Wienhausen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Wienhausen
Wienhausen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Wienhausen hervorgehoben
Koordinaten: 52° 35′ N, 10° 11′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Celle
Samtgemeinde: Flotwedel
Höhe: 42 m ü. NHN
Fläche: 40,38 km2
Einwohner: 4159 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 103 Einwohner je km2
Postleitzahl: 29342
Vorwahl: 05149
Kfz-Kennzeichen: CE
Gemeindeschlüssel: 03 3 51 022
Gemeindegliederung: 6 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Am Alten Bahnhof 3
29342 Wienhausen
Bürgermeister: Karl-Heinz Pickel (CDU)
Lage der Gemeinde Wienhausen im Landkreis Celle
Landkreis CelleNiedersachsenLandkreis HeidekreisLandkreis UelzenLandkreis GifhornRegion HannoverFaßbergSüdheideEschedegemeindefreies Gebiet LohheideBergenWinsenWietzeHambührenCelleAdelheidsdorfHagenWathlingenBröckelEicklingenWienhausenLanglingenHohneLanglingenEldingenAhnsbeckBeedenbostelLachendorfKarte
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Wienhausen (niederdeutsch Wienhusen) ist eine Gemeinde im Landkreis Celle in Niedersachsen. Seit dem 12. August 2011 führt Wienhausen offiziell den Beinamen „Klostergemeinde“.[2]

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wienhausen liegt südöstlich von Celle an der Aller. Die Gemeinde ist Verwaltungssitz der Samtgemeinde Flotwedel im Bundesland Niedersachsen, mit den Gemeinden Bröckel, Eicklingen, Langlingen und Wienhausen. Die Gemeinde Wienhausen grenzt an die Gemeinden Nienhagen, Ahnsbeck, Lachendorf und Hohne.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Gemeinde sind sechs Ortsteile ausgewiesen[3]:

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes Wienhausen war im Jahr 1052 als Huginhusen.[4] Hier könnte auch die am früheren Zusammenfluss von Aller und Oker gelegene Mundburg des Bischofs Bernward von Hildesheim (950/960–1022) im Jahre 998 gelegen haben. Es wird zwar auch der Ort Müden am heutigen Zusammenfluss von Aller und Oker für die Burg angenommen, jedoch hatte Bernward privat im nahen Schepelse und in Wathlingen lt. Horst Gädtke Grundbesitz.[5] Auch liefen hier in Wienhausen die wichtigen Wege von Wittingen und Hankensbüttel her zusammen.

Herzog Otto I. das Kind schenkte seiner Tante Agnes von Landsberg ein Haus, „Domus Ottonis“ (Ottos Haus) genannt, nebst Ländereien und Waldungen im Celler Stadtgebiet urkundlich 1243 mit der Befugnis, es dem Kloster Wienhausen überlassen zu dürfen.[6]

Im Jahre 1715 wurde der Gartenkünstler Georg Ludwig Charbonnier am Jagdschloss in Wienhausen angestellt.[7]

Am 12. April 1945 wurde Wienhausen durch das 335. und 333. Regiment der 84. U.S. Infanterie-Division befreit.[8] Nur wenige Tage zuvor, zwischen dem 6. und 8. April 1945 gelangten KZ-Transportzüge mit dem Ziel Bergen-Belsen bzw. Neuengamme durch Wienhausen.[9] Einer der Züge wurde am 8. April 1945 bei einem alliierten Bombenangriff auf Celle getroffen. Im Folgenden ereigneten sie die tragischen Ereignisse, die als Massaker von Celle in die Geschichte eingingen. Nachweislich hielt einer der Züge (vermutlich der zweite) auf der ehemaligen Bahnstrecke Celle - Gifhorn bei Wienhausen. Bei dem Halt wurden verstorbene Häftlinge vergraben und es gibt Hinweise darauf, dass noch Lebende ermordet wurden[10] Im Mai 1947 wurden die Leichen exhumiert und auf dem Waldfriedhof in Celle bestattet.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Januar 1973 wurden die Gemeinden Bockelskamp, Nordburg, Offensen und Oppershausen eingegliedert.[11]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rat der Gemeinde Wienhausen setzt sich aus 15 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen.

CDU SPD LUB Grüne FDP Gesamt
2001 8 5 2 0 0 15 Sitze
2006 8 4 1 1 1 15 Sitze
2011 8 3 2 2 0 15 Sitze [12]

letzte Kommunalwahl am 11. September 2011

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „in Silber über grünen Schildfuß, darin ein silberner Bach, eine rote Kirche mit Stufengiebel, drei gotischen Fenstern und spitzbedachten seitlichen Treppentürmen. Der Schildfuß und die Portalstelle sind belegt mit einem goldenen Schild, darin ein rotbewehrter blauer Löwe, zwischen dessen Vorderpranken ein rotes Herz schwebt (Wappen des Landkreises Celle). Der Stufengiebel ist beseitet von zwei grünen Eichenblättern“.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Juli 1985 besteht eine Partnerschaft mit der Gemeinde Portbail aus Frankreich.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Kloster Wienhausen, ein ehemaliges Zisterzienserinnen-Kloster, bekannt für seine Sammlung wertvoller gotischer Bildteppiche aus dem 14. und 15. Jahrhundert und gotischer Truhen und Schränken. Hier wurden die ältesten bekannten Brillengestelle und das Wienhäuser Liederbuch gefunden. Das Kloster wurde um 1230 von Agnes von Landsberg, Tochter von Konrad II. von Landsberg, Schwiegertochter Heinrich des Löwen, etwa 15 Kilometer von Celle entfernt in Wienhausen an der Aller gegründet.
  • Das Kloster verfügt mit der St.-Marien-Kirche und dem getrennt stehenden hölzernen Glockenturm über eine interessante Architektur. Die Anfänge der Kirche reichen vermutlich in das ausgehende erste Jahrtausend.
  • Direkt am Klosterteich ist die alte Wassermühle (erste urkundliche Erwähnung 1351), die heute einen stromerzeugenden Generator antreibt.
  • Davor steht der Stamm der Blasek-Eiche, der an das Geschenk Kaiser Heinrichs III. um 1052 an den Bischof von Hildesheim erinnern soll: Huginhusen = Wienhausen.
  • Im Ortsteil Oppershausen steht die Maria-Magdalenen-Kapelle, die im Jahr 1657 errichtet wurde.

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Teppichausstellung im Kloster vom 31. Mai bis 3. Oktober
  • Regelmäßige Gottesdienste in der Evangelisch-lutherischen Marienkirche
  • Regelmäßige Gottesdienste in der Freien ev. Gemeinde
  • Weihnachtsmarkt am Dorfplatz vor dem alten Rathaus im Dezember jeden Jahres[13]

Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eiche auf der Allerwiese mit einem Brusthöhenumfang von 7,40 m (2016).[14]
  • Fabianeiche beim Kloster mit einem Brusthöhenumfang von 6,90 m (2016).[15]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Landesstraße 311 führt durch Wienhausen, in etwa 3,5 Kilometer Entfernung verläuft die Bundesstraße 214.
  • Wienhausen besaß einen Bahnhof am Streckenabschnitt Gifhorn - Celle der Allertalbahn, auf welchem der Schienenpersonenverkehr jedoch 1981 eingestellt wurde. Weitere Haltepunkte existierten in den Ortsteilen Offensen und Bockelskamp.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Helmut Siuts (1994, langjährige Pflege und Förderung der Chormusik, Ehrenchorleiter des Männergesangvereins Wienhausen)

Persönlichkeiten, die im Ort gewohnt haben oder wohnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Albert Heinemann, (* 1938), Jurist und Landtagsabgeordneter (CDU)
  • Hans Jürgen Baden, (* 1911; † 1986), evangelischer Theologe, Honorarprofessor und Schriftsteller, bis 1951 Pfarrer in Wienhausen
  • Hanna Fueß, (* 1886; † 1972), Heimatschriftstellerin (von 1951 bis 1972 im Damenstift Kloster Wienhausen)
  • Frieder Gadesmann, (* 1943), evangelischer Theologe und Erziehungswissenschaftler (von 1949 bis 1965 im Ortsteil Bockelskamp)
  • Karl-Heinrich Langspecht, (* 1950; † 2011), Jurist und Landtagsabgeordneter (CDU)
  • Wilhelm Pahls, (* 1936), Automechaniker, Kaufmann, Evangelist, Prediger und Gründer des Missionswerks Die Bruderhand

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Otto Weltzien: Kloster Wienhausen, Celle o. J.
  • Johannes Wiebe: Kloster Wienhausen. In: Landkreis Celle (Hrsg.): Der Speicher. Faßberg 1978, S. 247 ff.
  • Bernhard Otte: Ballholen (in Bockelskamp). In: Landkreis Celle (Hrsg.): Der Speicher. Faßberg 1978, S. 307 ff.
  • Georg Santelmann: Die Oppershäuser Kapelle. In: Landkreis Celle (Hrsg.): Der Speicher. Faßberg 1978, S. 258.
  • Horst Appuhn: Kloster Wienhausen. Wienhausen 1986. ISBN 3-9801316-0-2
  • Chronic des Klosters Wienhausen, ursprünglich bis 1692, nachträglich bis 1793 geschrieben, Chronik und Totenbuch des Klosters Wienhausen, bearb. von Horst Appuhn. Wienhausen 1986. ISBN 3-9801316-6-1
  • Matthias Blazek: Chronik 75 Jahre Ortsfeuerwehr Wienhausen 1930–2005. Wienhausen 2005.
  • Matthias Blazek: Im Schatten des Klosters Wienhausen – Dörfliche Entstehung und Entwicklung der Dörfer im Flotwedel, ausgeführt und erläutert am Beispiel der Dörfer Bockelskamp und Flackenhorst. ibidem-Verlag, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8382-0157-3
  • Frieder Gadesmann: Hermann Löns (Interwivs mit Hanna Fueß). Bockelskamp 1962 (Realschularbeit)
  • Frieder Gadesmann: Wienhäuser Liederbuch. Aichwald 2010

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wienhausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 100 Bevölkerungsfortschreibung – Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2015 (Hilfe dazu).
  2. Statistisches Bundesamt
  3. http://www.plz-suche.org/de/niedersachsen/kreis.celle/wienhausen/6600.html
  4. 1022−1038 besaß der Hildesheimer Bischof in „Huginhusen“ einen großen Wirtschaftshof (Löffler, Eugenie; Dörries, Hans; Weber, Hans, Zentralkommission für Wissenschaftliche Landeskunde von Deutschland − Eine vergleichende Städtegeographie, Band 27, Stuttgart 1929, S. 258).
  5. Vgl. Blazek, Matthias; Bütepage, Günther, Dorfgeschichte Wiedenrode, Langlingen 2004, S. 13.
  6. Blazek, Matthias, Dorfgeschichte Ottenhaus − Eine Spurensuche −, mit Unterstützung von Wolfgang Brandis, Archivar der Lüneburger Klosterarchive, Celle 2005, S. 6.
  7. Helmut Knocke: Charbonnier, in: Hannoversches Biographisches Lexikon, S. 84, online über Google-Bücher
  8. Siehe Ulrich Saft: Krieg in der Heimat.
  9. Siehe: http://found-places.blogspot.de/2012/08/zusammenhange-der-auffindung-von.html
  10. Siehe: http://found-places.blogspot.de/2012/08/zusammenhange-der-auffindung-von.html
  11. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 223.
  12. Vorläufiges Ergebnis der Kreis- und Gemeindewahlen als PDF-Dokument 2,90 MB
  13. weihnachtsmarkt-deutschland.de.
  14. Eintrag im Verzeichnis Monumentaler Eichen. Abgerufen am 10. Januar 2017
  15. Eintrag im Verzeichnis Monumentaler Eichen. Abgerufen am 10. Januar 2017