Tatort: Die Musik stirbt zuletzt

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Folge der Reihe Tatort
OriginaltitelDie Musik stirbt zuletzt
ProduktionslandSchweiz
OriginalspracheSchweizerdeutsch bzw. Deutsch
Produktions-
unternehmen
SRF und Turnus Film AG
Länge88 Minuten
EinordnungFolge 1063 (Liste)
Erstausstrahlung5. August 2018 auf SRF 1 und Das Erste
Stab
RegieDani Levy
DrehbuchDani Levy
MusikNiki Reiser
KameraFilip Zumbrunn
Schnitt
Besetzung
  • Stefan Gubser: Kommissar Reto Flückiger
  • Delia Mayer: Kommissarin Liz Ritschard
  • Hans Hollmann: Walter Loving
  • Sibylle Canonica: Alice Loving-Orelli
  • Andri Schenardi: Franky Loving
  • Uygar Tamer: Jelena Princip
  • Gottfried Breitfuss: Gidon Winternitz
  • Teresa Harder: Miriam Goldstein
  • Patrick Elias: Vincent Goldstein
  • Heidi Maria Glössner: Silvia Bosshardt
  • Martin Hug: Roger Trütsch
  • Aaron Hitz: Sanitäter
  • Sebastian Krähenbühl: Pförtner
  • Joey Zimmermann: Inspizient
  • Oscar Bingisser: Sicherheitsbeamter
  • Hans-Caspar Gattiker: Polizist
  • Yves Wüthrich: Ernst Burri
  • Pascal Holzer: Barkeeper
  • Severino Negri: VIP-Gast
  • Anja Elisabeth Rüegg: Tochter aus gutem Haus
  • Elvira H. Plüss: Dame
  • Matthias Frankhauser: Simon Vonlanthen
  • Monika Schärer: Reporterin
  • Patric Gehrig: Sicherheitsbeamter
  • Patrick Boog: Notfallsanitäter
  • Renate Anderegg: Irma Sturm
  • Christoph Künzler: Polizeichef Wölfli
  • Kira Ineichen: Miriam Goldstein (11-jährig)
  • Maximilian Winter
  • Judith Michel: Mutter von Miriam

Die Musik stirbt zuletzt ist ein Fernsehfilm aus der Krimireihe Tatort. Der vierzehnte gemeinsame Fall des Schweizer Tatort-Teams Flückiger und Ritschard aus Luzern wurde am 5. August 2018 im SRF 1, im Ersten und in ORF 2 ausgestrahlt.

Rollen und Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Walter Loving[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Loving veranstaltet als steinreicher Unternehmer und Mäzen ein Benefiz-Konzert im Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL), begleitet von palästinensischen Demonstranten. Ein Ticket kostet 10.000 Schweizer Franken. Die Musiker sind das argentinische „Jewish Chamber Orchestra“. In seinem ersten Auftritt zeigt er sich als verschrobener Patriarch, der seinen erwachsenen Sohn in aller Öffentlichkeit zurechtweist wie ein Kind. Seine Frau Alice Loving-Orelli, von der er getrennt ist, kann nur durch einen peinlichen Auftritt die strenge Security passieren. In deren Beisein und in aller Öffentlichkeit macht er seiner jüngeren Chefjuristin Jelena Princip einen Heiratsantrag, die sich den Ring zwar überstreifen lässt, aber nur ein widersprüchliches „Ja“ von sich gibt.

Walter Loving hatte gegen hohe Summen als Schlepper Juden vor den Nazis gerettet. Es deutet sich ein Konflikt mit den Geschwistern Miriam und Vincent Goldstein, Pianistin und Klarinettist des demokratisch organisierten Orchesters, an. Das hatte beschlossen, dass Miriam Goldstein ein Gedicht vortragen solle, welches thematisiert, dass ihre Großeltern zwar Geld an Walter Loving gezahlt hatten, aber nicht von ihm gerettet werden konnten. Walter Loving hatte Ansprüche der Mutter der Geschwister auf das Geld mit aller Macht abgewehrt, weil er sehr häufig von verfehlten Rettungsversprechen profitiert hatte. Nun möchte das Ehepaar Loving die Aufführung des Gedichts verhindern.

Walter Loving entwickelt sich von einem Patriarchen zu einem Charakter, dem das Schicksal jedes Menschen, mit dem er zu tun hatte, gegenwärtig ist, der keine Scheu davor hat, sich seinen Widersachern persönlich zu stellen, und der in seinem letzten Auftritt dem Konflikt mit entwaffnender Offenheit begegnen kann.

