Ulrich Wilhelm

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Ulrich Wilhelm (* 8. Juli 1961 in München)[1] ist ein deutscher Jurist und Journalist. Seit dem 1. Februar 2011 ist Wilhelm Intendant des Bayerischen Rundfunks. Am 19. März 2015 wählte ihn der Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks für eine zweite Amtszeit bis zum 31. Januar 2021.[2] Von 2005 bis 2010 war Wilhelm Chef des Bundespresseamts und Regierungssprecher der Bundesregierung für das Kabinett Merkel I und Merkel II.[3]

Herkunft und Ausbildung[Bearbeiten]

Ulrich Wilhelm wuchs in München auf und besuchte in München zwischen 1967 und 1980 die Grundschule und das Ludwigsgymnasium. Sein Vater Paul Wilhelm[4] war 33 Jahre lang CSU-Landtagsabgeordneter in München und zeitweise Staatssekretär in der Bayerischen Staatsregierung. Seine Mutter war Richterin.[1] Von 1980 bis 1981 leistete Wilhelm seinen Grundwehrdienst ab. Von 1982 bis 1986 studierte er Rechtswissenschaften an den Universitäten Passau (zwei Semester) und München (sechs Semester)und schloss das Studium mit dem Ersten Juristischen Staatsexamen ab. Parallel dazu besuchte er von 1981 bis 1983 die Deutsche Journalistenschule in München, die er mit dem Redakteursdiplom abschloss. Von 1987 bis 1990 arbeitete er als Referendar, u. a. als Congressional Fellow beim US Congress in Washington D.C. und beendete seine Referendarzeit mit dem Abschluss des Zweiten Juristischen Staatsexamens. Während seines Studiums der Rechtswissenschaften und seiner Referendarzeit (1983–1990) arbeitete Wilhelm als freier Journalist u. a. für Hörfunk- und Fernsehsendungen des Bayerischen Rundfunks.[3]

Berufliche Laufbahn[Bearbeiten]

Bayerischer Staatsdienst[Bearbeiten]

1991 trat Ulrich Wilhelm in den Staatsdienst ein, zunächst im Bayerischen Innenministerium. Hier war er in der Kommunalaufsicht tätig, später im Pressereferat. Im Juni 1993 – kurz nach der Wahl von Edmund Stoiber zum Bayerischen Ministerpräsidenten – wechselte Wilhelm in die Bayerische Staatskanzlei. Von Januar 1995 bis Ende 1998 war er dort verantwortlich für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. 1999 wurde er Pressesprecher des Ministerpräsidenten und der Bayerischen Staatsregierung. In der Staatskanzlei leitete Wilhelm in dieser Zeit die Medienabteilung, in der neben den klassischen Referaten Rundfunkrecht und Medienrecht auch die Filmförderung, das Verlagswesen, der Fernsehpreis und der Filmpreis angesiedelt waren. 2004 wurde Wilhelm Amtschef des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst unter Staatsminister Thomas Goppel.

Bundesregierung[Bearbeiten]

Nach der Bundestagswahl 2005 holte Angela Merkel Wilhelm im November als Chef des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung sowie Regierungssprecher im Rang eines (beamteten) Staatssekretärs nach Berlin. Er denkt „in langen Linien“, bescheinigte ihm Dirk Kurbjuweit im Spiegel am 2. August 2010.[5] Frank Schirrmacher, verstorbener Herausgeber der FAZ, sagte 2010, Wilhelm habe „den Blick des Historikers“.[5]

Bayerischer Rundfunk[Bearbeiten]

2010 bewarb sich Ulrich Wilhelm um den Posten des Intendanten des Bayerischen Rundfunks. Am 6. Mai 2010 wählte ihn der BR-Rundfunkrat mit 40 von 44 Stimmen für die Dauer von fünf Jahren zum Chef der viertgrößten ARD-Anstalt.[6] Seine Regierungsämter hatte Wilhelm Ende Juli 2010 niedergelegt. Obwohl zwischen Ende der Regierungstätigkeit Wilhelms und dem Amtsantritt als Intendant ein halbes Jahr lag, wurde der Wechsel aus dem Staatsdienst an die Spitze einer öffentlich rechtlichen Anstalt in den Medien heftig kritisiert: „Im Prinzip setzt der Wechsel vom Regierungssprecher zum Sender-Intendanten ein falsches Zeichen. Das Ding ist unmöglich. Es stärkt Vorbehalte gegen die Öffentlich-Rechtlichen, für die die Bürger monatlich mehr Geld zahlen müssen“ schrieb Hans-Jürgen Jakobs in der Süddeutschen Zeitung vom 20. Mai 2010.[7] Bernd Gäbler schreibt im Stern: „Die gezielte Platzierung des bisherigen Regierungssprechers in eine öffentlich-rechtliche Schlüsselposition, in der Ulrich Wilhelm später dann auch turnusmäßig Sprecher der ARD wird, ist und bleibt einzigartig und dreist.“[8]

Bei seiner Wiederwahl am 19. März 2015 erhielt Wilhelm 33 Stimmen, fünf Mitglieder des Rundfunkrats stimmten gegen ihn, zwei enthielten sich. Die zweite Amtszeit, die sich nahtlos an die erste anschließt und somit am 1. Februar 2016 beginnt, beträgt erneut fünf Jahre.[2] Eine mehrfache Wiederwahl ist zulässig.[2]

Ehrungen und Nebenämter[Bearbeiten]

2013 wurde Ulrich Wilhelm mit dem Bayerischen Verdienstorden und dem „Tutzinger Löwen“ ausgezeichnet. Dieser steht für „Toleranz und Weltoffenheit und für visionären Gestaltungswillen. Die „Pionierleistung“ Wilhelms sei, den ersten großen Sender der ARD auf Trimedialität umzustellen, sagte der Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing Udo Hahn in seiner Laudatio.[9]

Seit 2011 ist Wilhelm nebenamtlicher Abteilungsleiter der Abteilung III / Regie Kino- und Fernsehfilm an der HFF München.[10] Wilhelm ist außerdem Mitglied des Hochschulrats der Technischen Universität München.[11] Seit November 2011 ist er zudem Vorstandsmitglied beim MedienCampus Bayern.[12]

Er ist zudem Mitglied im Lenkungsausschuss des deutsch-russischen Petersburger Dialogs.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b MUNZINGER Personen – Ulrich Wilhelm. munzinger.de, abgerufen am 20. März 2015.
  2. a b c BR-Intendantenwahl – Rundfunkrat bestätigt BR-Intendant Ulrich Wilhelm. Bayerischer Rundfunk, 19. März 2015, abgerufen am 20. März 2015.
  3. a b Ulrich Wilhelm – Lebenslauf. Bayerischer Rundfunk, 18. Oktober 2011, abgerufen am 20. März 2015.
  4.  Alfred Vogel: Zum Tode von Dr. Paul Wilhelm. In: Neue Stenografische Praxis. 58 (2009), Nr. 1, Verband der Parlaments- und Verhandlungsstenografen, Berlin, ISSN 0028-3371, S. 15 f.
  5. a b Dirk Kurbjuweit: KARRIEREN – Land ohne Lächeln. DER SPIEGEL, 2. August 2010, abgerufen am 20. März 2015.
  6. Ulrich Wilhelm zum neuen Intendanten gewählt. Bayerischer Rundfunk, 7. Mai 2010, abgerufen am 20. März 2015.
  7. Hans-Jürgen Jakobs: Neuer BR-Intendant – Merkel als Art Präsidentin vermarkten. Süddeutsche Zeitung, 20. Mai 2010, abgerufen am 20. März 2015.
  8. Bernd Gäbler: Die Medienkolumne zur BR-Intendantenwahl – Angela Berlusconis Statthalter in München. Stern, 5. Mai 2010, abgerufen am 20. März 2015.
  9. Auszeichnung für trimediale „Pionierleistung“. Bayerischer Rundfunk, 13. Mai 2013, abgerufen am 20. März 2015.
  10. Professorinnen und Professoren – Ulrich Wilhelm. HFF München, abgerufen am 20. März 2015.
  11. TU München – Der Hochschulrat. Abgerufen am 20. März 2015.
  12. Vorstand MedienCampus Bayern e.V. MedienCampus Bayern e.V., abgerufen am 20. März 2015.