Ahmad Schah Massoud

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Ahmad Schah Massoud

Ahmad Schah Massoud (persisch ‏أحمد شاه مسعود‎; auf Deutsch meist: Ahmed Schah Massud; international meist: Ahmad Shah Massoud; * 1. September 1953 in Pandjschir; † 9. September 2001 in Takhar) war ein afghanischer Mudschaheddin-Kämpfer und Nationalheld. Er war der Anführer des afghanischen Widerstands gegen die Taliban. Ende 2001 wurde er zum „Nationalhelden der afghanischen Nation“ ernannt und 2002 für den Friedensnobelpreis nominiert.

Massoud, der der Volksgruppe der Tadschiken angehörte, war ein tiefgläubiger Muslim und überzeugter Gegner extremistischer (u. a. wahabitischer) Interpretationen des Islams, wie sie die Taliban, Al-Qaida oder das saudische Königshaus verfolgen.[1] Massoud, ein Sunnit, trug stets ein Buch des Al-Ghazali bei sich.[2] Für seine Anhänger war er nicht nur militärischer Anführer, sondern auch Lehrer und religiöses Vorbild. Sie nennen ihn auch Āmer Sāheb-e Schahīd (freie dt. Übersetzung: „[Unser] geliebter Befehlshaber [und] Märtyrer“).[2]

Massoud spielte eine Hauptrolle beim militärischen Rückzug der Sowjetunion aus Afghanistan, was ihm den legendären Namen „Löwe von Pandjschir“ einbrachte. Das Wall Street Journal nannte ihn auf seinem Titelblatt: „Der Afghane, der den Kalten Krieg gewann“. Nach dem Abzug der Sowjetarmee und dem Fall des kommunistischen Regimes 1992 wurde Massoud durch die Peshawar Accords, einen Friedensvertrag verschiedener afghanischer politischer Parteien, zum Verteidigungsminister in der Regierung von Präsident Burhānuddin Rabbāni ernannt. Der Milizenführer Gulbuddin Hekmatyār, der unter der Kontrolle des pakistanischen Geheimdienstes ISI stand und nach diktatorischer Macht strebte, startete jedoch mit Hilfe Pakistans einen jahrelangen Krieg in der Hauptstadt Kabul. Da Hekmatyār erfolglos blieb, wandte sich Pakistan 1994 den Taliban zu, die Anfang 1995 eine militärische Offensive starteten und Kabul nach mehrmonatiger Belagerung im September 1996 eroberten.[3][4] Massoud zog sich in den Norden Afghanistans zurück. Unter seiner Führung wurde die Vereinte Front zu einer nationalen militärisch-politischen Widerstandsbewegung gegen die Taliban, der Vertreter aller Ethnien Afghanistans (Tadschiken, Paschtunen, Usbeken, Hazara, Turkmenen und andere) angehörten. Zwischen 400.000 und 1.000.000 afghanischer Zivilisten flohen vor den Taliban in die von ihm kontrollierten Gebiete.[5] Kurz nach dem tödlichen Attentat auf Massoud, der die Demokratie als die einzige Staatsform ansah, um Afghanistan dauerhaft Frieden bringen zu können, stürzte die Vereinte Front schließlich Ende 2001 mit amerikanischer Luftunterstützung das Talibanregime in Kabul und errichtete eine Übergangsregierung, die bis zu den demokratischen Wahlen im Jahr 2004 regierte.

Biographie[Bearbeiten]

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

Anfang der 1970er Jahre herrschte eine Umbruchstimmung in Kabul, da die Menschen mit dem als korrupt geltenden König unzufrieden waren. Massoud, damals noch ein Student am „Kabuler Polytechnischen Institut für Ingenieurwesen und Architektur“, schloss sich – wenn auch nicht ganz aus Überzeugung, sondern mangels Alternativen – der islamistischen und antikommunistischen Bewegung an. Zunächst in einer Jugendorganisation engagiert, trat er 1976 schließlich auch offiziell der politischen Partei Jamiat-i Islami-ye Afghanistan von Burhānuddin Rabbāni bei.

Nach einem missglückten Putschversuch der Islamisten gegen die Regierung war Massoud gezwungen, Afghanistan zu verlassen und kurzfristig in Pakistan unterzutauchen, wo er eine militärische Ausbildung absolvierte. Zurück in Afghanistan trat er jedoch fortan neben Rabbāni für einen friedlicheren Umbruch in Afghanistan ein. Dies führte dazu, dass zwei pakistanische Agenten und der Führer der radikalen Kräfte der islamistischen Bewegung, Gulbuddin Hekmatyār, im Jahre 1975 einen ersten Mordanschlag auf Massoud verübten, den er abwehren konnte und entkam.[3]

Widerstand gegen die Sowjetarmee[Bearbeiten]

Widerstandsgruppen gegen die sowjetischen Truppen 1985; Armee-grün zeigt Positionen der Jamiat-i Islami, zu der Massoud gehörte. Die von Massoud ab 1984 geführte Shura-e Nazar beinhaltete viele Jamiat-Positionen, aber auch die anderer Gruppierungen und kontrollierte die von den sowjetischen Truppen benötigten Versorgungsrouten durch den Hindukusch und an der Grenze zur Sowjetunion.

1978 waren es schließlich die afghanischen Kommunisten der People's Democratic Party of Afghanistan, die in einem gewaltsamen, von Moskau unterstützten Putsch die Macht an sich nahmen. Sie verfolgten strenge Reformvorhaben, aber ebenso eine Gewaltherrschaft. Human Rights Watch schätzt, dass zwischen dem April 1978 bis zur Invasion der Sowjetunion im Dezember 1979 alleine auf dem Land bis zu 100.000 Menschen ermordet wurden.[6]

1979 marschierten Truppen der Sowjetunion in Afghanistan ein, da es zu landesweiten Aufständen gekommen war. Diese Aufstände hatten 24 von 28 Provinzen des Landes erreicht. Ein Teil der afghanischen Armee desertierte.[4] Schon vor dem Einmarsch der sowjetischen Truppen war Massoud zu seinem Geburtsort, dem Panjshir-Tal am Hindukush, zurückgekehrt. Vom Panjshir ausgehend spielte er fortan eine zentrale Rolle im afghanischen Widerstandskampf. Sein Guerilla-Kampf und sein militärisches Können führten zu zentralen Niederlagen der sowjetischen Truppen. Neun Großoffensiven der Sowjetarmee mit zehntausenden von Soldaten scheiterten in Panjshir.

Robert D. Kaplan schrieb dazu:

„Man muss Ahmad Schah Massoud zu den größten Führern der Widerstandsbewegungen im 20. Jahrhundert zählen. Massoud bezwang seinen Gegner genau wie es Marschall Tito, Ho Chi Minh und Che Guevara taten. Massoud kontrollierte ein größeres Gebiet, das aus militärischer Sicht viel schwieriger zu halten und unter ständigem Beschuss durch den Feind war. Das Gebiet, das unter seiner Kontrolle war, wurde im Vergleich zu den Gebieten, die unter der Kontrolle der Widerstandsbewegung von Marschall Tito, Mao Tse Tung, Ho Chi Minh und Che Guevara standen, stärker durch den Feind angegriffen.“

Robert D. Kaplan: The Soldiers of God. 1991

Der ihm zugesprochene militärisch brillante Widerstand brachte Massoud schon bald den Namen „Löwe von Panjshir“ ein. Massoud verteidigte Panjshir erfolgreich bis zum Rückzug der Sowjetarmee. Ahmad Shah Massoud wird eine sehr zentrale Rolle bei der Niederlage der Sowjetunion in Afghanistan zugesprochen.[3][4]

Krieg in Kabul[Bearbeiten]

Nach dem endgültigen Fall der kommunistischen Regierung im Jahre 1992 wurde durch die Peshawar Accords der Islamische Staat Afghanistan gegründet. Mit Ausnahme Gulbuddin Hekmatyārs hatten sich im April 1992 alle politischen Parteien auf diesen Friedensvertrag geeinigt.[7] Massoud wurde durch den Friedensvertrag von Peshawar (Peshawar Accords) zum Verteidigungsminister ernannt.[7]

Die Nachbarländer Afghanistans, insbesondere Pakistan, der Iran und Usbekistan, versuchten jedoch, die strategische Vorherrschaft über Afghanistan zu erringen und finanzierten, bewaffneten und leiteten zu diesem Zweck verschiedene kriminelle Elemente und Milizen innerhalb Afghanistans an.[6] Obwohl ihm wiederholt die Position des Ministerpräsidenten angeboten wurde, erhob Gulbuddin Hekmatyār mit Unterstützung Pakistans Alleinherrscheranspruch und legte Kabul durch eine großangelegte langjährige massive Bombenkampagne in Schutt und Asche.[8] Der Afghanistan-Experte und Direktor des Zentrums für Arabische und Islamische Studien der Australian National University, Amin Saikal, kam in Modern Afghanistan: A History of Struggle and Survival zu dem Schluss:

„Pakistan hatte es auf einen Durchbruch in Zentralasien abgesehen. ... Islamabad wusste, dass die neu ernannten islamischen Regierungsmitglieder [in Afghanistan] ... nicht ihre eigenen nationalen Interessen denen Pakistans unterordnen würden, damit Pakistan seine regionalen Ambitionen erfüllen konnte. ... Ohne die logistische Unterstützung und die Lieferung einer großen Menge an Raketen durch die ISI [pakistanischer Geheimdienst], hätten Hekmatyars Truppen nicht halb Kabul in Beschuss nehmen und zerstören können.[7]

Amin Saikal: Modern Afghanistan: A History of Struggle and Survival (2006)

Verschiedene Versuche, Hekmatyār in die Übergangsregierung als Ministerpräsidenten zu integrieren, scheiterten an dessen Unwillen, Kompromisse zu schließen.[7] 1993 forderte Hekmatyār explizit den Rücktritt Massouds, im Gegenzug erklärte er, die Bombardierung Kabuls einstellen zu wollen.[3] Massoud nahm das Angebot an, trat offiziell als Verteidigungsminister zurück und zog sich in einen nördlich der Hauptstadt gelegenen Ort zurück. Massouds Bedingungen waren ein Ende der Bombardierung Kabuls und demokratische Wahlen, die zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden sollten.[3][6] Hekmatyār, der von Beobachtern wie dem Pulitzer-Preis Gewinner Roy Gutman vom United States Institute of Peace als „Psychopath“[3] beschrieben wurde, nahm die Bombardierung Kabuls nach einer ersten Kabinettssitzung jedoch wieder auf, da er nicht bereit war, auf demokratische Wahlen hinzuarbeiten oder mit anderen Parteien Kompromisse zu schließen.[3] Nach einer Phase, in der ein Verteidigungsrat die Funktion des Verteidigungsminister eingenommen hatte aber uneffektiv geblieben war, wurde Massoud, der das stärkste militärische Bündnis jener Zeit anführte, als Verteidigungsminister wieder eingesetzt.[3] Sein Ziel war die Verteidigung der Hauptstadt, die Durchsetzung der Peshawar Accords, welche demokratische Wahlen vorsahen, sowie die Wiedereinsetzung der liberalen Verfassung von 1964.[2]

Zusätzlich zu den Bombardierungen durch Hekmatyār waren Mitte 1992 Spannungen zwischen der von Saudi-Arabien unterstützten wahabitischen Ittihad-i Islami von Abdul Rasul Sayyaf und der vom Iran unterstützten schiitischen Hezb-i Wahdat von Abdul Ali Mazari eskaliert.[7] Die Milizen starteten einen blutigen Krieg gegeneinander. Die Hezb-i Wahdat Miliz ging Ende 1992 eine Allianz mit Hekmatyār ein. Abdul Rashid Dostum und seine Junbish-i Milli Miliz schlossen sich dieser Allianz Anfang 1994 an. Während der intensivsten Phase des Bombardements durch die Allianz Hekmatyars starben in Kabul über 25.000 Menschen.[9] Auf Grund des schnellen Beginns des Krieges kurz nach der Gründung des Islamischen Staates, gab es keine funktionierende Polizei und kein funktionierendes Rechtssystem, so dass weite Teile Kabuls im Chaos versanken.[10] Einen großen Beitrag zu dem vorherrschenden Chaos leistete der Umstand, dass Gulbuddin Hekmatyār 10.000 gefährliche Kriminelle aus den Gefängnissen in die Stadt entließ.

In den von Hekmatyār, der Ittihad und Wahdat begonnenen Kriegen wurden weite Teile Kabuls zerstört und tausende Zivilisten getötet. Individuen aller Milizen – auch Individuen in den Regierungstruppen Massouds und von Hekmatyār aus den Gefängnissen entlassene Verbrecher, die sich als Mitglieder dieser ausgaben – nutzten das Chaos und die Rechtslosigkeit für Verbrechen gegen Zivilisten aus. Massoud verurteilte stattfindende Verbrechen.[2] Das Afghanistan Justice Project, welches auch als Quelle für Human Rights Watch dient, kam in seiner Untersuchung im Kontext von Übergriffen von bewaffneten Individuen auf Zivilisten zu dem Schluss:

„As in some of the other instances of violence against civilians documented in this report, there is no indication that senior Shura-e Nazar leaders [which included Massoud] ordered the abuses.
(dt.: Wie bei einigen anderen Vorfällen von Gewalt gegen Zivilisten, die in diesem Bericht dokumentiert sind, gibt es kein Indiz dafür, dass ranghohe Shura-e Nazar Führer [zu denen Massoud gehörte] Misshandlungen angeordnet haben).[8]

Afghanistan Justice Project (2005)

Massoud war Anführer der militärischen und politischen Allianz Shura-e Nazar, die über 130 Kommandeure aus sieben Provinzen und ihre Truppen vereinte. Auf Grund der heftigen Bombenangriffe gegen Kabul, ausgehend von mehreren Fronten (an manchen Tagen bombardierte Hekmatyār Kabul mit bis zu 3.000 Raketen), wurden von Kommandeuren der Shura-e Nazar 10.000 zusätzliche Kämpfer nach Kabul geschickt, die unter dem Gesamtkommando Massouds, nicht aber unter seiner unmittelbaren und täglichen Kontrolle standen.[2] Bei Individuen aus den Truppen der Shuar-e Nazar, die Verbrechen begingen, handelte es sich in der damaligen Situation in Kabul um individuell agierende Unterkommandeure oder Individuen, die sich gegen die Zivilbevölkerung wendeten und/oder korrupt wurden, da das Chaos ihnen die Möglichkeit dazu gab.[2] Ein Beispiel, welches in diesem Zusammenhang häufig auftaucht, ist die militärische Operation in Afshar, im Westen Kabuls. Diese Offensive hatte, wie das Afghanistan Justice Project analysiert, ein „klares und nachvollziehbares militärisches Ziel“.[8] Von Afshar ausgehend bombardierten die von Pakistan und dem Iran unterstützten Truppen Hekmatyārs und Mazaris, zivile Wohngegenden in Kabul und töteten dabei tausende Menschen, um eine Stabilisierung des Islamischen Staates zu verhindern.[8] Um diese Bombenangriffe zu stoppen, griffen Truppen des Verteidigungsministers Massoud sowie verbündete Truppen die Positionen der mit Hekmatyār verbündeten Hezb-i Wahdat in Afshar an. Gegen Ende der militärischen Operation, nach Erreichen der militärischen Ziele, während Posten aufgestellt und Häuser nach Kämpfern der Wahdat durchsucht wurden, fingen jedoch insbesondere die ebenfalls an der Offensive beteiligten wahabitischen Ittihad-Truppen von Abdul Rasul Sayyaf, welche in der Nähe Afshars ihr Hauptquartier hatten und offiziell auf Seiten des Staates Afghanistans kämpften, an, sich gezielt gegen schiitische Zivilisten zu richten.[8] Die Ittihad-Truppen Sayyafs standen nicht unter der Kontrolle des afghanischen Verteidigungsministeriums sondern unter direkter Kontrolle Sayyafs und wahabitischer Elemente in Saudi-Arabien.[8] Ahmad Shah Massoud reagierte auf die stattfindenden Grausamkeiten, zitierte Abdul Rasul Sayyaf, welcher acht Jahre später eine Rolle bei Massouds Ermordung spielen sollte, sowie weitere führende Kommandeure zu einem Treffen und befahl am zweiten Tag der Offensive ein sofortiges Ende der Verbrechen.[8] Er setzte einen schiitischen Kommandeur, Hussain Anwari, ein, der die Sicherheit für die schiitische Zivilbevölkerung wiederherstellen sollte.[8]

Edward Girardet, Direktor des Global Journalism Network in Genf, der zu jener Zeit als Beobachter direkt vor Ort war, erklärt:

„Als Massoud im Norden während des Kampfes gegen die sowjetischen Truppen und gegen Ende der Taliban-Zeit operierte, beobachtete er seine Kommandeure genau und kontrollierte sie gut, aber in Kabul war dies nicht der Fall. ... Er konnte sie nicht alle kontrollieren.[2]

Edward Girardet: Global Journalism Network Genf

So berichtet Human Rights Watch auch von keinen Menschrechtsverbrechen der Truppen unter der direkten Kontrolle Ahmad Shah Massouds während des Widerstands gegen die Taliban für den Zeitraum von Oktober 1996 bis zu Massouds Ermordung im September 2001.[11]

Farid Amin berichtet über einen exemplarischen Vorfall für die Zeit in Kabul:

„Eines Tages war Massoud auf dem Weg von Kabul nach Shamali, und er sah einen LKW, der ihm verdächtig erschien. Er stoppte ihn und als er ihn öffnen ließ, waren Wertgegenstände in ihm zu finden, Dinge, die anderen Leuten gehörten und wahrscheinlich aus Häusern oder Regierungsgebäuden entwendet worden waren. Er beschuldigte sie: "Ihr seid Diebe und versucht zu stehlen." Dann sah er sein eigenes Bild in ihrem LKW – Leute versuchten Massouds Namen und Bild zu benutzen um Macht zu erlangen oder sich einen Vorteil zu verschaffen – und er sagte: "Als erstes entfernt das Bild eures Führers, des Führers von Dieben." Auf seine Art und Weise teilte er ihnen mit, wenn ihr sagt, ich bin euer Führer und ihr tut solche Dinge, dann macht ihr das aus mir – einen Führer von Dieben.[2]

Farid Amin: in "Massoud" (Webster University Press 2009)

John Jennings, ein Journalist der Associated Press und des The Economist, war von 1992 bis 1994 als Beobachter u. a. für Human Rights Watch direkt vor Ort in Kabul und auch während der Afshar Operation anwesend. Er berichtet folgendes:

„Er [Massoud] kann schwerlich für die Anwesenheit von unverantwortlichen bewaffneten Gruppen in der Hauptstadt beschuldigt werden, nachdem er alles getan hat, was in seiner Macht stand, um diese Anwesenheit zu verhindern. Bis November 1994 erlebte ich aus erster Hand die Dilemma, die sich für ihn ergaben, und die erstaunliche Zurückhaltung, mit der er ihnen begegnete ... Jede Volksbewegung, wenn sie wirklich vom Volk ausgeht, beherbergt ein kriminelles Element, schon weil jede größere Population ein kriminelles Element beherbergt. ... Verbrechen durch seine Truppen waren selten und wurden bestraft, wann immer sie überführt werden konnten. ... Seine Feinde auf der anderen Seite begingen Massenmord, Diebstahl und ethnische Säuberungen als systematische Politik. ... Hätte Massoud nicht gekämpft, um Kabul gegen die Angriffe dieser Milizen zu halten, wäre die Menschenrechtssituation in Afghanistan und in der ganzen Region erheblich schlimmer gewesen als sie war.[2]

John Jennings: Associated Press

Die Milizen, die den Islamischen Staat und damit gegen den Verteidigungsminister Massoud kämpften, waren für ihr gezieltes Vorgehen gegen die Zivilbevölkerung berüchtigt. Gulbuddin Hekmatyār schnitt Kabul von der Nahrungsmittel-, Wasser- und Energieversorgung ab.[8] Vom Iran kontrollierte schiitische Wahdat-Truppen (sowie die von Saudi-Arabien unterstützte sunnitisch-wahabitische Ittehad) entführten und töteten tausende Menschen der (jeweiligen) "Gegenseite" in gezielten Kampagnen.[8] Einige Truppen von Rashid Dostum waren zu jener Zeit besonders gefürchtet bei der Zivilbevölkerung auf Grund ihrer Übergriffe gegen Familien.[8] Die Taliban sollten zu einem späteren Zeitpunkt Massaker begehen, die von Beobachtern der Vereinten Nationen mit denen während des Bosnienkrieges verglichen wurden.[12][13]

Laut vieler Zeitzeugenaussagen belasteten Massoud die Verbrechen persönlich sehr.[2][14] 1993 gründete er die Mohammad Ghazali Kultur Stiftung ("Bonyad-e Farhangi wa Ta'wani Mohammad-e Ghazali") welche zum größten afghanischen humanitären Partner für das Internationale Rote Kreuz wurde und überparteilich und politisch unabhängig afghanische Kultur förderte.[2][15] Ein Teil der Ghazali Stiftung beschäftigte Ärzte, die sich an einigen Tagen der Woche um die kostenlose medizinische Behandlung und Versorgung von Einwohnern Kabuls kümmerten, die eine solche anders nicht hätten finanzieren können.[2] Auch beschäftigte die Ghazali Foundation Sozialarbeiter, welche Familien berieten.[2]

Ende 1994/Anfang 1995 besiegte Massoud die Milizen, die um die Kontrolle der Hauptstadt Kabul gekämpft hatten, in Kabul. Die Bombardierung der Hauptstadt kam zu einem Halt.[16][17] Die Regierung des Islamischen Staates unternahm Maßnahmen zur Wiederherstellung von Recht und Ordnung, Gerichte nahmen ihre Arbeit wieder auf. Einige Individuen innerhalb der Regierungstruppen, die Verbrechen begangen hatten und überführt worden waren, wurden zur Verantwortung gezogen und verurteilt.[18] Massoud initiierte einen landesweiten politischen Prozess mit dem Ziel nationaler Konsolidierung, Stabilisierung und demokratischen Wahlen.[19] Es fanden drei Konferenzen mit Vertretern aus den meisten Provinzen Afghanistans statt.[19] Massoud lud auch die Taliban ein, sich diesem Prozess anzuschließen und sich an der Schaffung von Stabilität zu beteiligen.[19]

Auch Kandahar im Süden des Landes hatte 1994 blutige Kämpfe erlebt. Der Süden Afghanistans war weder unter der Kontrolle der Zentralregierung noch unter der Kontrolle von durch außen kontrollierte Milizen wie der Hekmatyars. Lokale Milizen- oder Stammesführer hatten diesen Teil Afghanistans beherrscht. 1994 waren die Taliban in der südlichen Stadt Kandahar erstmals in Erscheinung getreten.[20] Sie hatten am 5. November 1994 die Stadt Kandahar unter ihre Kontrolle gebracht. Bis zum 25. November 1994 kontrollierten sie die Stadt Lashkar Gah und die Provinz Helmand. Im Laufe des Jahres 1994 hatten sie weitere Provinzen im Süden und Westen des Landes, die nicht unter Kontrolle der Zentralregierung standen, erobert. Die Taliban lehnten eine demokratische Staatsform ab.[19]

Anfang 1995 starteten die Taliban eine großangelegte Bomben- und Belagerungskampagne gegen Kabul, die zwei Jahre andauerte. Amnesty International schrieb:

„Dies ist das erste Mal nach einigen Monaten, dass die Zivilisten Kabuls das Ziel von Bombenangriffen wurden, die sich gegen Wohnbezirke in der Stadt richteten.[16]

Amnesty International (1995)

Die Taliban erlitten zunächst schwere Niederlagen gegen die Truppen Massouds.[16] Internationale Beobachter vermuteten bereits das Ende der Talibanbewegung. Zwei Jahre belagerten und bombardierten die Taliban Kabul. Im September 1996 hatten sich die Taliban mit militärischer Unterstützung Pakistans und finanziellen Hilfen aus Saudi Arabien neu formiert und planten eine Großoffensive gegen Kabul. Maßgeblich beteiligt an der finanziellen und materiellen Förderung der Taliban durch Pakistan waren der damalige General und spätere Präsident Pervez Musharraf und Innenminister Nasirullah Babar, der die Taliban als "unsere Jungs" bezeichnete.[21]

Am 26. September 1996 befahl Massoud einen strategischen Rückzug seiner Truppen in den Norden Afghanistans.[22][5] Am 27. September 1996 marschierten die Taliban in Kabul ein und errichteten das Islamische Emirat Afghanistan, welches lediglich von Pakistan, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten anerkannt wurde. Die Regierung des Islamischen Staates Afghanistans blieb die international anerkannte Regierung Afghanistans (mit einem Sitz bei den Vereinten Nationen).

Die im Sowjetisch-Afghanischen Krieg verwüsteten ländlichen Regionen waren während des Krieges in Kabul von Kämpfen kaum betroffen und Wiederaufbau hatte begonnen. Dies änderte sich als die Taliban versuchten die Kontrolle über Afghanistan auszubauen und hierbei eine Politik der Verbrannten Erde verfolgten.[23][24]

Widerstand gegen die Taliban[Bearbeiten]

Territoriale Kontrolle in Afghanistan Ende 1996: Massoud (blau), Taliban (grün), Dostum (rosa), Hezb-i Wahdat (gelb)

Nach einem Bericht der Vereinten Nationen begingen die Taliban systematische Massaker gegen die Zivilbevölkerung, während sie versuchten ihre Stellung im Westen und Norden Afghanistans zu festigen.[12][13] Die Vereinten Nationen benannten 15 Massaker in den Jahren 1996 bis 2001.[12][13] Diese seien vergleichbar mit den ethnischen Säuberungen während des Bosnienkrieges, „höchst systematisch gewesen und alle auf das Verteidigungsministerium [der Taliban] oder Mullah Omar persönlich zurückzuführen.“[12][13] Die sogenannte 055 Brigade Al-Qaidas war ebenfalls an Greueltaten gegen die afghanische Zivilbevölkerung beteiligt.[25] Der Bericht der Vereinten Nationen zitiert Zeugenaussagen welche beschreiben, dass arabische Milizionäre lange Messer mit sich trugen, mit denen sie Kehlen aufschnitten und Menschen häuteten.[12][13]

Massoud und Abdul Rashid Dostum, frühere Gegner, gründeten die Vereinte Front ursprünglich als Reaktion auf massive Talibanoffensiven gegen die Gebiete unter der Kontrolle Massouds auf der einen Seite und die Gebiete unter der Kontrolle Dostums auf der anderen Seite. Schon bald entwickelte sich aus der Vereinten Front jedoch eine nationale politische Widerstandsbewegung gegen die Taliban. Dieser traten die von den Taliban durch ethnische Säuberungen verfolgte Volksgruppe der Hazara bei, ebenso wie paschtunische anti-Taliban-Führer wie der spätere Präsident Hamid Karzai, der aus dem Süden Afghanistans stammt, oder Abdul Qadir. Qadir entsprang einer einflussreichen Familie, welche großen Einfluss im paschtunischen Osten Afghanistans um Jalalabad genoss. Insgesamt schlossen sich Vertreter aus allen Teilen und aller Ethnien Afghanistans der Vereinten Front an.

Die Situation der Menschenrechte hing von den jeweiligen Kommandeuren ab, die bestimmte Gebiete kontrollierten. Human Rights Watch verzeichnet keine Menschrechtsverbrechen für die Truppen unter der direkten Kontrolle Massouds für den Zeitraum von Oktober 1996 bis zu dessen Ermordung im September 2001.[11] Massoud hatte Kontrolle über Panjshir, Thakar, einige Teile Parwans und Badakshans. Zwischenzeitlich waren auch Nuristan, Kunduz und die Gebiete nördlich Kabuls unter seiner Kontrolle.

Nach der Niederlage Dostums und anderer regionaler Führer blieb Massoud der einzige Kommandeur, der seine Gebiete erfolgreich gegen die Taliban verteidigen konnte. Pakistan intervenierte militärisch auf Seiten der Taliban, konnte jedoch keine Niederlage Massouds herbeiführen.

Der pakistanische Präsident Pervez Musharraf – damals u. a. als Stabschef des Militärs – entsandte zehntausende Pakistaner um an der Seite der Taliban und Al-Qaida gegen die Vereinte Front zu kämpfen.[19][26][27][28] Insgesamt gehen Schätzungen von 28.000 pakistanischen Staatsbürgern, die innerhalb Afghanistans kämpften, aus.[19] 20.000 davon waren reguläre pakistanische Soldaten des sogenannten Frontier Corps oder der Armee. Weitere geschätzte 8.000 waren Milizionäre, die in sogenannten Madrassas rekrutiert wurden, um innerhalb der Armee der Taliban zu kämpfen.[25] Ein Dokument des amerikanischen Außenministeriums aus dem Jahre 1998 bestätigt, „20–40 Prozent der [regulären] Taliban-Soldaten sind Pakistaner.“[26] Der Bericht des Außenministeriums beschreibt ebenfalls, dass die Eltern der pakistanischen Staatsbürger „nicht von der militärischen Involvierung ihrer Kinder mit den Taliban wissen, bis ihre [toten] Körper zurück nack Pakistan gebracht werden.“[26]

Weitere 3000 Soldaten der regulären Taliban-Armee waren Milizionäre aus arabischen Ländern oder Zentralasien.[25] Von 1996 bis 2001 wurde die Al-Qaida von Osama bin Laden und Ayman al-Zawahiri zu einem Staat innerhalb des Taliban Staates.[29] Bin Laden sandte seine Rekruten gegen die Vereinte Front.[29][30]

Von geschätzten 45.000 Soldaten, die gegen die Vereinte Front innerhalb Afghanistans kämpften, waren nur etwa 14.000 Afghanen.[19][25]

Wiederholte Angebote der Taliban, ihm eine Machtposition zu verschaffen, lehnte Massoud ab. Er erklärte in einem Interview:

„Die Taliban sagen: ‚Komm und akzeptiere das Amt des Ministerpräsidenten und schließe dich uns an‘, und sie würden das höchste Amt im Land, die Präsidentschaft, behalten. Aber für was einen Preis?! Der Unterschied zwischen uns liegt darin, wie wir über die grundlegendsten Prinzipien der Gesellschaft und des Staates denken. Wir können nicht ihre Konditionen für einen Kompromiss akzeptieren, sonst müssten wir die Prinzipien einer modernen Demokratie aufgeben. Wir sind fundamental gegen das System welches sich „das Emirat Afghanistans“ nennt. [...] Es sollte ein Afghanistan geben, in dem sich jeder Afghane und jede Afghanin glücklich fühlen kann. Und ich denke, dies kann nur durch eine Demokratie, die auf Konsens basiert, gesichert werden.[31][32]

Massouds Friedenvorschlag hatte das Ziel demokratischer Wahlen, in denen das afghanische Volk selbst über seine Führung entscheiden sollte.[31][33]

Anfang 2001 wandte die Vereinte Front eine neue Strategie von lokalem militärischen Druck und einer globalen politischen Agenda an.[34] Ressentiments und Widerstand gegen die Taliban, ausgehend von den Wurzeln der afghanischen Gesellschaft, wurden zunehmend stärker. Dies betraf auch die paschtunischen Gebiete.[34] Insgesamt flohen schätzungsweise eine Million Menschen vor den Taliban,[35] ein Großteil davon in die Gebiete von Massoud.[27][36] Der National Geographic kam in seiner Dokumentation Inside the Taliban zu dem Schluss:

„Das einzige, was zukünftigen Massakern der Taliban im Wege steht, ist Ahmad Shah Massoud.[27]

National Geographic: Inside the Taliban

In den Gebieten unter seiner Kontrolle errichtete Massoud demokratische Institutionen und unterschrieb die Deklaration für Frauenrechte.[19] Er trainierte verstärkt Polizeikräfte, die eine Wiederholung des Chaos von Kabul (1992–1994) verhindern sollten, würde die Vereinte Front erfolgreich sein.[34][19]

Im Frühling 2001 sprach Massoud vor dem Europäischen Parlament in Brüssel und bat die internationale Gemeinschaft um humanitäre Hilfe für die Menschen Afghanistans.[35] Er erklärte, dass die Taliban und Al-Qaida eine „sehr falsche Interpretation des Islam“ eingeführt hätten und dass die Taliban, wenn sie nicht die Unterstützung Pakistans hätten, ihre militärischen Kampagnen in dem Zeitraum eines Jahres nicht mehr aufrechterhalten könnten.[35] Auf seinem Besuch nach Europa, bei dem ihn die europäische Parlamentspräsidentin Nicole Fontaine den „Pol der Freiheit in Afghanistan“ nannte, warnte Massoud davor, dass sein Geheimdienst Informationen habe, denen zufolge ein großangelegter Anschlag auf amerikanischem Boden unmittelbar bevorstehe.[37][38]

9. September 2001[Bearbeiten]

Am 9. September 2001 zündeten Abd al-Sattar und Bouraoui el Ouaer, zwei Selbstmordattentäter der al-Qaida, die sich als belgische Journalisten ausgegeben hatten, während eines Interviews mit Massoud in Tachar eine Bombe, die sie in ihrer Videokamera versteckt hatten.[39] Massoud starb wenig später an seinen Verletzungen.[40][41] Direkt danach begannen die Taliban mit einer Offensive gegen die Truppen Massouds,[42] dessen Tod zunächst von offiziellen Stellen dementiert worden war.[43][44][45] Nach neuesten Erkenntnissen arbeiteten Gruppierungen in 21 Nationen an der Ermordung Massouds. Zuvor waren bereits über 26 Jahre lang etliche Attentatsversuche des sowjetischen, des afghanisch-kommunistischen und des pakistanischen Geheimdienstes, sowie Hekmatyars, der Taliban und der Al-Qaida gescheitert. Enge Vertraute Massouds berichten, dass Massoud in den Wochen vor seinem Tod eine Vorahnung seines Todes hatte und Familienmitglieder vermehrt auf diese Möglichkeit vorzubereiten versuchte.[2][14] Die Beerdigung fand, entgegen islamischer Tradition, erst am 16. September, eine Woche nach Massouds Tod statt. Obwohl die Beerdigung in dem sehr ländlichen Panjshir-Tal stattfand, nahmen zehntausende trauernder Afghanen an ihr teil.[46]

Nationalheld und „Löwe von Panjshir“[Bearbeiten]

Ein Porträt Massouds im Fußballstadion von Ghazni

Massoud hat eine zentrale und sehr bedeutende Rolle in der jüngsten Geschichte Afghanistans eingenommen. Im Jahr 2001 wurde er von dem afghanischen Präsidenten Hamid Karzai offiziell zum „Nationalhelden der afghanischen Nation“ erklärt. Massouds Todestag, der 9. September, ist ein nationaler Tag der Erinnerung.

Die neue Gedenkstätte im Inneren mit dem Leichnam von Massoud (2010)

Im Jahre 1989, als sich die Sowjetunion nach zehn Jahren besiegt und gedemütigt aus Afghanistan zurückziehen musste, widmete das Wall Street Journal Ahmad Schah Massoud ein Titelblatt: The Afghan Who Won The Cold War. Während der Herrschaft der Taliban stellte Massoud den einzigen Schutz für verfolgte Menschen und den einzigen Widerstand gegen die Taliban dar. Während andere Anführer ins Exil gingen, war er der einzige der bekannten militärischen und politischen Führer Afghanistans, der während der Invasion der sowjetischen Truppen und später der von Pakistan unterstützten Taliban Afghanistan zu keinem Zeitpunkt verließ.[30]

Er gilt bei vielen Afghanen als Volksheld – auch außerhalb Afghanistans, wie zum Beispiel in Tadschikistan und im Iran. Anders wird er von Anhängern der Taliban oder Hekmatyar gesehen. Massoud hatte stets zur nationalen Einheit aufgerufen und die afghanische Identität über für ihn unbedeutende ethnische Zugehörigkeiten gestellt. Der bekannte amerikanische Journalist Sebastian Junger sagt über Massoud: „Viele Leute, die ihn kannten, hatten das Gefühl, dass er die beste Hoffnung für jenen Teil der Welt darstellte.“ Ein anderer Analyst schrieb 2004 vor den afghanischen Wahlen: „Ein Mann hat ein stärkeres politisches Gewicht als alle 18 lebenden afghanischen Präsidentschaftskandidaten. Obwohl bereits seit drei Jahren tot ... Seit seinem Tod am 9. September 2001 ... wurde Massoud von einem Mujahid zum Nationalheld – wenn nicht sogar einem Heiligen. Bilder Massouds [in den Straßen, Gebäuden und Haushalten Afghanistans] ... übertreffen die eines jeden anderen Afghanen bei weitem inklusiver derer [des Präsidenten] Karzais.“[47] Dr. Abdullah Abdullah, einer der engsten Freunde Massouds und stärkster Gegenkandidat Karzais bei den Präsidentschaftswahlen im Jahr 2009, sagte über Massoud: „Er war alles. Er war ein Freund. Er war ein Führer. Er war ein Lehrer ohne wie ein Lehrer aufzutreten.“[30][48] Im Jahr 2003 gründeten ehemalige Weggefährten Massouds die Massoud Foundation, als eine unabhängige und überparteiliche Hilfsorganisation. Sie unterstützt und unternimmt Projekte im Bereich der Bildung, Gesundheitsversorgung sowie im Bereich der Kultur und des Wiederaufbaus.

Es gibt verschiedene Dokumentation wie den Dokumentarfilm Massoud - Destiny’s Afghan von Iqbal Malhotra oder die französische Dokumentation Massoud: L’Afghan. Massoud ist z. B. auch ein Teil der Handlung von Ken Folletts Roman Die Löwen oder in James McGees Thriller Crow’s War. In der amerikanischen Serie The Path to 9/11[49][50] werden seine Warnungen vor einem terroristischen Anschlag sowie seine Ermordung thematisiert und dargestellt.

Das bisher ausführlichste Porträt Massouds verfasste die Argentinierin Marcela Grad mit ihrem Werk Massoud. An intimate portrait of the legendary Afghan leader, welches 2009 durch den Verlag der amerikanischen Webster Universität erschien.

Familie[Bearbeiten]

Massoud hinterließ eine Ehefrau und sechs Kinder, die heute im Iran leben. Im Jahr 2005 veröffentlichte seine Frau, Sediqa Massoud, zusammen mit zwei Freundinnen und Frauenrechtlerinnen, Chékéba Hachemi und Marie-Francoise Colombani, das Buch "Pour l'amour de Massoud" über ihr Leben mit Massoud. In diesem beschreibt sie einen sehr ehrbaren und liebevollen Ehemann und Vater.

Der erste Vizepräsident nach dem Sturz der Taliban, Ahmad Zia Massoud, ist der jüngere Bruder von Ahmad Shah Massoud. Ahmad Zia Massoud hat Ende 2011 mit weiteren afghanischen Führern die National Front of Afghanistan gegründet, die als Wiedergeburt der United Front (Nordallianz) angesehen wird, welche die Taliban Ende 2001 von der Macht entfernte. Die Asia Times analysierte, „wie die Gruppierungen der Nordallianz es sehen, verfolgt Pakistan [Unterstützer der Taliban] eine Strategie des Aussitzens in Bezug auf die Zeitspanne von heute bis 2014 – das Datum für den Rückzug der US-Truppen – um dann die Taliban neu zu formieren und einen Versuch zu unternehmen, die Macht in Kabul an sich zu reißen. Die starke Einigkeit [der Nordallianz] in Berlin zeigt, dass sie nicht einfach am Rande stehen und einem ausschließlichem US-Taliban-Pakistan Deal, der ihrer Nation auferlegt wird [und von dem sie ausgeschlossen werden], weichen werden.“[51]

Zitate[Bearbeiten]

„Unsere Politik war stets, dass wir gute und freundschaftliche Beziehungen zu allen haben. Aber wir haben unsere Unterwerfung niemals akzeptiert und werden sie auch nie akzeptieren.“

„Wenn Sie nach Chay Ab ins Gefängnis fahren, finden Sie dort Ghollam Salim, den Tycoon des Drogenhandels. In einer einzigen Aktion beschlagnahmten wir bei ihm eine halbe Tonne Opium. Jetzt sitzt er bereits das dritte Jahr im Gefängnis. Trotz all seines Geldes und Einflusses.“

„Die künftige Regierung sollte in direkten Wahlen durch die Stimmen der gesamten Bevölkerung bestimmt werden. Männer wie Frauen sollten daran teilhaben. Die einzige Regierungsart, die in der Lage wäre, einen gesellschaftlichen Ausgleich der verschiedenen Ethnien zu schaffen, ist die Demokratie.“

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ahmad Shah Massoud – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Ahmad Shah Massoud - Destiny's Afghan (Dokumentarfilm über Massouds Leben von Iqbal Malhotra)

Ahmad Shah Massoud in Europa

Afghanistan - the Squandered Victory (Dokumentarfilm der BBC über Afghanistan nach dem Abzug der sowjetischen Truppen im Jahre 1989)

Commander Massoud's Struggle (Dokumentarfilm von Nagakura Hiromi aus dem Jahre 1992 über die Anfänge des Krieges in Kabul)

Massouds Kampf gegen die Taliban (Zeitzeugenberichte der australischen ABC/Journeyman Pictures)

Massoud's Conversation with Hekmatyar (Originaldokument aus dem Jahr 1992)

Trauerzug zu Ehren Massouds

Who Killed Massoud? (Dokumentarfilm) von Didier Martiny

Massoud l'Afghan (Dokumentarfilm) von Christophe de Ponfilly

The Lion Of Panjshir (Symphony No. 2) for narrator and symphonic band by composer David Gaines

Textlinks:

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Latham, Judith (March 12, 2008). "Author Roy Gutman Talks About What Went Wrong in the Decade Before 9/11 Attacks", Voice of America News.
  2. a b c d e f g h i j k l m n Marcela Grad: Massoud - Portrait of the Legendary Afghan Leader; Webster University Press; 2009
  3. a b c d e f g h GUTMAN, Roy (2008): How We Missed the Story: Osama Bin Laden, the Taliban and the Hijacking of Afghanistan, Endowment of the United States Institute of Peace, 1st ed., Washington D.C.
  4. a b c Amin Saikal (2004): Modern Afghanistan: A History of Struggle and Survival, I.B. Tauris & Co Ltd., London New York
  5. a b National Geographic: Inside the Taliban
  6. a b c Human Rights Watch (2001): Afghanistan, Crisis of Impunity, The Role of Pakistan, Russia, and Iran in Fueling the Civil War
  7. a b c d e Amin Saikal: Modern Afghanistan: A History of Struggle and Survival, 2006 1st, I.B. Tauris & Co Ltd., London New York, , ISBN 1-85043-437-9.
  8. a b c d e f g h i j k Afghanistan Justice Project (2005): Casting Shadows: War Crimes and Crimes against Humanity 1978-2001, Documentation and analysis of major patterns of abuse in the war in Afghanistan
  9. Casting Shadows: War Crimes and Crimes against Humanity: 1978-2001 (PDF; 1,3 MB) Afghanistan Justice Project. 2005. Abgerufen am 22. Januar 2011.
  10. II. BACKGROUND. Human Rights Watch. Abgerufen am 22. Januar 2011.
  11. a b Human Rights Watch Backgrounder, October 2001. Human Rights Watch. 2001. Abgerufen am 21. Januar 2011.
  12. a b c d e Newsday: Taliban massacres outlined for UN. Chicago Tribune. October 2001. Abgerufen am 21. Januar 2011.
  13. a b c d e Newsday: Confidential UN report details mass killings of civilian villagers. newsday.org. 2001. Abgerufen am 12. Oktober 2001.
  14. a b Sediqa Massoud/Chékéba Hachemi/Marie-Francoise Colombani: Pour l'amour de Massoud; document XO Editions; 2005
  15. Afghanistan Online: Biography Ahmad Shah Massoud
  16. a b c Amnesty International. "DOCUMENT - AFGHANISTAN: FURTHER INFORMATION ON FEAR FOR SAFETY AND NEW CONCERN: DELIBERATE AND ARBITRARY KILLINGS: CIVILIANS IN KABUL." 16. November 1995, abgerufen von http://www.amnesty.org/en/library/asset/ASA11/015/1995/en/6d874caa-eb2a-11dd-92ac-295bdf97101f/asa110151995en.html
  17. Afghanistan: escalation of indiscriminate shelling in Kabul. International Committee of the Red Cross. 1995. Abgerufen am 21. Januar 2011.
  18. BBC Newsnight 1995
  19. a b c d e f g h i Marcela Grad: Massoud: An Intimate Portrait of the Legendary Afghan Leader, March 1, 2009, Webster University Press, , S. 310.
  20. Matinuddin, Kamal, The Taliban Phenomenon, Afghanistan 1994-1997. Oxford University Press, (1999)
  21. Unterstützung der Taliban von Pakistan
  22. Coll, Ghost Wars (New York: Penguin, 2005), 14.
  23. Re-Creating Afghanistan: Returning to Istalif. In: NPR, 1. August 2002. 
  24. Larry P. Goodson: Afghanistan's Endless War: State Failure, Regional Politics and the Rise of the Taliban. University of Washington Press, 2002, ISBN 978-0295981116, S. 121.
  25. a b c d Afghanistan resistance leader feared dead in blast. Ahmed Rashid in the Telegraph. 2001. Abgerufen am 21. Januar 2011.
  26. a b c Documents Detail Years of Pakistani Support for Taliban, Extremists. George Washington University. 2007. Abgerufen am 21. Januar 2011.
  27. a b c Inside the Taliban. National Geographic. 2007. Abgerufen am 21. Januar 2011.
  28. History Commons. History Commons. 2010. Abgerufen am 21. Januar 2011.
  29. a b BOOK REVIEW: The inside track on Afghan wars by Khaled Ahmed. Daily Times (Pakistan). 2008. Archiviert vom Original am 13. September 2008. Abgerufen am 21. Januar 2011.
  30. a b c Brigade 055. CNN. unknown. Abgerufen am 21. Januar 2011.
  31. a b The Last Interview with Ahmad Shah Massoud. Piotr Balcerowicz. 2001. Abgerufen am 21. Januar 2011.
  32. The man who would have led Afghanistan. St. Petersburg Times. 2002. Abgerufen am 21. Januar 2011.
  33. Proposal for Peace, promoted by Commander Massoud. peace-initiatives.com. 1998. Abgerufen am 21. Januar 2011.
  34. a b c Steve Coll: Ghost Wars: The Secret History of the CIA, Afghanistan, and Bin Laden, from the Soviet Invasion to September 10, 2001, February 23, 2004, Penguin Press HC, .
  35. a b c Massoud in the European Parliament 2001. EU media. 2001. Abgerufen am 21. Januar 2011.
  36. Inside the Taliban. National Geographic. 2007. Abgerufen am 21. Januar 2011.
  37. Defense Intelligence Agency (2001) report http://www.gwu.edu/~nsarchiv/NSAEBB/NSAEBB97/tal31.pdf
  38. Massoud warnt Amerika und die Welt
  39.  Seth G. Jones: In the Graveyard of Empires. America's War in Afghanistan. W.W. Norton & Company, New York 2009, ISBN 9780393068986, Operation Enduring Freedom, S. 86, 87.
  40. Der Mujahedin-Führer Massud gestorben, Neue Zürcher Zeitung vom 17. September 2001, abgerufen am 19. August 2013.
  41. "Rebel Chief Who Fought The Taliban Is Buried"
  42. Afghanistan: Taliban greifen Rebellen an, Spiegel Online vom 11. September 2001, abgerufen am 19. August 2013.
  43. Attentat gegen Achmed Shah Massud, den legendären Kriegs-Kommandanten in Afghanistan, Tagesschau des SRF vom 10. September 2001, abgerufen am 19. August 2013.
  44. Rätsel um Massud-Attentat, Wiener Zeitung vom 11. September 2001, abgerufen am 19. August 2013.
  45. Weiter Ungewissheit über das Schicksal des Taliban-Gegners Scheich Massud, welt.de vom 12. September 2001, abgerufen am 19. August 2013.
  46. Panjshir TV Übertragung der Beerdigung Massouds
  47. Playing the Massoud card. Eurasianet.org. 2004. Abgerufen am 7. Oktober 2010.
  48. He would have found Bin Laden. CNN. 2009. Abgerufen am 7. Oktober 2010.
  49. Ahmad Shah Massoud's warning to the United States, The Path to 9/11 (video clip)
  50. Assassination of Ahmad Shah Massoud, The Path to 9/11 (video clip)
  51. There's more to peace than Taliban. In: Asia Times. 9. Januar 2012, abgerufen am 14. Januar 2012 (englisch).