Kloster Dobbertin

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Blick auf die Klosterkirche Dobbertin
Lageplan

Das denkmalgeschützte Kloster Dobbertin bei Goldberg im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern liegt auf einer Halbinsel am Dobbertiner See und ist durch den Grot Werder, den heutigen Klosterpark, mit dem Ort Dobbertin verbunden. Es war eines der größten und reichsten Nonnenklöster des Benediktinerordens in Mecklenburg. Nach der Auflösung des Nonnenklosters 1572 wurde es über 360 Jahre als evangelisches Damenstift genutzt. Heute wohnen in den Klosteranlagen Menschen mit geistiger Behinderung oder psychischer Erkrankung. Landschaftsprägende Freizeitanlagen, neu errichtete Werkstätten für Behinderte sowie eine Schule für individuelle Lebensbewältigung in den sanierten Klausurgebäuden kennzeichnen heute die Einrichtung.

Geschichte[Bearbeiten]

Nutzung der Klosteranlage im Überblick
Zeitraum Nutzung
1219–1234 (1243) Kloster der Benediktiner
1234 (1243)–1572 Kloster der Benediktinerinnen
1572–1918 evangelisches Damenstift
1919–1945 Landeskloster (mit staatlicher Gutsverwaltung)
1945–1947 Kaserne der sowjetischen Armee
1947–1961 Landesalters- und Pflegeheim
1962–1991 Außenstelle der Bezirksnervenklinik Schwerin
seit 1991 Diakoniewerk Kloster Dobbertin gGmbH

Kloster der Benediktiner[Bearbeiten]

Von den historischen Anfängen des Klosters Dobbertin sind keine Quellen überliefert. Das Kloster wurde im Zuge der deutschen Christianisierung im Zeitraum 1219–1225 von dem Mecklenburger Fürsten Heinrich Borwin I. von Mecklenburg zusammen mit seinen Söhnen Heinrich Borwin II. und Nikolaus II. von Gadebusch gegründet. Sie übergaben es den Mönchen des Benediktinerordens. Da diese zwischen 1225 und 1227 starben, muss die Klostergründung zwischen 1219 und 1225 erfolgt sein.

Die Patrone als Schutzheilige des Klosters waren die Jungfrau Maria, Johannes Evangelist (1274, 1360) und zeitweilig Quirinus von Siscia (1337, 1360). Die Stiftungsurkunde ist verloren gegangen.

Das Dobbertiner Kloster ist das älteste Feldkloster des Benediktinerordens im Lande Werle. In der ersten im Original vorhandenen Urkunde zur Klostergeschichte vom 28. August 1227 bestätigten Heinrich Borwins Nachkommen Johann I. und Nikolaus als mecklenburgische Fürsten den Güterbesitz, der dem Mönchskloster zu Dobbertin von ihren Vorfahren gegeben wurde. Die ersten Mönche hatte der Abt Christopherus aus dem Konvent des Stader Marienklosters nach Dobbertin entsandt und als erster Propst wurde 1227 der Ordensangehörige Theodoricus genannt. In seiner Funktion als Stellvertreter des Abtes führte er als Sachwalter des Tochterklosters auch nach außen die Rechtsgeschäfte, siegelte Urkunden und Verträge. Fürst Johann bestätigte 1231 dem Dobbertiner Mönchskloster die Rechte an der Kirche in Goldberg als Ersatz für den Ausfall des von seinem Vater versprochenen jährlichen Getreidezehnten.

Das Dobbertiner Kloster war auch in der Ostkolonisation engagiert und ist neben seinem Kerngebiet um Dobbertin auch im Land Röbel und Ture mit der vorderen und hinteren Sandpropstei zu großem Besitz gekommen. Nach dem Weggang der Mönche nach Stade hinterließen sie den Ordensschwestern feste Wohnungen und ein Bethaus.

Kloster der Benediktinerinnen[Bearbeiten]

Vermutlich erfolgte die Umwandlung in ein Nonnenkloster zwischen 1234 und 1238. Urkundliche Nachweise der Veränderung in ein Frauenkonvent der Benediktinerinnen fehlen. Das gesamte Klosterleben und auch die Verwaltung wurden von einem Propst und der Priorin geleitet. Bischof Brunward von Schwerin verlieh dem Dobbertiner Nonnenkloster das Recht der freien Wahl von Propst und Priorin sowie dem Dobbertiner Kirchenpropst das Archidiakonat über die Kirchen in Goldberg, Lohmen, Ruchow, Karcheez und Woserin. Dies geschah schon am 27. Oktober 1238 (genannt wird in der Quelle auch 1228).[1] Die bischöfliche Konfirmation des Nonnenklosters erfolgte am selben Tage. Nach der Rückkehr der Mönche in Stade verzichteten der dortige Abt Dietrich und der Konvent des Marienklosters aber erst 1243 auf den Dobbertiner Besitz.[1] Alle Besitzungen und Rechte gingen an den Dobbertiner Frauenkonvent über. Es wird angenommen, dass durch Vermittlung des Marienklosters zu Stade und unter Mitwirkung des Bremer Erzbischofs Gebhard II. Benediktinerinnen aus dem Stade benachbarten Kloster Zeven nach Dobbertin geschickt wurden. Aus den wenigen überlieferten Archivalien geht hervor, dass Papst Urban IV. 1263 das Kloster und dessen Besitz unter seinen Schutz stellte.[2] Wie im Kloster Zeven hatten auch die Dobbertiner Nonnen keine Äbtissin.

Im Jahr 1288 wurde auf Drängen des Dobbertiner Propstes Heinrich von Barse mit Unterstützung des Pfarrers Detlev von Lüdershagen zum Nutzen der kranken Nonnen dieses Konvents im Dorf Dobbertin ein Krankenhaus (Haus mit beheizbarer Krankenstube) eingerichtet. Bischof Hermann I. von Schwerin bestätigte die Stiftung und die Bewidmung des Krankenhauses.[1]

Am 6. Juni 1309 bestätigte Papst Clemens V. in Avignon die Stiftung des Pfarrers Detlev von Lüdershagen.[1] Am 23. Oktober 1333 nahm Papst Johannes XXII. den Konvent der Nonnen des Benediktinerordens und die gesamten Besitzungen des Dobbertiner Klosters in seinen Schutz und nach einem Schriftstück vom 12. März 1360 gewährten 18 Bischöfe den Besuchern des Klosters Dobbertin Ablass von Sündenstrafen.[1] Als eines der reichsten Landesklöster in Mecklenburg hatte es zeitweise einen Besitz von 25.122 Hektar Land, Wald, Wiesen und Gewässern. Neben den 26 Klostergütern und 37 Ortschaften gehörten in der Zeit seiner größten Ausdehnung von 1860 bis 1870 19 Pfarrkirchen, 27 Schulen, 12 Forsthöfe, 16 Mühlen, 3 Bauhöfe, 4 Ziegeleien und mehrere Kalköfen, Sägewerke, Schmieden, Glashütten, Teeröfen, Meiereien, Schäfereien und Dorfkrüge zum Klosteramt.

Dieses große Wirtschaftsunternehmen bedurfte über Jahrhunderte hinweg einer guten Verwaltungsorganisation. Für die Erhaltung und Vermehrung des Klostervermögens waren im Klosteramt und in den Forstämtern, auf dem Klosterbauhof und in der Sandpropstei die Klosterbediensteten mit dem Sandpropst verantwortlich. Zur Vorderen Sandpropstei gehörten die Dörfer Roetz, Lexow, Sietow mit der Schamper Mühle und Penkow, das 1678 mit dem Kloster Malchow getauscht wurde. Zur Hinteren Sandpropstei gehörten die Dörfer Lärz, Tralow, Krümmel, Schwarz, Zethen, Diemitz. Die Dörfer Wale, Sagwitz und Vierling fielen wüst.

Aus der Wahrnehmung der äußeren Belange des Klosters zeigt sich die bedeutende Stellung des Propstes als Vorsteher des Frauenklosters. Die benediktinischen Frauenklöster übernahmen die typische Propsteiverfassung (Propst, Priorin und Konvent), die sich über die Reformationszeit hinaus in einigen evangelischen adligen Klöstern als Damenstift erhalten hatte.

Der Propst als geistlicher Vater des Klosters war der rechtliche Sachwalter des Nonnenklosters und handelte in allen wirtschaftlichen Angelegenheiten zusammen mit der Priorin und dem Konvent. Er unterzeichnete alle Urkunden; ohne ihn konnten keine Rechtsgeschäfte, kein Kauf oder Verkauf, kein Tausch und keine Verpfändung zustande kommen. Verwaltung und Schutz der klösterlichen Güter sowie die Vertretung des Klosters nach außen gehörten ebenfalls zu den Aufgaben des Propstes.

