Anna Fischer

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Anna Fischer (Begriffsklärung) aufgeführt.
Anna Fischer (2012)

Marion Anna Fischer (* 18. Juli 1986 in Ost-Berlin) ist eine deutsche Schauspielerin und Sängerin.

Biografie[Bearbeiten]

Kindheit und erste Filmrollen[Bearbeiten]

Anna Fischer wuchs in einfachen Verhältnissen im Berliner Stadtteil Hohenschönhausen mit einer Schwester auf.[1] Die Tochter einer Kindergärtnerin und eines Firmenangestellten[2] widmete sich bereits mit elf Jahren der Musik. Sie war Mitglied in der von Kurt Demmler produzierten „Kinder-Girlgroup“ Zungenkuss, engagierte sich bei Musical-Aufführungen und verfasste eigene Klaviergesangsstücke.[3] Bei einem Auftritt 2002 mit einer Freundin in einem Club in Prenzlauer Berg wurde Fischer von dem Regisseur Hans-Christian Schmid für den Film entdeckt, der ihr ein Jahr später eine Nebenrolle in Lichter (2003) übertrug. Dem preisgekrönten Drama folgten Gastauftritte in populären Fernsehserien wie Berlin, Berlin (2003), SOKO Leipzig (2004) und SOKO Wismar (2005), sowie Engagements in Kurzfilmen junger Filmhochschulabsolventen und Regisseure, darunter Nikias Chryssos' Schwarze Erdbeeren und Peter Langes Bomben auf Berlin (beide 2005). Daraufhin verließ Fischer, die sich als schlechte Schülerin beschreibt,[1] nach der zehnten Klasse das Gymnasium.[4]

Seit 2003 trat sie in über 30 Film- und Fernsehrollen in Erscheinung. Der Durchbruch als Schauspielerin gelang Fischer 2005 mit der Hauptrolle in Jeanette Wagners liebeskind. In dem kammerspielartigen Drama spielt sie die 17-jährige Alma, die nach Jahren der Trennung ihren leiblichen Vater (gespielt von Lutz Blochberger) wieder sieht. Bei der halbwüchsigen Berlinerin, die davon träumt Schauspielerin zu werden, vermischt sich bald die jahrelange Sehnsucht nach dem Vater mit ihrer erwachenden Sexualität. Wagners Abschlussfilm für die Berliner Filmakademie[5] lief auf dem Berliner Filmfest, konkurrierte im Wettbewerb des renommierten Sundance Filmfestivals und brachte Anna Fischer Ende Januar 2006 den Max-Ophüls-Preis als beste Nachwuchsdarstellerin sowie eine Nominierung für den New Faces Award ein. Trotzdem scheiterte das Inzest-Drama an der Hürde, einen deutschen Kinoverleih zu finden.[6] Monate später wurde liebeskind vom ZDF in die Reihe Gefühlsecht des Kleinen Fernsehspiels aufgenommen und im Herbst 2006 im Fernsehen ausgestrahlt. Fischers Spiel rückte erneut in den Fokus der Kritiker: Die tageszeitung beschrieb in ihrer Filmkritik die Leistung der Hauptdarstellerin als „Mixtur aus Entdeckerstolz und Verletzlichkeit [und hoffte darauf] noch oft in dieses Gesicht [zu schauen,] in dem Naivität und Tiefe einen aufreibenden Wettkampf austragen“[7], während die Frankfurter Rundschau Fischers Spiel als glaubwürdig hochlobte.[5]

Goldene Kamera und Arbeit als Sängerin[Bearbeiten]

Nach dem Erfolg von liebeskind absolvierte Anna Fischer 2006 weitere Gastauftritte in Fernsehserien wie Der letzte Zeuge oder Zwei Engel für Amor und wirkte in der europäischen Koproduktion Grenzgänger des deutsch-französischen Fernsehsenders ARTE mit. Im selben Jahr war Fischer mit einer Nebenrolle in Gudrun Pausewangs Jugendbuchverfilmung Die Wolke wieder im deutschen Kinofilm vertreten. 2007 war die in Berlin lebende Schauspielerin als Walter Sittlers punkige Tochter Klara in dem ARD-Fernsehfilm Reife Leistung! zu sehen. Anfang Februar 2007 wurde Fischer bei der Verleihung der Goldenen Kamera mit der mit 20.000 Euro dotierten Lilli Palmer & Curd Jürgens Gedächtniskamera als beste Nachwuchsschauspielerin geehrt.

In der folgenden Zeit spielte Fischer mit Erfolg in deutschen Fernsehproduktionen, die in der jüngeren deutschen Geschichte spielten. Kritikerlob brachte ihr 2008 die Hauptrolle in Hermine Huntgeburths Fernsehproduktion Teufelsbraten ein. In dem Zweiteiler, basierend auf Ulla Hahns Roman Das verborgene Wort, schlüpfte sie in die Rolle eines verschüchterten und trotzigen Teenagers, dessen Wissensdurst in der rheinisch-katholischen Arbeiterfamilie der 1960er Jahre auf Widerstand stößt. Für den Part der Hildegard, den sie sich mit zwei jüngeren Darstellerinnen teilte, erhielt sie 2009 den Adolf-Grimme-Preis. Im selben Jahr war sie in dem ZDF-Dreiteiler Die Rebellin (2009) als Schwester von Alexandra Neldel zu sehen, die als Gesangstalent an der Enge ihres Lebens und ihrer Einsamkeit zu zerbrechen droht. Sowohl diese Nebenrolle, als auch die einer DDR-Offizierstochter, die sich der Dissidentenszene anschließt (Wir sind das Volk – Liebe kennt keine Grenzen, 2008), brachte ihr den Deutschen Fernsehpreis ein.

Neben ihrer Schauspielkarriere tritt Fischer als Leadsängerin und Songwriterin der 2004 gegründeten fünfköpfigen Band Panda auf. Ihre Musik lehnt sich laut eigenen Angaben an die Beatmusik der 1970er Jahre an.[1] Anfang Mai 2007 wurde die erste Single Jeht kacken veröffentlicht, der das Album Tretmine und eine weitere Single-Auskopplung folgten.

Filmografie[Bearbeiten]

Diskografie[Bearbeiten]

(mit der Band Panda)

EPs
  • 2014: Im Rudel
Alben
  • 2007: Tretmine
Singles
  • 2007: Jeht kacken
  • 2007: Frauen und Männer

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Anna Fischer – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Interview in der NDR Talk Show, 7. Mai 2010
  2. Alexandra Umminger: Ick, der Wahnsinn. In: Berliner Morgenpost. 22. April 2007, Heft 109/2007, S. 5 (online, kostenpflichtig).
  3. Alexandra Maschewski: Mit Fliegenbrille und Mireille-Mathieu-Frisur zum Erfolg. In: Welt am Sonntag. 1. April 2007, Heft 13/2007, Berlin, S. B7.
  4. Alexandra Maschewski: Mit Fliegenbrille und Mireille-Mathieu-Frisur zum Erfolg. In: Welt am Sonntag. 1. April 2007, Heft 13/2007, Berlin, S. B7.
  5. a b Stefan Raulf: Der Blick zum Vater. Fernsehfilm um Nöte und Neugier einer Heranwachsenden. In: Frankfurter Rundschau. vom 1. August 2006, Medien, S. 18.
  6. TV-Tipps. In: Stuttgarter Zeitung. 1. August 2006, Funk und Fernsehen, S. 27.
  7. Christian Buss: Nestbeschmutzer. In: die tageszeitung. 1. August 2006, Flimmern und Rauschen, S. 10.