Achsenzeit

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Als Achsenzeit bezeichnet Karl Jaspers in seinen geschichtsphilosophischen Betrachtungen (s. Vom Ursprung und Ziel der Geschichte, 1949) die Zeitspanne von ca. 800 bis 200 v. Chr. In dieser Zeitspanne hätten die Gesellschaften von vier voneinander unabhängigen Kulturräumen gleichzeitig bedeutende philosophische und technische Fortschritte gemacht. Diese wiederum hatten einen prägenden Einfluss auf alle nachfolgenden Zivilisationen. Nach Jaspers erfolgte in der Achsenzeit demnach die geistige Grundlegung der gegenwärtigen Menschheit. Sie brachte die Grundkategorien hervor, in denen der Mensch noch heute denkt, und damit den modernen Menschen überhaupt.

Der Begriff „Achsenzeit“ spielt auf den Gedanken an, dass diese Zeitspanne eine „Achse der Weltgeschichte“ gewesen sei, wie es Jaspers formulierte.[1] Jaspers' Ideen hatten einen großen Einfluss; viele heutige Geschichtswissenschaftler stehen dem Konzept allerdings skeptisch gegenüber, da es vielfach auf Vorstellungen und Annahmen beruht, die die moderne Forschung mittlerweile verworfen hat.

Die vier Kulturkreise der primären Achsenzeit (800–200 v. Chr.)[Bearbeiten]

Jaspers sagt, dass mit der Reformbewegung des Jainismus und dem Buddhismus in Indien, dem Daoismus und dem Konfuzianismus in China, dem talmudischen Judentum und dem Zoroastrismus im alten Orient und der Philosophie des antiken Griechenland religiöse und philosophische Ansätze geschaffen worden seien, aus denen die Menschen noch immer Kraft und Hoffnung schöpften. Dieser Schritt ins Universale oder in die „Vergeistigung“, wie Jaspers sagt, habe eine Veränderung des gesamten Menschseins bewirkt.

China[Bearbeiten]

In China, wo u. a. Konfuzius und Laotse wirkten, entstanden alle Richtungen der chinesischen Philosophie (Zeit der Hundert Schulen).

Indien[Bearbeiten]

In Indien, das in der Zeit zwischen 500 und 300 v. Chr. seine Prägung durch die Lehren Buddhas erhielt, waren bereits mit den älteren Upanishaden 800–600 v. Chr. die Anfänge der Natur-Philosophie und des Hinduismus entstanden (siehe: Indische Philosophie). Im diametralen Gegensatz zur griechischen Naturphilosophie stand im Mittelpunkt der indischen der Mensch und die Frage nach dem stofflichen Träger des Lebens.

Orient[Bearbeiten]

In Israel brachten die biblischen ProphetenElija, Elischa, Amos, Hosea, Micha im 8. Jh. v. Chr., Jesaja im 7. Jh., Jeremia, Zefanja, Hulda, Nahum, Habakuk, im 6. Jh., Ezechiel, Deuterojesaja, Haggai, Sacharja und Tritojesaja im 5. Jh. und später – mit ihren Weissagungen ein wesentliches Moment der geistigen Schöpfung der Achsenzeit hervor. 521 bis 516 v. Chr. wurde zudem der zweite Tempel in Jerusalem erbaut und die Gemeinde mit Unterstützung der Propheten Haggai und Sacharja neu begründet. Bedeutend ist nach der Rückkehr aus der Babylonischen Gefangenschaft zumal auch Esra gewesen.

Im Iran lehrte Zarathustra nach einer weit verbreiteten Annahme, die Jaspers sich zu eigen macht, im 7. oder 6. Jh. v. Chr. (z. B. 618–541) als Religionsstifter und Priester-Prophet das Weltbild des Kampfes zwischen Gut und Böse, verkörpert durch den Schöpfergott Ahura Mazda und dessen Gegenspieler Ahriman. In der noch heute verbreiteten iranischen Religion des Zoroastrismus ist dementsprechend der Gegensatz zwischen awestisch Aša/altpersisch Arta (= „Wahrheit“, „Gerechtigkeit“ und „gute Ordnung“) und der (awestisch) Druj /altpersisch Drauga (= „Lüge“, „Ungerechtigkeit“, das „Böse“ und „Chaos“) von zentraler Bedeutung.

Okzident[Bearbeiten]

In Griechenland wurden mit den homerischen Epen Ilias und Odyssee (um und kurz nach 750 v. Chr.), den Naturphilosophen seit der 1. Hälfte des 6. Jhs. v. Chr. (z. B. die Milesier Thales, Anaximander und Anaximenes) sowie im 5. und 4. Jh. v. Chr. Sokrates, Platon und Aristoteles die Grundlagen der heutigen europäisch-abendländischen Weltanschauung gelegt.

Diese Entwicklung wurde in Rom durch Cicero und Seneca fortgesetzt, denen nach der Begründung des Neuplatonismus durch Plotin in der Spätantike u. a. Augustinus von Hippo, Proklos und Boethius folgten (siehe auch Philosophie der Antike).

Im antiken Griechenland entstand, wenn auch nur vorübergehend und weitgehend auf die Polis Athen beschränkt, eine Vorstellung von Freiheit, die offenbar nirgendwo sonst in der damaligen Welt entstanden war. Damit legte die antike Polis laut Jaspers „den Grund allen abendländischen Freiheitsbewusstseins, sowohl in der Wirklichkeit der Freiheit wie des Freiheitsdenkens (vgl. Solon). China und Indien kennen in diesem politischen Sinne keine Freiheit“ (Lit.: Jaspers, S. 88).

So liegt der große Wendepunkt der Achsenzeit für das Abendland in Jaspers' Augen darin, dass vom 6. Jh. v. Chr. an diese Freiheit griechischen Denkens, griechischer Menschen und griechischer Polis aufgekommen sei, sich dann in den Perserkriegen des 5. Jahrhunderts bewährt und danach zu ihrer höchsten Blüte entfaltet habe. Mit dem Vater der europäischen Geschichtsschreibung Herodot sei um die Mitte des 5. Jhs. v. Chr. der Gegensatz zwischen Abendland und Morgenland bewusst geworden.

Die Griechen hätten, so Jaspers, das Abendland als geistige Kategorie gegründet, aber so, dass dieses nur existiert, indem es seinen Blick ständig auf den Orient richtet, sich mit ihm auseinandersetzt und sich von ihm absetzt, das von ihm Übernommene zu Eigenem verarbeitet und schließlich mit dem Sieg Alexanders des Großen über den Perserkönig Dareios III. um 330 v. Chr. die politische Macht vom Osten übernimmt.

Den Griechen verdanke die moderne Menschheit aber nicht nur Begriff und Form der abendländischen Philosophie und Wissenschaft, sondern auch ein vorbildhaftes Bildungssystem. „Die Bildung ist den Glücklichen Schmuck, den Unglücklichen Zuflucht,“ befand bereits der Vorsokratiker Demokrit (68 B 180 DK). Für Perikles (bei Thukydides 2,41,1) ist Athen die Bildungsstätte ganz Griechenlands, zeichnet sich der einzelne athenische Bürger dank der ihm anerzogenen Eigenschaften vor allen anderen Griechen aus (Thukydides 2,40–41).

In einer Auseinandersetzung mit den Sophisten entwickelt Platon (428/27–348/47 v. Chr.) „das erste systematisch konstruierte Bildungsprogramm der europäischen Kultur“ (Lit.: Christes 2000, Sp. 151). Den Griechen galt Paideia als „das kostbarste Gut, das den Sterblichen gegeben ist“ (Menander, Monosticha 384 Jaekel bei Plat. Nom. 644 b). In ihr sahen sie ihre kulturelle Identität definiert.

Das griechische Ideengut der Paideia lebte fort in der Aneignung durch die Römer. Von Cicero und Varro wird Paideía im Sinne der Bildung des ganzen Menschen verstanden und mit dem Begriff humanitas ins Lateinische übersetzt (Aulus Gellius, Noctes Atticae 13,16,1). So erhielt Paideia in der Zeit des römischen Weltreichs ihre die ganze weitere abendländische Kultur bis heute prägende humanistische Gestalt.

