Friedrich Bohl

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Friedrich Bohl (2008)

Friedrich Bohl (* 5. März 1945 in Rosdorf, Landkreis Göttingen) ist ein ehemaliger deutscher Politiker (CDU). Er war von 1991 bis 1998 als Bundesminister für besondere Aufgaben Chef des Bundeskanzleramts.

Ausbildung und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur 1964 absolvierte Bohl ein Studium der Rechtswissenschaft in Marburg[1], welches er 1969 mit dem ersten und 1972 mit dem zweiten juristischen Staatsexamen beendete. Seit 1972 ist er als Rechtsanwalt und seit 1976 auch als Notar zugelassen.[2]

Von 1998 bis zum 31. März 2009 war Bohl als Vorstand bei der Deutschen Vermögensberatung (DVAG) für die Bereiche Konzernsekretariat, Öffentlichkeitsarbeit, Verbände und Recht zuständig. Seit dem 31. März 2009 ist Friedrich Bohl Vorsitzender des Aufsichtsrats der Deutschen Vermögensberatung (DVAG).

Am 1. Dezember 2011 löste er den bisherigen Präsidenten der von Behring-Röntgen-Stiftung zur Förderung der hochschulmedizinischen Forschung und Lehre an den Universitäten Gießen und Marburg, Joachim-Felix Leonhard, ab.[3]

Friedrich Bohl ist verheiratet und hat vier Kinder.

Partei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1963 ist er Mitglied der CDU. Hier engagierte er sich zunächst in der Jungen Union, deren Bezirksvorsitzender er von 1969 bis 1973 in Mittelhessen war. Von 1978 bis 2002 war er Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Marburg-Biedenkopf.

Abgeordneter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bohl war Mitglied im Kreistag des Landkreises Marburg-Biedenkopf, wo er von 1974 bis 1990 als Vorsitzender der CDU-Fraktion amtierte. Von 1970 bis 1980 war er Mitglied des Hessischen Landtages. Hier war er von 1978 bis 1980 stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion. Von 1980 bis 2002 war er dann Mitglied des Deutschen Bundestages und von 1984 bis 1989 Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, von 1989 bis 1991 dann Erster Parlamentarischer Geschäftsführer. Friedrich Bohl war zuletzt über die Landesliste Hessen in den Deutschen Bundestag eingezogen.

Öffentliche Ämter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 26. November 1991 wurde Bohl als Bundesminister für besondere Aufgaben und als Chef des Bundeskanzleramtes in die von Bundeskanzler Helmut Kohl geführte Bundesregierung berufen. Am 25. Mai 1998 übernahm er für kurze Zeit zusätzlich die Leitung des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung. Nach der Bundestagswahl 1998 schied er am 26. Oktober 1998 aus der Bundesregierung aus.

Bohl wurde vorgeworfen, in seiner Zeit als Chef des Bundeskanzleramtes vor allem im Zusammenhang mit den sogenannten Bundeslöschtagen in hohem Ausmaß Akten vernichtet zu haben, darunter auch Belege, die über die Verwicklung Kohls in die Parteispendenaffäre Aufklärung hätten bringen können. Strafrechtlich relevante Vorwürfe, systematisch und vorsätzlich sowie widerrechtlich Akten vernichtet zu haben, konnten Bohl nicht nachgewiesen werden. [4]

Im Juni 2018 übernahm Bohl im Streit um die Kosten für die UKW-Verbreitung auf Bitten der Bundesnetzagentur und des Bundeswirtschaftsministeriums die Rolle des Schlichters[5] und legte in mehreren Verhandlungsrunden die Auseinandersetzung zwischen Radio-Veranstaltern und Sendernetzbetreibern auf der einen Seite und auf der anderen Seite fünf Finanzinvestoren sowie Verkäufer Media Broadcast GmbH, die höhere Nutzungspreise durchsetzen wollten, bei.[6][7]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ralf Schönfeld: Bundeskanzleramtschefs im vereinten Deutschland. Friedrich Bohl, Frank-Walter Steinmeier und Thomas de Maizière im Vergleich. Ibidem-Verlag, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-8382-0116-0.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Konrad-Adenauer-Stiftung
  2. Bundestags-Biografie
  3. Stiftungsorgane. Von Behring-Röntgen-Stiftung, 5. September 2017, abgerufen am 1. Juli 2018.
  4. Robert Leicht: "Ein Abgrund an Aktenverrat" In: Die Zeit Nr. 27/2000
  5. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: Staatssekretär Nussbaum hat zügige Einigung im UKW-Streit angemahnt – Bundesminister a. D. Friedrich Bohl hat Moderation übernommen. Abgerufen am 20. Juni 2018.
  6. Wirtschaft, Handel & Finanzen: ROUNDUP: Einigung im Machtkampf um das UKW-Radio. (handelsblatt.com [abgerufen am 20. Juni 2018]).
  7. UKW-Blackout vom Tisch: Ex-Kanzleramtsminister Friedrich Bohl beendet Machtkampf ums Radio › Meedia. Abgerufen am 20. Juni 2018.
  8. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB)
  9. Generalsekretär Manfred Pentz: "Drei herausragende Persönlichkeiten mit Alfred-Dregger-Medaille in Gold geehrt". CDU Hessen, 9. Dezember 2014, archiviert vom Original am 18. April 2015; abgerufen am 1. Juli 2018.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Friedrich Bohl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien