • Franziska Dosenbach (1832–1917), geboren in Kleinwangen, die spätere Gründerin des Schuhhauses Dosenbach

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hohenrain – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde (Ständige Wohnbevölkerung)
  3. Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung nach demographischen Komponenten, institutionellen Gliederungen, Staatsangehörigkeit und Geschlecht (Bundesamt für Statistik, STAT-TAB)
  4. LUSTAT: Gemeindeprofil Hohenrain
  5. Stefan Jäggi, Johanniter und Deutscher Orden im Luzerner Seetal. Jahrbuch der Historischen Gesellschaft Luzern 25 (2007), 13.
  6. LUSTAT: Gemeindeprofil Hohenrain
  7. Nationalratswahlen 2015: Stärke der Parteien und Wahlbeteiligung nach Gemeinden. In: Ergebnisse Nationalratswahlen 2015. Bundesamt für Statistik, 2016, abgerufen am 1. Juni 2016.