King Vidor

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King Vidor in einem Film-Magazin (1919)
King Vidor

King Wallis Vidor (* 8. Februar 1894 in Galveston, Texas; † 1. November 1982 in El Paso de Robles, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Regisseur.

Karriere[Bearbeiten]

King Vidor wurde als Sohn eines wohlhabenden Holzhändlers geboren und überlebte als Kind den Galveston-Hurrikan von 1900. Schon früh vom neuen Medium des Kinos begeistert, begann er seine Karriere als freier Kameramann und heiratete 1915 die aufstrebende Filmschauspielerin Florence Vidor. Beide gingen nach Hollywood, wo seine Frau rasch zu einem bekannten Star aufstieg. King Vidor arbeitete in verschiedenen Positionen, ehe er als Regisseur bei Universal unter Vertrag kam. Seinen ersten abendfüllenden Spielfilm drehte er 1919 mit der Produktion von The Turn in the Road, für den er auch das Drehbuch schrieb. Kurze Zeit später gründete er sein eigenes Studio Vidor Village und drehte eine Reihe von kostengünstig hergestellten Melodramen, oft mit seiner Frau in der Hauptrolle. Der Erfolg von Peg o' My Heart aus dem Jahre 1922 verschaffte ihm einen Vertrag mit den alten Metro Studios, die 1924 zur MGM verschmolzen.

1925 wurde er durch den Kriegsfilm The Big Parade zum bekanntesten Filmregisseur von Hollywood. Kurz vorher hatte er sich von seiner Frau Florence scheiden lassen, um die Schauspielerin Eleanor Boardman zu heiraten. Die späteren Sorgerechtsstreitigkeiten um die beiden Töchter aus dieser Ehe sollten Vidor noch über gut zwei Jahrzehnte begleiten. Ein Jahr später wurde Vidor ausersehen, bei dem Debüt von Lillian Gish bei MGM, der opulenten Verfilmung von La Boheme Regie zu führen, in dem wieder John Gilbert die männliche Hauptrolle hatte. Mit The Crowd, der nach langer Drehzeit 1928 in den Verleih kam, etablierte sich Vidor als einer der innovativen Filmschaffenden der Industrie. Der Film erzählt die traurige Geschichte eines Ehepaares, das bei seinem Versuch, den amerikanischen Traum zu realisieren, scheitert. Die männliche Hauptrolle übernahm James Murray, dessen Alkoholsucht seine vielversprechende Karriere bald danach ruinierte.

Kurze Zeit später drehte Vidor drei sehr erfolgreiche Komödien mit Marion Davies, darunter Show People, einen seiner größten kommerziellen Erfolge. Sein Prestige war mittlerweile so groß, dass Studioboss Louis B. Mayer ihm völlig freie Hand bei der Wahl seines Tonfilmdebüts gab. Vidor wählte mit Hallelujah einen Stoff, der ausschließlich mit Afroamerikanern besetzt war und der zahlreiche innovative Möglichkeiten, die der Ton bei der Dramaturgie eröffnete, auslotete. Der Film war ein kommerzieller Reinfall, so dass Vidor in der Folgezeit einige künstlerisch weniger anspruchsvolle, doch finanziell erfolgreichen Filme drehte, wie Der Champ, der Wallace Beery einen Oscar als bester Hauptdarsteller einbrachte für seine Darstellung eines abgehalfterten Boxers, der seinem kleinen Sohn Jackie Cooper zuliebe ein Come-Back startet und am Ende im Ring stirbt. 1933 ließ er sich von seiner zweiten Frau scheiden und heiratete Elizabeth Hill, die sich später als Drehbuchautorin für einige seiner Filme betätigte und mit der er bis zu ihrem Tod 1978 zusammenblieb.

1934 drehte Vidor mit Unser tägliches Brot einen flammenden Appell für den sog. New Deal von Präsident Roosevelt mit seiner Schilderung einer idealen Gemeinschaft, die auf alle Ansätze des Kapitalismus verzichtet, um ihre Werte aus dem Gemeinschaftseigentum zu schöpfen. In den späteren Jahren war der Regisseur hauptsächlich mit kommerziellen Stoffen beschäftigt und seine Werke aus diese Zeit wie Stella Dallas von 1937 oder H.M. Pulham Esq. von 1941 waren intelligent in Szene gesetzte, handwerklich perfekt choreographierte Filme auf gehobenem Niveau, die anspruchsvolle Stoffe auch für breitere Gesellschaftsschichten akzeptabel auf die Leinwand brachten. Nach den anstrengenden Dreharbeiten zu Duell in the Sun, die sich über fast ein Jahr hinzogen und an die sich endlose Streitereien mit dem Zensor anschlossen, verebbte die Karriere von King Vidor einige Jahre in Mittelmäßigkeit. Erst mit der ernsthaften und intelligenten Adaption von Krieg und Frieden gewann er den Respekt der Kritiker zurück.

Zu Beginn der 1960er zog sich Vidor von der Leinwand zurück und begann an der UCLA Filmtheorie zu lehren. 1964 gewann er einen Spezialpreis beim Edinburgh Film Festival. 1980 wurde ihm schließlich ein Ehrenoscar für sein Gesamtwerk verliehen, nachdem er selber fünf Mal für den Oscar nominiert worden war.

Sein letzter Film aus dem Jahre 1980 war eine Dokumentation namens The Metaphor.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: King Vidor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien