Alles über Eva

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher Titel Alles über Eva
Originaltitel All About Eve
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1950
Länge 138 Minuten
Altersfreigabe FSK 6
Stab
Regie Joseph L. Mankiewicz
Drehbuch Joseph L. Mankiewicz
Produktion Darryl F. Zanuck
Musik Alfred Newman
Kamera Milton R. Krasner
Schnitt Barbara McLean
Besetzung

Alles über Eva ist ein US-amerikanischer Spielfilm aus dem Jahre 1950. Der von Joseph L. Mankiewicz geschriebene und inszenierte Film war der große Gewinner bei der Oscarverleihung 1951.

Handlung[Bearbeiten]

Der Film beschreibt, in eine Rahmenhandlung eingebettet, die Erinnerungen dreier Menschen an den Aufstieg Eve Harringtons, einer Verehrerin des Theaterstars Margo Channing, bis zur Auszeichnung mit dem bedeutenden Theaterpreis New Yorks.

Täglich sieht sich Eve die Aufführung des Theaterstücks Gereift in Holz an, bis ihr die gutgläubige Frau des Dramatikers endlich den Kontakt zum Zirkel um die verehrte Margo Channing ermöglicht. Diese beeindruckt sie mit einer rührenden Geschichte um eine unglückliche Kindheit und einen abgestürzten Fliegerehemann. Margo nimmt die junge Frau unter ihre Fittiche und bald macht diese sich unentbehrlich. Dann wächst in Margo der Verdacht, die Fürsorglichkeit sei keineswegs uneigennützig und sie versucht, die Kleine loszuwerden. Aber diese hat ihr Netz bereits ausgeworfen und lässt sich bei ihrem Aufstieg nicht mehr aufhalten, wobei sie sich geschickter Intrigen bedient. Am Ende verzichtet die 40-jährige Diva zugunsten ihres Privatlebens darauf, weiterhin die 20-Jährige zu verkörpern und überlässt Eve damit die Rolle ihres nächsten Stückes. Diese wird somit der neue Star am Theaterhimmel, auf den am Ende ihr eigener Fan Nr. 1 wartet.

Beschreibung[Bearbeiten]

Während der im selben Jahr gedrehte Boulevard der Dämmerung den Stars des Stummfilmes huldigt, dreht sich bei Alles über Eva alles um das Theatergeschäft. Die grundlegende Aussage in Alles über Eva ist zunächst, dass, falls jemand nach Hollywood zu Zanuck geht (der den Film produzierte), er schief angesehen wird und als Verräter an der Sache gilt. Das Theater sei die wahre Kunst, deren Macher aber genauso schwach und stark sind wie die Zuschauer auch. Bette Davis gibt den Star, der schließlich erkennt, dass das Leben in der Ehe außerhalb des Theaters ihr wahres Glück bietet. Ihr Charakter ist die bestimmende Rolle des Filmes, eine Diva, die sich ihres Könnens bewusst ist und ihren Willen durchsetzt, dabei aber von der Angst getrieben wird, ihre Anziehung im Theater und im Leben zu verlieren und sich deshalb von der Jugendlichkeit Eves bedroht sieht.

Eve, getrieben von dem eisernen Willen, Ruhm zu ernten, nutzt jede sich bietende Gelegenheit, um ihr Umfeld zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Sie nutzt den Kritiker De Witt und die Naivität der Anderen, um zu bekommen, was sie will. Dabei finden die zeitgenössischen weiblichen und männlichen Zuschauer Eve hübscher und sympathischer, sowie passender aufgrund ihres ganz offensichtlich großen Talentes sowie ihrer Bereitschaft, sich für das Publikum aufzuopfern. Ihre Motive sind ähnlich wie bei allen, die nach Anerkennung durch den Zuschauer streben. Am Ende hat sie den Durchbruch geschafft und geht nach Hollywood, ist aber zunächst an den berechnenden Kritiker gebunden, der sie durchschaut hat und versucht, sie zu erpressen. Ihre Zukunft ist offen.

Eine der (im Nachhinein) ironischsten Stellen des Filmes ist der gelungene Auftritt von Marilyn Monroe als junge Schauspielerin, die an den speziellen Anforderungen versagt und aufgefordert wird, ihr Glück beim Fernsehen zu versuchen.

Kritiken[Bearbeiten]

„Bitter-witzige Tragikomödie aus der Welt des US-amerikanischen Showgeschäfts mit treffsicheren Dialogen und faszinierenden Schauspielerleistungen.“

Lexikon des Internationalen Films

„Das gute alte Theater, der traditionsreiche Tempel der darstellenden Kunst, hat auf Hollywood seit jeher mit Verachtung und Hohn herabgeblickt. Hoffentlich ist es auch bereit, selbst Ziel der Kritik zu sein, denn Hollywood zeigt nun seinen Giftstachel und gibt den Spott massiv zurück. In All about Eve, einer vernichtenden Satire (sie ist zugleich geistreich, durchdacht und kultiviert), die Twentieth Century-Fox und Joseph L. Mankiewicz gestern vorstellten, zeigt die Filmindustrie dem Broadway schonungslos die Zähne. Wenn das Theater sich die Tracht Prügel nicht gefallen lassen will, soll es eben George Kaufman und Moss Hart zu Hilfe rufen. Aber es mag durchaus sein, daß selbst die Herren Kaufman und Hart nicht gegen die grelle und verheerende Ironie ankommen würden, mit der dieser Film auf brillante Weise aufwartet. Denn offensichtlich hat sich Mr. Mankiewicz, der als Drehbuchautor und Regisseur verantwortlich zeichnet, schon sehr lange auf diesen Schlag vorbereitet. Man merkt, daß er das Theater und dessen charmantes Völkchen jahrelang studiert haben muß, und sicher nicht durch die rosarote Brille eines eingeschworenen Enthusiasten. Und nun ist der Moment gekommen, wo er sich mit der glänzenden Unterstützung von Bette Davis und einer wahrhaft erlesenen Besetzung mitten in das Milieu hineinstürzt, die Krallen schärft und so manche Rechnung begleicht […]“

Bosley Crowther: New York Times

„Die Tragödie des Alterns einer Broadway-Schauspielerin als differenzierte psychologische Studie mit großem Einfühlungsvermögen inszeniert und mit erstaunlich subtilen darstellerischen Mitteln realisiert.“

Evangelischer Filmbeobachter (Kritik Nr. 1/1952)

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Der Film erhielt international zahlreiche Auszeichnungen. Bei der Oscarverleihung 1951 gewann er sechs Academy Awards: als bester Film 1950, für die Regie, das Drehbuch und männliche Nebenrolle (George Sanders) sowie für die Kostüme von Edith Head und den besten Ton. Daneben gab es Nominierungen für die Schauspielleistungen von Anne Baxter, Bette Davis, Celeste Holm und Thelma Ritter sowie für die beste Dekoration und Kamera in einem Schwarz-Weiß-Film, den Schnitt und für die Musik von Alfred Newman.

Bei den Film Festspielen in Cannes gewannen Bette Davis und Joseph L. Mankiewicz Auszeichnungen, dieser zudem den Hauptpreis der amerikanischen Regie-Gilde und der Gilde der Drehbuchautoren.

Mit einem Golden Globe ging der Drehbuchautor Mankiewicz nach Hause. In die engere Auswahl kamen zudem Bette Davis, der Regisseur, George Sanders und Thelma Ritter.

Die New Yorker Kritiker-Vereinigung prämierte den Film, den Regisseur und Bette Davis.

2006 wurde das Drehbuch von der Gilde der Amerikanischen Drehbuchautoren zum fünftbesten Drehbuch aller Zeiten gewählt.

Das American Film Institute wählte den Film in der 1998 erschienenen Ausgabe der 100 besten Filme aller Zeiten auf Platz 16. 2007 schaffte der Film es in der Liste der 100 besten Filme auf den 27. Rang.

Die von Anne Baxter verkörperte Rolle der Eve Harrington schaffte es in der vom American Film Institute zusammengestellten Liste der Top 50 Schurken aller Zeiten auf Platz 23.

In der ebenfalls vom AFI publizierten Liste der 100 bekanntesten Filmzitate aller Zeiten schaffte es der Ausspruch: „Bitte anschnallen, meine Herrschaften! Ich glaube, es wird eine stürmische Nacht!“ auf Rang 9.

Wissenswertes[Bearbeiten]

Für die Rolle der Margo Channing war ursprünglich Claudette Colbert vorgesehen. Nachdem sie sich wenige Wochen vor Drehbeginn in ihrem Haus jedoch einen Wirbel verstauchte, musste man Ersatz finden. Zanuck dachte zunächst an seinen eigenen Star Susan Hayward, die jedoch zu jung für die Rolle war. Auch die Idee, Marlene Dietrich, Jeanne Crain, John Garfield und José Ferrer für die Hauptrollen zu engagieren, scheiterte vor allem am Widerstand von Joseph L. Mankiewicz. Er meinte lapidar: „Marlene Dietrich poses beautifully but she can’t speak correctly.“

Der Versuch, Gertrude Lawrence, frisch nach ihrem Broadway-Triumph in The King and I, einzusetzen, scheiterte ebenfalls. Miss Lawrence wollte die Rolle nur annehmen, wenn ihr vertraglich zugesichert würde, nicht rauchen zu müssen und mehrere Lieder (am liebsten Jerome Kern’s My Bill aus Show Boat) vortragen zu können.

Eher aus Verzweiflung verfielen die Produzenten schließlich auf Bette Davis, die damals als „washed up“ galt, nachdem sie mit viel Krach ihren langjährigen Vertrag bei Warner Brothers beendet hatte.

Das filmische Werk Alles über meine Mutter des Spaniers Pedro Almodóvar spielt mit seinem Titel und einer ähnlich dominanten Protagonistin auf Alles über Eva an.

Alles über Eva definiert in der Filmanalyse ein spezifisches Merkmal für ein Ende, das Übereinstimmungen mit dem Beginn einer Erzählung aufweist. Man spricht hier von einem „Bookend“ oder einem „All about Eve Ending“.[1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Jürgen Kubiak: Die Oscar-Filme. Die besten Filme der Jahre 1927/28 bis 2004. Die besten nicht-englischsprachigen Filme der Jahre 1947 bis 2004. Die besten Animationsfilme der Jahre 2001 bis 2004. Schüren, Marburg 2005, ISBN 3-89472-386-6

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Alles über Eva – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. Univ.-Ass. Mag. Dr. Anton Fuxjäger: Film- und Fernsehanalyse. Einführung in die grundlegende Terminologie. S. 39.