Tschiller: Off Duty

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Filmdaten
OriginaltitelTschiller: Off Duty
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Erscheinungsjahr2016
Länge140 Minuten
AltersfreigabeFSK 16[1]
JMK 14[2]
Stab
RegieChristian Alvart
DrehbuchChristoph Darnstädt
ProduktionChristian Alvart,
Timm Oberwelland,
Til Schweiger,
Tom Zickler
MusikMartin Todsharow
KameraChristof Wahl
SchnittMarc Hofmeister
Besetzung
Chronologie

← Vorgänger
Freies Land

Nachfolger →
Die Musik stirbt zuletzt

Tschiller: Off Duty (englisch für ‚Außer Dienst‘ oder ‚Dienstfrei‘) ist ein deutscher Actionfilm aus dem Jahr 2016. Er zählt zum Serienuniversum der Fernsehreihe Tatort und knüpft inhaltlich an die Tatort-Episode Fegefeuer an, die im Januar 2016 erstmals ausgestrahlt wurde. In den Hauptrollen sind Til Schweiger und Fahri Yardım in ihren aus dem Tatort bekannten Rollen als Nick Tschiller und Yalcin Gümer zu sehen. Der Film startete am 4. Februar 2016 in den deutschen Kinos[3] und hatte am 8. Juli 2018 Fernsehpremiere in der Tatort-Reihe in Das Erste.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem der kurdische Kriminelle Firat Astan am Ende des Fernsehfilms Fegefeuer festgenommen wurde, ist er an die türkische Justiz nach Istanbul ausgeliefert worden. In Hamburg hatte er unter anderem die Frau des Polizisten Nick Tschiller ermordet. Tschillers Tochter Lenny macht sich auf den Weg nach Istanbul, um sich für den Tod ihrer Mutter an Astan zu rächen. Astan kann sie überwältigen und Lenny gerät kurz darauf in Gefangenschaft.

Nick Tschiller reist nach Istanbul, um Lenny zurückzuholen. Er spürt Astan auf, der vor seinen Augen liquidiert wird, kurz nachdem er Tschiller mitteilen konnte, dass Lenny von dem Menschenhändler Süleyman Şeker nach Moskau verkauft wurde. Tschiller wird von der türkischen Polizei wegen der Tötung Astans inhaftiert. Sein Kollege und Freund Yalcin Gümer befreit ihn aus dem Gefängnis und beide nehmen die Verfolgung nach Moskau auf.

In Moskau kommen sie, Astans Hinweis folgend, einem Organhändlerring um den deutschen Arzt Dr. Schmidt, genannt Der Sandmann, auf die Spur, der den aus der Türkei importierten Mädchen Organe entnimmt und diese verkauft. Tschiller und Gümer finden heraus, dass Lenny eine Bombe implantiert wurde, mit der Şeker einen Anschlag auf den Industriellen Alexander Kinskij plant. Sie können Lenny in letzter Sekunde aufspüren, Gümer kann Şeker mithilfe eines russischen Kollegen eliminieren und Tschiller die Bombe gerade noch rechtzeitig aus dem Körper seiner Tochter entfernen.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tschiller: Off Duty wurde vom 14. Juli bis zum 15. September 2015 an 41 Drehtagen mit einem Budget von acht Millionen Euro in Hamburg, Berlin, Istanbul und Moskau gedreht.[4] Gefördert wurde der Film durch die Filmförderungsanstalt (756.000 €), das Medienboard Berlin-Brandenburg (800.000 €) und die Filmförderung Hamburg (200.000 €).[3][5] Der Norddeutsche Rundfunk co-produzierte den Film und übernahm etwas mehr als ein Fünftel der Produktionskosten.[4][6]

Die schlechten Drehbedingungen bzgl. Tariflohn und eine unverhältnismäßig schwache Kommunikation und Organisation der ausführenden Filmproduktionsfirma Syrreal Entertainment des Regisseurs Christian Alvart wurden bei Umfragen unter den beteiligten Filmschaffenden für den alljährlich von der Vereinigung der Berufsverbände Film und Fernsehen verliehenen FairFilmAward auf den vorletzten Platz aller in Deutschland produzierten Film- und Fernsehproduktionen gewählt. 31.000 Mitarbeiter waren von den Berufsverbänden aufgerufen, Filmproduktionen und die ausführenden Produktionsfirmen in Hinblick auf Tarifkonformität, Kommunikation und Organisation zu bewerten.[7][8]

Der Film ist nach Zahn um Zahn (1985) und Zabou (1987) die dritte fürs Kino produzierte Tatort-Episode.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor dem Kinostart wurde der Film nur ausgewählten Pressevertretern gezeigt, weshalb viele Medien auf eine Berichterstattung verzichteten.[9]

Susanne Sturm von der TV Spielfilm bewertete den Film positiv als „große Action für kleines Budget. Wer Nick Tschiller mag, wird Off Duty lieben“.[3]

Kinokino, das Filmmagazin des Bayerischen Fernsehens, urteilte dagegen: „Tschiller: Off Duty ist hirnloser Männerquatsch mit gewaltig Rumms. Gott sei Dank gibt’s Fahri Yardim; der sorgt für ein bisschen Ironie im Film.“[10] Auch der Filmdienst meinte, dass der Film „als inhaltlich sinnfreier, dank dichter Actionszenen aber durchaus packender Thriller“ konzipiert sei und die „Kraftmeierei“ und die „Selbstjustiz-Haltung“ Tschillers störend seien.[11]

Sophie Albers Ben Chamo vom Stern ist der Ansicht, dass Off Duty „großartiges Old-School-Actionkino, das es so bisher in Deutschland nicht gegeben hat – mit einem zerfurchten Helden, seinem humorbegabten Sidekick, einem wirklich unangenehmen Bösewicht und einer aberwitzigen Geschichte, die alle durch mehrere Länder jagt“ sei.[12]

Angesichts vieler Unwahrscheinlichkeiten und einem Schluss, in welchem der Protagonist ohne chirurgische Ausbildung seiner Tochter ohne Narkose die Bombe aus dem Leib schneidet, flüchtete Peter Praschl im Feuilleton der Welt in die Ironie: „Nur pedantische Trottel bestehen darauf, dass Kunst das Realitätsprinzip akzeptieren soll“.[13]

Erfolg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach rund 117.000 Zuschauern am ersten Wochenende kam der Film Off Duty am zweiten Wochenende auf rund 67.000 Besucher, lag am dritten Wochenende bei rund 25.000 Zuschauern und blieb somit deutlich unter den Erwartungen, auch unter Berücksichtigung der erheblichen Publicity im Vorfeld.[9][14][15] Bis Ende März 2016 hat der Film knapp 280.000 Zuschauer erreicht.[16] Die Fernsehpremiere haben 5,34 Millionen Zuschauer verfolgt, was einen Marktanteil von 18,6 Prozent entspricht.[17]

Auszeichnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tschiller: Off Duty war 2016 für den Europäischen CIVIS Kinopreis nominiert.[18]

Filmmusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Filmmusik von Martin Todsharow wurde als CD und zum Download veröffentlicht.

Die erste Szene in der Moskauer Klinik ist mit dem Titellied von Unser Sandmännchen unterlegt, um den Charakter Dr. Schmidt alias Der Sandmann einzuführen.

Des Weiteren ist Nas ne dogonjat, die russischsprachige Version des Liedes Not Gonna Get Us, des Pop-Duos t.A.T.u. zu hören.[19]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film wurde in der Ukraine von der Staatlichen Kinoagentur indiziert, da die russischen Agenten positiv dargestellt würden.[20]

Der Zug, in dem Tschiller nach seiner Flucht aus Istanbul sitzt, wird von einer deutschen Lokomotive der Baureihe 103 gezogen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Tschiller: Off Duty. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Kinofassung).Vorlage:FSK/Wartung/typ gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. Alterskennzeichnung für Tschiller: Off Duty. Jugendmedien­kommission.
  3. a b c Susanne Sturm: Tatort Istanbul, TV Spielfilm Ausgabe 3/2016, Seite 196f.
  4. a b Thomas Gehringer: In 80 Explosionen um die Welt. In: Die Zeit. 2. Februar 2016, abgerufen am 6. Juli 2018.
  5. Tschiller: Off Duty bei crew united
  6. Hohe Förderung für Kino-Krimi Medienboard zahlt 800 000 Euro für Schweiger-„Tatort“ Der Tagesspiegel vom 14. Januar 2016
  7. Die Filmschaffenden e.V.: Rahmenbedingungen der FairFilmAwards 2015/2016
  8. Auswertung der Fair Film Awards 2015
  9. a b Keiner will Nick Tschiller sehen, Schweiger-„Tatort“ im Kino ein Flop, n-tv.de vom 9. Februar 2016, abgerufen am 15. Februar 2016
  10. Til Schweigers Männerquatsch mit Rumms (Memento vom 7. Februar 2016 im Internet Archive) Kinokino, 5. Februar 2016 (abgerufen am 7. Februar 2016, aktuell offline)
  11. Tschiller: Off Duty, in: Filmdienst, abgerufen 14. Februar 2016
  12. Sophie Albers Ben Chamo: Kritik „Tschiller: Off Duty“. Schweigers Kino-„Tatort“ ist ein richtig guter Actionfilm. In: Stern. 3. Februar 2016, abgerufen am 6. Juli 2018: „Wer dem klassischen Sonntagabend-Modell „Mord in der Gartenlaube“ nachhängt, der wird überfordert sein.“
  13. Peter Praschl: Schweigers Kino-„Tatort“ ist der beste aller Filme. In: Welt. 5. Februar 2016, abgerufen am 6. Juli 2018: „So ein Film ist das. Der größte Film aller Zeiten.“
  14. Film-Flop: Til Schweigers Leinwand-„Tatort“ lässt die Kino-Fans kalt, abendblatt.de vom 15. Februar 2016, abgerufen am 15. Februar 2016
  15. filmfutter.com vom 24. Februar 2016, abgerufen am 25. Februar 2016
  16. Insiderkino, aufgerufen am 20. März 2016
  17. DWDL: Schweigers Kino-"Tatort" enttäuscht auch im TV, abgerufen am 9. Juli 2018
  18. Tschiller: Off Duty. Nominierung 2016. In: Europäischer CIVIS Kinopreis. CIVIS Medienstiftung GmbH, abgerufen am 6. Juli 2018.
  19. Universal Music, aufgerufen am 8.7.2018
  20. Deutsche Welle (www.dw.com): Tschiller-Tatort auf dem Index | Filme | DW.COM | 14.11.2016. In: DW.COM. Abgerufen am 23. November 2016.