Miriam Goldstein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Goldstein erhält anonyme Todesdrohungen auf ihr Telefon, für den Fall, dass sie das Gedicht vortrage. Sie möge sehen, was ihrem Bruder passiere, der kurze Zeit danach mit einem Kontaktgift E 605 an seiner Klarinette zu Schaden kommt, aber überlebt. Sie schaltet die Polizei ein. In einer Kindheitserinnerung sieht sie auch die Leiche ihrer Mutter vor sich, die im Vorfeld eines Gerichtsverfahrens gegen Walter Loving, im Dschungel an einer Schussverletzung starb. Bestärkt durch das Orchester trägt sie den Text vor, in dem Namen von Menschen aufgezählt werden, die zwar Geld an Loving gezahlt hatten, aber vor der Rettung umkamen. Am Ende erwähnt sie jedoch, dass die meisten Geldgeber von ihm gerettet worden seien.

Jelena Princip[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Princip war Rechtsbeistand der Goldsteins, und weil sie unterlag, ließ sie sich von Loving beschäftigen. Als Chefjuristin hat sie die Geschäfte Lovings auf Vordermann gebracht. Sie ist nun die Verlobte von Walter Loving und die Geliebte des Sohnes Franky Loving, von dem sie angeblich ein Kind erwartet. Sie weist Franky öffentlich zurück, nachdem der von der Schwangerschaft erfährt. Sie unterstützt die Gedichtaktion der Geschwister Goldstein. Auch sie wird durch Kontaktgift an einem Champagnerglas vergiftet. Sie stirbt dadurch.

Franky Loving[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Franky Loving tritt als Erzähler auf, der sich in seiner Rolle als VIP sonnt. Sehr früh erzählt er Details über die Hintergründe des Mordes, aber auch gleichzeitig über den Tatort als Krimi. Ist er Rolle oder Erzähler? Am Ende gesteht er die Morde, wird verhaftet, flüchtet und tötet sich und seinen Vater durch einen Kuss mit dem Gift.

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Orchester spielt Werke von Erwin Schulhoff, Viktor Ullmann, Marcel Tyberg und Gideon Klein.[1]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kultur- und Kongresszentrum Luzern

Es handelt sich bei der Episode Die Musik stirbt zuletzt um die erste Episode der Fernsehreihe, die in Echtzeit spielt.[2][3] Die Episode beginnt mit dem Zitat von Victor Hugo: „Musik drückt etwas aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist“.[4] In mehreren Szenen werden klassische Theatermittel verwendet, wenn die direkte Ansprache des Publikums durch Franky Loving erfolgt und somit die „Durchbrechung der vierten Wand“ erfolgt.[5]

Das herausragende Merkmal indes ist, dass die Episode als One Shot, also in einer einzigen ungeschnittenen Einstellung aufgenommen wurde.

Die Dreharbeiten begannen am 11. Juli 2017 und endeten am 16. Juli 2017.[6] Den vier Drehtagen, in denen als Szenerie das Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL) sowie der in unmittelbarer Nähe befindliche Bahnhof Luzern genutzt wurden, gingen vier Wochen intensiver Proben wie bei einer Theateraufführung voraus, bei denen stets alle Schauspieler sowie immer die Kamera und oft der Ton anwesend waren.[6][7][2][8] Da die gesamte Handlung in Echtzeit spielt, wurde der Tatort in einer einzigen, 90-minütigen Kameraeinstellung gedreht.[2] Aus Qualitätsgründen wurden in der Schweizer Variante dennoch zwei Szenen durch die deutsche Variante ersetzt.[9]

Kameramann Filip Zumbrunn, der als Vorbereitung auf die Dreharbeiten seine Unterarme trainierte, um die Kamera über 90 Minuten halten zu können, folgte den Schauspielern durch das KKL und musste dafür sorgen, dass er selbst bei einer 360-Grad-Aufnahme in einer verspiegelten Toilette nicht sichtbar ist.[10] Zwei Takes wurden in Hochdeutsch und zwei in Schweizerdeutsch gedreht.[11] Die hochdeutsche Fassung wurde von ARD und ORF ausgestrahlt, während die Fassung in Schweizerdeutsch auf SRF zu sehen war.[8] Beide zeitgleich ausgestrahlte Fassungen unterscheiden sich dabei in Nuancen.[8]

Der 5. August 2018 sei nach Angaben der Luzerner Zeitung als Datum für die Erstausstrahlung gewählt worden, da die Episode thematisch gut zum Lucerne Festival passe, das in der darauffolgenden Woche begann.[3] Die Bild berichtete, der produzierende Sender habe die Ausstrahlung der Episode zur Disposition gestellt, was vom SRF dementiert wurde.[3][12]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Die Kamera ist der Star. Sie fliegt zwischen den Figuren hin und her, sie saust aus der Lobby des Kultur- und Kongresszentrums Luzern in den Backstagebereich, von der Bühne auf die Toilette. Sie stürmt aus dem Gebäude auf die Straße, drängt sich in ein Auto, springt wieder raus und hängt sich an ein Fahrrad ran. Die Schauspieler sind in diesem athletischen Akt der Entfesselung eher Statisten. […] Allen kleinen Mängeln zum Trotz: großes "Tatort"-Kino.“

„Viele kleine Ideen sind es, die einen durch diesen theaterhaften Tatort tragen, und die grundlegende Hetzerei zwischen Bühne und Backstage, zwischen Gift und Gegengift, entwickelt ihren eigenen Sog. […] So liegt "Die Musik stirbt zuletzt" inhaltlich und inszenatorisch deutlich über dem gewohnten Niveau der Schweizer Episoden, wird aber runtergezogen durch die flachen, erwartbaren Beiträge und ranzigen Raunzereien des Ermittlerpaars Flückiger/Ritschard.“

Einschaltquote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstausstrahlung von Die Musik stirbt zuletzt am 5. August 2018 wurde in Deutschland von 4,79 Millionen Zuschauern gesehen und erreichte einen Marktanteil von 17,5 %.[14]

In Österreich wurden 382.000 Zuschauer erreicht und damit eine durchschnittliche Reichweite von 5 % sowie ein Marktanteil von 15 % erzielt.[15]

In der Schweiz verfolgten 440.000 Zuschauer im Alter von über drei Jahren die Erstausstrahlung der Folge und bescherten ihr dadurch einen Marktanteil von 33,2 %.[16] In der Gruppe der 15- bis 59-jährigen Zuschauer wurden 217.000 Zuschauer gezählt sowie ein Marktanteil von 30,0 % gemessen.[16]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Augsburger Allgemeine: Pressestimmen zum Tatort: "Die Musik stirbt zuletzt". In: Augsburger Allgemeine. (augsburger-allgemeine.de [abgerufen am 14. August 2018]).
  2. a b c Deutschlandfunk Kultur: „Die Musik stirbt zuletzt“: Der erste „Tatort“ in Echtzeit, Delia Mayer im Gespräch mit Ute Welty, 4. August 2018
  3. a b c Berliner Morgenpost: ARD-Krimi: Das verrät der Sendeplatz über den Schweizer „Tatort“, Berlin, 2. August 2018
  4. Die Welt: Komponisten im KZ: Das wahre Grauen hinter Dani Levys neuem „Tatort“, Kultur, Elmar Krekeler, 4. August 2018
  5. quotenmeter.de: Die Kritiker: „Tatort – Die Musik stirbt zuletzt“, Julian Miller, 4. August 2018
  6. a b Tatort: Die Musik stirbt zuletzt bei crew united
  7. Schweizer Radio und Fernsehen: Neuer Schweizer «Tatort – Die Musik spielt zuletzt», srf.ch, abgerufen am 3. August 2018.
  8. a b c Watson: Gedreht in einem Take – Regisseur Levy über den Schweizer „Tatort“ ohne Schönheits-OP, Simone Meier, 5. August 2018
  9. Tatort Redaktion: Bühne frei für... Facebook, 5. August 2018, abgerufen am 30. Oktober 2018.
  10. Mitteldeutscher Rundfunk: „Die Musik stirbt zuletzt“: 88 Minuten durchdrehen – Warum der neue Tatort so besonders ist, mdr Kultur, 3. August 2018
  11. a b Christian Buß: Grandioser „Tatort“-Saisonauftakt. Es kann nur einen geben. Spiegel Online, 3. August 2018, abgerufen am 3. August 2018: „Bewertung: 9 von 10 Punkten“
  12. Bild: Zu schlecht zum Senden? – Krise um Schweizer „Tatort“, 15. Juli 2018
  13. Holger Gertz: Dieser „Tatort“ entwickelt einen ganz eigenen Sog. Süddeutsche Zeitung, 3. August 2018, abgerufen am 3. August 2018.
  14. Fabian Riedner: Primetime-Check: Sonntag, 5. August 2018. Quotenmeter.de, 6. August 2018, abgerufen am 6. August 2018: „Die Erstausstrahlung […] enttäuschte im Ersten.“
  15. Medienforschung ORF, Daten von Sonntag, 4. August 2018
  16. a b Schweizer Radio und Fernsehen: SRF 1 – 4. August 2018, Mediapulse-Fernsehpanel – Deutschschweiz, Overnight, Personen drei Jahre und älter, abgerufen am 14. August 2018
  17. Begründung Sonderpreis für Regie 2018. Fernsehfilmfestival Baden-Baden, abgerufen am 1. Dezember 2018.