Aiud

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Aiud
Straßburg am Mieresch
Nagyenyed
Wappen von Aiud
Aiud (Rumänien)
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Basisdaten
Staat: Rumänien
Historische Region: Siebenbürgen
Kreis: Alba
Koordinaten: 46° 19′ N, 23° 43′ O46.31027777777823.716666666667258Koordinaten: 46° 18′ 37″ N, 23° 43′ 0″ O
Zeitzone: OEZ (UTC+2)
Höhe: 258 m
Fläche: 142,2 km²
Einwohner: 22.876 (20. Oktober 2011[1])
Bevölkerungsdichte: 161 Einwohner je km²
Postleitzahl: 515200
Telefonvorwahl: (+40) 02 58
Kfz-Kennzeichen: AB
Struktur und Verwaltung (Stand: 2012 (PDF; 7,1 MB))
Gemeindeart: Munizipium
Gliederung: 10 Gemarkungen/Katastralgemeinden: Aiudul de Sus, Ciumbrud, Gâmbaș, Gârbova de Jos, Gârbova de Sus, Gârbovița, Măgina, Păgida, Sâncrai, Țifra
Bürgermeister: Mihai Horațiu Josan (USL)
Postanschrift: Str. Cuza Vodă, nr. 1
loc. Aiud, jud. Alba, RO–515200
Website:

Aiud (deutsch Straßburg am Mieresch, ungarisch Nagyenyed, lat. Brucla, im Mittelalter Egidiopolis) ist eine Stadt im Kreis Alba in Siebenbürgen, Rumänien.

Geografische Lage[Bearbeiten]

Die Kleinstadt Aiud liegt an den Flüssen Aiud und Mureș (Mieresch), der Europastraße 81 und der Bahnstrecke Alba Iulia–Târgu Mureș etwa 100 Kilometer nordwestlich von Sibiu (Hermannstadt); die Kreishauptstadt Alba Iulia (Karlsburg) befindet sich ca. 27 Kilometer nördlich von Aiud entfernt.

Geschichte[Bearbeiten]

In Aiud wurde 1972 oder 1974 bei Ausgrabungen ein rätselhafter Aluminiumkeil, der Aluminiumkeil von Aiud gefunden. Kritiker wenden ein, dass es sich bei dem Fund um eine Fälschung handelt. (Siehe Prä-Astronautik). Da Aluminium, wenn auch sehr selten, auch gediegen vorkommen kann, wäre es aber prinzipiell denkbar, dass dieses Objekt auch mit einfachen Mitteln in prähistorischer Zeit hergestellt worden ist.

Nach den Dakern kam die Region unter römische Herrschaft. Auf dem Gemeindegebiet von Aiud befand sich das römische Garnisonslager Brucla.

Im 9. Jahrhundert siedelten in der Umgebung Bulgarotürken, die im Dorf Ciumbrud (ung. Csombrod) ein Gräberfeld hinterließen.

Im 13. Jahrhundert siedelten sich in der Gegend Siebenbürger Sachsen an und gründeten eine Siedlung, die 1293 erstmals urkundlich erwähnt wurde. In den mittelalterlichen Dokumenten trägt diese den aus dem Ungarischen stammenden Namen Enietten oder Engeten (im sächsischen Dialekt auch Angeten oder Anjet). Später taucht auch der moderne deutsche Name Straßburg auf.

Beim siebenbürgischen Bauernaufstand unter Antal Budai Nagy (rum.: răscoalei de la Bobâlna) von 1437–1438 wurde Aiud von den Aufständischen eingenommen.

In der Zeit der Reformation im 16. Jahrhundert setzte sich in Aiud unter den vorher katholischen Bewohnern der Calvinismus fest, während die Sachsen der anderen Regionen Siebenbürgens fast geschlossen zum Lutheranismus übertraten. Aiud wurde zu einem der Zentren des Calvinismus in Siebenbürgen, der sonst vor allem unter der ungarischen Bevölkerung Verbreitung fand (siehe Reformierte Kirche in Rumänien). Die reformierten Sachsen von Aiud hatten deshalb engen Kontakt mit ihren ungarischen Konfessionsgenossen und magyarisierten sich in der Folge ethnisch und sprachlich. Das 1622 von Fürst Gábor Bethlen in Karlsburg/Alba Iulia gegründete reformiert/calvinistische Lyzeum, wurde 1662 von Fürst Michael I. Apafi nach Aiud/Straßburg übersiedelt.

Im Kuruzenkrieg wurde das mit einer österreichischen Garnison besetzte Aiud am 13. März 1704 von Truppen des Franz II. Rákóczi belagert und in der Folge eingenommen. Ein Großteil der Stadt wurde dabei zerstört und abgebrannt. 30 Studenten des reformierten Lyzeums, die mit den Aufständischen solidarisierten, fanden dabei den Tod.

Im Jahr 1849 wurde die Stadt erneut Opfer von Kriegswirren. Die Ungarische Revolution 1848/1849 breitete sich auch nach Siebenbürgen aus. Die Stadt Aiud solidarisierte sich mit den Aufständischen gegen die österreichische Herrschaft, während die rumänische Bevölkerung dem von ungarisch-nationalistischen Forderungen getragenen Aufstand skeptisch gegenüberstand. Am 8. Jänner 1849 erschien eine rumänische Bauernarmee unter der Führung von Ioan Axente Sever vor der Stadt und begann die Belagerung. Rumänisch Sympathisanten unter der Führung des orthodoxen Popen Simion Prodan liegten in der Stadt Feuer. Die Belagerung dauerte bis 17. Jänner und durch Kampfhandlungen und den Brand starben ca. 600 Bewohner der Stadt, die jedoch nicht eingenommen wurde. Die Toten wurden über die Mauer in den Graben geworfen. Axente Sever wurde im Februar 1949 festgenommen und vor Gericht gestellt. Als die antiösterreichische Revolution jedoch im August 1849 scheiterte, wurde er freigesprochen.

Nach dem Ersten Weltkrieg kam Aiud mit ganz Siebenbürgen an das Königreich Rumänien. In der Zeit der kommunistischen Diktatur nach 1947 wurde in Aiud ein berüchtigtes Gefängnis für politische Häftlinge eingerichtet, in dem zahlreiche bekannte Oppositionelle inhaftiert waren. In der Stadt wurden außerdem zahlreiche Rumänen aus den Nachbargemeinden, sowie aus anderen Regionen des Landes angesiedelt, um die ethnische Struktur zu ändern.

2002 hatte Aiud 28.934 Einwohner, davon waren 78,09 % Rumänen, 16,54 % Ungarn, 5,05 % deklarierten sich als Roma, 0,15 % als Deutsche und 0,32 % gehörten anderen Ethnien an. Religiös gehörten 76,32 % der rumänisch-orthodoxen Kirche an, 13,06 % waren calvinistisch-reformiert, 4,13 % griechisch-katholisch, 2,12 % römisch-katholisch und 4,37 % gehörten anderen Konfessionen an, vor allem protestantischen Freikirchen.[2]

Partnerschaften[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Aiud – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Volkszählung 2011 in Rumänien (MS Excel; 1,3 MB)
  2. Volkszählung 2002 abgerufen am 5. September 2013 (rumänisch)