Chris Hülsbeck

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Chris Hülsbeck auf der Next Level Conference in Köln (2011)

Christopher „Chris“ Hülsbeck (* 2. März 1968 in Kassel) ist ein vor allem aus dem Heimcomputerbereich bekannter Musiker.

Leben[Bearbeiten]

Mit 12 Jahren bekam Hülsbeck sein erstes Instrument (eine Heim-Orgel), ein Jahr später ein Schlagzeug und mit 15 Jahren seinen ersten MIDI-Synthesizer. Etwa zur gleichen Zeit begann sein Interesse für den Heimcomputer. Erster Erfolg war 1986 der Song „Shades“ auf dem Commodore 64, der den ersten Platz eines Wettbewerbes der Computerzeitschrift 64er Magazin belegte. Sein Soundmonitor war einige Monate später das „Listing des Monats“, ebenfalls im 64er Magazin.

Kurz nach dem Erfolg im Magazin wurde Hülsbeck fester Mitarbeiter bei Rainbow Arts, für die er u. a. Songs für die Spiele Jinks, Bad Cat, To Be on Top (ein komplett von Chris Hülsbeck erdachtes und umgesetztes Computerspiel), Katakis und The Great Giana Sisters schrieb. Schon bald bekam er von Spielezeitschriften den Spitznamen „Soundmagier“ verpasst. 1988/89 veröffentlichte er zusammen mit Peter Thierolf das Musikprogramm TFMX für den Commodore Amiga.

Ab 1989 war Hülsbeck hauptsächlich für den Amiga tätig (u. a. die Soundtracks zu Grand Monster Slam und X-Out sowie die recht bekannte Umsetzung von Ramiro Vacas Originalmusik zu „Rock 'n' Roll“). 1990 erhielt seine Karriere einen Aufschwung mit der Musik zu dem Spiel Turrican; vor allen Dingen seine Musik zu Turrican 2 erreichte schnell Kultstatus in der Spiele-Szene. So schaffte er es beispielsweise als einer der ersten, auf dem normalerweise 3-stimmigen Commodore 64 fünf Stimmen zu erzeugen bzw. aus dem normalerweise 4-stimmigen Amiga sieben Stimmen herauszuholen. Turrican und Turrican 2 gehören daher zu den soundtechnischen Meisterwerken der Heimcomputerszene. Er war ebenfalls für die 1991 erschienene Amiga-Umsetzung des Klassikers The Secret of Monkey Island verantwortlich.

Ende 1990 gründete Chris Hülsbeck zusammen mit Frank Matzke und Peter Thierolf die Firma A.U.D.I.O.S. (Art Under Design, Imaginations Of Sound) und deren Sub-Label KAIKO. 1991 erschienen mit Gem'X und Apidya zwei Spiele-Hits und mit „Software-Manager“ eine Fun-Simulation unter dem Kaiko-Label. Unter dem A.U.D.I.O.S.-Label erschien im gleichen Jahr Hülsbecks erste Audio-CD „Shades“.

Kaiko wurde 1993 wegen Überschuldung aufgelöst. Gleichzeitig verringerte Hülsbeck die Arbeit auf dem Amiga und produzierte immer mehr für unterschiedlichste Systeme: Von 1993 bis 1998 arbeitete Hülsbeck u. a. an Turrican 3, Jim Power, Tunnel B1, Ballblazer Champions für Firmen wie Software 2000, Factor 5 und LucasArts.

Im Jahre 1997 gründete er sein eigenes Plattenlabel namens synSONIQ Records, um einen professionellen Vermarktungsweg nicht nur für die eigenen Werke, sondern für Spielemusik im Allgemeinen zu bieten. Bis heute vertreibt synSONIQ erfolgreich Soundtracks sowohl zu Klassikern als auch zu Neuerscheinungen auf dem Spielemarkt. Bis 1998 produzierte er acht Soundtrack-CDs und zwei normale Audio-CDs.

Ebenfalls 1998 zog er in die USA und arbeitet dort für Factor 5, LucasArts, Nintendo und weitere Firmen.

2003 wurde während des Eröffnungskonzerts zur Games Convention (Spielemusikkonzert) in Leipzig Musik aus Hülsbecks Apidya vom Czech National Symphony Orchestra live gespielt. In den Folgejahren kamen 2004 Musik aus dem Turrican-Projekt und Giana Sisters mit dem FILMharmonic Orchestra aus Prag unter der Leitung von Andy Brick zur Aufführung.

Seine Musik aus Apidya kam auch auf dem Konzert PLAY! A Video Game Symphony in Stockholm im Juni 2006 zur Aufführung, der ersten Welttournee mit Spielemusik. Dargeboten wurde die Musik vom Royal Stockholm Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Arnold Roth. Chris Hülsbeck war unter den Gästen. Auf dem vierten Eröffnungskonzert der Games Convention wurde eine Suite aus Turrican 3 als Klaviersolo dargeboten. Auf dem Konzert 2007 wurde eine Orchesterfassung von Musik aus Turrican 2 aufgeführt, außerdem stellte Chris Hülsbeck sein neues Album „Number Nine“ vor.

Am 23. August 2008 fand in Köln das Konzert „Symphonic Shades - Hülsbeck in Concert“ unter der Leitung von Grammy-Preisträger Arnold Roth statt. Dabei führten im Funkhaus Wallrafplatz mehr als 120 Musiker des WDR Rundfunkorchesters Köln und des FILMharmonischen Chors Prag vor ausverkauftem Saal Werke von Chris Hülsbeck auf. Diese Veranstaltung wurde als erstes Spielemusikkonzert der Welt live im Radio auf WDR4 und im Internet übertragen. Unter der persönlichen Anleitung von Chris Hülsbeck wurden die Arrangements von Jonne Valtonen, Yūzō Koshiro und Takenobu Mitsuyoshi für Orchester und Chor umgesetzt. Uraufführung feierte außerdem der von Hülsbeck komponierte Titel „Karawane der Elefanten“.

Momentan arbeitet Chris Hülsbeck an einer „Turrican Anthology“, einer kompletten Neueinspielung (teilweise mit orchestraler Unterstützung) des Turrican-Soundtracks auf geplanten drei bis vier CDs.[1][2] Zur Realisierung dieses Projektes veranschlagte Hülsbeck eine Summe von 75.000 US-Dollar, die mit Hilfe der Crowdfunding-Plattform Kickstarter.com in weniger als zwei Wochen von Fans und Unterstützern aufgebracht wurde.[3] Die Spendenaktion endete am 3. Juni 2012 mit einem Gesamterlös von über 200.000 US-Dollar und stand damit zu diesem Zeitpunkt an dritter Stelle der erfolgreichsten Musikprojekte.[4] Die limitierte Anthology sollte Ende 2012 exklusiv für die 2.600 finanziellen Unterstützer des Projekts erscheinen und auf 2.000 CD-Boxen und 150 Vinyl-Fassungen begrenzt sein. Eine weitere kommerzielle Vermarktung ist bis dato ausgeschlossen. Im Januar 2013 arbeitete Hülsbeck jedoch noch an der dritten CD.[5] Im April 2013 arbeitete er mit Gastmusikern, wie Vince DiCola und Yūzō Koshiro, an der vierten CD.[6] Am 27. November wurde die Download-Version für die Kickstarter-Unterstützer über 50-US$ freigeschaltet.[7]

Privatleben[Bearbeiten]

Hülsbeck ist seit 2008 mit Tracy Sheppard verheiratet und lebt im kalifornischen Petaluma in der San Francisco Bay Area.

Diskografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Eigene Produktionen:

  • 1991: Shades
  • 1992: Apidya Soundtrack
  • 1992: To be on Top
  • 1993: Turrican Soundtrack
  • 1994: Rainbows
  • 1995: Sound Factory (inkl. Datentrack)
  • 1997: Tunnel B1 Soundtrack
  • 1997: Extreme Assault Soundtrack
  • 2007: Number Nine
  • 2008: Symphonic Shades

Beteiligungen:

  • 1994: Native Vision – Easy life (Single)
  • 1998: Peanuts feat. Doc. Schneider – Leben betrügt (Single)
  • 2000: Merregnon Soundtrack – Volume 1
  • 2000: Collage
  • 2000: Bridge from the past to the future
  • 2001: Chris Huelsbeck in the Mix
  • 2002: Immortal 2
  • 2004: Merregnon Soundtrack – Volume 2
  • 2006: Immortal 3
  • 2010: Sound of Games
  • 2012: Giana Sisters – Twisted Dreams Soundtrack

Aktuelle Projekte[Bearbeiten]

  • ZombieSmash! für iPhone
  • R-Type für iPhone
  • Star Trek: Infinite Space für PC (MMORPG)[8]
  • Space-Rat: Xplode!
  • Turrican-Anthology (Neueinspielung des Turrican-Soundtracks auf 3-4 CDs)
  • Project Giana

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Chris Hülsbeck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatChris Hülsbeck: Turrican-Anthology-Projekt. In: Kickstarter.com. 15. April 2012, abgerufen am 27. November 2012.
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatTurrican Soundtrack Anthology für 75.000 US-Dollar. In: Golem.de. 17. April 2012, abgerufen am 27. November 2012 (englisch).
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatKickstarter-Kampagne erfolgreich. In: 4players.de. 27. April 2012, abgerufen am 3. November 2013 (deutsch).
  4. Chris Hülsbeck: Turrican Soundtrack Anthology by Chris Huelsbeck
  5. Chris Hülsbeck: Turrican Soundtrack Anthology Update 22, kickstarter.com, 28. Januar 2013, abgerufen am 3. Februar 2013
  6. Chris Hülsbeck:Special surprise guest artist revealed!, kickstarter.com, 20. April 2013, abgerufen am 30. Mai 2013
  7. Turrican Soundtrack Anthology: Download-Version fertig, gamersglobal.de, 27. November 2013, abgerufen am 1. Dezember 2013
  8. Star Trek – Infinite Space: Chris Hülsbeck schreibt die Musik vom 18. Februar 2011 bei computerbild.de, abgerufen am 12. Mai 2012.