VNG – Verbundnetz Gas

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VNG – Verbundnetz Gas AG
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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 29. Juni 1990
Sitz Leipzig, Deutschland

Leitung

  • Karsten Heuchert, Vorstandsvorsitzender
  • n.n., Vorstand Handel
  • Hans-Joachim Polk, Vorstand Infrastruktur/Technik
  • Bodo Rodestock, Vorstand Finanzen/Personal
Mitarbeiter 404 (VNG AG), 1.427 (VNG Gruppe) (zum 31.  Dez. 2014)
Umsatz 7,6 Mrd. € (VNG AG), 10,0 Mrd. € (VNG Konzern) (zum 31.  Dez. 2014)
Website http://www.vng.de
Sitz der VNG AG in Leipzig-Schönefeld

VNG – Verbundnetz Gas Aktiengesellschaft (VNG) ist das flächendeckende Ferngasunternehmen in den neuen Bundesländern mit Sitz in Leipzig und Muttergesellschaft der VNG-Gruppe. Hauptaktivitäten sind Import, Handel, Transport und Speicherung von Erdgas sowie damit verbundene Dienstleistungen. Darüber hinaus ist VNG auch in Dänemark, Frankreich, Italien, Norwegen, Österreich, Polen, Tschechien und der Slowakei tätig. VNG und ihre Tochtergesellschaften beliefern europaweit Stadtwerke, Regionalversorger und Industrieunternehmen mit Erdgas. Sie gehört mehrheitlich zum EWE-Konzern.

Die VNG-Gruppe ist in der gesamten Wertschöpfungskette der deutschen und europäischen Erdgaswirtschaft aktiv und konzentriert sich auf vier Kerngeschäftsbereiche Exploration&Produktion, Gashandel&Dienstleistungen, Gastransport und Gasspeicherung.

Geschichte[Bearbeiten]

Die VNG – Verbundnetz Gas wurde am 29. Juni 1990, zwei Tage vor In-Kraft-Treten der deutsch-deutschen Wirtschafts- und Währungsunion, als privatrechtliche Aktiengesellschaft gegründet.

Die ersten Vorläufer entstanden schon 1958 in der „VVB Verbundwirtschaft“ als „VEB Verbundnetz Ost“, „West“ und „Mitte“. Im Juli des gleichen Jahres bildete der VEB Verbundnetz West die Technische Leitung Ferngas. 1963 vereinigten sich die drei Verbundnetz-Betriebe zu einem VEB Verbundnetz Berlin. Im Januar 1969 entstand daraus der VEB Verbundnetz Gas. Dieser rein technische Betrieb stellte die Versorgung der Bevölkerung in den ersten Jahren ausschließlich durch Stadtgas sicher. Dieses wurde überwiegend aus heimischer Braunkohle erzeugt. Mit Beginn der russischen Erdgaslieferungen ab Mai 1973 übernahm der VEB Verbundnetz Gas auch dessen Verteilung und Speicherung. Das russische Importerdgas war dreimal effizienter und umweltschonender als das bis dahin ausschließlich verwendete Stadtgas. Allerdings setzte die DDR diesen wertvollen Rohstoff überwiegend für die Industrie ein, denn die Lieferungen waren mit Devisen und Sachleistungen zu bezahlen. Bis 1989 erhöhte die DDR die importierte Menge bis auf jährlich sieben Milliarden Kubikmeter. Bis Ende 1989 wurden 2 % der ostdeutschen Haushalte mit Erdgas versorgt.

VNG war das erste von der Treuhandanstalt erfolgreich privatisierte Großunternehmen Ostdeutschlands. Eine entscheidende Rolle spielte dabei Klaus-Ewald Holst, der bereits seit 1968 als Ingenieur im VEB Verbundnetz Gas tätig war. Erste Aktionäre waren mit einem Anteil von 35 % die Essener Ruhrgas AG (heute E.ON Ruhrgas) und mit 10 % die BEB Brigitta Erdgas und Erdöl GmbH, Hannover. Die restlichen Aktien verblieben zunächst bei der Treuhandanstalt. Im Sommer 1991 wurden die restlichen Aktien verkauft und damit die Privatisierung abgeschlossen. Zu Ruhrgas und BEB kommen die Wintershall (15 %), 14 ostdeutsche Städte bzw. kommunale Betriebe (zusammen 15 %) sowie mit jeweils 5 % die British Gas, die französische ELF, die russische Gazprom, die norwegische Statoil und der ostdeutsche Gasproduzent Erdöl-Erdgas Gommern.

Im Zuge der Deutschen Wiedervereinigung stand das Unternehmen vor der Aufgabe, die ostdeutschen Haushalte von Stadt- auf Erdgas umzustellen, die Erdgasbezüge zu diversifizieren, die Leitungen auszubauen und an das europäische Erdgastransportsystem anzuschließen. Auch der Verkauf von Erdgas an Industriekunden und Stadtwerke wurde neu strukturiert.

Im ersten Geschäftsjahr der VNG AG 1990/91 baute der Gasimporteur 250 km Leitungen und stellte 600 km Stadtgasleitungen auf Erdgas um. Im Juni 1995 wurde in Leipzig die Umstellung Ostdeutschlands von Stadt- auf Erdgas abgeschlossen. Bis 1995 investierte VNG circa 767 Mio. Euro in die Umstellung von rund 6.100 km Hochdruckleitungen von Stadt- auf Erdgas sowie in den Bau von rund 700 km Leitungen und die Erhöhung der Speicherkapazität ihrer Untergrundspeicher. Im September 1992 wurde das VNG-Netz mit dem westdeutschen und damit westeuropäischen Erdgas-Verbundsystem verbunden. Ein Jahr darauf schloß VNG einen langfristigen Erdgas-Liefervertrag für norwegisches Erdgas ab. Damit wurde zugleich die einseitige Abhängigkeit vom russischen Erdgas aufgehoben.

Ab Mitte der 1990er Jahre setzte sich die VNG verstärkt für den Einsatz von Erdgas als Kraftstoff ein. Im September 1996 finanzierte sie in Leipzig die erste öffentliche Erdgastankstelle Sachsens. 2001 präsentierte sie sich zum ersten Mal gemeinsam mit Automobilherstellern und Unternehmen der Gaswirtschaft mit einem Gemeinschaftsstand auf der internationalen Automobilmesse AMI in Leipzig. Das Unternehmen besitzt einen Fuhrpark mit 150 erdgasbetriebenen Fahrzeugen. Die VNG ist auch Initiator der Länderinitiativkreise Erdgas als Kraftstoff (IEK) und stellt den Vorsitzenden des IEK auf Bundesebene.

Mitte der 1990er Jahre begann die VNG sich international auszurichten und neue Partner auch im Ausland zu suchen. Einen Schwerpunkt bildeten dabei zunächst die östlichen Nachbarländer Deutschlands. Die VNG ist neben ihren Beteiligungen in Polen, Tschechien und der Slowakei auch an Unternehmen in Österreich, Italien und Norwegen beteiligt. 2006 gründete die VNG ein Tochterunternehmen in Norwegen. Die VNG Norge mit Sitz in Stavanger ist für die Upstream-Aktivitäten verantwortlich, d.h. sie beteiligt sich an der Exploration und Förderung von Erdgas aus der Nordsee. Zu Beginn des Jahres 2013 fand ein Konsortium, an dem VNG Norge mit 20 % beteiligt ist, vor der Küste Norwegens ein Ölfeld mit einer Größe von 30 bis 100 Mio. Barrel Öläquivalent.[1]

Im Bioenergie-Bereich ist die VNG ebenfalls aktiv und hat 2007 die Bioerdgas-Tochter balance VNG Bioenergie GmbH gegründet. Diese soll vor allem Projekte zur Einspeisung von Bioerdgas in die Erdgasleitungsnetze vorantreiben.

Im Januar 2009 gab EWE bekannt, dass die EnBW ihren Anteil an der VNG kaufen werde; dies war bei dem Einstieg von EnBW bei der EWE vereinbart worden und die nötige kartellrechtliche Freigabe durch das Bundeskartellamt erfolgte unter Auflagen im August 2009. Der geplante Verkauf des EWE-Anteils an EnBW scheiterte im Dezember 2011, nachdem die anderen Anteilseigner ihre notwendige Zustimmung verweigert hatten. Im März 2010 erwarb der russische Energiekonzern Gazprom die Anteile des französischen Energiekonzerns GDF Suez, wodurch er fortan insgesamt 10,52 % von VNG hält. [2] 2014 übernahm EWE den Anteil von Wintershall an VNG.[3] Im April 2015 machte Gazprom die Absicht zum Verkauf seiner Anteile öffentlich.

2013 übernahm die VNG die goldgas GmbH und goldgas SL GmbH, beide mit Sitz in Eschborn, bundesweit tätig bei der Belieferung von Standardlastprofilkunden mit Erdgas und bei der Belieferung mit Strom.

Im Jahr 2013 hat VNG insgesamt rund 365 TWh Erdgas bezogen, darunter aus Gaslieferverträgen 64,8 TWh aus Russland, 42,8 TWh aus Norwegen und 10,6 TWh aus Deutschland. 246,5 TWh wurden über Spot- und Terminmärkte bezogen.

2014 betrugen die Erdgaslieferungen rund 310 TWh (368 TWh VNG-Gruppe).[4]

Ferngasleitungsnetz[Bearbeiten]

Innerhalb der VNG-Gruppe stellt die Ontras Gastransport GmbH mehr als 7.200 Kilometer Länge das zweitgrößte deutsche Ferngasleitungsnetz bereit, das im Verbund mit europäischen Ferngasnetzen und zahlreichen Verteilnetzen sowie Gasspeichern eine sichere Gasversorgung garantiert. Das Leitungsnetz durchzieht die Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg/Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Im Rahmen des 3. EU-Energiebinnenmarktpakets wurde Ontras vollständig entflochten und ist seither auch für die Betriebsführung und Instandhaltung der Netze und Anlagen zuständig. ONTRAS betreibt zudem als Netzpuffer einen Speicher am Standort Burggraf-Bernsdorf mit einem Arbeitsgasvolumen von 3 Mio. m³ (Vn) und einer Plateau-Entnahmerate von 40 m³/h.

Das Netz von ONTRAS gehört zum Marktgebiet GASPOOL und wird von der Gaspool Balancing Services GmbH mit Sitz in Berlin, einem Beteiligungsunternehmen der ONTRAS zusammen mit der Nowega GmbH in Münster, der Gasunie Deutschland Transport Services GmbH (GTG) in Hannover und der Gascade Gastransport GmbH in Kassel betrieben. Das Marktgebiet GASPOOL verbindet rund 400 Gasnetze.

Speicher[Bearbeiten]

In Umsetzung des 3. EU-Energiebinnenmarktpakets wurde mit Wirkung zum 2. Januar 2012 das Speichergeschäft der VNG auf die VNG Gasspeicher GmbH übertragen. Derzeit verfügt die Speichergesellschaft an ihren vier Untergrundgasspeichern in Bad Lauchstädt, Bernburg (Saale), Buchholz und Kirchheilingen über ein Arbeitsgasvolumen von rund 2,7 Mrd. m³. VNG Gasspeicher gilt als drittgrößter Speicherbetreiber Deutschlands.

In Deutschland gibt es insgesamt 47 Erdgasspeicher mit einem Speichervolumen von rund 20,3 Milliarden Normkubikmeter (BDEW). Damit können rund 32 % des jährlichen Erdgasverbrauches in Deutschland allein aus den Speichern gedeckt werden.

Aktionäre[Bearbeiten]

Aktionäre der VNG (Stand: 31. Dezember 2014) Aktienanteil in %
EWE Aktiengesellschaft, Oldenburg 63,69
VNG Verbundnetz Gas Verwaltungs- und Beteiligungsgesellschaft mbH, Erfurt (VUB) 25,79

davon Leipzig 7,02 %, Dresden 6,47 %, Erfurt 4,21 %, Chemnitz 2,12 %,
Lutherstadt Wittenberg 1,84 %, Rostock 1,71 %, Hoyerswerda 1,25 %,
Nordhausen 0,55 %, Neubrandenburg 0,50 %, Annaberg-Buchholz 0,12 %.

Gazprom Germania GmbH, Berlin 10,52

Aktienanteile gerundet

Geschäftszahlen[Bearbeiten]

2014 2013 2012 2011 2010 2009 2008
Umsatzerlöse (Mio. €) 7.676 8.761 7.811 6.392 5.293 4.763 5.529
Jahresüberschuss (Mio. €) 224 174 132 -260 59 170 141
Gasabsatz (in Mrd. kWh) 310 310 274 235 220 183 171
Mitarbeiteranzahl zum Jahresende 404 395 393 692 754 697 638
höchster Tagesabsatz (in Mio. kWh) n.n. n.n. n.n. 1021 1021 870 802
niedrigster Tagesabsatz (in Mio. kWh) n.n. n.n. n.n. 372 338 283 246

(Quelle: Geschäftsberichte der VNG - Verbundnetz Gas AG, 2008–2014)

Beteiligungen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Handelsblatt vom 6. Februar 2013
  2. Gazprom kurz vor Aufstockung bei VNG
  3. http://www.wintershall.com/presse-news/detail/news/wintershall-schliesst-verkauf-der-vng-anteile-an-ewe-ab.html
  4. Geschäftsbericht 2014 (PDF; 2,7 MB)

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Energiekonzerne stoßen an Grenzen. In: Die Welt, Ausgabe 145, 25. Juni 2007, S. 22
  • Deutschlands Große 500: Die WELT-Rangliste der deutschen Wirtschaft. In: Die Welt, Ausgabe 145, 25. Juni 2007, S. 20
  • Ost-Konzerne wachsen besonders schnell. In: Die Welt, Ausgabe 256, 2. November 2007, S. 12
  • EU will Versorgern die Adern abklemmen. www.handelsblatt.com, 10. Januar 2007
  • Geschäftsbericht der VNG 2008
  • Investitionen in Gasspeicher steigen deutlich an. www.bdew.de, 15. Mai 2009