Carl Laemmle

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Carl Laemmle

Carl Laemmle (* 17. Januar 1867 in Laupheim; † 24. September 1939 in Beverly Hills; eigentlich Karl Lämmle) gehörte zu den einflussreichsten Filmpionieren der amerikanischen Filmgeschichte. Er begründete 1912 die Universal Studios in Universal City im Los Angeles County und war deren Vorsitzender bis zu seinem Tode. In dieser Funktion gehörte er zu den mächtigsten Studiobossen seiner Zeit und war Produzent von über 400 Filmen. Er wird auch als der Begründer der amerikanischen Filmindustrie in Hollywood bezeichnet. Laemmle war maßgeblich beteiligt, als eine neue Kunstform kreiert wurde, der Spielfilm. Er erkannte als erster, dass man die Massen für diese Kunst begeistern kann.

Leben[Bearbeiten]

Carl Laemmle wurde im oberschwäbischen Laupheim als Sohn eines jüdischen Viehhändlers im Wohnhaus Radstraße 9 geboren. In Laupheim gab es seit 1724 eine jüdische Gemeinde. Laemmle absolvierte eine Lehre als Kaufmann. Am 28. Januar 1884 wanderte er zusammen mit seinem Schulfreund Leopold Hirschfeld im Alter von 17 Jahren in die USA aus. Am 13. Februar 1884 erreichte der Auswandererdampfer „Neckar“ aus Bremerhaven den Hafen von New York. Seine erste Stelle war die eines Laufburschen für einen Drugstore. Kurze Zeit später zog er nach Chicago, wo sein älterer Bruder Joseph wohnte.

Laemmle wurde Geschäftsführer einer Textilfirma in Oshkosh (Wisconsin), einer Stadt mit einer großen deutschsprachigen Minderheit. Bei der Textilfirma arbeitete er mit auffälligen Werbeaktionen. 1906 machte er sich in Chicago selbständig und investierte sein Geld in ein Nickelodeon (5-Cent-Filmtheater). Bei diesem wurden Fassade, Innenraum und Mobiliar weiss gestrichen, da die Konkurrenz eher schmudelig aussah. Noch 1906 gründete er einen Filmverleih. Das Geschäft boomte und innerhalb kürzester Zeit gehörten ihm 50 Kinos. Bereits 1908 war seine Firma die grösste Film-Verleihfirma der USA. Auf Anzeigen erschien Laemmle selbst mit dem Slogan "I Am the Moving Picture Man.". 1910 gründete Laemmle seine erste Filmproduktion, die Independent Motion Picture Company. Im Vorspann erschien von Anfang an "Carl Laemmle presents". Er setzte als erster in der US-Filmindustrie auf Stars, indem er die Schauspieler benannte, während die Konkurrenz die Schauspieler unbenannt einsetzte. Er gehörte Anfangs zu den so genannten Independents, also den Filmproduzenten, die sich dem Monopol der Motion Picture Patents Company widersetzten. 1912 fusionierte Independent Motion Picture Company mit anderen Firmen zur Universal Motion Picture Manufacturing Company (heute Universal Studios). Universal Motion Picture Manufacturing Company leitete wieder Laemmle.[1] Er verlegte seinen Produktionsort von der Ost- an die Westküste der USA. In Kalifornien waren die Löhne niedriger und das Wetter besser, was mehr Drehtage in kürzerer Zeit ermöglichte. In einer ausgestorbenen Gegend bei Los Angeles, heute als Hollywood bekannt, kaufte Laemmle eine 170 Hektar große Hühnerfarm und errichtete die Universal City Studios. Später zogen andere Filmproduktionen nach Hollywood um.

Gründer der Universal Studios[Bearbeiten]

Carl Laemmle mit kleinwüchsigen Darstellern 1929

Laemmles Firma Universal Pictures gehörte seit den späten 1910er-Jahren als größte Filmfirma Amerikas zu den „Big Five“, die das (nach der aufgelösten Motion Picture Patents Company) zweite Oligopol bildeten. Die bekanntesten Filme aus seinen Studios waren Der Glöckner von Notre Dame (1923), Das Phantom der Oper (1925), Im Westen nichts Neues (1930), Waterloo Bridge (1931) sowie die Reihe von Horrorfilmen in den 1930er-Jahren, die 1931 mit Dracula und Frankenstein begann.

Er produzierte im Ersten Weltkrieg Propagandafilme.[2] Im Jahr 1918 kam zuerst der Propagandafilm Untergang der Lusitania (The Sinking of the Lusitania) heraus. Noch 1918 folgte der Propagandafilm Der Kaiser - Die Bestie von Berlin (The Kaiser - Beast of Berlin) über Kaiser Wilhelm II.. 1919 spielte Erich von Stroheim in Herz der Menschlichkeit (Heart of Humanity) einen deutschen Offizier der eine Rotkreuzschwester vergewaltigen will. Dieser Offizier wirft ein bei der Vergewaltigung störendes Kind aus dem Fenster.[3][4]

Sein Sohn Carl Laemmle junior arbeitete schon als Jugendlicher im Studio seines Vaters und wurde Anfang der 1930er-Jahre Produzent der wichtigsten Filme von Universal. William Wyler, der Regisseur von Ben Hur, war Laemmles Neffe und wurde von ihm nach Hollywood geholt. 1929 schenkte er seinem Sohn die Firma. Der Senior übernahm die Firma später wieder selbst, da sein Sohn sich als ungeeignet für die Leitung erwies. In der Weltwirtschaftskrise musste er einen Teilhaber mit Kapital einen Teil des Unternehmens überschreiben. 1936 wurden Laemmle Senior und Junior gezwungen die gesamte Firma an den Teilhaber zu verkaufen.[5]

Carl Laemmle und Laupheim[Bearbeiten]

Geburtshaus in Laupheim (2007)

Laemmle blieb zeit seines Lebens mit Laupheim verbunden. Er besuchte des Öfteren seine Geburtsstadt. Noch vor seiner Einbürgerung in den USA besuchte er zweimal Laupheim. Als erfolgreicher Geschäftsmann nutzte er diese Besuche, um Laupheim finanziell zu unterstützen. Im Laufe der zwanziger Jahre spendete Laemmle große Beträge sowohl der Stadt Laupheim, der jüdischen Gemeinde als auch einzelnen Bürgern. Er hatte bald die Rolle des reichen Onkels im Ort. Er gab Geld für eine neue Schule, ein Schwimmbad und das Waisenhaus. Die ihm 1919 verliehene Ehrenbürgerwürde wurde auf Grund einer Anfrage der politischen Rechten im württembergischen Landtag und einer darauffolgenden Bekanntmachung des württembergischen Innenministeriums, dass ausländische Staatsbürger keine Ehrenbürger werden könnten (Laemmle war mittlerweile amerikanischer Staatsbürger), schon 1921 außer Wirkung gesetzt. Einige Jahre später wurde eine Straße nach ihm benannt.

Mit der Machtergreifung der Nazis änderte sich die Einstellung Laemmle gegenüber. Die Stimmung gegen Laemmle kippte aber bereits 1930, als ihm für seinen Film Im Westen nichts Neues am 5. November 1930 im Ambassador Hotel in Los Angeles der Oscar in der Kategorie Bester Film verliehen wurde. 36 Tage später wurde der Film in Deutschland verboten. Der Völkische Beobachter hetzte gegen den "Filmjuden" Lämmle. Das Straßenschild mit seinem Namen wurde im Juni 1933 entfernt, die Straße in Schlageter-Straße umbenannt. Laemmle durfte nicht mehr nach Deutschland einreisen.

Laemmle als Judenretter, Erinnerung[Bearbeiten]

Filmplakat "Im Westen nichts Neues" 2012

Laemmle unternahm viel, um den bedrängten, entrechteten Juden in Deutschland zu helfen. Er übernahm von 1936 bis 1939 an über 300 Bürgschaften für jüdische Familien aus Laupheim, Nürnberg, Berlin und anderen Städten so genannte Affidavits, das heißt, die Garantie eines amerikanischen Staatsbürgers, notfalls die Versorgung des Flüchtlings zu übernehmen. Ferner wandte sich Laemmle mit Bittbriefen an andere jüdische Prominenz, damit diese ebenfalls Bürgschaften übernahm. Damit bewahrte er viele Menschen vor dem Nazi-Terror und dem sicheren Tod in den Konzentrationslagern. In einem Brief an den amerikanischen Konsul in Stuttgart schreibt Laemmle: „Sie können sicher sein, dass wenn ich ein Affidavit ausstelle, ich es in voller Kenntniss meiner Verantwortung tue und mein ganzes Herz und meine Seele damit verbunden sind. Ich brauche Ihnen nichts von den Leiden erzählen, die deutsche Juden in diesen Zeiten durchmachen, und ich fühle, dass jeder einzelne Jude, der finanziell in der Lage ist, diesen in übler Weise Bedürftigen zu helfen, dies unerschütterlich tun sollte.“ Heute gibt es in Laupheim viele Einrichtungen, die an den Ehrenbürger Carl Laemmle erinnern, zum Beispiel das Carl-Laemmle-Gymnasium, der Carl-Laemmle-Platz mit Brunnen in der Rabenstraße, das Geburtshaus in der Radstraße 9 und das Museum zur Geschichte von Christen und Juden im Schloss Großlaupheim. Dort sind ihm vier Ausstellungsräume und ein Mini-Kino gewidmet.

Sein Sohn Carl Laemmle junior trat 1929 als Produktionschef der Universal Studios, in die Fußstapfen seines Vaters.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Cristina Stanca-Mustea: Carl Laemmle. Der Mann, der Hollywood erfand. Biografie. Osburg, Hamburg 2013, ISBN 978-3-95510-005-6. (Buch entstand aus der Dissertation der Autorin)
  • Neal Gabler: An Empire of Their Own: How the Jews Invented Hollywood. Crown, 1988. ISBN 0-385-26557-3 (englisch)
  • Udo Bayer: Carl Laemmle und unser Gymnasium. In: Von der Lateinschule zum Carl-Laemmle-Gymnasium. Laupheim, 1994.
  • Udo Bayer: Carl Laemmle und die Universal. Eine transatlantische Biografie. Würzburg, 2013. ISBN 978-3-8260-5120-3.

Film[Bearbeiten]

  • Ira Beetz, Kai Christiansen, Reinhardt Beetz: 100 Jahre Hollywood. Die Carl Laemmle-Story. Dokumentation, Deutschland, USA, 2011, 79 Min. Produzent: SWR

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Carl Laemmle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Urs Jenny: Hollywoods erster König. Der Spiegel 2013/27: 117-119.
  2. Urs Jenny: Hollywoods erster König. Der Spiegel 2013/27: 117-119.
  3. http://www.geschichte-projekte-hannover.de/filmundgeschichte/deutschland_vor_1933/im_westen_nichts_neues/inhalt_und_entstehung/entstehung_des_films/der_produnzent.html
  4. https://archive.org/details/Sinking_of_the_Lusitania
  5. Urs Jenny: Hollywoods erster König. Der Spiegel 2013/27: 117-119.
  • Stuttgarter Zeitung vom 12. März 2011 "Der reiche Onkel aus Amerika" (Hier wird der Bericht noch einmal bestätigt).