Die meisten heutigen Althistoriker haben sich allerdings von dieser lange Zeit angenommenen Dichotomie Orient versus Okzident, die Jaspers noch als selbstverständlich ansah, inzwischen gelöst; entscheidend hat hierzu die Orientalismus-Debatte seit den 1980er Jahren beigetragen. Forscher wie Josef Wiesehöfer halten den angeblichen Gegensatz von „griechischer Freiheit“ und „orientalischer Despotie“ für eine irreführende, auf Unkenntnis und Vorurteilen beruhende Vorstellung: Die Perserkriege seien keineswegs als eine Verteidigung der Griechen gegen eine Versklavung durch die Perser zu verstehen.[2]

Der sekundäre Durchbruch der Achsenzeit mit einem Höhepunkt in der Spätantike[Bearbeiten]

Das Christentum[Bearbeiten]

Die wichtigste Klammer zwischen Altem Orient und der abendländischen Antike bildet für Jaspers das Christentum, sei es doch für das Bewusstsein des Abendlandes Christus die Achse der Weltgeschichte. Das Christentum als christliche Kirche ist „vielleicht die größte und höchste Organisationsform menschlichen Geistes, die bisher da war“. Aus dem altorientalischen Judentum stammen die religiösen Antriebe, ist doch Jesus in der Reihe der jüdischen Propheten der letzte, und steht in bewusster Kontinuität zu ihnen, aus der antiken Welt des hellenistischen Griechentums aber die philosophische Weite und Rationalität, aus dem Römertum die Organisationsenergie und die Weisheit im Realen (Lit.: Jaspers, S. 84).

Hinsichtlich seiner Loslösung von der jüdischen Wurzel, des Aufbaus einer Kirchenorganisation und der Entwicklung einer von der römischen Staatsmacht verfolgten zu einer seit Konstantin I. zum Träger des römischen Weltreiches in der Spätantike aufsteigenden Staatsreligion handelt es sich hier um einen sekundären, das heißt zeitlich versetzten erneuten Durchbruch der Achsenzeit.

Das Judentum[Bearbeiten]

Auch das Judentum erlebte laut Jaspers mit dem Talmud, dem nachbiblischen Hauptwerk des Judentums, einen sekundären Durchbruch der Achsenzeit. Es entstand in mehrhundertjähriger mündlicher und schriftlicher Überlieferung und wurde am Ende der Spätantike um 500 n. Chr. abgeschlossen.

Der Islam[Bearbeiten]

Im antiken Arabien vollzog sich der Durchbruch der Achsenzeit überhaupt erstmals unter dem Propheten Mohammed ca. 610–632 n. Chr. mit der Stiftung des Islam und der schriftlichen Fixierung der Offenbarungen des Propheten, die unter dem 3. Kalifen Othman (644–56) 653 in einer endgültigen, unveränderlichen, kanonischen Rezension als Koran zusammengestellt wurden, als die Heilige Schrift der Muslime, die darin das Wort des Einen Gottes (Allah) sehen. Der Islam ist die jüngste der drei monotheistischen Weltreligionen mit heute über einer Milliarde Anhänger.

Die endgültige Kanonisierung der Schriften des Talmuds, des Neuen Testaments und des Korans in der Spätantike bewirkten, dass sich der Monotheismus in Europa und vielen anderen Weltregionen durchsetzte.

Römisches Recht[Bearbeiten]

Die einzigartige Rechtskultur, mit der Rom seinen spezifischen Beitrag zur geistigen Revolution der Achsenzeit lieferte, begann bereits mit den Decemviri und fand ebenfalls ihren Höhepunkt und krönenden Abschluss erst in der Spätantike.

