Špindlerův Mlýn

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Špindlerův Mlýn
Wappen von Špindlerův Mlýn
Špindlerův Mlýn (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Královéhradecký kraj
Bezirk: Trutnov
Fläche: 7690 ha
Geographische Lage: 50° 44′ N, 15° 36′ O50.72611111111115.595833333333718Koordinaten: 50° 43′ 34″ N, 15° 35′ 45″ O
Höhe: 718 m n.m.
Einwohner: 1.162 (1. Jan. 2014) [1]
Postleitzahl: 543 51
Verkehr
Straße: II/295
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 4
Verwaltung
Bürgermeister: Bohumír Zeman (Stand: 2007)
Adresse: Svatopetrská 173
543 51 Špindlerův Mlýn
Gemeindenummer: 579742
Website: www.mestospindleruvmlyn.cz
Spindlermühle um 1900
Weiße Brücke und Elbe
Stadtzentrum
Typisches Berghotel
Die Elbe am Abend

Špindlerův Mlýn (deutsch Spindlermühle) ist eine Stadt mit 1.397 Einwohnern im Riesengebirge in Tschechien. Sie gehört zum Okres Trutnov im Královéhradecký kraj. Der Ort liegt in 715–1.310 m Höhe und hat eine Fläche von etwa 77 km².

Geographie[Bearbeiten]

Spindlermühle liegt am Zusammenfluss von Labe (Elbe) und Svatopetrský potok (Grundwasser). Im Nordosten erhebt sich der lange Felsgrat Kozí hřbety (Ziegenrücken).

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Zu Špindlerův Mlýn gehören die Ortsteile Přední Labská (Ochsengraben), Labská (Krausebauden), Bedřichov (Friedrichsthal) und Svatý Petr (Sankt Peter).

Geschichte[Bearbeiten]

Die ersten Erwähnungen von Spindlermühle stammen aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Der älteste, dichter besiedelte Ortsteil der Gemeinde Spindlermühle ist St. Peter, wo bereits seit dem Jahre 1516 Silber und Kupfer gefördert wurden. Bedřichov verdankt sein Entstehen einem 1746 errichteten Glashüttenwerk. Benannt ist der Ortsteil nach Graf Friedrich Harrach, dessen Familie jenen Teil des Riesengebirges besaß. Spindlermühle selbst entstand im späten 18. Jahrhundert und wurde von aus Schlesien eingewanderten Waldarbeitern gegründet. An der Mündung des Dolský potok in die Elbe siedelte sich die Holzfällerfamilie Hollman an. 1784 standen dort fünf Hütten, eine Mühle und ein Forsthaus. Am 13. Juli 1793[2] genehmigte der Kaiser der Habsburgermonarchie, Franz II., durch ein Patent die Gründung einer Pfarrei sowie die Errichtung einer Kirche, die den halb verfallenen Bau in Svatý Petr ersetzen sollte.[3] Im 18. Jahrhundert wurde die Erzförderung in Svatý Petr eingeschränkt. Schon seit der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich der Tourismus als immer stärkerer Wirtschaftsfaktor, wobei Spindlermühle ab 1850 eine Gemeinde im Gerichtsbezirk Hohenelbe bzw. im Bezirk Hohenelbe bildete. Von 1939 bis 1945 gehörte Spindelmühle im Riesengebirge zum Reichsgau Sudetenland. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auf der Grundlage der Beneš-Dekrete die bis dahin mehrheitlich deutschsprachige Bevölkerung des Ortes vertrieben. Heute leben in Špindlerův Mlýn hauptsächlich Tschechen.

Zum Ortsnamen[Bearbeiten]

Die ursprüngliche Bezeichnung des Ortes lautete „Spindlers Mühle“, benannt nach dem Mühlenbesitzer Spindler.[3] Umgangssprachlich wurde der Ort jedoch meist Spindelmühle genannt, erst nach und nach setzte sich Spindlermühle durch. Dieser Tatsache wurde 1923 mit einer amtlichen Namensänderung Rechnung getragen. Bei der Transkription des deutschsprachigen Ortsnamens in die tschechische Sprache nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dieser zunächst falsch übersetzt, als eine Spindlermühle, worin der Beruf des Spindlers ausgeübt wird. Das entsprach der umgangssprachlichen, älteren Namensvariante. Nach langer Diskussion erfolgte dann die Änderung des tschechischen Namens in die tschechische Genitiv-Form Špindlerův Mlýn für „Spindlers Mühle“.

Tourismus[Bearbeiten]

Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Ort von Personen aufgesucht, denen in Bezug auf ihre Gesundheit Klimaveränderung auferlegt war. Ende Januar 1922 kam Franz Kafka auf Empfehlung seines Hausarztes nach Spindelmühle, wo er vier Wochen blieb, und unter dem schriftlich festgehaltenen Eindruck der Ortsumgebung, mit der Arbeit am Roman Das Schloss begann.[4]

Heute ist der Tourismus der mit Abstand größte Wirtschaftsfaktor nicht nur in Špindlerův Mlýn, sondern im gesamten Riesengebirge. Besonders im Winter kann sich die Einwohnerzahl des Ortes durch die Touristen, welche hauptsächlich aus Tschechien selber, aus Polen, Deutschland und den Niederlanden kommen, mehr als verzehnfachen. Spindlermühle hat einige der besten Skipisten des Riesengebirges. Neben gespurten Langlaufloipen existiert ein großes, gut markiertes Netz an Skiwanderwegen. Für den Sommertourismus wurden zahlreiche Wanderwege und Mountainbikerouten ausgewiesen. 1967 fand auf der Elbe die Weltmeisterschaft im Wildwasserrennsport statt.

Im Ortsteil Labská (Krausenbauden) befindet sich die Krausebauden-Talsperre (Labská-Talsperre), in der die Elbe gestaut wird.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Elbquelle (Pramen Labe) – Auf 1386 m Höhe stellt ein Betonbrunnenring die symbolische Quelle der Elbe dar (Pramen Labe). Die tatsächliche Quelle liegt etwas höher.
  • Pantschefall (Pančavský vodopád) − 140 m hoher Wasserfall von der Kante der Pantschewiese zum Grund des Elbtals.
  • Elbfall (Labský vodopád) − Bei der Elbfallbaude fällt das Wasser 45 m über steile Stromschnellen in die Tiefe, weitere 200 m fällt das Wasser an der Wand der Elbschlucht in den Elbgrund.
  • Elbklemme (Labská soutěska) − Auf 3 km Länge Stromschnellen, Töpfe und Kesselauswaschungen bei Kuckuckssteg (Kukačka).

Literatur[Bearbeiten]

  • Josef Richter (Hrsg.), Ilse Franke (Mitarb.), Hans Adolf (Beiträge): Die alte Heimat Spindelmühle. St. Peter – Friedrichsthal im Riesengebirge. Ortsbücher, Band 3, ZDB-ID 2292740-2. Heimatkreis Hohenelbe, Riesengebirge e.V., Marktoberdorf 1994, OBV, DNB.
  • Frank Schüttig: Das Riesengebirge entdecken. Rübezahls Land an der tschechisch-polnischen Grenze – mit Isergebirge und Adersbacher Felsen, Ausflügen nach Görlitz und Breslau sowie einem Wegweiser für Wintersportler. Trescher-Reihe Reisen. 3., erweiterte und aktualisierte Auflage. Trescher, Berlin 2002, ISBN 3-928409-69-7.
  • Hansjörg Küster: Die Elbe – Landschaft und Geschichte. Beck, München 2007, ISBN 3-406-56209-4.
  • Jiří Louda, Blanka Zázvorková: Špindlerův Mlýn. Zmizelé Čechy. 1. vyd. Paseka, Praha (u.a.) 2007, ISBN 978-80-7185-867-6.
  • Peter-André Alt: Franz Kafka, der ewige Sohn. Eine Biographie. 2., durchgesehene Auflage, Sonderausgabe. Beck, München 2008, ISBN 978-3-406-57535-8.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB)
  2. Schüttig: Das Riesengebirge, S. 146.
  3. a b Küster: Die Elbe, S. 23, online, abgerufen am 12. März 2011.
  4. Fahrt nach Spindelmühle. In: Alt: Franz Kafka, S. 588–591, online, abgerufen am 12. März 2011.