Carl Friedrich von Siemens Stiftung

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Die Carl Friedrich von Siemens Stiftung dient dem Ziel der Förderung der Wissenschaften. Sie wurde 1958 auf Initiative des Unternehmers Ernst von Siemens gegründet. Geschäftsführer ist derzeit (2013) der Philosoph Heinrich Meier.[1]

Sitz der Stiftung am Südlichen Schlossrondell vor Schloss Nymphenburg

Geschichte[Bearbeiten]

Carl Friedrich von Siemens vor 1916 auf einer Fotografie von Jacob Hilsdorf.

Ernst von Siemens hat die Stiftung aus seinem Privatvermögen unterstützt und ihr neben der Ernst von Siemens Musikstiftung und der Ernst von Siemens Kunststiftung sein privates Vermögen vermacht. Sie trägt den Namen des Familienmitglieds Carl Friedrich von Siemens, der zwischen 1919 und 1941 Aufsichtsratsvorsitzender des heutigen Siemens-Konzerns war. Geschäftsführer der Stiftung war ab 1964 der Publizist Armin Mohler, 1985 wurde Heinrich Meier Nachfolger Mohlers. Von 1984 bis zu seinem Tode 2008 war Heinz Gumin Vorstandsvorsitzender der Stiftung.

Die Stiftung unter Armin Mohler 1964–1985[Bearbeiten]

Mohler nutzte die Stiftung für politische Veranstaltungen. Ein Beispiel dafür ist der von ihm im Juni/Juli 1978 organisierte Zyklus über Carl Schmitt, dessen Vorträge unter dem Titel „Der Ernstfall“ als zweiter Band der Schriftenreihe der Stiftung im Propyläen-Verlag erschienen. Schmitt war wegen seines Engagements für das Dritte Reich akademisch und publizistisch isoliert. Referenten waren Horst Albach, Rüdiger Altmann, Knut Borchardt, Paul Carell, Hellmut Diwald, Robert Hepp, Josef Isensee, Christian Meier, Wilhelm E. Mühlmann und Heinz-Dietrich Ortlieb. Die Reihe wurde als Hommage an Schmitt verstanden. [2] Auch weitere Veröffentlichungen der Stiftungen haben Personen oder Themen der Neuen Rechten zum Inhalt. Der 1980 bei Ullstein erschienene Band 3 der Schriftenreihe, „Die Deutsche Neurose. Über die beschädigte Identität der Deutschen“, herausgegeben von Anton Peisl und Mohler, enthält u. a. Beiträge von Johannes Gross, Peter R. Hofstätter, Hellmut Diwald, Hans-Joachim Arndt und Dieter Blumenwitz.[3] In die gleiche Richtung führt auch der 1986 erschienene Band 11 mit dem Titel „Wirklichkeit als Tabu: Anmerkungen zur Lage“ und den Autoren Josef Isensee (Die Verfassung als Vaterland), Helmut Quaritsch (Das Grundrecht auf Asyl und die neuen Wirklichkeiten), Horst Ehmann (Legitimitatsverlust des Arbeitskampfes?), Dieter Blumenwitz (Die Verrechtlichung der Aussenpolitik), Reinhart Maurer (Wie wirklich ist die okologische Krise?), Martin Gosebruch ("Alles ist Kunst"), Gerhard Adler (Woran glauben die Leute eigentlich?) Robert Hepp (Der Aufstieg in die Dekadenz) und Hans-Joachim Arndt (Volk ohne Zukunft?)[4]

Die Stiftung unter Heinrich Meier ab 1985[Bearbeiten]

Die Stiftung hat heute folgende Schwerpunkte:

Publikationen[Bearbeiten]

Die Stiftung veröffentlicht seit 1961 regelmäßig Dokumentationen der Vorträge in der Stiftung in ihrer Reihe "Themen". Seit 1961 sind fast 100 Bände erschienen. [5]

Kritik[Bearbeiten]

Zahlreiche Experten für Rechtsextremismus etwa Wolfgang Purtscheller,[6] Peter Glotz[7], Thomas Assheuer und Hans Sarkowicz,[8], Astrid Lange,[9] Claus Leggewie[10], Thomas Willms,[11] Margret Feit,[12] Susanne Mantino[13] Franziska Hundseder,[14] werten die Carl Friedrich von Siemens Stiftung Ende der 1980er-Jahre unter der Geschäftsführung Mohlers als Think Tank oder Kaderschmiede der Neuen Rechten bzw. ordnen die Stiftung der Neuen Rechten zu.

Literatur[Bearbeiten]

  • Armin Mohler: Fünfundzwanzig Jahre Carl-Friedrich-von-Siemens-Stiftung. München 1985.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Homepage Carl Friedrich von Siemens Stiftung, abgerufen am 8. Februar 2013
  2. Carl Schmitt, Armin Mohler, Irmgard Huhn, Piet Tommissen: Carl Schmitt--Briefwechsel mit einem seiner Schüler. Akademie Verlag, 1995 S. 422, Fußnote 518
  3. [1]
  4. [2]
  5. siehe Bestand der Reihe in der Deutschen Nationalbibliothek unter http://d-nb.info/011468696
  6. Wolfgang Purtscheller, Heribert Schiedel: Theorien der »Neue Rechten«. In: Wolfgang Purtscheller (Hrsg.): Die Ordnung die sie meinen. »Neue Rechte« in Österreich. Picus Verlag, Wien 1994, S. 19
  7. Peter Glotz: Die deutsche Rechte. Eine Streitschrift. 1989 S. 137
  8. Thomas Assheuer, Hans Sarkowicz: Rechtsradikale in Deutschland. Die alte und die neue Rechte, Beck Verlag 1990, S. 139
  9. Astrid Lange: Was die Rechten lesen. Fünfzig rechtsextreme Zeitschriften - Ziele, Inhalte, Taktik, Beck'sche Reihe 1014, Verlag Chr. Beck München 1993, ISBN 3-406-37404-2 S. 61
  10. Leggewie, Claus: Der Geist steht rechts. Ausflüge in die Denkfabriken der Wende, Berlin 1987
  11. Thomas Willms: Armin Mohler. Von der CSU zum Neofaschismus. PapyRossa Verlag Köln Rezension in den Antifaschistischen Nachrichten
  12. Feit, Margret (1989): Die „Neue Rechte“ in der Oswalt, Walter (Hg.): Die Rückkehr der Führer: Rechtsradikalismus in Westeuropa; Wien; 31-42
  13. Mantino, Susanne (1992): Die ‘Neue Rechte’ in der ‘Grauzone’ zwischen Rechtsextremismus und Konservatismus. Eine systematische Analyse des Phänomens ‘Neue Rechte’; Frankfurt/M. u.a. (= Europäische Hochschulschriften, Reihe 31, Politikwissenschaft; Bd. 199)
  14. hier, S.8 (PDF; 631 kB)