Am 15. Februar 438 wurde der Codex Theodosianus als amtliche Sammlung der Kaisererlasse von 313 bis 438 zum öffentlichen, privaten und zum Kirchenrecht publiziert und galt seit dem 1. Januar 439 im Osten, nach Akklamation durch den Senat (wohl schon am 25. Dezember 438), auch im Westen des römischen Reiches. 529 publizierte der oströmische Kaiser Justinian I. den nach ihm benannten Codex Iustinianus, eine Sammlung des Rechts von Kaiser Hadrian (117–138) bis in seine Zeit als ersten Teil des Corpus Iuris Civilis. Er ließ ihn aktualisieren, um die (533 publizierten Digesten) erweitern und in einer zweiten Auflage am 16. November 534 publizieren. Dieses Corpus Iuris Civilis wurde nach Rückeroberungen 554 auch im Westen gültig und diente als Grundlage der Rezeption des Römischen Rechts im Mittelalter und in der Neuzeit.

So lässt sich ein Faden von der ersten Kodifikation römischen Rechts in den sogenannten Zwölftafelgesetzen um 450 v. Chr., von denen Kaiser Justinian 27 Fragmente in seine „Digesten“ aufnehmen ließ, bis zu den Kodifikationen des Zivilrechts in der Moderne, z. B. dem Allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuch (seit 1811 in Österreich gültig), dem Code civil (seit 1804 in Frankreich und vielen anderen Ländern geltend) und schließlich dem Bürgerlichen Gesetzbuchs (seit 1900 in Deutschland in Kraft), das „somit ein Gesetzbuch“ ist, „das direkt aus der wissenschaftlichen Rezeption und Bearbeitung des römischen Rechts hervorgegangen ist“ (Lit.: Waldstein, S. 37), ziehen. Dass fast alle europäischen Staaten die bis heute unversehrt gebliebene römische Rechtskultur als gemeinsame Grundlage ihrer Rechtsordnungen haben, war und ist eine wesentliche Voraussetzung für eine echte Einheit Europas in der EU (Lit.: Waldstein, S. 34 und 39).

Griechische Philosophie und Wissenschaft[Bearbeiten]

Auch griechische Philosophie und Wissenschaften erlebten in der Spätantike im sog. Neuplatonismus eine glanzvolle Nachblüte. Begründet wurde diese philosophischen Richtung, die sich in die Schultradition Platons stellte, von Plotin um die Mitte des 3. Jhs. n. Chr. in Rom. Seine Schüler führten sie nach dessen Tod 270 n. Chr. weiter.

Der Neuplatonismus wurde zur wichtigsten philosophischen Bewegung der Spätantike und hat die griechische Philosophie, besonders die Werke Platons und des Aristoteles, dem Mittelalter und der Neuzeit vermittelt. Nachdem der Versuch einer Restauration des Heidentums auf neuplatonischer Grundlage unter Kaiser Julian (361–363 n. Chr.) gescheitert war und der christliche Kaiser Justinian I. 529 n. Chr. die Platonische Akademie in Athen als letztes und immer noch bedeutendstes Bollwerk „heidnischen“ Gedankenguts schließen ließ, wanderten sieben heidnische Neuplatoniker (darunter Simplikios und Damaskios) nach Persien an den Hof Chosraus I. aus; sie kehrten jedoch bald darauf wieder ins römische Reich zurück. Nach der arabisch-muslimischen Eroberung (ab 641 n. Chr.) hatte ihr dortiges Wirken sowie die Beschäftigung Chosraus I. mit der griechischen Philosophie großen Anteil daran, dass griechische Autoren ins Aramäische (Syrische), von da ins Arabische übersetzt und so der Nachwelt erhalten wurden.

Aber auch die christliche Theologie eines Augustinus von Hippo (354–430 n. Chr.), der das Werk Plotins gut kannte und benutzte, wurde vom Neuplatonismus stark beeinflusst. Dessen Zentrum war die Akademie in Athen, Hochburg der heidnischen, „vorchristlichen“ Philosophie.

