Beerfelden

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Beerfelden
Beerfelden
Deutschlandkarte, Position der Stadt Beerfelden hervorgehoben
49.5675694444448.97375420Koordinaten: 49° 34′ N, 8° 58′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Landkreis: Odenwaldkreis
Höhe: 420 m ü. NHN
Fläche: 71,18 km²
Einwohner: 6423 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 90 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 64743,
64711 (Gebhardshütte)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahl: 06068
Kfz-Kennzeichen: ERB
Gemeindeschlüssel: 06 4 37 002
Stadtgliederung: 7 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Metzkeil 1
64743 Beerfelden
Webpräsenz: www.beerfelden.de
Bürgermeister: Gottfried Görig (parteilos)
Lage der Stadt Beerfelden im Odenwaldkreis
Breuberg Höchst im Odenwald Lützelbach Bad König Brensbach Brombachtal Fränkisch-Crumbach Reichelsheim (Odenwald) Mossautal Michelstadt Erbach (Odenwald) Hesseneck Beerfelden Sensbachtal Rothenberg Landkreis Darmstadt-Dieburg Bayern Baden-Württemberg Baden-Württemberg Kreis Bergstraße Kreis Bergstraße Kreis BergstraßeKarte
Über dieses Bild

Beerfelden ist eine Stadt im Süden des hessischen Odenwaldkreises. Die Region um Beerfelden wurde aus touristischen Gründen Beerfelder Land genannt.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Beerfelden liegt im Herzen des Odenwaldes auf der Wasserscheide zwischen Main und Neckar an der Quelle der Mümling. Der Ortskern befindet sich in 420 Meter Höhe[2] auf dem Sattel, der das Mümlingtal im Norden mit dem nach Süden zum Neckar hinabziehenden engen und waldigen Gammelsbacher Tal verbindet. Diesen verkehrsgünstig liegenden Talzug mit Beerfelden als Bindeglied erschließt die Bundesstraße 45 als wichtigste durchgehende Nord-Süd-Verbindung im Hinteren Odenwald. Das Gebiet der Stadt Beerfelden reicht von 330 bis 540 Meter Höhe.

Das Beerfelder Land umfasst als Tourismusregion neben der Stadt Beerfelden auch die Gemeinden Rothenberg, Sensbachtal und Hesseneck im Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald und damit eines der waldreichsten Gebiete des hessischen Odenwalds. Das Beerfelder Land liegt auf einer Höhenlage zwischen 200 Metern und 555 Metern über Normalnull.

An der östlichen Grenze von Beerfelden, auf dem Gebiet von Ober-Sensbach, erheben sich die höchsten Berge des Odenwaldkreises, die Sensbacher Höhe mit 558 Meter und mit 555 Meter Höhe der Krähberg. Auf dessen Spitze liegt ein Jagdschloss der Grafen von Erbach-Fürstenau. Unter diesem Berg verbindet der Krähbergtunnel, zu seiner Entstehungszeit einer der größten (3,1 km lang, in 348 m Höhe) Eisenbahntunnel in Deutschland, für die Odenwaldbahn das Mümlingtal mit dem Schöllenbachtal. Die Siegfriedstraße hingegen führt auf einer kurvenreichen Strecke bis auf 515 Meter Höhe am Reußenkreuz über seine südliche Schulter hinweg.[2]

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Beerfelden grenzt im Norden an die Gemeinde Mossautal und die Stadt Erbach, im Osten an die Gemeinden Hesseneck und Sensbachtal, im Süden an die Stadt Eberbach (Rhein-Neckar-Kreis in Baden-Württemberg) und die Gemeinde Rothenberg sowie im Westen an die Gemeinde Wald-Michelbach (Kreis Bergstraße).

Blick auf Beerfelden von Osten
Blick von der Gammelsbacher Straße zum Rathaus und zur evangelischen Martinskirche

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Beerfelden besteht neben der Kernstadt aus folgenden Stadtteilen:

Für diese sechs Stadtteile wurde jeweils ein Ortsbezirk gebildet mit einem gewählten Ortsbeirat unter dem Vorsitz eines Ortsvorstehers.

Geschichte[Bearbeiten]

Beerfelden wurde bereits im 10. Jahrhundert vom Kloster Lorsch zum Lehen gegeben. Beerfelden wurde 1032 erstmals unter dem Namen „Burrifelden“ im Lorscher Kodex urkundlich erwähnt.

1328 wurden Beerfelden (damalige Schreibweise „Baurenfelden“) die Stadtrechte verliehen.

1806 kam der Ort im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses von der Grafschaft Erbach, die seit 1500 zum Fränkischen Reichskreis gehörte, an das Großherzogtum Hessen-Darmstadt.

Am 29. April 1810 brannte fast der gesamte Ort ab. Der Großherzog sowie der Graf von Erbach-Fürstenau sorgten für Hilfsmaßnahmen. Die Hessische Brandassekurationskasse zahlte 172.802 Gulden für den Wiederaufbau.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Im Zuge der hessischen Gebietsreform wurden am 1. Juli 1971 die ehemals selbständigen Gemeinden Airlenbach, Etzean, Hetzbach und Olfen Stadtteile von Beerfelden. Am 1. Oktober 1971 folgten Falken-Gesäß und Gammelsbach.[3]

Politik[Bearbeiten]

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten]

Kommunalwahl in Beerfelden 2011
 %
50
40
30
20
10
0
40,9 %
36,8 %
16,0 %
6,3 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
-10,5 %p
+10,2 %p
+10,4 %p
-10,1 %p

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis: [4]

Parteien und Wählergemeinschaften %
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 40,9 10 51,4 13 50,5 16
ÜWG Überparteiliche Wählergemeinschaft Beerfelden 36,8 9 26,6 7 29,1 9
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 16,0 4 5,6 1 6,1 2
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 6,3 2 16,4 4 14,3 4
Gesamt 100,0 25 100,0 25 100,0 31
Wahlbeteiligung in % 55,1 62,9 64,3

Partnerschaften[Bearbeiten]

Der Stadtteil Olfen pflegt seit 1966 eine Partnerschaft mit der Gemeinde Trévignin im französischen Département Savoie.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

In Beerfelden befinden sich zwei Grundschulen: eine in der Kernstadt und eine im Ortsteil Gammelsbach. In der Kernstadt befinden sich ebenfalls zwei Kindergärten, ein Städtischer und ein Evangelischer. Weiterhin befindet sich in der Kernstadt eine Gesamtschule mit dem Namen "Oberzent-Schule".

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Galgen Beerfelden
Dreischläfriger Galgen von 1550
Burg Freienstein im Gammelsbachtal
Zwölf-Röhren-Brunnen

Bauwerke[Bearbeiten]

Beerfelden besitzt mit dem Beerfelder Galgen den einzigen vollständig erhaltenen Galgen in Deutschland. Dieser wurde 1597 anstatt eines einfachen Holzgalgens errichtet. Nach der Inschrift auf einem Gedenkstein neben dem Galgen soll die „letzte Hinrichtung im Jahre 1804, eine Zigeunerin wegen Diebstahls eines Huhnes und zweier Laib Brot“ erfolgt sein.

Der Ort soll wegen seiner schönen Aussicht gewählt worden sein, um dem Verurteilten die Strafe vermeintlich noch schlimmer zu gestalten. Auch wurde wohl an die abschreckende Wirkung des Anblicks Hingerichteter gedacht. Weiter gibt es Eisenbänder, welche die Rotsandsteinsäulen mit ihren 6 Metern Höhe zusammenhalten. Diese Bänder wurden vor langer Zeit erneuert. Sie wurden angeblich im Jahr 1814 von hier lagernden Kosaken herausgerissen, die damit ihre Pferde beschlugen. Um dem Galgen herum stehen sieben Linden, die an die alte Thing-Gerichtsbarkeit erinnern sollen, wobei es noch eine sogenannte Zentlinde gab, die dazu diente, vor ihr die Urteile zu fällen und zu verkünden. Diese soll sich am westlichen Ausgang der Stadt befunden haben; ihre Spuren sind jedoch nicht mehr erkennbar.

Mitten in der Stadt liegt die Brunnenanlage der Mümlingquelle. Sie wurde nach dem großen Brand von 1810 als Zwölf-Röhrenbrunnen neu gestaltet und war bis zum Bau der Wasserleitung in den Jahren 1895-98 von zentraler Bedeutung für die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung. Die Brunnenanlage diente allein der Trinkwasserversorgung, Viehtränke und Waschplatz befanden sich abseits auf der gegenüberliegenden Straßenseite. [5]

Im Gammelsbachtal liegt die Burgruine Freienstein.

In der Kernstadt und den anderen Stadtteilen präsentiert sich darüber hinaus eine ansehnliche Reihe weiterer sehenswerter Kulturdenkmäler.

Natursehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Der „Beerfelder Pferde-, Fohlen- und Zuchtviehmarkt“ findet bereits seit dem Jahre 1900 jedes Jahr am Wochenende des 2. Sonntags im Juli statt. Der traditionelle Viehmarkt am Montag ist die größte Zuchtviehschau Hessens. Ein weiterer Höhepunkt des Marktes ist das Reit- und Springturnier.
  • Die Beerfelder Kerwe findet jedes Jahr am 1. Oktoberwochenende statt. Veranstaltet wird sie seit 2006 auf dem „Markt- und Sportgelände“ in Beerfelden.
  • Am 3. Oktober findet auf dem Parkplatz des Zwölf-Röhren-Brunnens der Beerfelder Herbstmarkt statt. Aussteller dieses Marktes sind Gewerbetreibende und Vereine des Beerfelder Landes.
  • An Christi Himmelfahrt findet zu Ehren des Zwölf-Röhren-Brunnens das Beerfelder Brunnenfest statt. Dies ist ein Verkaufsoffener Tag mit Ausstellungen der verschiedenen Unternehmen, Traditionellem und einem großen Flohmarkt. Das Brunnenfest zieht sich dabei quer durch die Straßen von Beerfelden. Der Metzkeil bildet dabei den Mittelpunkt des Marktes und ist zugleich der Mittelpunkt der Stadt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Mit der Stadt verbundene Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Ludwig Albrecht Braun (1797–1869), hessischer Landtagsabgeordneter, Pfarrer in Beerfelden
  • Emil Fuchs (1874 - 1971) deutscher evangelischer Theologe, Professor in Leipzig, am 13. Mai 1874 in Beerfelden geboren.
  • Horst Schnur (* 1942), bis 2009 Landrat des Odenwaldkreises, seit 1969 in Beerfeldens Stadtteil Olfen wohnhaft.[6]
  • Michael Reuter (* 1948), Landtagsabgeordneter des Odenwaldkreises, seit 2003 in Beerfelden wohnhaft.
  • Jochen Sattler (* 1956), deutscher Fernsehjournalist, aufgewachsen in Beerfelden.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Sportregion Beerfelder Land[Bearbeiten]

Sowohl Beerfelden als auch der Ortsteil Hetzbach verfügen über ein Freibad. Im Beerfelder Land gibt es viele ausgeschilderte Rad- und Wanderwege mit zahlreichen Aussichtspunkten. Ebenfalls findet man ein ausgewiesenes Netz Nordic Walking−Strecken in verschiedenen Schwierigkeitsstufen.

Wintersport[Bearbeiten]

Auf der Sensbacher Höhe bei Beerfelden befindet sich ein Wintersportgebiet mit Pisten und Loipen. Wenn es die Schneelage im Winter zulässt, wird das Wintersportgebiet geöffnet. Auf der einzigen Piste befindet sich auch einer von wenigen Skiliften im Odenwald[7]. Er ist 450 Meter lang und führt von 450 Metern auf 540 Meter über NN. Flutlicht und ein Pistenbully sind ebenfalls vorhanden. Auf der Sensbacher Höhe befindet sich eine für Landesmeisterschaften zugelassene Snowboard- und Skirennstrecke. Im ganzen Beerfelder Land gibt es weitere Loipenstrecken.

Radwanderwege[Bearbeiten]

Durch das Stadtgebiet und entlang der Mümling führen folgende Radwanderwege:

  • Der 225 km lange 3-Länder-Radweg führt als Rundweg durch das Dreiländereck von Hessen, Baden-Württemberg und Bayern. Entlang von Mümling, Neckar und Main erkundet die Route den Odenwald.
  • Der Hessische Radfernweg R4 beginnt in Hirschhorn am Neckar und verläuft mit einer Gesamtlänge von 385 Kilometern von Süd nach Nord durch Hessen, entlang von Mümling, Nidda und Schwalm nach Bad Karlshafen an der Weser.

Bike Park[Bearbeiten]

Im Jahr 2004 wurde der Bikepark Beerfelden eröffnet. Jeder, der sein Bikerrad mitbringt, kann diesen Erlebnissport ausüben. Es gibt sieben Strecken[8], die je etwa einen Kilometer lang sind. Die fünf schwierigeren Downhill-Strecken weisen einige anspruchsvolle Teilstücke auf. Die sechste Downhill-Strecke wurde so gestaltet, dass sie auch von Kindern und technisch nicht so versierten Fahrern bewältigt werden kann. Die siebte Strecke ist ein Super-Enduro-Trail.

Wanderwege[Bearbeiten]

Am Himbächel-Viadukt im Ortsteil Hetzbach verläuft der Nibelungensteig, ein 124 Kilometer langer, mit dem Gütesiegel "Wanderbares Deutschland" zertifizierter Fernwanderweg.

Verkehr[Bearbeiten]

Beerfelden liegt an der Bundesstraße 45, die in einem großen Bogen um die Stadt führt. Im Ortsteil Hetzbach befindet sich ein Bahnhof der Odenwaldbahn (RMV-Linie 65).

Die 1904 eröffnete Bahnverbindung von Hetzbach nach Beerfelden wurde bereits 1954 eingestellt. Sie war seinerzeit von der SEG, der Süddeutschen Eisenbahn-Gesellschaft betrieben worden.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. a b Topographische Karte 1:25.000
  3.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 358.
  4. Hessisches Statistisches Landesamt
  5. Zwölf-Röhrenbrunnen im Internet
  6. Erwähnung von Olfen als Wohnort der Familie Schnur bei Odenwald Geschichten
  7. Skilift Beerfelden
  8. Streckennetz

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Beerfelden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Beerfelden – Reiseführer
 Wiktionary: Beerfelden – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen