Diekirch

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Diekirch
Wappen Karte
Wappen von Diekirch Lage von Diekirch im Großherzogtum Luxemburg
Basisdaten
Staat: Luxemburg
Koordinaten: 49° 52′ N, 6° 10′ O49.8686111111116.16Koordinaten: 49° 52′ 7″ N, 6° 9′ 36″ O
Distrikt: Diekirch
Kanton: Diekirch
Einwohner: 6649 (1. Januar 2014)[1]
Fläche: 12,4 km²
Bevölkerungsdichte: 535,3 Einw./km²
Gemeindenummer: 00002004
Website: www.diekirch.lu
Politik
Bürgermeister: Claude Haagen (LSAP)
Wahlsystem: Proporzwahl

Diekirch (luxemburgisch Dikrich, Dikrech, Dikkrich oder Dikkrech) ist eine Gemeinde sowie ein Kantonal- und Distriktshauptort im Großherzogtum Luxemburg. Außerdem bildet Diekirch zusammen mit den Gemeinden Bettendorf, Colmar-Berg, Ettelbrück, Erpeldingen und Schieren den Kern der Nordstad. Diese Region gilt neben den Städten Luxemburg und Esch an der Alzette als dritter Entwicklungspol des Großherzogtums.

Diekirch liegt an der Sauer am Rande der luxemburgischen Ardennen (Ösling).

Geschichte[Bearbeiten]

Alte Laurentiuskirche, uspr. ein Wirtschaftsgebäude der römischen Villa

Ihren Namen erhielt die Stadt alten Quellen zufolge, als Karl der Große gegen Ende des 8. Jahrhunderts Sachsen umsiedelte, um diese unter seine Kontrolle zu bringen. Einer der Mittelpunkte dieser Siedlungen soll sich in der Gegend von Diekirch befunden haben. Um die heidnischen Sachsen zum Christentum zu bekehren, wurde eine Kirche erbaut, durch die die Siedlung ihren Namen erhielt: Diet-Kirch (Volkskirche).[2] Zu altfränkisch thiuda (althochdeutsch: diot das Volk). Þeudō ist ein rekonstruiertes Wort aus dem Germanischen, das für die Etymologie des Begriffs Deutsch und der Namenkunde eine Rolle spielt. Im Zuge von umfangreichen Ausgrabungen in den 1960er Jahren konnte nachgewiesen werden, dass es sich bei der sog. Laurentiuskirche im Ursprung um ein römisches Gebäude handelt. Bereits zu Anfang des 20. Jahrhunderts stieß man nördlich des Stadtzentrum immer wieder auf Mauerreste und Mosaike. Archäologische Untersuchungen in den Jahren 1992–1993, 1999 und 2008 ermöglichen die Rekonstruktion einer großen römischen Axialhofvilla, die sich über den gesamten Bereich der mittelalterlichen Stadt erstreckte und zu Beginn des 5. Jahrhunderts aufgegeben wurde.

Ihre schwerste Zeit hatte die Stadt wie alle anderen Gemeinden des Öslings während des Zweiten Weltkrieges, als das Sauertal die Südflanke der Ardennenoffensive bildete. Bei den schweren Gefechten wurde das Zentrum fast vollständig zerstört.

Seit 1955 befindet sich in Diekirch der Stützpunkt der Luxemburger Armee.

Politik[Bearbeiten]

Diekirch ist der Sitz des für die nördlichen Kantone zuständigen Gerichts. Die nächsthöhere Instanz hat ihren Sitz in Luxemburg.

Diekirchs Herrenberg ist der einzige Militärstandort des Landes.

Partnerstädte[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Der Deiwelselter
Brunnen mit Dukatenesel
Eselsbrunnen in der Fußgängerzone (errichtet 1980)

Das Wahrzeichen der Stadt sind die Esel, und so findet man in der Fußgängerzone auch den von Bonifatius Stirnberg aus Aachen entworfenen Eselsbrunnen, durch den bei besonderen Anlässen Bier fließt.

Das bedeutendste Museum der Stadt ist das Nationale Militärgeschichtliche Museum mit Exponaten zur Ardennenoffensive, zu der Gefangenschaft Luxemburger Zwangsrekrutierter und der Gründung und den Aufgaben der Armee nach dem Krieg.

Neben dem Militärmuseum befinden sich in Diekirch auch das Nationale Museum Historischer Fahrzeuge, das Museum der Geschichte der Brauerei sowie das Geschichtsmuseum der Stadt Diekirch in welchem auch eines der in Diekirch gefundenen Römermosaiken aus dem 3. Jahrhundert ausgestellt ist. In unmittelbarer Nähe dazu befindet sich eine weitere bedeutende Sehenswürdigkeit, die alte St.-Laurenz-Kirche aus dem 6. Jahrhundert, zu deren Ehren das jährliche Volksfest Aal Dikrich stattfindet. Im Jahre 2005 wurde auch ein Bienenmuseum eröffnet. Ein lokales Museum, in dem auch die Mosaike in einem neuen Rahmen vorgestellt werden, befindet sich momentan im Bau.

Das älteste Monument in Diekirch ist der Deiwelselter, der Teufelsaltar. Bei dem sieben Meter hohen Torbogen handelt es sich aber nicht um einen Altar, sondern um ein 2000 v. Chr. entstandenes megalithisches Grab, das 1892 zerstört und zu einem Torbogen umgebaut wurde.

Diekirch war 1977 die erste Stadt Luxemburgs mit einer Fußgängerzone. Diese wird ähnlich wie Einkaufszentren oder manche U-Bahn-Stationen den ganzen Tag während der Geschäftszeiten über an den Häusern angebrachte Lautsprecher mit Musik beschallt.

Feste[Bearbeiten]

Es gibt eine Reihe bekannter Veranstaltungen, die in Diekirch abgehalten werden. Zu diesen gehören u. a.:

  • der Karnevalsumzug Cavalcade
  • die internationale Marschveranstaltung Marche de l’Armée
  • das Volksfest Al Dikrich

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Diekircher Bier[Bearbeiten]

Bierbrauen hat in Diekirch eine jahrhundertealte Tradition, wobei es in der Geschichte der Stadt schon verschiedene kleinere und mittlere Brauereien gab. Die heutige Brauerei entstand 1871 durch die Übernahme der alten Brauerei Drüssel durch eine neugegründete Aktiengesellschaft. Seither ist sie eine der wichtigsten Industriebetriebe und Arbeitgeber in der Gemeinde sowie die am meisten verbreitete Biermarke in Luxemburg. Im Jahr 2000 fusionierte die „Brasserie de Diekirch“ mit den „Brasseries réunies de Luxembourg“ zur „Brasserie de Luxembourg“. 2005 erfolgte dann die Eingliederung in den belgischen Konzern Interbrew (heute: Anheuser-Busch InBev).

Im Januar 2010 gab Anheuser-Busch InBev die Absicht bekannt, die Brauerei in Diekirch zu schließen und die komplette Produktion nach Belgien zu verlagern.[3]

Gegen diese Pläne formierte sich massiver Widerstand seitens Kunden, Bevölkerung, Gewerkschaften und Politik.[4] Eine durch Facebook ausgerufene Protestkundgebung mobilisierte über 1500 Teilnehmer, darunter auch etliche Politiker und Gewerkschafter, die sich der Aktion anschlossen.

Noch am Tag der Bekanntgabe reichte LSAP-Abgeordneter Claude Haagen eine parlamentarische Anfrage an Mittelstandsministerin Françoise Hetto ein, mit der Frage ob das Unternehmen Anheuser-Busch InBev überhaupt „Diekircher Bier“ in Belgien herstellen dürfe; oder es sich hier um eine „Appellation d’origine controlée“ (kontrollierte Herkunftsbezeichnung) handele.[5] Dieselbe Frage richtete auch der Grünen-Europaparlamentarier Claude Turmes an die Europäische Kommission.[6]

Die Gewerkschaften OGBL und LCGB bezweifeln nach ihrem ersten Gespräch mit der Betriebsleitung die wirtschaftliche Notwendigkeit der angekündigten Betriebsverlagerung.[7]

Die Betriebsgrundstücke werden von Saphir Capital Partners (60 %), CM (Claude Mack) Participations sowie der Familie Schneider gekauft und sodann an die Brasserie de Luxembourg Mousel Diekirch zurückgeleast.[8] Das Gesellschaftskapital der Saphir Capital Partners befindet sich zu gleichen Teilen in Händen der Edison Capital Partners, der Otago und der auf den britischen Jungferninseln in der Karibik eingetragenen ECP Holdings.[9]

Der ursprüngliche Sozialplan, welcher Entlassungen vorgesehen hatte, sollte in einen Plan zur Sicherung von Arbeitsplätzen umgewandelt werden.[10][11] Die Brauerei soll im Stadtgebiet in kleinerem Maßstab neu errichtet werden sowie der alte Standort für Immobilienprojekte genutzt werden. Die Transportdienste werden ausgelagert, wodurch im Unternehmen zwanzig Arbeitsplätze entfallen.[12]

Bildung[Bearbeiten]

In Diekirch befinden sich drei Schulen der Sekundarstufe: eine Hotelfachschule, das Lycée technique hotelier Alexis Heck (LTHAH), ein Gymnasium, das Lycée classique de Diekirch (LCD) und eine Mischschule, das Nordstad-Lycée.

In Diekirch befindet sich seit 2000 der internationale Dachverband European Association of Hotel and Tourism Schools, der die Hotel- und Tourismusfachschulen zusammenschließt.

Verkehr[Bearbeiten]

Diekirch ist heutiger Endbahnhof der Bahnstrecke Ettelbruck–Diekirch.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. STATEC Luxembourg – Population par canton et commune 1821–2014 (franz.)
  2. Vaterländliches Lesebuch für die luxemburger Volksschule 1885
  3. Brauerei Diekirch soll geschlossen werden. Luxemburger Wort, 7. Januar 2010. 19:04 Uhr
  4. 1.800 für den Erhalt der Diekircher Brauerei. Tageblatt, 11. Januar 2010.
  5. Diekirch – Appellation d'Origine? Luxemburger Wort, 8. Januar 2010 10:46 Uhr.
  6. Diekircher Bier: „Den Konsumenten nicht in die Irre führen“. Tageblatt, 12. Januar 2010.
  7. Brauerei Diekirch – Ein gesundes Unternehmen wird zerschlagen! OGBL Pressekommunikee, 8. Januar 2010; Jean Rhein: Diekirch: la direction «ne sait rien» Le Quotidien, 9. Januar 2010.
  8. Nicolas Raulot: Accord définitif pour Diekirch. paperjam, 1. Juli 2010.
  9. Ali Ruckert: Gelände und Gebäude der Brauerei Diekirch an »Saphir Capital Partners« verkauft. Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek, 2. Juli 2010.
  10. Brauerei Diekirch – Vernunft kehrt ein. Mitgeteilt von OGBL und LCGB am 18. März 2010.
  11. „Brasserie de Luxembourg“ unterschreibt Rahmenvertrag mit „Saphir Capital Partners“. Lëtzebuerger Journal 18. Mai 2010, [1][uid]=10387&cHash=274f7292db
  12. (hay), Neubau der Diekircher Brauerei geplant. Luxemburger Wort, 1. Juli 2010.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Diekirch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien