Chianti (Wein)

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Sangiovese-Trauben für die Herstellung des Chianti
Chianti Riserva (DOCG)
Chianti in einer traditionellen Bast-Flasche (fiasco)

Chianti [ˈki̯anti] ist ein Rotwein aus der Toskana, der im Wesentlichen aus der Sangiovese-Traube besteht. Er war früher das Synonym für italienischen Wein schlechthin, und er wurde traditionell in strohumflochtenen Flaschen (fiasco) verkauft. Erstmals erwähnt ihn Francesco Datini im 14. Jahrhundert.

Es handelt sich um einen Wein, dessen Trauben im Gebiet bestimmter Gemeinden der Toskana gewachsen sind. Insgesamt gibt es sechs klassische Chianti-Zonen, die willkürlich durch Gemeindegrenzen festgelegt wurden und den Trauben zum Teil sehr unterschiedliche Bedingungen bieten. Dementsprechend sind auch die Ergebnisse der Chiantis sehr unterschiedlich. Kommt der Wein aus dem eigentlichen Chianti-Gebiet zwischen Florenz und Siena, darf er sich Chianti Classico oder Chianti Classico Riserva nennen. Der Wein muss dann zum Beispiel auch gewisse Zeit (für Riserva zwei Jahre) in Eichenfässern lagern und es dürfen nur gewisse Rebsorten gemischt werden. Den größten Anteil hat immer die Sangiovese-Traube (mindestens 70%[1]). Andere Rebsorten sind Canaiolo und Cabernet Sauvignon. Weißweintrauben sind offiziell verboten.

Im 19. Jahrhundert war ein Anteil von etwa 10 Prozent Weißwein als obligatorisch festgelegt worden. Damals, 1841, hatte Bettino Ricasoli nach systematischen Verschnittversuchen das optimale Mischungsverhältnis für den Chianti ermittelt. 1971 revolutionierte das berühmte Haus Marchesi Antinori mit dem Tignanello den Weinbau. Antinori war überzeugt, einen großen Rotwein ohne Weißweinanteil produzieren zu können. Er entschloss sich, auf das DOC-Siegel zu verzichten. Der große Erfolg gab ihm recht. Seither wird im Chianti nun ein Wein erzeugt, der dem heute vorherrschenden Geschmack „trocken“ entspricht und sich am Stil der Bordeaux-Weine orientiert.

Der klassische alte Chianti dagegen war ein fruchtiger und überdies nur relativ kurz lagerbarer Wein. Nur noch sehr wenige Winzer fertigen diesen traditionellen Chianti als Auftragsarbeit für Luxusrestaurants.

Neue Vorschriften[Bearbeiten]

Nicht jeder im Chianti produzierte Wein ist ein Chianti Classico. Die neuen Vorschriften des „Consorzio Vino Chianti Classico“ sehen Veränderungen unter anderem bei der Rebsorten-Auswahl vor:[2]

  • Minimum-Anteil an Sangiovese-Trauben: 80 % (Sangiovese ist die typische, rote Traubensorte der Gegend)
  • andere rote Traubensorten (einheimisch: Canaiolo, Colorino; international: Cabernet Sauvignon, Merlot) zu maximal 20 %
  • Trebbiano und Malvasia Bianca Lunga (beides weiße Traubensorten) dürfen ab der Weinernte 2006 gar nicht mehr verwendet werden.
  • Volumenanteil Alkohol:
    • für normalen Chianti: mind. 12 %
    • für Riserva: mind. 12,5 %
  • Verkauf:
    • Chianti Classico: frühestens am 1. Oktober ein Jahr nach der Ernte
    • Riserva: frühestens 24 Monate, davon mindestens drei Monate in der Flasche
  • Zucker: max. 4 Gramm reduzierende Zucker pro Liter
  • Trockenextrakt: mind. 23 %
  • Säure: max. 4,5 Promille

Beschreibung[Bearbeiten]

  • Farbe: lebhaftes Rubinrot, mit dem Alter ins granatrot tendierend
  • Geschmack: harmonisch, herb, würzig, leichte Tannine mit samtigem Abgang
  • Bezeichnungen: Riserva nach 2 Jahren (ab dem 1. Januar des auf die Ernte folgenden Jahres) Alterung, weiteren 3 Monaten Flaschenreifung und mindestens 12,5 Volumenprozent Alkohol.

Zonen[Bearbeiten]

Die unterschiedlichen Unterzonen innerhalb der Region Toskana

Chianti ist nicht nur der Name des Weins, sondern auch der des Gebietes, in dem er hergestellt wird. Innerhalb des dieses DOC-Gebietes sind acht Gebiete mit dem höchsten italienischen Gütesiegel versehen, dem DOCG-Prädikat. Weine, die nicht in einem dieser Gebiete hergestellt sind, tragen nur das Prädikat Chianti DOC: dies ist der einfachste Chianti. Entweder liegt das Weingut außerhalb einer der Unterzonen, sozusagen nur im Chianti, oder der Wein erfüllt die Kriterien der meist strengeren Unterzonen nicht.

Die DOCG-Zonen müssen auf dem rosaroten Prüfetikett angegeben sein. Diese sind:

  • Classico DOCG: diese Zone umfasst das Ursprungsgebiet des Chianti bis 1932 und einige Rebhänge nördlich und südlich davon. Hier sind meist die langlebigsten und feinsten Exemplare zu finden. Allerdings liegen diese Weine auch preislich in einer anderen Klasse. Das Konsortium „Chianti Classico“, mit Sitz in Tavarnelle Val di Pesa, hat die Schutzmarke „Gallo Nero“ (schwarzer Hahn) ins Leben gerufen. Ein „Gallo Nero“ auf dem Flaschenhals bürgt für die Qualität dieses Weins.
  • Colli Fiorentini DOCG (Hügel um Florenz): meist jung zu trinkende, süffige Zechweine, allerdings entdecken mehr und mehr Winzer auch die langlebigeren Weine.
  • Colli Senesi DOCG (Hügel um Siena): südlichste Chianti-Zone, hier wird sehr viel von Brunello- und Vino Nobile di Montepulciano-Winzern als Chianti deklarierter Wein hergestellt und verkauft, der die Bestimmungen der anderen südtoskanischen Hochgewächse nicht erfüllt, allerdings gilt es auch hier, preiswerte Entdeckungen zu machen.
  • Rúfina DOCG: Dieser meist etwas körperreichere Wein ist aus einer kleinen Zone (ca. 600 ha) östlich von Florenz um Pontassive und ist meist etwas langlebiger und nicht so streng wie der Classico.
  • Aretini DOCG (um Arezzo)
  • Colline Pisane DOCG (Hügel um Pisa)
  • Montalbano DOCG (um Carmignano)
  • Montespertoli DOCG

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Chianti Kompendium, aufgerufen am 23. April 2014
  2. Seite des Consorzios (ital./engl.), aufgerufen am 15. Juni 2013

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Chianti – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Chianti – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen