Adolf von Trotha

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Adolf Lebrecht von Trotha (* 1. März 1868 in Koblenz; † 11. Oktober 1940 in Berlin) war ein deutscher Marineoffizier, zuletzt Admiral und Chef der Admiralität sowie Domherr und Dechant des Domkapitels für das Domstift in Brandenburg an der Havel.

Familie[Bearbeiten]

Adolf von Trotha war der dritte Sohn des Karl von Trotha (1834–1870), der 1870 im Deutsch-Französischen Krieg fiel, als sein Sohn erst zwei Jahre alt war. Er besuchte das Königliche Wilhelms-Gymnasium in Berlin.

Trotha heiratete am 4. Juni 1902 auf Gut Destedt Anna von Veltheim (* 15. Januar 1877 auf Gut Destedt; † 8. August 1964 in Braunschweig), die Tochter des herzoglich braunschweigischen Oberkammerherrn und Oberjägermeisters Fritz von Veltheim, Gutsbesitzer auf Destedt, und der Elisabeth von Krosigk.

Militärischer Werdegang[Bearbeiten]

Trotha trat am 1. April 1886 als Seekadett in die Kaiserliche Marine ein und wurde 1891 zum Leutnant zur See ernannt. Er diente als Kommandant des Torpedoboots SMS D 3 und als Navigationsoffizier auf dem Kleinen Kreuzer SMS Seeadler. 1899 zum Kapitänleutnant befördert, diente er bis 1901 als Admiralstabsoffizier beim Ostasiengeschwader und nahm an der Niederschlagung des Boxeraufstands in China teil.

Von 1901 bis 1906 war Trotha Stabsoffizier im Reichsmarineamt unter Alfred Tirpitz. In dieser Verwendung wurde er 1904 zum Korvettenkapitän befördert. Von 1906 bis 1908 war er Erster Offizier auf dem Linienschiff SMS Elsass und anschließend bis 1909 beim Stabe der Hochseeflotte. 1909 zum Fregattenkapitän befördert wurde er zum Flügeladjutanten des Kaisers ernannt und übernahm im gleichen Jahr das Kommando des Kreuzers SMS Königsberg. Ab 7. Mai 1910 war er als Kapitän zur See Abteilungschef im Marinekabinett und ab 20. September 1913 Kommandant des Großlinienschiffs SMS Kaiser.

Am 29. Januar 1916 zum Chef des Stabes der Hochseeflotte ernannt, nahm er in dieser Funktion an der Skagerrakschlacht teil. Am 17. Dezember 1916 wurde er zum Konteradmiral befördert, Admiral à la suite des Kaisers und ab 1918 Chef des Personalamts im Reichsmarineamt. Kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs wurde von Trotha Chef des Marinekabinetts. So kam es – mit umstrittener Zielsetzung – zum Flottenbefehl vom 24. Oktober 1918: Die Hochseeflotte sollte gegen die Kanalküste und die Themsemündung vorstoßen und die Entscheidungsschlacht gegen Großbritannien suchen. Die Äußerungen von Reinhard Scheer und Adolf von Trotha lassen jedoch wenig Zweifel daran, dass es in erster Linie um die „Ehre“ der Kaiserlichen Marine ging. Die Reichsregierung wurde von dem Plan bewusst nicht unterrichtet, der „Rebellion der Admiräle“ folgte jedoch, „binnenlogisch konsequent“, die „Revolution der Matrosen“.[1][2] In der Nacht vom 29. zum 30. Oktober kam es zu ersten Befehlsverweigerungen einiger Schiffsbesatzungen, woraufhin die Marineleitung ihren Plan der Entscheidungsschlacht fallen ließ. Dennoch entwickelte sich aus der Meuterei der Kieler Matrosenaufstand, der die Novemberrevolution initiierte.

Am 26. März 1919 wurde von Trotha zum Chef der neuen Admiralität der Reichsmarine, die an die Stelle des Reichsmarineamts getreten war. Am 21. Oktober 1919 wurde Trotha zum Vizeadmiral ernannt. Beim Kapp-Putsch im März 1920 erklärte Trotha, dass die Marine der Regierung der Putschisten zur Verfügung stehe. Mit dieser Entscheidung begründete er anhaltende Zweifel an der Verfassungstreue der Reichsmarine während der gesamten Zeit der Weimarer Republik. Nach der Niederschlagung des Putsches wurde er deshalb am 5. Oktober 1920 verabschiedet, nachdem ein Verfahren gegen ihn vor dem Reichsgericht eingestellt worden war.

Spätere Aktivitäten[Bearbeiten]

Nach Eintritt in den Ruhestand hielt sich Trotha zunächst mehrere Monate bei Kaiser Wilhelm II. in dessen Exil in Haus Doorn in den Niederlanden auf. 1921 übernahm er die Leitung des Deutschnationalen Jugendbundes (später: Großdeutscher Bund, der 1933 aufgelöst wurde) und wurde Ehrenführer der Marine-Hitlerjugend. Am Tage der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde er in den Preußischen Staatsrat berufen. Am 23. März 1934 übernahm er die Leitung vom Reichsbund Deutscher Seegeltung. In dieser Eigenschaft publizierte er kurz vor seinem Tod das Werk Seegeltung-Weltgeltung.

Gemeinsam mit Hitler weihte er am 30. Mai 1936, dem Tag vor dem 20. Jahrestag der Skagerrakschlacht, das Marine-Ehrenmal Laboe ein. Am 19. August 1939 erhielt er den Charakter als Admiral verliehen. Anlässlich seines Todes fand ein Staatsakt in Anwesenheit von Adolf Hitler am Ehrenmal in Berlin statt.[3] Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof der evangelischen Kirchengemeinde von Glienicke/Nordbahn, wo er auch Ehrenbürger ist. Sein schriftlicher Nachlass befindet sich als Depositum im Staatsarchiv Bückeburg.

Werke[Bearbeiten]

  • Die Einheit des Deutschtums und das Weltmeer. Broschüre. Armanen-Verlag Leipzig 1934
  • Seegeltung - Weltgeltung. Gedanken eines Admirals. Berlin 1940

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Genealogisches Handbuch des Adels. Adelige Häuser. A. Bd 26. (Band 126 der Gesamtreihe). C. A. Starke, Limburg (Lahn) 2001, S.510 ISSN 0435-2408
  • Dermot Bradley (Hrsg.): Deutschlands Generale und Admirale. Teil 1: Hans H. Hildebrand, Ernest Henriot: Deutschlands Admirale 1849–1945. Die militärischen Werdegänge der See-, Ingenieur-, Sanitäts-, Waffen- und Verwaltungsoffiziere im Admiralsrang. Band 3: P–Z. Biblio Verlag, Osnabrück 1990, ISBN 3-7648-1499-3, S. 460–462.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Michael Salewski: Seekrieg. In: Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich und Irina Renz (Hrsg.): Enzyklopädie Erster Weltkrieg. Paderborn 2009, ISBN 3-506-73913-1, S. 831.
  2. Jürgen Mirow: Der Seekrieg 1914–1918 in Umrissen. Göttingen 1976, ISBN 3-7881-1682-X, S. 104 f.
  3. Franz Alfred Six: Dokumente der deutschen Politik, 1943
  4. a b c d e f g h i j k Rangliste der Kaiserlich Deutschen Marine, Hrsg.: Marinekabinett, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1918, S.7
  5. Dietrich Bonder: Bevor Hitler kam eine historische Studie, 1964