Der nach Plotin bedeutendste Vertreter des spätantiken Neuplatonismus, Proklos, war von 437 bis zu seinem Tod 485 n. Chr. der Leiter der Platonischen Schule in Athen. Sein Werk kann als Endpunkt des pagan-philosophischen Denkens angesehen werden und hat die Platon-Rezeption in der europäischen Geistesgeschichte entscheidend geprägt.
Der bedeutendste neuplatonische Philosoph des lateinischen Westens in der Völkerwanderungszeit war Boëthius (um 480–524 n. Chr.). Er hat als letzter Vertreter „die gesamte antike Bildung wie in einem Brennspiegel aufgefangen“ (Lit.: Kappelmacher 1928, S. 215) und gilt als wichtigster Vermittler griechischer Philosophie an die lateinische Welt seit Cicero und an das Mittelalter vor den Arabern.

Philosophie und Bildungssystem im lateinischen Westen[Bearbeiten]

In die Spätantike gehört ferner das Bildungssystem der Artes liberales. Paideia bzw. humanitas erlangten ihren kanonischen Ausdruck in einem Curriculum von Bildungsfächern, deren Studium für einen Freien als allein standesgemäß galt. Der Fächerkanon umfasste „sieben freie Künste“ (griech. enkýklios paideía, lat. artes liberales), nämlich Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik (Boethius, De institutione arithmetica 1,1). Sie konnten durch ein Philosophiestudium als Krönung der Ausbildung ergänzt werden.

Als letzter heidnischer Enzyklopädist vermittelte Martianus Capella um 420 n. Chr. die sieben freien Künste mit seinem Lehrbuch De nuptiis Philologiae et Mercurii („Philologias Vermählung mit Merkur“) in 9 Büchern an das Mittelalter. Etwa zur selben Zeit stellte Augustinus (354–430 n. Chr.) die sieben artes liberales in den Dienst der Gotteserkenntnis und legitimierte so die Aneignung heidnischer Bildung durch die Christen.

Am Ausgang der Antike integrierten dann Cassiodor (ca. 490–590 n. Chr.) und Isidor von Sevilla (um 560–636 n. Chr.) die artes liberales in Handbücher, in denen das gesamte, für die Christenheit relevante Wissen gesammelt war. Zunächst Lehrgegenstände der Kloster- und Lateinschulen, wurden sie im späten Mittelalter Gegenstand der Artistenfakultät, die den Fachstudiengängen der Theologie, Medizin und Jurisprudenz vorgeschaltet war. Als dann in der Epoche des Humanismus die Sprachwissenschaft aufblühte, verhalf ihnen das zur Gleichrangigkeit als Geisteswissenschaften und ließ die Artistenfakultät zur Philosophischen Fakultät aufsteigen (Lit.: Christes 1997, Sp. 62–64 mit weiterer Literatur).

Indien[Bearbeiten]

Auch in Indien erlebte die Achsenzeit einen erneuten Durchbruch in der Spätantike: In der sog. Gupta-Zeit 320 bis 500 n. Chr. entwickelte sich der „klassische“ Hinduismus mit heute mehr als 800 Millionen Gläubigen.

Zusammenfassung[Bearbeiten]

So lässt sich die abendländische Geschichte in der Großepoche Altertum in zwei Abschnitte gliedern: knapp 3000 Jahre Babylonien und Ägypten bis etwa zur Mitte des letzten Jahrtausends v. Chr.; eintausend Jahre Antike, gegründet auf den „Durchbruch der Achse“, die Geschichte der Juden, Perser, Griechen, Römer, in der sich das Abendland bewusst konstituiert, von der Mitte des letzten vorchristlichen bis zur Mitte des ersten nachchristlichen Jahrtausends (Lit.: Jaspers, S. 83).

Die Annahme einer Achsenzeit ist für Jaspers eine Möglichkeit, Geschichte in größeren Zusammenhängen zu betrachten, nicht jedoch – wie durch Hegel geschehen – als einen auf Europa fokussierten Prozess; die Menschheitsgeschichte sei vielmehr gespeist aus unterschiedlichsten Quellen aus allen Gebieten der Erde. Geschichte sei unter der Annahme einer Achsenzeit mehr als eine lose, zufällige Aufeinanderfolge von Ereignissen, allerdings auch nicht auf Europa als ihr letztliches Zentrum und Ziel zu begrenzen.

