Toniebox

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Toniebox mit Spielfigur

Toniebox ist ein würfelförmiges, für Kinder konzipiertes Tonabspielgerät mit sehr einfacher Bedienung. Das Gerät wird seit 2016 von der Firma Boxine GmbH mit Sitz in Düsseldorf vertrieben.[1][2]

Funktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gerät arbeitet ohne direkten Tonträger. Audioinhalte wie Musik oder Hörspiele werden aus dem Internet von Servern des Herstellers geladen und symbolisch über spezielle Spielfiguren, Tonie genannt, aktiviert.[3] Die Box enthält einen Akku, der über eine Bodenplatte geladen werden kann.

Jede Figur enthält einen Near-Field-Communication-Chip der Marke NXP im Standard ISO 15693 ICODE SLIX-L[4], der bei Kontakt mit der Box das zugeordnete Audio wiedergibt. Wird beispielsweise eine spezielle Bibi-Blocksberg-Figur auf das Gerät gestellt, löst dies das Abspielen der zu dieser Figur passenden Geschichte aus.[3] Der Inhalt wird vor dem ersten Abspielen über WLAN (beschränkt auf das 2,4-GHz-Band) in die Box geladen. Außer einer Lautstärkeregelung enthält die Box keine Bedienelemente. Durch leichte Schläge auf die Seite können die Kapitel bzw. Titel gewechselt und durch seitliches Kippen kann einige Sekunden vor- und zurückgespult werden.[5] Ein in die Figur eingelassener Magnet verhindert, dass die Figur sich zu leicht von der Box löst, wenn die Spulfunktion genutzt wird oder die Box transportiert wird. Die Audio-Speicherkapazität der Box beträgt 400–500 Stunden, die Akkulaufzeit etwa 7 Stunden.[6][7]

Audio-Angebot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kinder von zwei[8] bis acht Jahren bilden die Hauptzielgruppe. Mit den über 200 verschiedenen (Stand April 2020) Tonie-Figuren können vor allem Kinderlieder, Hörspiele und Hörbücher abgespielt werden. Neben deutschsprachigen Kinderbuchklassikern wie Das Sams, Conni, Benjamin Blümchen, Der Räuber Hotzenplotz oder Der kleine Prinz sind z. B. auch Hörausgaben der Reihe Was ist was verfügbar. Kooperationspartner sind seit 2019 Die Playmos[1] und Disney.[9]

Einige Figuren (Kreativ-Tonies) können mit beliebigen Inhalten, jedoch maximal 90 Minuten,[10][11] belegt werden.[7] Dazu werden über ein Smartphone oder den Webbrowser zunächst die Stücke auf den Server des Herstellers kopiert, von wo man sie dann über die Kreativ-Tonies auf seine Toniebox laden kann.

Herstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die aus Hartgummi bestehenden Figuren werden in Tunesien hergestellt, die Toniebox selbst wird in China produziert.[2]

Erfolg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem die beiden Gründer Patric Faßbender und Marcus Stahl bis 2017 an Verlage herangetreten waren, um Lizenzen zu erwerben, bekam das Unternehmen ab 2018 Anfragen von den Verlagen selbst. Die Verkaufszahlen nahmen jedes Jahr überproportional zu, weswegen es 2017 und 2018 jeweils an Weihnachten zu Lieferengpässen kam und die Box sowie viele Figuren ausverkauft waren. Verkauften die Gründer 2016 noch 30.000 Boxen, waren es 2017 bereits 148.000 Einheiten.[2] Im Jahr 2018 wurden nach eigenen Angaben (Stand Dez. 2018) ca. 600.000 Boxen[12] und 2,7 Millionen Figuren verkauft. Von 2017 bis 2020 wuchs der Umsatz des Unternehmens Boxine GmbH auf weit mehr als 100 Millionen Euro. Bis zum Jahr 2020 wurden insgesamt knapp zwei Millionen Tonieboxen und rund 20 Millionen Toniefiguren verkauft.[13]

Im Jahr 2016 wurde die Toniebox mit dem Red Dot Design Award ausgezeichnet. 2017 folgte der German Design Award und der iF Design Award. 2019 erhielt Boxine den Deutschen Gründerpreis in der Kategorie Aufsteiger.[14]

Die Tonieboxen sind mittlerweile auch in Großbritannien und Irland erhältlich. Seit dem Weihnachtsgeschäft 2020 gibt es die Toniebox in den USA und Alaska in über 350 Geschäften und bei Amazon.[15]

Die IG Hörbuch, ein Zusammenschluss der im Börsenverein des deutschen Buchhandels organisierten Hörbuchverlage und -händler, verlieh 2020 ihre Auszeichnung „Hörbuchmensch des Jahres“ an die beiden Erfinder der Toniebox, Patric Faßbender und Marcus Stahl. Die Ehrung wird seit 2013 verliehen an Persönlichkeiten, die sich besonders um das Medium Hörbuch verdient gemacht haben.[16]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gelobt wird vielfach das einfache Bedienkonzept der Toniebox.[6][7][17]

