Verblendung (2011)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher TitelVerblendung
OriginaltitelThe Girl with the Dragon Tattoo
Verblendung-Logo.svg
ProduktionslandVereinigte Staaten, Schweden, Großbritannien, Deutschland
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr2011
Länge158 Minuten
AltersfreigabeFSK 16[1]
JMK 16[2]
Stab
RegieDavid Fincher
DrehbuchSteven Zaillian
ProduktionScott Rudin,
Ceán Chaffin,
Ole Søndberg,
Søren Stærmose
MusikTrent Reznor,
Atticus Ross
KameraJeff Cronenweth
SchnittKirk Baxter,
Angus Wall
Besetzung
Synchronisation

Verblendung (Originaltitel: The Girl with the Dragon Tattoo) ist ein Thriller des Regisseurs David Fincher aus dem Jahr 2011 und eine Neuverfilmung des gleichnamigen Romans und ersten Teils der Millennium-Trilogie des Autors Stieg Larsson.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Handlung spielt in Schweden im Jahr 2009. Der Unternehmer Henrik Vanger bekommt jedes Jahr von einem anonymen Absender zu seinem Geburtstag mit der Post eine in einem schwarzen Bilderrahmen gefasste, gepresste Blume. Er vermutet, dass sie ihm vom Mörder seiner Großnichte Harriet, die im Sommer 1966 spurlos verschwand, geschickt wird, um ihn in den Wahnsinn zu treiben. Sie hatte ihm stets eine solche Blume zum Geburtstag geschenkt.

Vanger startet einen letzten Versuch, das Rätsel um Harriet aufzuklären. Er beauftragt den Stockholmer Enthüllungsjournalisten Mikael Blomkvist, der bei Ermittlungen gegen den kriminellen Unternehmer Wennerström auf gefälschte Dokumente hereingefallen und wegen Verleumdung zu einer Geldstrafe von 600.000 Kronen verurteilt worden war. Blomkvist scheidet aus der Redaktion seiner Zeitschrift Millennium aus, an der er finanziell beteiligt ist, und nimmt Vangers Angebot an. Als Gegenleistung verspricht Vanger ihm neben viel Geld auch Insiderinformationen über Wennerström, damit Mikael einen zweiten Versuch starten kann, dessen Machenschaften aufzudecken.

Vangers Rechtsanwalt Dirch Frode ließ Blomkvist zuvor durch eine Detektei überprüfen, die dafür die junge Hackerin Lisbeth Salander einsetzte. Diese steht wegen ihrer von Gewalt geprägten Kindheit und wegen eines psychiatrischen Gutachtens unter Vormundschaft. Ihr neuer Vormund, Rechtsanwalt Bjurman, benutzt seine Machtposition, um Lisbeth sexuell zu nötigen. Bei einem Besuch Lisbeths in seiner Wohnung vergewaltigt er sie. Lisbeth zeichnet die Tat auf Video auf und dreht nun den Spieß um. Unter dem Vorwand, Geld zu benötigen, besucht sie Bjurman ein weiteres Mal, überwältigt ihn mit einem Elektroschocker, fesselt ihn und tätowiert ihm den Satz „Ich bin ein Vergewaltigerschwein“ auf die Brust. Von nun an hat sie ihn in der Hand.

Mikael bezieht ein Gästehaus auf der Insel, auf der die Familie Vangers wohnt, und beginnt alle von Vanger gesammelten Unterlagen zum Verschwinden von Harriet erneut zu sichten. Nach einem kurzen Besuch seiner Tochter erkennt er einen Zusammenhang zwischen den von Harriet in ihrem Tagebuch vermerkten Namen und Nummern. Es handelt sich dabei nicht – wie von der Polizei angenommen – um Telefonnummern, sondern um Bibelzitate. Mikael kann einen der Namen mit einem Mord in Verbindung bringen und bittet seinen Auftraggeber, ihm einen zusätzlichen Ermittler zur Seite zu stellen, um die weiteren Namen und Bibelzitate mit Morden in Übereinstimmung bringen zu können. Lisbeth Salander, die auch den Bericht über Blomkvist für Vanger angefertigt hat, übernimmt diese Aufgabe. Lisbeth und Mikael beginnen eine Affäre. Es gelingt den beiden, Licht ins Dunkel zu bringen und schließlich die Morde aufzuklären und nachzuweisen, dass Gottfried Vanger, der Vater des derzeitigen Firmeninhabers Martin, der Täter war. Martin war zumindest am letzten Fall beteiligt, da Gottfried da bereits gestorben war. Als Blomkvist sich im Dunkeln zu Fuß Martins Haus auf einer Anhöhe auf der Insel nähert, um noch mehr zu erfahren und den Verdacht zu bestätigen, ist dieser gerade mit dem Auto zu ihm unterwegs. Blomkvist dringt ins Haus ein und findet eine gesicherte Kellertür. Martin Vanger kehrt zurück, entdeckt den Eindringling im Garten und lockt ihn unter einem Vorwand zurück ins Haus. Vanger erkannte bereits, dass man ihm auf der Spur war und ließ sich nichts anmerken, hat aber Tage davor einen Warnschuss auf Mikael abgegeben. Es gelingt Vanger, Blomkvist zu überwältigen. In seinem Folterkeller, wo er schon mehrere Frauen umgebracht hatte, fesselt und misshandelt er ihn. Bevor Vanger Blomkvist ermorden kann, erscheint Lisbeth, die durch das Video ihrer Überwachungskamera erfahren hat, dass Martin ihn zuvor aufsuchen wollte. Sie kann Martin niederschlagen und somit Mikael retten. Martin Vanger flieht mit dem Auto, während Lisbeth ihn mit dem Motorrad verfolgt. Als er von der Straße abkommt und sich überschlägt, schaut sie dabei zu, wie er im brennenden Autowrack stirbt. Es gibt jedoch keine Anhaltspunkte, dass Martin auch seine Schwester getötet hat. Daher schließt Blomkvist, dass diese immer noch leben müsste, und vermutet, dass die in London lebende Cousine Anita ihren Aufenthaltsort kennt. Mikael und Liesbeth fliegen nach London, unterrichten Anita vom Tod Martins und überwachen ihre Reaktion. Da keine Kontaktaufnahme mit Harriet erfolgt, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Anita weiß, dass ihre Cousine tot ist, oder sie ist selbst Harriet. Und tatsächlich gibt Anita schließlich zu, in Wirklichkeit Harriet zu sein.

