Bassewitz

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Wappen der von Bassewitz

Bassewitz ist der Name eines alten mecklenburgischen Adelsgeschlechts, das nach dem westlich von Gnoien gelegenen Basse (heute Ortsteil von Lühburg) benannt ist. Der Basse – in der Jägersprache die Bezeichnung für einen älteren Keiler – ist das Wappentier der Familie.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Geschlecht erscheint nach einer verlorenen Urkunde, deren Existenz und Inhalt noch im Jahr 1900 vom Gotha beglaubigt wurde, erstmals im Jahr 1254 mit Bernhardus de Bassewicze[1] oder 1308 mit einem Heinrich von Bassewitz. In einer Urkunde vom 3. Oktober 1341[2] wird ein Gherardus Basseuitze genannt. Der Name leitet sich vermutlich vom Ort Basse ab.

Die Familie teilte sich im 14. Jahrhundert in zwei Linien: die mecklenburgische Linie mit Besitztümern im Gebiet des eigentlichen Herzogtums Mecklenburg und die wendische Linie im Gebiet des weiter östlich um Güstrow und Waren gelegenen wendischen Fürstentums, zu deren Besitz bereits im 14. Jahrhundert Lühburg mit Basse sowie Dalwitz (heute Ortsteil von Walkendorf) und Prebberede zählten. Der Stammvater beider Familienstämme ist Hans von Bassewitz († 1397), Gutsherr auf Hohenluckow.

Der wendischen Linie entstammte Henning Friedrich von Bassewitz (1680–1749), der in Diensten des Herzogs Karl Friedrich von Schleswig-Holstein-Gottorf stand, für seine diplomatischen Verdienste 1726 in den Reichsgrafenstand erhoben und mit Grundbesitz in Estland, Lettland und Holstein belehnt wurde. Vier seiner Nachfahren bekleideten als Geheimratspräsidenten oder Ministerpräsidenten höchste Ämter im Land Mecklenburg: Carl Friedrich Graf von Bassewitz (1720–1783), Bernhard Friedrich Graf von Bassewitz (1756–1816) und Henning Karl Friedrich Graf von Bassewitz (1814–1885) waren mecklenburgische Geheimratspräsidenten, Carl Graf von Bassewitz-Levetzow (1855–1921)[3] war von 1901 bis 1914 mecklenburgischer Ministerpräsident. Stammvater aller heute lebenden Grafen von Bassewitz ist Adolph Christian Ulrich Graf von Bassewitz[4].

Wappen[Bearbeiten]

Das Stammwappen zeigt in Silber einen springenden schwarzen Keiler (Basse). Auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein wachsender schwarzer Keiler zwischen zwei zugekehrten silbernen Hauern.

Das 1726 verliehene gräfliche Wappen zeigt in der Mitte einen silbernen Schild mit einem schwarzen springenden Keiler. Um dieses Stammwappen der Familie von Bassewitz sind fünf Felder angeordnet: Oben zwei nebeneinander stehende Säulen, links ein Stierkopf mit Nasenring (Mecklenburg), rechts ein Greif (Livland), unten links ein gekrönter Löwe (Estland) und unten rechts ein Lorbeerkranz über einem Palmbaum (Familie von Clausenheim). Über dem Schild sind drei Helme, einer mit schwarz-silberner Decke und schwarzem wachsendem Keiler zwischen zwei Hauern (Stammwappen der Familie von Bassewitz), in der Mitte einer mit rot-silberner Decke und zwei Säulen, und der dritte Helm mit blau-gelber Decke und Palmbaum zwischen offenem schwarzem Adlerflug (Familie von Clausenheim).

Adelserhebungen und Wappen- sowie Namensmehrungen[Bearbeiten]

Wappen der Grafen von Bassewitz
  • Vor 1720 – Freiherren von Bassewitz

Zweimal verliehen vom schwedischen Königshaus an die Brüder Ulrich Carl von Bassewitz (1679–1715) und Adolf Friedrich von Bassewitz (1681–1740). Nicht fortgeführt, da beide unverheiratet und kinderlos blieben.

  • 1720 – Leoparden des englischen Königswappens als Schildträger

Verliehen vom englischen König an Adolf Friedrich von Bassewitz (1681–1740), der als königlich großbritannisch-braunschweig-lüneburgischer envoyé extraordinaire 1719 den Friedensschluss zwischen Großbritannien und Schweden herbeiführte. Wappenmehrung wurde nicht fortgeführt, da Adolf Friedrich von Bassewitz unverheiratet blieb und keine Nachkommen hatte.

  • 1726 – Grafen von Bassewitz

Immatrikulation bei der estnischen Ritterschaft am 29. Januar 1725 und Erhebung in den Reichsgrafenstand am 9. Juni 1726 in Wien für Henning Friedrich von Bassewitz als kaiserlich römisch und kaiserlich russischer Geheimrat, herzoglich Holstein-Gottorfer Geheimer Ratspräsident und Oberhofmarschall. Mecklenburg-Schweriner Anerkennung am 29. Oktober 1745 für denselben als herzoglich Mecklenburg-Schweriner Geheimrat und Regierungspräsident.

  • 1823 – Grafen von Bassewitz-Schlitz

Mecklenburg-Schweriner Namens- und Wappenvereinigung mit den Grafen von Schlitz, Freiherrn von Labes, am 20. Juni 1823 in Schwerin für Heinrich Graf von Bassewitz, Schwiegersohn und Erbe des herzoglich Mecklenburg-Strelitzer Gesandten Hans Graf von Schlitz, Freiherrn von Labes, Erbauer der Burg Schlitz in Mecklenburg.

  • 1869 – Grafen von Bassewitz-Levetzow

Preußische Namen- und Wappenvereinigung mit den von Levetzow, verbunden mit dem Besitz des Fideikommiss Kläden, am 2. Oktober 1869 in Baden-Baden für Carl Graf von Bassewitz. Preußisches Diplom am 7. November 1884 in Berlin für dessen Sohn und Erben Bernhard Graf von Bassewitz. Letzter Träger des Namens ist Georg Werner Graf von Bassewitz-Levetzow aus der Linie Kläden. Zum Besitz der Linie gehörte das Gut Bristow.

  • Nach 1860 – Grafen von Bassewitz-Behr

Namensmehrung tritt erstmals in Erscheinung bei Graf Adolph von Bassewitz-Behr (* 15. Juli 1849 in Neustrelitz; † 20./21. November 1915 in Lützow), einem Sohn von Graf Henning von Bassewitz (1814–1885) und dessen Frau Marie von Behr (1822–1860). Letzter Träger dieses Namens war der nationalsozialistische Kriegsverbrecher Georg-Henning Graf von Bassewitz-Behr.

Abbildungen von Besitzen[Bearbeiten]

Namensträger[Bearbeiten]

Mecklenburgische Hauptlinie (Herren von Bassewitz)
Wendische Hauptlinie (seit 1726 Grafen von Bassewitz)

Literatur[Bearbeiten]

  • Leopold von Ledebur: Adelslexikon der preußischen Monarchie. Berlin 1854, Band 1, Seite 37
  • Adolph Graf von Bassewitz: Aus dem Leben des Reichsgrafen Henning Friedrich von Bassewitz mit einigen Nachrichten über die wendische Linie der Familie Bassewitz, o.O., 1859
  • Genealogisches Handbuch des Adels – Adelslexikon Band I. Band 53 der Gesamtreihe. C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1972, ISSN 0435-2408
  • Genealogisches Handbuch des Adels – Adelige Häuser A Band XXVI. Seite 40, Band 126 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 2001, ISSN 0435-2408, ISBN 3-7980-0826-4.
  • Henning Graf von Bassewitz: Die Familie von Bassewitz in Mecklenburg – Gutsherren, Bauherren, Politiker. In: Burgen, Schlösser, Gutshäuser in Mecklenburg-Vorpommern. Theiss 1992
  • Hubertus Neuschäffer: Henning Friedrich Graf von Bassewitz 1680–1749. Thomas Helms Verlag, Schwerin 1999, ISBN 978-3-931185-47-3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bassewitz family – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Anmerkungen zur Stammreihe auf von-bassewitz.de
  2. beschädigtes Original im Staatsarchiv Schwerin
  3. Margarete von Bassewitz-Levetzow: Lebensbild des Staatsministers Carl Graf Bassewitz-Lewetzow auf Bristow. o.O. (vermutl. Teterow) 1924
  4. Genealogisches Handbuch des Adels, Gräfliche Häuser, 1973
  5. Ludwig Fromm: Bassewitz, Henning Friedrich von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 2, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 127–129.
  6. Olaf Klose: Bassewitz, Henning Friedrich Graf v.. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 1, Duncker & Humblot, Berlin 1953, ISBN 3-428-00182-6, S. 625 (Digitalisat).
  7. Countess Ina Marie von Bassewitz. Englisch. Artikel der englischen WP.