Für die Seelsorge der Nonnen gab es neben dem Propst noch andere Geistliche im Kloster. Nach Urkundenlage waren in Dobbertin neben dem Priester, Beichtvater und Kaplan auch noch Hilfsprediger tätig.[3]

Damenstift[Bearbeiten]

Wappentafel der Konventualinnen, aufgenommen im Mai 2010 im Museum Schloss Güstrow
Damenhaus im Klostergelände
Wappen der Priorin Helene von Lützow (1801–1877) mit Ordenskreuz Pour la vertu

Der Landtag beschloss 1549 an der Sagsdorfer Brücke nahe bei Sternberg, die lutherische Konfession in Mecklenburg einzuführen. Da es Probleme mit der Versorgung der Nonnen gab, wurde die Reformation in den mecklenburgischen Frauenklöstern zuletzt durchgeführt. Noch 1557 setzte Herzog Johann Albrecht I. seinen Hofmarschall Jürgen von Below als Hauptmann und Verwalter des Klosters in Dobbertin ein. Erst am 30. September 1562 wurde mit Margaretha Wangelin die erste lutherische Priorin eingesetzt. Diese wurde von den Nonnen nicht akzeptiert und öffentlich kaum genannt. Die Herzöge stießen auf hartnäckigen Widerstand im Benediktinerinnenkloster. Der 15-jährige Widerstand endete erst mit dem Tod der älteren unbeugsamen Nonnen. Einmalig in der Geschichte ist dieser Vorgang in Mecklenburg als Der dulle Nonnen Krich eingegangen. Mit der Einführung der evangelischen Kirchen in Mecklenburg konnten sich die Nonnen auf Dauer nach ständigen Visitationen der schrittweisen Übernahme des Klosters durch den Landadel nicht widersetzen.

Nach dem Tode von Margaretha Wangelin veranlasste die Visitationskommission 1569 gegen den Protest der Nonnen Neuwahlen. Die evangelisch gesinnte Elisabeth Hagenow wurde zur neuen Priorin gewählt und erstmals als Domina genannt. Zur Unterpriorin wurde mit Margaretha Kerberg eine der verbliebenen Nonnen gewählt. Drei Jahre später wurde das Kloster mit Artikel 4 der Sternberger Assekuration vom 2. Juli 1572 in ein Stift für adlige Damen „zur christlich ehrbaren Auferziehung inländischer Jungfrauen, so sie sich darin zu begeben Lust hätten“, umgewandelt und den Landständen überwiesen.[4]

An die Stelle des Propstes, der vor der Reformation auch die Verwaltungsgeschäfte des Klosters geregelt und außerhalb des Klosters gewohnt hatte, trat der Klosterhauptmann. Bis zur Durchsetzung des technischen Namens Klosterhauptmann wurde er auch als Amtmann, Vorsteher oder Verwalter des Klostereigentums bezeichnet. Die Pröpste und Pastoren im Damenstift waren nur noch für die geistliche Betreuung der sich nun Konventualinnen nennenden Jungfrauen und für die schulische Betreuung der Kinder zuständig.

Der Klosterhauptmann hatte mit seinen beiden Provisoren und dem Küchenmeister die Oberaufsicht im Wirkungskreis des Klosteramtes. Die Provisoren wurden auf den Landtagen für vier Jahre und der Klosterhauptmann für sechs Jahre gewählt. Sie mussten alle dem Adel angehören.

Als Vermögensverwalter des Klostereigentums hatte der Klosterhauptmann auch die gesamte Polizei und das Gerichtswesen unter sich. Dazu standen ihm ein Küchenmeister, ein Syndicus, ein Amtssekretär mit Schreiber, der Forstinspektor mit sechs Förstern und drei Holzwärtern, ein Amtsjäger mit fünf Stationsjägern sowie ein bis zwei Landreiter als Polizei, zwei Nachtwächter und ein Parkwärter zur Seite.

Das Leben im Damenstift wurde relativ eigenständig von einer auf Lebenszeit gewählten Domina als Vorsteherin organisiert. In dieser evangelischen Gemeinschaft hatten die Konventualinnen vielfältige Aufgaben zu erfüllen. In den fast 360 Jahren des Bestehens als adliges Damenstift waren in Dobbertin 21 gewählte Dominas tätig, einige von ihnen übten ihr Amt weit mehr als 30 Jahre aus. War zu katholischer Zeit die Aufnahme in das Kloster noch alleinige Sache der Priorin, hatte sich dieses mit der neuen Klosterordnung von 1572 geändert.[4] Die Voraussetzungen für eine Aufnahme waren nun die adlige Herkunft, die Jungfräulichkeit, die christliche Religion und die schriftliche Erklärung zur „inländischen Abstammung“ der Jungfrau. Sehr wichtig waren die Einschreibungen mit der Beibringung des Ahnennachweises. Die Eltern ließen daher schon wenige Tage nach der Geburt die älteste Tochter in Dobbertin, die zweitgeborene im Kloster Malchow und die dritte im Kloster Ribnitz einschreiben.

Das seit 1696 geführte Dobbertiner Einschreibebuch[5] enthält insgesamt 2066 Eintragungen von Töchtern der 160 bekanntesten und ältesten mecklenburgischen Adelsfamilien, wie von Barner, von Bassewitz, von Below, von Behr, von Bernstorff, von Blücher, von Brandenstein, von Bülow, von Both, von Hobe, von Dewitz, von Ferber, von Flotow, von Graevenitz, von Hahn, von Hammerstein, von Holstein, von der Lancken, von Lehsten, von Levetzow, von Lowtzow, von dem Knesebeck, von Lücken, von der Lühe, von Lützow, von Mecklenburg, von Moltke, von Oertzen, von Oldenburg, von Pressentin, von Preen, von Plessen, von Plüskow, von Maltzan, von Quitzow, von Raven, von Restorff, von Rohr, von Schack, von Schuckmann, von Stenglin, von Strahlendorff, von Vieregge, von Wangelin, von Wickede, von Winterfeld und von Zülow, die auch in der Geschichte des Landes eine große Rolle spielten.

In Dobbertin wohnten in der Regel 32 Jungfrauen, die sich nun Konventualinnen nannten, von denen mindestens zwei von bürgerlichem Stande sein sollten. Wenn ein Klosterplatz frei wurde, konnte nach der Einschreibeliste das nächste Fräulein als Konventualin nachrücken.

Die Konventualinnen und die Domina trugen keine besondere Tracht, aber ein von der Herzogin Louise Friederike von Württemberg, der Gemahlin Herzog Friedrichs des Frommen, 1763 verliehenes Ordenskreuz mit goldener Chiffre Pour la vertu (deutsch: Für die Tugend) an einem blauen, weiß eingefassten Band sowie einen von Herzogin Luise, der Gemahlin Herzogs Friedrich Franz I., 1781 gestifteten Ordensstern mit der Inschrift POUR LA VER TU auf der linken Brustseite.

Die Wohnungen waren sehr geräumig, hatten meistens eine Diele, sechs bis acht Zimmer, eine Küche mit Vorratskammer, dazu noch zwei bis drei Dachkammern, einen Keller, Holzschuppen und einen Vorgarten. Die Dienstmädchen und der Damendiener halfen den Konventualinnen bei allen schweren Arbeiten im Hause. Zum Umgraben in den Gärten und für den Kartoffelacker wurden die Bauhofarbeiter angefordert. Der Damendiener musste nicht nur die vereinbarten Dienstleistungen erbringen, er hatte „bei Aufwartungen“ in einem geeigneten Anzug zu erscheinen.

Außer den 32 Damenwohnungen gab es im Kloster separate Häuser für den Klosterhauptmann und die Provisoren, den Küchenmeister und die Domina. Auf dem Klosterareal befanden sich neben der Kirche und den Klausurgebäuden das Brau- und Brennhaus, die Klosterbäckerei, die Obstdarre mit dem Kornspeicher, der Eiskeller, das Badehaus, die Gefängniszellen und die Pferdeställe des Klosterhauptmanns. Etwas abseits, gegenüber dem Klosterfriedhof, war die Wohnung des Landreiters, des klostereigenen Polizisten. Dahinter befand sich der große Bauhof mit den Unterkünften der Bauhofleute und Handwerker, mehreren Viehställen, Lagerhallen, der Kuhweide der Konventualinnen mit der Nachtkoppel und angrenzend die große Gärtnerei des Klosters.

Das Ende des Stifts[Bearbeiten]

Nach dem Ende der Monarchie wurde am 18. November 1918 auch das Klosteramt Dobbertin mit seinem gesamten Vermögen und den Besitzungen dem Freistaat Mecklenburg-Schwerin unterstellt. Diese Regelung war nach der Verfassung vom 17. Mai 1920 nicht mehr anfechtbar. Das Klosteramt blieb als Staatliche Klosterverwaltung bestehen und wurde am 1. Januar 1925 durch die Landdrostei Lübz als Staatliche Gutsverwaltung übernommen.

Die Konventualinnen konnten bis zu ihrem Lebensende weiter im Kloster Dobbertin bleiben. Zur Sicherung ihrer Ansprüche gab es von 1924 bis 1927 noch mehrere Klagen vor dem Zivilsenat beim Oberlandesgericht und dem Reichsgericht, deren Urteile in weiten Teilen den Konventualinnen Recht gaben und die zivilrechtlichen Ansprüche aller 1918 in die Liste eingeschriebenen Exspektantinnen auf eine Konventualinnenstelle bestätigten.

Am 9. Dezember 1925 wurde Auguste Sophie Caroline von Pressentin durch den Konvent zur letzten Domina gewählt. Nachdem im Februar 1926 ihre Stellvertreterin Julie von dem Knesebeck gestorben war, wurde Marie Luise Auguste Wilhelmine von Oertzen letzte Priorin.

Auf Vorschlag der Mecklenburgischen Ritterschaft wurde im Sommer 1933 der Verein Klosterkonvent Dobbertin e. V. gegründet und die Satzung am 20. Dezember 1933 beim Amtsgericht in Goldberg eingereicht. Der Verein sollte den Kontakt zwischen den Konventualinnen im Kloster und den Expektatinnen aufrechterhalten, fördern und deren rechtliche Position nach außen vertreten. Auch nach der unfreiwilligen Ablösung der Domina Auguste von Pressentin am 22. Juni 1936 durch den Mecklenburgischen Landrat des Kreises Parchim, Friedrich Roschlaub, und der gleichzeitigen Einsetzung der Konventualin und Kreisleiterin der NS-Frauenschaft, Agnes von Bülow, als Geschäftsführerin im Klosterkonvent war für beide der Klosterverein ein zu bekämpfendes Ärgernis. Trotz Einschaltung der Geheimen Staatspolizei in Schwerin konnte die seit 1934 betriebene Auflösung nicht erreicht werden, da der Reichsstatthalter und Gauleiter von Mecklenburg, Friedrich Hildebrandt, am 21. September 1938 persönlich die Auflösung des Klostervereins untersagt hatte.

Ab 1942 wurden in den Klosterwohnungen ausgebombte Familien aus dem Rheinland, Hamburg und Berlin untergebracht. Im Kloster befand sich kurzzeitig noch eine Heimschule für Mädchen und die Hitlerjugend sowie ein Ausbildungslager für deutsche Waldarbeiter. Auf Anweisung des Gauleiters und Reichsverteidigungskommissars Friedrich Hildebrandt hatte ab September 1943 das Amt für Volkswohlfahrt der NSDAP-Gauleitung im Zuge des Katastropheneinsatzes das Klosterhauptmannhaus zur Aufnahme von werdenden Müttern und als Entbindungsheim übernommen.[6]

Die Zeit nach 1945[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren auf dem Klostergelände Truppen der Roten Armee stationiert, und das Kloster wurde als Kaserne genutzt. Die Bausubstanz nahm Schaden, und zahlreiche historische Zeitzeugnisse und Archivunterlagen wurden zerstört.

Auch die Konventualinnen mussten im Mai 1945 das Kloster verlassen. Einige fanden in Dobbertin und Dobbin Unterkunft. Acht von ihnen starben noch 1945. Agnes von Bülow erhängte sich am 13. November 1945 auf dem Dachboden des Försters von Dobbin. Von 1946 bis 1948 wurde Irmgard Bertha von Oertzen als Verbindungsperson zur Landesregierung als letzte Domina eingesetzt. Auguste von Pressentin, die letzte vom Konvent gewählte Domina, verstarb 91-jährig am 23. Februar 1951 in Dobbertin.

Während der Besetzung brannten im Jahr 1946 Teile des östlichen Klausurgebäudes und der innere südliche Turm der Klosterkirche aus. Das Kloster und auch der Ort Dobbertin wurden Durchgangs-, Entlausungs-, Einkleide- und Ausbildungslager für zehntausende frühere Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter.

Im Jahr 1947 zogen die sowjetischen Truppen ab und das leerstehende Kloster wurde weiter ausgeplündert. Ab Herbst 1947 errichtete die Landesregierung Mecklenburg ein Landesalters- und -pflegeheim für 500 Personen. Die feierliche Einweihung war am 2. November im großen Saal des ehemaligen Klosterhauptmannhauses. Ab 1948 wohnten dort auch wieder zwölf Konventualinnen. Die letzte von ihnen, Elisabeth Charlotte Gräfin von Bassewitz, starb am 22. April 1974 und wurde auf dem Klosterfriedhof in Dobbertin beigesetzt. Seit 1961 wurde die gesamte Klosteranlage unter Trägerschaft der Bezirksnervenklinik in Schwerin für geistig Behinderte und psychisch Kranke genutzt.[7]

Im Jahr 1984 lebten im sogenannten Langzeitbereich Dobbertin 654 Personen, davon 414 Erwachsene und 240 Kinder.

Nutzung als Diakoniewerk[Bearbeiten]

Nach der Wende übernahm am 1. Juli 1991 das Diakoniewerk Kloster Dobbertin gGmbH die Trägerschaft über den Gesamtbereich des Klosters Dobbertin. Das Diakoniewerk ist in den Bereichen Behindertenhilfe, Altenhilfe, Psychosoziale Hilfen, Sucht- und Gefährdetenhilfe, Bildungs- und Förderungshilfen und Hilfen für Kinder und Familien tätig. Im Jahre 2012 sind im Diakoniewerk 1435 Mitarbeiter in 54 Einrichtungen an 29 Standorten in Mecklenburg-Vorpommern tätig.

Im Jahr 1991 waren in Dobbertin noch 550 Personen mit geistiger Behinderung oder psychischer Erkrankung in den 14 Häusern der 32 Konventualinnen untergebracht, die von 280 Mitarbeitern betreut wurden.

Seit diesem Jahr wird die unter Denkmalschutz stehende Klosteranlage und die Kirche mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt nach einem Beschluss der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern umfassend saniert. Als Neubauten entstanden in den Jahren von 1994 bis 1995 und von 1997 bis 1998 eine Behindertenwerkstatt mit einer Großküche. Von 1998 bis 2012 wurden 21 von 23 denkmalgeschützten Gebäude saniert.

Im Jahr 1995 wurde das 775-jährige Jubiläum des Klosters Dobbertin feierlich begangen.

1997 besuchten erstmals wieder Benediktinermöche der Abtei Ottobeuren in Bayern das einstige Benediktinerkloster Dobbertin. Im Jahr 2000 kamen die Nonnen der Benediktinerabtei St. Gertrud aus Alexanderdorf und 2004 die Mönche des Benediktinerpriorats St. Ansgar aus dem Kloster Nütschau nach Dobbertin.

Im ehemaligen Brau- und Brennhaus des Klosters befindet sich heute ein Cafe mit Blick auf den Dobbertiner See. Im Obergeschoß mit den noch vorhandenen vier Gefängniszellen des ehemaligen Klosteramtsgerichts wurde 2013 eine Ausstellung zum Klosteramt Dobbertin eröffnet.

Auch Klosterführungen und Konzertveranstaltungen laden zu einem Besuch ein.

Bausubstanz[Bearbeiten]

Blick auf die Kirchtürme

Klosterkirche[Bearbeiten]

Die Klosterkirche ist ein einschiffiger Backsteinbau mit hohem, schlankem Innenraum von sieben Jochen mit 5/8-Chorschluss, im Kern noch 14. Jahrhundert. Sie ist im Innern kreuzrippengewölbt und wird im Westteil von einer massiven Empore, der Nonnenempore, bestimmt. Die Decke der zweischiffigen Halle mit steil ansteigenden Kreuzrippengewölben ruht auf achteckigen Granitsäulen mit schlichten Kapitellen.

Baugeschichte[Bearbeiten]

Der ursprüngliche Feldsteinbau der Klosterkirche, vermutlich ohne Turm, entstand Ende des 13. Jahrhunderts. Begonnen wurde als dreischiffige Kirche, wie die um 1280 entstandenen Arkadenbögen mit aufwendigem Backsteindekor belegen. Nach der Umwandlung in ein Nonnenkloster erfolgte ein Planwechsel beim Kirchenbau. Die vorgesehene dreischiffige Klosterkirche wurde nach 1285 als langgestreckter gewölbter Saalbau mit einer vier Joche einnehmenden Nonnenempore und schmalen Kapellenanbauten weiter gebaut und wohl Anfang 1300 vollendet. An der Südwand ist noch die zur Zeit der Reformation zugemauerte Tür zu sehen, welche die Nonnenempore mit dem Dormitorium als Schlafsaal der Nonnen im östlichen Klausurgebäude verband. Nach der Vollendung der vier Klausurgebäude mit den Kreuzgängen sind bis zur Reformation und der Auflösung des Nonnenklosters 1572 keine weiteren Veränderungen an und in der Klosterkirche überliefert.

1649 war der Turm der Kirche nach schwerem Sturm stark beschädigt und große Teile des Daches fehlten. Nach einer 1738 durchgeführten „unordentlichen Priesterwahl“ ließ der Provisor und spätere Klosterhauptmann Jobst Hinrich von Bülow von 1746 bis 1749 die Oberkirche mit der Nonnenempore restaurieren. Die Kirchweihe nahm Pastor Christian Hintzmann am 29. Juli 1748 vor.

Die mittelalterliche Kirche des Klosters wurde ab 1828 unter Leitung des Schweriner Landbaumeisters Georg Adolf Demmler erweitert und umgebaut. Er nutzte dabei einen Entwurf des Berliner Architekten Karl Friedrich Schinkel. Das äußere mittelalterliche Mauerwerk des Kirchenschiffes wurde mit einer neugotischen Backsteinarchitektur ummantelt und 1851 vollendet. Als Vorbild dienten hier Schinkels Entwürfe für die ebenfalls als Saalkirche angelegte Friedrichswerdersche Kirche in Berlin. Die Fassaden der Dobbertiner Kirche wurden dabei durch schlanke Strebepfeiler, hohe Spitzbogenfenster und Brüstungsgalerien gegliedert. Den Abschluss auf den Wimpergen und Filialtürmchen bilden Kreuzblumen aus Terrakotta.

Der Anbau für die Orgelempore an der Nordfassade hat ein großes Kreisfenster mit Pentagramm als Maßwerk. Der Fünfstern am sogenannten Demmlergiebel soll Demmlers Zugehörigkeit zur Freimaurerloge Harpokrates zur Morgenröthe in Schwerin dokumentieren.

Portal an der Westseite

Das Westportal wurde 1837 vollendet und beide Türme mit ihren achtseitigen massiv gemauerten Kegelhelmen noch mit vergoldeten Kreuzen versehen. Die Türme verbindet eine Plattform, auf der auch das Schlagwerk für die Kirchenuhr steht. Der große Spitzbogen über dem Portal beider Durchgänge wird seitlich von Strebepfeilern mit Spitzhelmen und Kreuzblumen flankiert. Die Durchgänge werden von Halbrundsäulen mit von Blattranken verzierten Kapitellen gerahmt. Über Ihnen befinden sich drei Kreisfenster mit Fischblasenmaßwerk. Mit dem weiteren äußeren Kirchenumbau betrauten die Klostervorsteher den Dobbertiner Amtsmaurermeister Christian Johann Rezlaff und seine Helfer.

Nachdem 1837 der Turmbau vollendet und 1851 die Umgestaltung der Außenfassaden abgeschlossen war, erfolgte von 1854 bis 1857 der neugotische Innenausbau der Kirche. Dazu wurde schon 1853 mit dem Wismarer Architekten und Privatbaumeister Heinrich Gustav Thormann ein Vertrag zum inneren Umbau auf vier Jahre abgeschlossen. Die Verantwortung oblag den Klostervorstehern mit dem Klosterhauptmann Otto Julius Freiherr von Maltzan und den Provisoren Vizelandmarschall Johann Heinrich Carl von Behr und Landrat Hans Dietrich Wilhelm von Blücher. Für die gesamte baufachliche Betreuung und Ausstattung mit der Kanzel, dem Altar, der Orgel, den Buntglasfenstern, dem Fußboden und dem Gestühl zeichneten seit 1854 die Klosterbaukonferenz mit den Klostervorstehern, dem Architekten Heinrich Thormann, den Pastoren Christian Heinrich Mahn und Friedrich Pleßmann, dem Landbaumeister Theodor Krüger aus Schwerin und dem Geheimen Archivrat und Konservator Georg Christian Friedrich Lisch aus Schwerin verantwortlich. Die Klostervorsteher waren den jährlichen Landtagen rechenschaftpflichtig und die örtlichen Überprüfungen nahmen die Landtags-Committen vor.

Die Einweihung der neugestalteten Klosterkirche erfolgte am 18. Sonntage nach Trinitatis am 11. Oktober 1857 vormittags halb 10 Uhr mit fast tausend Menschen auf dem Klosterplatz vor der Kirche.

In den Jahren von 1922 bis 1928 traten diverse Schädigungen an Maßwerken, Brüstungen, Fialtürmen, Kreuzblumen und Bekrönungen der Fassaden und Türmen auf. Erst 1929 bis 1930 erfolgten die Reparaturen in teils vereinfachter Form. Von 1945 bis 1947 nutzten sowjetische Soldaten das Kloster als Karserne. Durch einen Brand wurde 1946 der innere südliche Turm der Kirche stark beschädigt und Teile des angrenzenden östlichen Klausurgebäudes vernichtet. Im Jahr 1977 wurde die gesamte Klosteranlage mit Park und Friedhof unter Denkmalschutz gestellt. Seit Jahrzehnten wurden zahlreiche Schäden, besonders Witterungsschäden an den Fassaden, der Dachkonstruktion und den Gewölben festgestellt, die 1979 zur baupolizeilichen Sperrung der staatlichen Klosterkirche führten.

Von 1990 bis 2006 wurden an den Fassaden der Klosterkirche und der Doppelturmanlage Sicherungs- und Instandsetzungsarbeiten durchgeführt.

Innenraum und Ausstattung[Bearbeiten]

Innenansicht mit Nonnenempore

Die innere Kirchenausgestaltung entstammt der zweiten neugotischen Restauration von 1854 bis in die 1870er-Jahre.

Von den älteren Ausstattungsstücken sind nur wenige erhalten geblieben, darunter der am Eingang zur Unterkirche stehende, aus der Werkstatt des niederländischen Bildhauers Philipp Brandin stammende Taufstein von 1586. Es ist eine Sandsteintaufe in Vasenform mit geschnitztem Eichendeckel, gestiftet vom Geheimrat und Hofmarschall Joachim von der Lühe, der bis 1588 Klosterhauptmann war. Neben dem Eingang zur Sakristei hängt eine gerahmte Kaselstickerei mit der Kreuzigungsgruppe von 1520. In der Mitte der Kaselstickerei ist der gekreuzigte Jesus Christus mit Maria und Johannes dargestellt, über dem Kruzifix der thronende Gottvater, in den Kreuzarmen links Petrus und rechts Paulus und unten der heilige Christophorus.

In der Oberkirche steht auf der Nonnenempore der 1747 von dem Schweriner Bildhauer Andreas Klinkmann gefertigte barocke Kanzelaltar mit geschnitztem Kanzelkorb. Auch das Orgelgehäuse wurde von Klinkmann gefertigt. Die kleine Orgel stammte vom Rostocker Orgelbauer Paul Schmidt. Für die gesamte Ausmalung der Oberkirche, auch mit den Logen als Adelslauben der Konventualinnen, zeichnete der Maler Ezechiel Bromann aus Rostock verantwortlich. Die Adelslauben mit der Überdachung, das Paneel und den Fußboden fertigten die Dobbertiner Tischler Hans Andreßen und Peter Pickert. Die ältesten noch gut erhaltenen Wappen mit Schrifteintrag der Konventualinnen befinden sich auf den Brüstungsfeldern der Adelslauben. Wandfüllend hingen nach den Plünderungen von 1947 an der Süd- und Westseite des Chores nur noch 153 farbige Metallwappen mit 231 Wappenschildern von 75 adligen Familien, deren Töchter von 1774 bis 1933 im Kloster Dobbertin gelebt hatten.

Auf der Nonnenempore ist hinter den südlichen Adelslauben noch die während der Reformation zugemauerte Tür zur Klausur vorhanden.[2]

Chorfenster

Korrespondierend gestaltet ist das Gaston Lenthes Kreuzigungsgemälde im Flügelaltar mit den Glasgemälden in den fünf Chorseitenfenstern. Das Bild im dreirahmigen Mittelfenster zeigt die Auferstehung und Himmelfahrt Christi. Der Entwurf des Schweriner Hofmalers Gaston Lenthe wurde durch den Schweriner Glasmaler Ernst Gillmeister ausgeführt und noch vor der Kirchweihe am 11. Oktober 1857 eingesetzt. Die weiteren vier Seitenfenster wurden nach den Entwürfen des Historienmalers Gustav Curt Friedrich Stever auch durch den Glasmaler Ernst Gillmeister gefertigt. Die Glasgemälde in den nördlichen Fenstern mit David und Elias wurden 1864, mit Abraham und Moses 1866 und in den beiden südlichen Fenstern mit Petrus und Paulus 1864 und mit Augustinus und Luther 1866 eingesetzt.

Wie schon der Altar, ist auch die Kanzel ein Entwurf des Landbaumeisters Theodor Krüger. Der aus Eichenholz bestehende Kanzelfuß und die Kanzel fertigte der Schweriner Tischlermeister Johann Christiansen. Die in Eiche geschnitzten vier Kanzelfiguren Moses und Jesaja aus dem Alten Testament stehen für Gesetz und Weissagung und Johannes und Paulus aus dem Neuen Testament für die Verkündigung der Erfüllung des Wortes Gottes. Geschnitzt wurden sie 1856 durch den Berliner Bildhauer Friedrich Dietrich nach den Entwürfen und Modellen des in Dobbertin geborenen Bildhauers Gustav Willgohs von 1855. Auch die im Chorpolygon dort auf vier Säulen stehenden Evangelisten, Matthäus und Lukas auf der Nordseite und Markus und Johannes auf der Südseite, wurden als Gipsplastiken in sandsteinimitierter Farbgebung 1856 von Gustav Willgohs geschaffen. Nach ihrer Restauration wurden sie 2007 wieder aufgestellt. Willgohs schenkte sie dem Kloster aus Dankbarkeit für die finanzielle Unterstützung der Klostervorsteher während seines Studiums in Berlin.[8]

Der neugotische Flügelaltar mit der Predella wurde 1857 nach einem Entwurf des Schweriner Landbaumeisters Theodor Krüger von dem Schweriner Tischlermeister Johann Christiansen gefertigt. Auf dem Gemälde im Altarretabel erscheint Christus am Kreuz, neben ihm die Mutter Maria und Johannes, am Fuße des Kreuzes Maria Magdalena. Der linke Flügel zeigt drei Frauen, die Christus in Galiläa nachgefolgt waren, rechts erblickt man den unbekannten Hauptmann, der mit der rechten Hand auf das Kreuz weisend, den Blick zur Gemeinde gerichtet in römischer Legionärstracht. Neben ihm erscheinen Joseph von Arimathäa und Nikodemus. Der Schweriner Hofmaler Gaston Camillo Lenthe malte 1857 die drei Gemälde im Schrein und den beiden Seitenflügeln, der mit umfangreich vergoldeten Ornamentschnitzereien versehen ist. Das Gemälde in der Predella mit der Abendmahlsdarstellung fertigte der Historienmaler Gustav Stever 1864.[9][10]

Die Orgel steht im nördlichen Vierungsteil. Den Entwurf für den Orgelprospekt mit Gehäuse lieferte der Wismarer Architekt Heinrich Thormann 1855. Die Orgel baute 1857 der Orgelbauer Ernst Sauer aus Friedland. Nach mehrmaligen Reparaturen des mangelhaften Instruments und mehreren Prozessen baute 1893 die Orgelbauanstalt Schlag & Söhne aus Schweidnitz eine neue Orgel ein.

Sowjetische Soldaten, die 1945 die Klosterkirche besetzten, demolierten die Orgel. 1953 stellte die Potsdamer Orgelbau-Anstalt Alexander Schuke sie schrittweise wieder her. Nach baupolizeilicher Sperrung der Kirche 1979 und zunehmenden Feuchteschäden baute 1990 Wolfgang Nußbücker vom Mecklenburger Orgelbau in Plau am See Teile der Orgel aus und lagerte sie ein.

Das Kirchengestühl aus Eichenholz fertigten Dobbertiner Tischlermeister an. Bemerkenswert sind die geschnitzten Wangen, die besonders am Gestühl für höhergestellte Persönlichkeiten mit Abts- und Bischofsstäben enden.

Die beiden schmiedeeisernen Radleuchter fertigte 1885 der Berliner Kunstschlosser Marcus; sie konnten aber erst 1887 nach ihrer Verkleinerung angebracht werden. Der Amtsmaurermeister Andreas hatte sich um 1,80 Meter vermessen und die zu großen Radleuchter passten nicht durch die Kirchentür. Klosterhauptmann war von 1882 bis 1894 der Landrat Wilhelm Thedwig von Oertzen.

Der über zwei Türme reichende Glockenstuhl trägt neben zwei Eisenhartgussglocken von 1957 eine kleine, 1872 bei Collier in Berlin gegossene Bronzeglocke. Unter den beiden 1942 für Kriegszwecke eingeschmolzenen Bronzeglocken befand sich auch die erst 1934 mit der Inschrift: „Im 9. Jahr des Reichspräsidenten von Hindenburg, im zweiten Jahr des Reichskanzlers Adolf Hitler“ gegossene Glocke.

Kreuzgang[Bearbeiten]

Nördlicher Kreuzgang
Blick vom Kreuzgang in den Innenhof

An der Südseite der Klosterkirche schließt sich nicht rechtwinklig ein umlaufender, vollständig umbauter, vierflügeliger Kreuzgang an. Er entstand in mehreren Abschnitten mit unterschiedlichen Gewölbehöhen und -breiten vom 13. bis zum 15. Jahrhundert. Überbaut wurde er vom 16. zum 19. Jahrhundert. Die vier Kreuzgangflügel umschließen den rechteckigen Innenhof und bilden im Erdgeschoss einen geschlossenen Umgang.

Der östliche Kreuzgang hat ein Rundgewölbe mit tief herabziehenden Rippen und viereckigen Schlusssteinen mit floralen Mustern. Mit seinen elf Jochen und fast 45 Metern ist er der längste Kreuzgang der Klausur. Die Fenster zum Innenhof sind mit Spitzbögen ausgeformt, die Pforte mit einem Rundbogen versehen und in der Außenwand befinden sich Kerzennischen.

Der nördliche fast 31 Meter lange Kreuzgang schließt mit seinen Kreuzrippengewölben im Gegensatz zu den anderen drei Gängen nicht an den Innenhof an. Seine acht Joche sind alle mit Rundbögen gewölbt und annähernd quadratisch. Die Rippen der Gewölbe reichen nicht so tief hinab wie in dem östlichen Gang. Die viereckigen Schlusssteine sind mit floralen Ornamenten, die Konsolsteine mit plastischen Symbolen und mit Sprüchen in gotischen Minuskeln aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts versehen.

Die zwölf Joche des südlichen Kreuzganges mit fast 32 Metern Länge sind mit hohen Spitzbögen gewölbt. Die zum Hof hin orientierten Fenster sind in Spitzbogenform, die Nischen mit Rundbögen ausgebildet. Die zwölf verschiedenen Schlusssteine weisen Rosetten mit ausschließlich floralen bzw. sternförmigen Darstellungen auf. Die Konsolsteine an den Wänden weisen alle ein plastisch angearbeitetes Laubblatt mit Wein- und Eichenlaubformen, sowie mit Akanthus- und Rebenblattformen auf.

Die zwölf fast quadratischen Joche des westlichen Kreuzganges mit 31 Metern Länge sind ebenfalls mit Spitzbögen gewölbt. Die Fenster zum Hof hin sind mit Spitzbögen, die Pforte zum Hof und die Türen zum Konventsaal mit Rundbögen ausgebildet. Die meisten Schlusssteine tragen kreisrunde Inschriften mit den Namen und der Dienststellung der Priorin, der Domina, des Klosterhauptmanns, der Provisoren und 1858 als Renovierungsjahr der Kreuzgänge. Die Konsolsteine dagegen sind sehr schlicht gehalten.[2]

Im Jahre 2006 wurde ein gläserner Eingangsbereich zum Kreuzgang in die Unterkirche und zur Nonnenempore geschaffen, der auch den Haupteingang zu den Klausurgebäuden und zur Schule darstellt.

Im Inneren des Kreuzganges befindet sich der Klosterinnenhof.

Grabplatten[Bearbeiten]

Im Kloster Dobbertin gibt es noch 23 Grabplatten, auf denen 26 Verstorbene genannt werden.

Die historisch wertvollsten Grabplatten einiger Dominae, Priorinnen und Konventualinnen wurden im Kreuzgang und im Klosterladen aufgestellt. Darunter finden sich bekannte Namen, wie von Bülow, von Krusen, von Bassewitz, von Meerheimb, von Lützow, von Plüskow, von Rohr, von Weltzien, von Scharffenberg, von Holstein und von der Lühe.

Im südlichen Kreuzgang vor dem Eingang zum Refektorium stehen die beiden ältesten noch vorhandenen Grabplatten des Klosters. Die über zwei Meter hohe Grabplatte für Hinrik Glove datiert nach 1371. Unter einem Maßwerkbaldachin wurde der Verstorbene abgebildet. Er hat die Hände gefaltet und trägt ein etwa knielanges Gewand, eine Gugel und spitze Schuhe. Sein Bart ist onduliert, an seinem Gürtel hängt ein Nierendolch. Direkt unterhalb der Hände ist ein griechisches Kreuz dargestellt, das anscheinend als Bestandteil einer sonst nicht ausgeführten Gebetskette gedacht ist, in der rechten unteren Ecke ein Rad mit vier Speichen, in der linken eine Axt als Berufszeichen (Mühlenbauer). In den Ecken finden sich Medaillons mit den Symbolen der vier Evangelisten. Die umlaufende Inschrift lautet: Hier liegt Bruder Hinrik Glove aus Dobbertin, ein Meister des Mühlenbaus. Gott und Unsere liebe Frau mögen seine Seele rasten und ruhen lassen.

Die Grabplatte des Güstrower Stiftskanonikers Nicolaus Mezstorp, der seit 1382 Propst in Dobbertin war, datiert von 1417. Der Verstorbene ist unter einem reich gegliederten, mit breiten Stützen versehenen Maßwerkbaldachin dargestellt. Er trägt liturgische Kleidung mit einer Almucie, in der linken Hand hält er einen Kelch, die rechte ist segnend erhoben. Links zu seinen Füßen ein Wappen. In den vier Ecken Maidallons mit den Evangelistensymbolen. Die umlaufende Inschrift lautet: Im Jahre des Herrn 1417 (...) starb Herr Nicolaus Mezstorp, Propst dieser Kirche. Seine Seele ruhe in Frieden. Amen.[11]

Die restaurierte Grabplatte des 1660 verstorbenen Klosterhauptmanns Cord (Churd) von Behr steht am Giebel des südlichen Anbaus des Klosterhauptmannhauses.

Klausurgebäude mit Refektorium und Dominahaus[Bearbeiten]

Farbrekonstruktion im Refektorium

Die Klausur besteht aus vier zweigeschossigen Backstein- und Fachwerkbauten. Auf der West- und Südseite sind sie mit Mansarddächern mit Fledermausgauben und auf der Nord- und Ostseite mit Satteldächern versehen. Die Klausurgebäude umschließen den rechteckigen Innenhof und stehen spitzwinklig zur Kirche. Die äußeren Baulichkeiten entsprechen nach mehrfachen Umbauten kaum noch dem Originalzustand.

Am südlichen Kreuzgang schließt sich das Refektorium an. Der zweischiffige, kreuzrippengewölbte Saal mit seinen drei aus gotländischem Kalkstein bestehenden Mittelsäulen mit Knospenkapitellen und attischen Basen, wohl aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, ist einer der ältesten Räume der Klosteranlage. Während der Zeit des adligen Damenstifts als Wohnraum für die Konventualinnen genutzt, wurden erst 1965 alle Einbauten entfernt. An der nordöstlichen Ecke im Refektorium wurde 2006 nach Befundlage auf einer Musterfläche die ursprüngliche rote Farbgebung wiederhergestellt. Die Gewölbekappen waren mit einem sehr dünnen Kalkmörtelputz überdeckt und wurden wieder weiß gekalkt, die aus Kalkgipsstuck gegossenen Konsolen hellgrau gestrichen.

Das Refektorium

Im nordwestlichen Teil des Klausurgebäudes liegt das sogenannte Dominahaus. Die Domina war nach der Reformation ab 1572 die aus dem Konvent auf Lebenszeit gewählte Vorsteherin des Damenstifts. Der bis dahin wohl recht bescheidene Wohnsitz der 1875 zur Domina gewählten Ernestine Hedwig von Schack sollte entsprechend ihrer Stellung im Kloster eine Aufwertung erhalten. Mit der Errichtung eines Schmuckgiebels mit den dazugehörigen Renaissanceformen dieser Zeit sollte mit dem neuen Dominahaus nun auch gegenüber dem dominanten barocken Haus des Klosterhauptmanns die wichtige Bedeutung der Domina im Kloster hervorgehoben werden. Den Auftrag zur Errichtung dieses Schmuckgiebels mit der auszubauenden Dominawohnung und dem Konventsaal erhielt 1884 der Geheime Oberbaurat Georg Daniel aus Schwerin. Der im Stil der Neorenaissance gestaltete Giebel mit dem dreiachsigen Mittelrisalit, dem umlaufenden Terrakottafries und den in Sandstein gearbeiteten Zierelementen wurde 1886 fertiggestellt. Stilistisch erinnert der Giebel sehr an die vor 1882 ebenfalls von Georg Daniel errichtete Fassade des Herrenhauses in Bernstorf.[2]

Nebengebäude[Bearbeiten]

Klosterhauptmannhaus
Küchenmeisterhaus
Klosterhauptmannhaus

Entsprechend der Inschrift wurde das Klosterhauptmannhaus in den Jahren 1751 bis 1756 stilistisch als Herrenhaus seiner Zeit erbaut. Es ist klassisch gegliedert mit einem halbhohen Sockelgeschoss, zwei hohen Vollgeschossen und einem Vollwalmdach mit bemerkenswerten Dachgauben. Das im Kern noch barocke Gebäude mit flachem Mittelrisalit und Dreiecksgiebel zeigt mit seiner eleganten Eingangstreppe auf eine parkähnliche Freifläche. Das Portal ist mit Lisenen und einem Rundgiebel eingefasst. Über der erneuerten barocken Haustür ist zu lesen: „Der Herr segne Dich und behüte dich“. Die hell verputzte Fassade ist durch ein kräftiges Traufgesims und durch Ecklisenen gegliedert. Die Größe des Hauses zeigt die Bedeutung des Klosteramtes.

Küchenmeisterhaus

Der neugotische Backsteinbau mit umlaufendem Sockel in Quaderputz und dem bogenartigen Treppenaufgang wurde 1846 für den Küchenmeister errichtet. In der Mittelrisalitfassade ist ein horizontales Band mit „laufendem Hund und Blütenknospen“ zu sehen. Im oberen Giebeldreieck befindet sich ein größeres Halbrundfenster mit gusseisernen Sprossen. Der Küchenmeister war als ausgebildeter Finanzbeamter in der Klosterverwaltung für alle Einnahmen und Ausgaben der Klostergüter, Ländereien, Forsten und für die Einschreibungen der adeligen Damen zuständig.

Damenhäuser

In den Jahren 1864 bis 1877 wurden weitere vier Damenhäuser im neugotischen Stil errichtet. Bemerkenswert sind die schlanken Giebelvorbauten mit Pfeilervorlagen, die schmalen Spitzbogenfenster und die wuchtig verzierten Schornsteine. In diesen wohlhabenden Klosterzeiten waren die Dächer noch mit Schiefer eingedeckt. Jede der separat zugänglichen und sehr geräumigen Wohnungen hatte meistens eine Diele, sechs bis acht Zimmer, Küche und Speisekammer, dazu noch zwei bis drei Dachkammern, einen Keller, Holzschuppen und einen Vorgarten.

Brau- und Brennhaus
Brau- und Brennhaus, 2013

Schriftliche Quellen, wie das Rechnungsbuch des Klosteramtes, belegen schon 1524 Brautätigkeiten im Kloster. Der Propst mußte Hopfen und Malz kaufen .... Das heutige Brau- und Brennhaus wurde als eingeschossiges Backsteingebäude mit Krüppelwalmdach nach 1744 errichtet.[12] Am 28. Juni 1746 fertiggestellt, war es 111 Fuß lang und 43 Fuß breit. Im Rechnungsbuch Haupt-Register des Jungfräulichen Kloster-Amts Dobbertin von 1751 werden im Gebäude 4 Betten vermerkt. 1766 hatte der Amts-Actuar (Schreiber) Schröder mit dem neuen Braumeister Matthias Malchow das Inventar gelistet.[13]

Auf dem Sternberger Landtag 1843 berichtete Klosterhauptmann Carl Peter Baron le Fort: man wolle eine Umwandlung des Brennereigebäudes in ein Wohnhaus für drei klösterliche Diener vornehmen. Da nach der neuen Kriminal-Gerichtsordnung die Gefangenen nicht mehr im Haus des Gerichtdieners wohnen durften, sollten in dem erst 1846 genehmigten Durchbau zusätzlich für das Kloster-Amtsgericht vier Gefängniszellen unter dem Dach eingerichtet werden, die heute noch vorhanden sind. 1880 richtete man im nördlichen Seitenflügel die Amtsbäckerei mit der Backstube ein. Sie blieb bis 1958 in Familienbesitz, wurde danach als HO-Bäckerei bis 1966 weitergeführt. Neben einer Kinderkrippe hatte man ab 1958 im Erdgeschoss noch eine HO-Verkaufsstelle eingerichtet. Ab 1993 kam das Klostercafe im Gebäude unter. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten wird es seit 2011 unter dem Namen Brauhaus als Gaststätte genutzt. Bei den bauarchäologischen Untersuchungen während der Bautätigkeit konnten die Fundamente des Braukessels und der Kaminglocke freigelegt werden. Bei der Größe solcher Braukessel von zwei Metern Durchmesser war es möglich, bis zu 1500 Liter Bier für den Eigenbedarf zu brauen.[14]

Pforthaus
Pforthaus

Das Pforthaus steht am Rande des Klosterparkes. An diesem Gebäude, einem der ältesten des Klosters, befand sich der erste Zugang in die Klosteranlage. Im Inneren des eingeschossigen Backsteingebäudes mit Rundbogenfenstern sind noch drei im romanischen Stil ausgeführte Gurtbögen und Gewölbe vorhanden.

Klosterfriedhof[Bearbeiten]

Hauptartikel: Klosterfriedhof Dobbertin

Auf dem Klosterfriedhof gibt es noch über 70 Grabsteine ehemaliger Konventualinnen, Dominas und Provisoren. Besonders sehenswert ist der vom Prälat von Arnim gestiftete Granit-Grabstein für die am 22. Februar 1791 verstorbene Konventualin Johanna Agnesa von Gloeden, der im Zopfstil gestaltete Sandsteinobelisk für den am 11. November 1790 verstorbenen Klosterhauptmann Kammerjunker Hans Friedrich Christian von Krakewitz und die Grabstätte der Konventualin Mathilde von Rohr, die seit 1869 im Kloster lebte und am 16. September 1889 in Dobbertin verstarb. Ihre jahrelange Freundschaft mit Theodor Fontane ließ diesen ab 1870 oft in Dobbertin verweilen.

Auf Grabkreuzen sind die Namen derer von Schack, von Maltzan, von Bassewitz, von Oertzen, von Lowtzow, von der Lühe, von Weltzien, von Quitzow, von Bülow, von Heyden, von dem Knesebeck, von Blücher, von Flotow, von Hoben, von Hammerstein, von Behr, von Wickede, von Both, von Pentz, von Restorff, von Graevenitz und von Schuckmann zu lesen. Von den letzten nach 1945 noch in Dobbertin lebenden Konventualinnen wurden am 13. Januar 1951 die Domina Auguste von Pressentin, am 13. Juni 1962 die Domina Magdalena von Oertzen, am 27. Februar 1965 Margarete Freiin von Stenglin und am 22. April 1974 Elisabeth Charlotte Gräfin von Bassewitz auf dem Klosterfriedhof bestattet.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Mathilde von Rohr, Konventualin und Briefpartnerin Fontanes

Hauptartikel: Liste der Persönlichkeiten des Klosters Dobbertin

Im Kloster Dobbertin wurde der Nonnenkonvent von einer „Priorin“ (oft in Dobbertiner Urkunden auch „Priorissa“ genannt) geleitet, die Unterpriorin (auch Subpriorin genannt) war ihre Stellvertreterin. Der Propst als geistlicher Vater des Klosters war auch der rechtliche Sachwalter und nahm die weltlichen Geschäfte und Angelegenheiten für das Kloster zusammen mit der Priorin und dem Konvent wahr. Bei den großen Besitzungen des Klosters gab es in Röbel an der Müritz noch einen sogenannten „Sandpropst“, der von seinem dortigen Wohnsitz aus die Verwaltungsgeschäfte für das Kloster in der vorderen und hinteren Sandpropstei (waren die Ländereien mit schlechten, sandigen Ackerböden) leitete. Nach der Reformation und Auflösung des Nonnenklosters 1572 wurde dann im adligen Damenstift die im Konvent auf Lebenszeit gewählte Vorsteherin in Dobbertin „Domina“ genannt und ihre Stellvertreterin nannte sich „Priorin“. Die laufenden weltlichen Verwaltungsgeschäfte für das Kloster übernahm nun ein aus den Mitgliedern der klosterfähigen Ritterschaft vom Mecklenburgischen Landtag auf sechs Jahre gewählter Geschäftsführer, der sich „Klosterhauptmann“ nannte. Ebenfalls aus der klosterfähigen Ritterschaft der beiden mecklenburgischen (Teil-)herzogtümer Schwerin und Güstrow wurden vom Landtag zwei Provisoren für vier Jahre gewählt. Dazu gab es noch das Klosteramt mit seiner Verwaltung, das vom „Küchenmeister“ als Finanzbeamter geleitet wurde. Der Syndicus war als bevollmächtigter Bearbeiter von Rechtsangelegenheiten für das Klosteramt auch Richter im Kloster-Amtsgericht.[15]

Der niederdeutsche Schriftsteller John Brinckman lebte von 1844 bis 1846 im Klosterhauptmannshaus und war dort Hauslehrer für die Söhne David, Ludwig und Franz des Klosterhauptmanns Johann Carl Peter Baron von Le Fort.

Der märkische Schriftsteller Theodor Fontane (1819–1898) besuchte seit 1870 mehrfach seine langjährige und engste Freundin Mathilde von Rohr, die ab 1869 ihre letzten zwanzig Lebensjahre als Konventualin im adligen Damenstift des Klosters Dobbertin verbrachte.

Besonderheiten[Bearbeiten]

Hexenprozesse im Kloster Dobbertin[Bearbeiten]

Neben vielen wahrheitsgetreuen und beurkundeten Geschichten gibt es noch einige Klosterakten von bisher nicht bekannten Hexenprozessen, die vor 400 Jahren im Klosteramt Dobbertin stattfanden. Von 1594 bis 1682 sind bisher 25 Hexenprozesse im Klosteramt, davon 14 Hexenprozesse mit neun Todesurteilen durch Verbrennung auf dem Scheiterhaufen in Dobbertin bekannt. Die Spruchakten dazu befinden sich in den Urteilsbüchern der Universitätsarchive in Rostock und Greifswald. Dem Dobbertiner Kloster-Amtsgericht war bei der Urteilsfindung das Belehrungsinstitut freigestellt, die strengsten Urteile (meist Todesurteile durch Verbrennung) kamen von der Juristischen Fakultät der Universität in Rostock.

Die Verhandlungen fanden im Amtshaus des Klostervorstehers (nicht das heutige Klosterhauptmannshaus) statt. Die Stelle des Scharfrichters schien begehrt gewesen zu sein, denn 1624 stellte der Güstrower Claus Lowens ein Gesuch um Bestallung als Scharfrichter an das Klosteramt Dobbertin.

Auf einer Karte von 1777 ist der Gerichtsberg Dat Gericht am alten Landweg von Dobbertin nach Güstrow, an der Grenze zu den Spendiner Tannen links vor dem einstigen Klostergut Spendin verzeichnet. Dort stand der Galgen und dort wurde auch das Urteil vollstreckt.

Sagen aus dem Kloster Dobbertin[Bearbeiten]

Etliche Sagen wurden und werden zum Nonnenkloster und dem Jager See, dem heutigen Dobbertiner See, erzählt.

  • Die eingemauerte Nonne
  • Die goldene Wiege unter der Klosterkirche
  • Die Dobbertiner Glocken
  • Der Streit mit den Dobbertiner Nonnen
  • Unterirdische Gänge im Kloster
  • Glocken versinken im See
  • Der Scheidegänger am Dobbertiner See
  • Die Überquerung des Ziddericher Sees
  • Reiter stürzen sich ins Wasser
  • Die Kräheneiche
  • Ein Stecken schlägt aus
  • Kartenspiel ist Teufelswerk

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

Archiv der Hansestadt Lübeck

  • Altes Senatsarchiv, Externa, Deutsche Territorien

Landeshauptarchiv Schwerin

  • LHAS 1.5-4/3: Urkunden Kloster Dobbertin
  • LHAS 2.12-1/23 Korrespondenz der Herzöge mit Räten und anderen Amtspersonen
  • LHAS 2.12-2/4 Regierungskollegien und Gerichte
  • LHAS 2.12-3/2: Klöster und Ritterorden, Dobbertin
  • LHAS 2.12-3/2: Klöster und Ritterorden, außermecklenburgische Klöster, Benediktinerkloster Stade
  • LHAS 2.12-3/4 Kirchen und Schulen
  • LHAS 2.12-3/5: Kirchenvisitationen
  • LHAS 2.22-5: Direktorialvermessungs- und Bonitierungskommisson
  • LHAS 3.2-3/1: Landeskloster/Klosteramt Dobbertin
  • LHAS 3.2-4 Ritterschaftliche Brandversicherung
  • LHAS 5.11-2 Landtagsverhandlungen, Landtagsversammlungen, Landtagsprotokolle, Landtagsausschuß
  • LHAS 5.12-4/2: Mecklenburgisches Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, Klosteramt Dobbertin und Klosterdorf Dobbertin
  • LHAS 5.2-1: Großherzogliches Kabinett, Großherzogliches Sekretariat

Landeskirchliches Archiv Schwerin

  • Spezialia, Ortsakten Dobbertin und Kirchenbücher
  • Landessuperintendur Parchim

Landkreis Parchim

  • Ordnungsamt, Archiv

Stadt Ribnitz-Damgarten

  • Stadtarchiv, 5.1.3. Bestand Kloster Ribnitz

Stadt Goldberg

  • Stadtarchiv und Museum

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Hopkes, Horst Alsleben: Altes Kloster mit neuen Aufgaben: Sanierungsarbeiten am Kloster Dobbertin in Mecklenburg. In: Bundesbaublatt 1998, 4, S. 54–57.
  • Horst Alsleben: Zusammenstellung aller Persönlichkeiten des Klosters Dobbertin. Schwerin 2010.
  • Horst Alsleben: 775 Jahre Dobbertin. Altes Kloster mit neuen Hoffnungen. Schicksal zwischen Mönchsorden, Damenstift und Heimstatt für Behinderte. In: Mitteldeutsches Jahrbuch für Kultur und Geschichte. Band 3. 1996, S. 305–307.
  • Horst Alsleben (unter Mitarbeit von Gabriele Liebenow): Mathilde von Rohr und das Kloster Dobbertin. Festschrift zum 200. Geburtstag einer Freundin Theodor Fontanes. Dobbertin 2010.
  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Mecklenburg-Vorpommern. München, Berlin 2000. S. 116–118.
  • (Groß)Herzoglicher Mecklenburg-Schwerinscher Staatskalender, Schwerin 1 (1776)-143 (1918) Klöster, milde Stiftungen und Wohltätigskeitsanstalten, A. Jungfrauenklöster, I. Klostergüter, Klosteramt Dobbertin.
  • Franz Engel: Deutsche und slawische Einflüsse in der Dobbertiner Kulturlandschaft. Würzburg 1934. VII, S. 174, Schriften des Geographischen Instituts der Universität Kiel; Band II, Heft 3.
  • Ingrid Lent: Gaston Lenthe, Ein Schweriner Hofmaler, Thomas Helms Verlag, Schwerin 2012 ISBN 978-3-940207-33-3.
  • Georg Christian Friedrich Lisch: Die Kirche und das Kloster zu Dobbertin. In: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde 8. 1843, S. 130–133. Digitalisat und Online-Version in der Digitalen Bibliothek der Universität Rostock, Digitalisat bei Google Books
  • Georg Christian Friedrich Lisch: Die doberaner und die parchimsche Genealogie. In: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde 11. 1846, S. 1–35, hier: S. 5–6: Ueber die Chroniken der Klöster Dobbertin und Neuenkamp. Digitalisat bei Google Books
  • Georg Christian Friedrich Lisch: Alte Leichensteine der Kirche zu Dobbertin. In: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde 27. 1862, S. 236–238.
  • Friedrich von Meyenn: Ein Rechnungsbuch des Klosters Dobbertin. In: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde 59. 1894, S. 177–218, mit einer Anlage S. 219: Verzeichnis der Priorinnen zu Dobbertin. 1491–1560.
  • Fred Ruchhöft: Die Entwicklung der Kulturlandschaft im Raum Plau-Goldberg im Mittelalter, Rostock, 2001. Hrsg.: Kersten Krüger / Stefan Kroll (Rostocker Studien zur Regionalgeschichte, Band V.).
  • Julius Wiggers, Moritz Wiggers: Geschichte der drei Mecklenburgischen Landesklöster Dobbertin, Malchow und Ribnitz. Erste Hälfte: Von der Stiftung der drei Klöster bis zur Überweisung derselben an die Stände im Jahre 1572. G. B. Leopoldsche Universitätsbuchhandlung, Rostock 1848. Digitalisat des Exemplars der Bayerischen Staatsbibliothek, mehr nicht erschienen
  • Naturpark Nossentiner-Schwinzer Heide: Die Klöster Dobbertin und Malchow. In: Die Dorf-, Stadt- und Klosterkirchen im Naturpark und seinem Umfeld. Heft 3 (2003), S. 98–107.
  • Friedrich Schlie: Die Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin. Band 4, Schwerin 1901.
  • Joachim Heinrich Spalding: Repertorium Ivris Mecklenburgici. Rostock 1781, Landtagsprotokolle 1552–1671.
  • Mecklenburgisches Urkundenbuch. (MUB), Band I, Schwerin 1863, Band II, Schwerin 1864 und Regesten.
  • Eduard Viereck: Die Rechtsverhältnisse der vier Mecklenburgischen Jungfrauenklöster nach ihrer geschichtlichen Entwicklung. Berlin 1875.
  • Ulrich Faust (OSB): GERMANIA BENEDICTINA. Norddeutschland. Die Frauenklöster in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bremen. Band XI. St. Ottilien [u.a.] 1984, ISBN 3-88096-611-7.
  • Cristof Römer/Monika Lücke: GERMANIA BENEDICTINA. Die Mönchsklöster der Benediktiner in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachscen. Band X-1 St. Ottilien [u.a.] 2012, Dobbertin S. 295-301. ISBN 978-3-8306-7571-6.
  • Axel Attula: Dekorationen für Damen, Evangelische Damenstifte Norddeutschlands und ihre Orden. Thomas Helms Verlag, Schwerin 2011, ISBN 978-3-940207-21-0.
  • Dirk Schumann: Kunstführer Kloster Dobbertin. Passau 2012.
  • Kloster Dobbertin, Geschichte - Bauen - Leben. Beiträge zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege in Mecklenburg-Vorpommern, Band 2, Schwerin 2012, 398 S.
  • Horst Alsleben (unter Mitarbeit von Gabriele Liebenow): John Brinckman, Spurensuche im Klosteramt Dobbertin. Dobbertin 2014.

Karten[Bearbeiten]

  • Bertram Christian von Hoinckhusen: Mecklenburg Atlas mit Beschreibung der Aemter um 1700, Blatt 61 Klosteramt Dobbertin, Blatt 89 Sandpropstei
  • Direktorial-Vermessungskarte Von dem Hochadelichen Dobbertinschen Klosteramts 1759
  • Topographisch oekonomisch und militaerische Charte des Herzogthums Mecklenburg-Schwerin und des Fürstenthums Ratzeburg 1788 Klosteramt Dobbertin mit den Sandpropsteien vom Grafen Schmettau
  • Wiebekingsche Karte von Mecklenburg, um 1786
  • Charte von den Besitzungen des Klosters Dobbertin, Abteilung I. 1822, enthält Dobbertin, angefertigt nach den vorhandenen Gutskarten Anno 1822 durch S. H. Zebuhr.
  • Brouillion von dem Dorffelde Dobbertin zum Hochadel Kloster Dobbertin. auf Verordnung Gemeinschaft Directorial Commission vermessen aus 1771 durch F. von See, retcifiert und gezeichnet im Jahre 1824 von C. H. Stüdemann.
  • Plan vor dem Kloster Dobbertin mit Umgebung. im Auftrage der Herren Klostervorsteher aufgenommen im Jahre 1841 durch H. (Heinrich) C. (Christoph) A. (Agats) Stüdemann, Original im LADK/AD Schwerin.
  • Charte von der Feldmark Dobbertin vermessen durch F. von See, eingestellt und chartiert 1842/43 durch H. C. Stüdemann, copiert 1868 durch S. H. Zebuhr.
  • Preußische Landes-Aufnahme 1880, Großherzogthum Mecklenburg-Schwerin 1882, Dobbertin, Nr. 946.
  • Wirtschaftskarte Forstamt Dobbertin 1927/1928.
  • Offizielle Rad- und Wanderkarte Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide, 2010.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kloster Dobbertin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Kloster Dobbertin – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Moritz und Julius Wiggers: Geschichte der drei Mecklenburgischen Landesklöster Dobbertin, Malchow und Ribnitz. Rostock 1848 (Digitalisat)
  2. a b c d Georg Christian Friedrich Lisch: Die Kirche und das Kloster zu Dobbertin. In Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. Band 45, Schwerin 1843 (Digitalisat)
  3. Ulrich Faust, OSB: Germania Benedictina. Norddeutschland: Die Frauenklöster in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bremen. Band XI, St. Ottilien [u.a.] 1984, ISBN 3-88096-611-7.
  4. a b Georg Christian Friedrich Lisch: Die Reformation des Klosters Dobbertin. In: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. Band 22, Schwerin 1857 (Digitalisat)
  5. LHAS 3.2-3/1 Landeskloster Dobbertin, Nr. 232.
  6. LHAS 5.12-4/2 MfLDF, Abt. Forsten, F 119.
  7. Infotafel vor Ort
  8. Andreas Baumgart: Arbeitsbericht zur Restaurierung der Evangelistenfiguren in der Klosterkirche Dobbertin, Rethwisch, 2007
  9. Dirk Handorf: Denkmalpflegerische Zielstellung für den inneren Raumbereich der Klosterkirche Dobbertin, Schwerin 1990
  10. Die Dioskuren. Deutsche Kunstzeitung, Berlin 1856, S. 177
  11. Christine Magin, Jürgen Herold, Marion Grether Die Inschriften auf den Grabplatten im Kloster Dobbertin In: Kloster Dobbertin Geschichte-Bauen-Leben Beiträge zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege in Mecklenburg-Vorpommern, Band 2. Schwerin 2012, S. 156, 162.
  12. nach dendrochronologischen Untersuchungen des Dachstuhls 1744, auch Sommerwaldkante 1744
  13. LHAS 3.2-3/1 Kloster Dobbertin, Nr. 3145. Inventarium über den Zustand des Brau- und Brennhauses auf dem Closter Amt Dobbertin vom 30. Juni 1766.
  14. Fund des Monats März 2011 - Brauen und brennen im Kloster. In: kulturwerte-mv.de
  15. Horst Alsleben: Zusammenstellung aller Persönlichkeiten des Klosters Dobbertin. Schwerin 2010.

53.61512.0775Koordinaten: 53° 36′ 54″ N, 12° 4′ 39″ O