Gottfried hatte seine Tochter regelmäßig vergewaltigt. Eines Abends war er so betrunken, dass er vor ihr mit den Frauenmorden prahlte, worauf sie ihn an einem Bootssteg mit einem Ruder niederschlug, sodass er ins Wasser fiel und ertrank. Die Tötung wurde damals als Unfalltod unter Alkoholeinfluss interpretiert. Martin hatte die Tat jedoch beobachtet und setzte die Untaten seines Vaters fort. Daher beschloss Harriet, sich durch Flucht dem weiteren sexuellen Missbrauch durch ihren Bruder zu entziehen. Mit Hilfe ihrer Cousine Anita floh sie von der Insel und lebte nach dem Unfalltod Anitas mit deren Identität in London. Sie schickte Vanger stets die Blumen, in der Hoffnung, dass er erkenne, dass sie noch lebte. Blomkvist führt sie und Henrik Vanger wieder zusammen.

Die als Belohnung versprochenen Informationen über Wennerström erweisen sich aber als wertlos. Durch Hacken gelingt es Lisbeth Salander jedoch, Wennerström illegale Waffengeschäfte nachzuweisen, was Blomkvist nutzt, um seinen Ruf wiederherzustellen und Ermittlungen gegen Wennerström zu veranlassen. Verkleidet und unter falscher Identität schafft es Lisbeth in der Schweiz, das Geld aus diesen Geschäften von Wennerströms Konten auf eigene Konten umzuleiten und so an ein Milliardenvermögen zu kommen. Daraufhin wird Wennerström ermordet aufgefunden. Lisbeth glaubt an eine gemeinsame Zukunft mit Mikael, dem sie ihre Finanztransaktionen verheimlicht hat, und sieht in ihm ihren ersten echten Freund. Ihre Hoffnung auf eine Beziehung muss sie begraben, als sie ihn eng umschlungen mit der Millennium-Herausgeberin, mit der er seit längerem liiert ist, aus der Zeitungsredaktion kommen sieht.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Daniel Craig bei den Filmaufnahmen in Stockholm, 2011
Rooney Mara, Daniel Craig und David Fincher bei der Pariser Premiere (Januar 2012)

Die Erstaufführung fand am 12. Dezember 2011 in London statt. Kinostart in den USA war am 20. Dezember 2011, der deutsche Kinostart erfolgte am 12. Januar 2012.[3]

Ein Großteil der Filmaufnahmen fanden an entsprechenden Drehorten in Stockholm und ganz Schweden statt.[4] Die Brücke von Hedeby befindet sich in Segersta, die Parade wurde in Uppsala gedreht, einige der Häuser, insbesondere das Vanger-Anwesen, befinden sich in Södermanlands Iän, insbesondere in den Gemeinden Gnesta und Katrineholm. Weitere Drehorte waren unter anderem London, der Flughafen Oslo-Gardermoen sowie der Flughafen Zürich.

Die Musik zum Film wurde von Trent Reznor und Atticus Ross geschaffen, die mit Fincher schon bei der Filmmusik für The Social Network zusammengearbeitet hatten. Für die Einleitung coverte Reznor zusammen mit Karen O Led Zeppelins Immigrant song.[5]

Auffällig ist im gesamten Film der Einsatz von Produktplatzierung, der teilweise direkt auf die Romanvorlage zurückzuführen ist.

Abweichungen von der Romanvorlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während die erste Verfilmung den Inhalt des Romans an einigen Stellen frei interpretierte, zeitliche Abläufe änderte und gewisse Zusammenhänge anders darstellte, hält sich Finchers Neuverfilmung wesentlich enger an die Vorlage. Zwar musste auch hier die Handlung gestrafft werden, jedoch konnte dies ohne größere Eingriffe umgesetzt werden. Im Buch lebt Anita noch, während Harriet verwitwet ist und eine große Schaffarm in Australien leitet. Nachdem Martin schwer von Lisbeth verletzt wurde, flieht er auf die E4 und lenkt sein Fahrzeug frontal in einen Lastwagen. Statt einer Lederjacke will Lisbeth Mikael am Ende des Buches ein Metallschild mit einem Motiv von Elvis Presley schenken, wirft dieses jedoch – als sie Mikael mit Erika im Arm sieht – wie auch im Film in den nächsten Müllbehälter. Entfallen sind u.a. die Vorgeschichte zum Zeitungsartikel über Wennerström, Mikaels Affäre mit Cecilia Vanger, sein Gefängnisaufenthalt, seine regelmäßigen Cafébesuche in Hedeby und der längere Aufenthalt in Sandhamn.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Weniger eine genaue Verfilmung des Kriminalromans […] als ein filmisch weiter verdichtetes Remake der schwedischen Kinoadaption […], die dank der konsequenteren und stimmungsvolleren visuellen Umsetzung sowie der klugen Gewichtung der Erzählstränge noch über diese hinausgeht. Eine ebenso spannende wie vielschichtige Reise in die Untiefen der bürgerlichen Gesellschaft.“

„Für amerikanische Verhältnisse geradezu schockierend freizügig.“

Ulrich Lössl[7]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film erhielt bei der Oscarverleihung 2012 die Auszeichnung für den besten Schnitt sowie vier weitere Nominierungen (Beste Hauptdarstellerin – Rooney Mara, Kamera, Ton, Tonschnitt) und wurde für zwei Golden Globe Awards 2012 (Beste Hauptdarstellerin in einem Drama – Rooney Mara, Beste Filmmusik) nominiert.[8] Die Writers Guild of America vergab eine Nominierung für die Writers Guild Awards 2012 in der Kategorie Adaptiertes Drehbuch[9] und die Producers Guild of America nominierte die Produzenten des Films für die Producers of the Year Awards.[10] Weiterhin befindet er sich auf der Liste der 10 besten Filme des Jahres 2011 des American Film Institutes und erhielt somit den „AFI Award“.[11]

Synchronisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rolle Darsteller Synchronsprecher[12]
Mikael Blomkvist Daniel Craig Dietmar Wunder
Lisbeth Salander Rooney Mara Kaya Marie Möller
Henrik Vanger Christopher Plummer Lothar Blumhagen
Martin Vanger Stellan Skarsgård Detlef Bierstedt
Dirch Frode Steven Berkoff Otto Mellies
Erika Berger Robin Wright Irina von Bentheim
Nils Bjurman Yorick van Wageningen Olaf Reichmann
Anita Vanger Joely Richardson Christin Marquitan
Cecilia Vanger Geraldine James Kerstin Sanders-Dornseif
Dragan Armansky Goran Visnjic Oliver Siebeck
Polizeibeamter Morell Donald Sumpter Friedrich Georg Beckhaus
Hans Erik Wennerström Ulf Friberg Peter Flechtner
Plague Tony Way Tobias Müller
Pernilla Blomkvist Josefin Asplund Luisa Wietzorek
Gunnar Nilsson Mats Andersson Uli Krohm

Synchronfirma: FFS Film- und Fernseh-Synchron GmbH, Berlin
Synchronbuch und -regie: Sven Hasper

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Verblendung. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, Februar 2012 (PDF; Prüf­nummer: 130 761 V).
  2. Alterskennzeichnung für Verblendung. Jugendmedien­kommission.
  3. Starttermine zum Film
  4. The Girl with the Dragon Tattoo (2011) – filming locacions auf imdb.com, abgerufen am 6. Oktober 2016
  5. http://pitchfork.com/news/44843-video-trent-reznor-and-karen-o-cover-led-zeppelins-immigrant-song/
  6. Verblendung. In: Lexikon des internationalen Films. Zweitausendeins; abgerufen am 2. März 2017.
  7. Ulrich Lössl: Lisbeth war nackt – nicht ich. Spiegel-Interview, 12. Januar 2012; abgerufen am 13. Februar 2016.
  8. Golden Globe 2012 Nominations
  9. Writers Guild Awards 2012 Nominations (Memento vom 8. März 2006 im Internet Archive)
  10. Producers Guild of America: Producers of the Year Awards
  11. AFI AWARDS 2011
  12. Verblendung. In: synchronkartei.de. Deutsche Synchronkartei; abgerufen am 2. März 2017.