Kritisiert werden die hohen Anschaffungskosten der Box sowie der Figuren.[6] Darüber hinaus gibt es mehrere Bedenken bzgl. des Datenschutzes:[18] Um das Gerät nutzen zu können, muss man sich mit seiner E-Mail-Adresse anmelden und einen Account für die Tonie-Cloud (Internetserver des Herstellers) anlegen. Eine Nutzung der Toniebox ohne die Tonie-Cloud sei praktisch unmöglich. Zudem werde jeder Bedienungsschritt aufgezeichnet und die Toniebox muss an jedem neuen WLAN erneut registriert werden, was theoretisch eine Überwachung durch den Hersteller ermögliche. Der Verwendung der Daten für werbliche Zwecke müsse man explizit widersprechen.[19] Die Abhängigkeit von der Cloud des Herstellers habe zudem den Nachteil, dass das Gerät nutzlos werde, sollte der Hersteller mal pleitegehen, was bei konventionellen Abspielgeräten nicht der Fall ist.[18]

In einem Vergleich verschiedener Kinder-Musikboxen der Stiftung Warentest wurde die Toniebox mit 3,0 („befriedigend“) bewertet. Testsieger war das Gerät Hörbert (1,8, „gut“).[17]

Aufgrund verschiedener Restriktionen kommerzieller Musikboxen wie der Toniebox sowie der Konkurrenten Hörbert, Tigerbox, Jooki, Qleek-Box und Dog Box wurden verschiedene Bauanleitungen für freie Alternativen entwickelt und im Internet veröffentlicht.[20][21][11][22]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Neuer Lizenzpartner für die Tonies – Playmobil kommt auf die Box. In: Börsenblatt. 10. Januar 2019, abgerufen am 26. April 2019.
  2. a b c Milena Hassenkamp: Toniebox: Nie mehr verkratzte Conni-CDs. In: Zeit Online. 1. März 2018, abgerufen am 28. April 2019.
  3. a b Aaron Clamann: Toniebox: Jim-Knopf-Figur erscheint nicht wegen Rassismus-Debatte. In: Berliner Morgenpost. 13. November 2018, abgerufen am 24. April 2019.
  4. Gambrius: Inside Tonie Figurine. In: Gambrius Tech Blog. Abgerufen am 15. April 2020.
  5. Die Toniebox ist ein digitaler Kassettenrekorder für Kinder (und Eltern). In: Wired. Condé Nast, März 2017, ISSN 1059-1028 (online [abgerufen am 15. März 2018]).
  6. a b c Christian Schwalb: Boxine Toniebox im Test. In: Chip Online. 10. Januar 2020, abgerufen am 9. August 2020.
  7. a b c Christoph Schroeter: Toniebox - Hörspiel-Würfel mit Ohren. In: RP Online. 19. November 2019, abgerufen am 9. August 2020.
  8. Wie gut sind Abspielgeräte für Kindermusik und Hörspiele? In: MDR Jump. 11. Dezember 2019, abgerufen am 9. August 2020.
  9. Disneyhelden für die Toniebox. In: Börsenblatt. 29. Januar 2019, abgerufen am 26. April 2019.
  10. Software-Update für die Toniebox. In: privates Blog daddydoes.de. 6. März 2017, abgerufen am 9. August 2020.
  11. a b WheezyBox 2.0 (alternative Toniebox). In: privates Blog daddydoes.de. 18. April 2019, abgerufen am 9. August 2020.
  12. Christoph Borschel: Toniebox-Erfinder aus Düsseldorf: „Mit diesem Erfolg hätten wir selbst nicht gerechnet“. 17. Dezember 2018, abgerufen am 21. Dezember 2018.
  13. 20 Millionen verkaufte Tonies - Boxine GmbH will weiter wachsen. In: ihkmagazin.de. 1. Oktober 2020. Abgerufen am 29. Oktober 2020.
  14. Tonies gewinnen den Gründerpreis 2019. 3. Juli 2019, abgerufen am 30. Januar 2020.
  15. Florian Rinke: Interview mit Patric Faßbender und Marcus Stahl: Wir sind jetzt sogar in Alaska verfügbar. In: Rheinische Post. 14. November 2020, S. B1. Online-Version. 13. November 2020, abgerufen am 14. November 2020.
  16. Ritterschlag für Tonies-Erfinder, boersenblatt.net vom 13. November 2020, abgerufen 15. November 2020
  17. a b Kay Kaßbohm: Musikbox für Kinder im Test: Sieger der Stiftung Warentest. In: Chip Online. 25. Juni 2020, abgerufen am 9. August 2020.
  18. a b Toniebox: Kinderfreundliches Bedienkonzept – und der Datenschutz?, kuketz-blog.de, 7. Januar 2019, abgerufen am 8. August 2020.
  19. Elisabeth von Sydow: Toniebox: Sicherheit und Datenschutz - alle Infos. In: Chip Online. 28. Januar 2019, abgerufen am 9. August 2020.
  20. Wochenend-Projekt: Kontaktlose Musikbox für Kinder. In: iphone-ticker.de. 23. Februar 2018, abgerufen am 9. August 2020.
  21. Selfmade Phoniebox / Jukebox 4 Kids. In: privates Blog splittscheid.de. 28. Oktober 2018, abgerufen am 9. August 2020.
  22. heise online: Tonuino: DIY-Musikbox mit RFID-Karten und Arduino. Abgerufen am 30. Januar 2021.