Dani Karavan

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Dani Karavan (Berlin 2008)
Straße der Menschenrechte (17. Oktober 2003)

Dani Karavan hebräisch ‏דני קרוון‎ (* 7. Dezember 1930 in Tel Aviv) ist ein international renommierter Bildhauer und Gestalter von großformatigen, begehbaren Kunstwerken, die zuweilen der Land Art zugerechnet werden.

Werk[Bearbeiten]

Skulptur „Ma’alot“ auf dem Heinrich-Böll-Platz in Köln. Die Gesamtgestaltung des Platzes (1982–86) stammt ebenfalls von Dani Karavan.[1]

In den 1960er und 1970er Jahren gestaltete Karavan zahlreiche Bühnenbilder, u. a. für die Martha Graham Dance Company.

In Cergy-Pontoise gestaltete Karavan 1980 die Axe Majeur, eine rund drei Kilometer lange, skulpturale Landschaftsachse mit zwölf thematischen Stationen als identitätsstiftende Anlage für die Trabantenstadt Cergy-Pontoise bei Paris. Cergy Saint-Christophe erstreckt sich von einem Industriegebiet, in welchem ein streng gefasster Wasserlauf im Neorenaissance-Park die Mittelachse bildet, durch den Bahnhof, weiter über den Marktplatz und die Einkaufsmeile. Sie durchquert einen vom Architekten Ricardo Bofill gestalteten pompösen, sozialen Wohnungsbaukomplex mit zentralem 36 Meter hohem Obelisken und mündet in eine mehrere Fußballplätze große, geometrisch geteilte Parkanlage. Diese Anlage mit ihrem Arrangement aus Betonsäulen und Freitreppe gibt an der Hangkante des Tales den Blick über eine künstlich angelegte Insel auf der anderen Seite der Oise frei und knüpft konzeptionell an die großen, historisch bedeutsamen Achsen von Paris an.

1988/93 schuf Karavan die Außenskulptur Die Straße der Menschenrechte (The Way of Human Rights) als Kunst am Bau des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg.

1990 stellte Karavan die kreisrunde Gusseisenskulptur „Tzaphon“ für den Vorplatz des Landtags Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf fertig. Die Skulptur ist eine flach geneigte, in den Vorplatz halb eingesenkte, kreisrunde Scheibe, in die zwei Eisenbahnschienen mittig eingelassen sind. Zwischen den Eisenbahnschienen rinnt Wasser die geneigte Ebene herab. In der Kreisform korrespondiert die Skulptur mit der strukturalistischen Architektur des 1988 eröffneten Landtagsgebäudes.[2]

1990/94 schuf Karavan im katalanischen Ort Portbou das Denkmal „Passagen“ für Walter Benjamin.

1994 gestaltet er im Auftrag des französischen Staats in Gurs ein Mémorial national (Nationale Gedenkstätte). Es wurde zur Erinnerung und Mahnung an das vom Vichy-Regime im Camp de Gurs begangene Unrecht errichtet. Das Mahnmal besteht aus drei Teilen: Ein 180 m langer Schienenstrang, der allerdings während der Lagerzeit nicht vorhanden war, symbolisiert die Deportation aus Deutschland nach Gurs. Das Modell einer Baracke verkörpert die bauliche Ausstattung des Lagers. Und zugleich ist das Gleis die Verbindung zu der durch eine mit Stacheldraht umzäunten Betonplatte, die die Konzentrations- und Vernichtungslager der Nazis symbolisiert.

In den 1990er Jahren gestaltete Dani Karavan im Bereich der Gebäude des Bundestages in Berlin den Außenbereich der Spreeseite des Jakob-Kaiser-Hauses. Zentrales Element dieser Arbeit: In eine etwa drei Meter hohe Glaswand zwischen Jakob-Kaiser-Haus und Spree gravierte er mit Laser die 19 Grundrechtsartikel des deutschen Grundgesetzes in ihrer Urfassung von 1949. Damit werde den vorbeigehenden Bürgerinnen und Bürgern die Basis der deutschen Verfassung, die Grundrechte, in transparenter Weise verdeutlicht.[3]

Im Duisburger Innenhafen befindet sich Karavans Garten der Erinnerung, ein etwa drei Hektar großer Park, in den der Bildhauer die Reste der ehemaligen Industriebauten gestalterisch integrierte. Der Park wurde in den Jahren 1996 bis 1999 realisiert und ist das bislang umfangreichste Werk des international renommierten Künstlers in Deutschland.

„Weg des Friedens“ (Way of Peace) zwischen Israel und Ägypten, erbaut 1996-2000
Bodenrelief „Misrach“ am Regensburger Neupfarrplatz

In Israel hat Karavan u.a. das Negev Brigade Monument in Be'er Scheva und das Weiße Stadt Monument in Tel Aviv geschaffen.

Auf dem Neupfarrplatz in Regensburg zeichnete Dani Karavan den Grundriss der im Rahmen des Regensburger Pogroms von 1519 zerstörten Synagoge in Form eines begehbaren Bodenreliefs nach. Das als Begegnungsstätte gedachte Kunstwerk mit dem Namen Misrach (hebräisch für ‚Osten‘) wurde am 13. Juli 2005 eingeweiht. Karavan stellte im Vorfeld so hohe Anforderungen an die Genauigkeit und Oberflächengüte der Betonteile, dass fast alle Firmen den Auftrag als „undurchführbar“ abgelehnt hatten.

Karavan wurde eingeladen, einen Entwurf für das Mahnmal für die von den Nationalsozialisten ermordeten Roma und Sinti in Berlin zu gestalten. Im November 2005 unterzeichnete er einen entsprechenden Vertrag. [4]Am 24. Oktober 2012 wurde das Denkmal im Beisein der Bundeskanzlerin Angela Merkel und des Bundespräsidenten Joachim Gauck eingeweiht.[5]

Ausstellungen[Bearbeiten]

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • IVAM: Dani Karavan, Actar, Barcelona 2002, ISBN 84-482-3230-5
  • Ursula Peters: Dani Karavan: Weg der Menschenrechte, in: Ursula Peters: Moderne Zeiten. Die Sammlung zum 20. Jahrhundert, in Zusammenarbeit mit Andrea Legde, Nürnberg 2000 (Kulturgeschichtliche Spaziergänge im Germanischen Nationalmuseum, Bd.3), S.274-281.
  • Pierre Restany: Dani Karavan. Prestel, München 1992/1999 ISBN 3-7913-1211-1
  • Johannes Vesper: Dani Caravan, Retrospektive Berlin 2008, Musenblaetter 16. Juli 2008 [4]
  • Udo Weilacher: Harmonie und Zweifel - Dani Karavan (Interview), in: Udo Weilacher: Zwischen Landschaftsarchitektur und Land Art. Basel Berlin Boston 1999 ISBN 3-7643-6120-4
  • Udo Weilacher: Weiße Erinnerung auf grünem Grund. Garten der Erinnerung in Duisburg von Dani Karavan, in: Udo Weilacher: In Gärten. Profile aktueller europäischer Landschaftsarchitektur. Basel Berlin Boston 2005 ISBN 3-7643-7084-X

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dani Karavan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Hiltrud Kier: Reclams Städteführer. Architektur und Kunst. Köln. Philipp Reclam jun., Stuttgart 2008, ISBN 978-3-15-018564-3, S. 165.
  2. http://www.fotos-von-duesseldorf.de/detail.php?picture_id=7104
  3. Homepage des Deutschen Bundestages, abgerufen am 22. August 2013
  4. Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.socialtimes.de[3]
  5. Einweihung des Denkmals für die ermordeten Sinti und Roma. In: bundesregierung.de, 9. Oktober 2012, abgerufen am 24. Oktober 2012.
  6. Rede von Herrn Staatsminister Bernd Neumann anlässlich der Eröffnung der Dani Karavan Retrospektive im Martin-Gropius-Bau, 13. März 2008