Durch den israelischen Soziologen Shmuel N. Eisenstadt wurde die Annahme einer Achsenzeit 1986 erneut aufgegriffen. Jörg Rüpke hat ihren Sinn für die Religion in der römischen Republik 2012 untersucht.

Siehe auch[Bearbeiten]

Esra, Chilon, Mani, Mengzi

Literatur[Bearbeiten]

Die Achsenzeit wird dargestellt in Jaspers’ Werk Vom Ursprung und Ziel der Geschichte, München 1949 (mit zahlreichen Neuauflagen, z. B. 1963).

Weitere Literatur:

  • Karen Armstrong: Die Achsenzeit. Vom Ursprung der Weltreligionen, ins Deutsche übersetzt von M. Bayer und K. Schuler. Siedler, München 2006.
  • H. Bengtson: Einführung in die Alte Geschichte. 7. durchgesehene und ergänzte Auflage 1975, bes. S. 1–7.
  • J. Christes: Artes liberales. In: Der Neue Pauly 2,1997, Sp. 62–64.
  • J. Christes: Paideia. In: Der Neue Pauly 9, 2000, Sp. 151.
  • S.N. Eisenstadt (Hrsg.): Kulturen der Achsenzeit. Ihre Ursprünge und ihre Vielfalt. Teil 1: Griechenland, Israel, Mesopotamien, Teil 2: Spätantike, Indien, China, Islam. Übers. v. R. Achlama und G. Schalit. Taschenbuchausgabe Frankfurt/Main 1987. ISBN 978-3518282533
  • M. Erler, A. Graeser (Hrsg.): Philosophen des Altertums. Von der Frühzeit bis zur Klassik. Eine Einführung. Darmstadt 2000.
  • M. Erler, A. Graeser (Hrsg.): Philosophie des Altertums. Vom Hellenismus zur Spätantike. Darmstadt 2000.
  • H. Grziwotz, W. Döbertin: Spaziergang durch die Antike. Denkanstöße für ein modernes Europa. Darmstadt 2002.
  • E. Jakob, U. Manthe: Das Recht in der römischen Antike. In: U. Manthe (Hrsg.): Die Rechtskulturen in der Antike vom Alten Orient bis zum römischen Reich. München 2003, S. 239 ff.
  • Alfred Kappelmacher: Der schriftstellerische Plan des Boethius. In: Wiener Studien 46, 1928, 215 = M. Fuhrmann, J. Gruber (Hrsg.), Boethius, Darmstadt 1984, 71.
  • Paul Koschaker: Europa und das römische Recht. 2. Auflage bes. v. M. Kaser, jetzt in der 4. unveränderten Auflage 1966.
  • Christian Meier: Die Entstehung des Politischen bei den Griechen. Frankfurt/Main 1980.
  • Ph. Merlan: From Platonism to Neoplatonism. 2. Auflage. Den Haag 1960.
  • Wilhelm Nestle: Vom Mythos zum Logos. Selbstentfaltung des griechischen Denkens. 2. Auflage Stuttgart 1941.
  • Jörg Rüpke: Religion in Republican Rome. Rationalization and Ritual Change, New York 2013 Hinweis der Uni Erfurt
  • Arno Schmidt: Die Geburt des Logos bei den frühen Griechen. Mit Radierungen von Ernst Marow, Logos Verlag, Berlin 2002.
  • Bruno Snell: Die Entdeckung des Geistes. Studien zur Entstehung des europäischen Denkens bei den Griechen. 3. Auflage Hamburg 1955.
  • W. Waldstein: „Wie die blinde Justitia das Wägen lernte“. In: W. Schön (Hrsg.), Die schöne Mutter der Kultur. Unsere Grundlagen in der antiken Welt. Darmstadt 1996.

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. „Achsenzeit als Ereignis und Geschichte“ von Dieter Metzler (PDF; 51 kB) - abgerufen am 8. Februar 2013 auf hu-berlin.de
  2. Josef Wiesehöfer: Griechenland wäre unter persische Herrschaft geraten... Die Perserkriege als Zeitenwende? In: H. Brinkhaus, S. Sellmer (Hg.): Zeitenwenden, Hamburg 2002, S. 209-232.