Dolní Dunajovice

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Dolní Dunajovice
Wappen von Dolní Dunajovice
Dolní Dunajovice (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihomoravský kraj
Bezirk: Břeclav
Fläche: 1796 ha
Geographische Lage: 48° 51′ N, 16° 35′ O48.85361111111116.582777777778183Koordinaten: 48° 51′ 13″ N, 16° 34′ 58″ O
Höhe: 183 m n.m.
Einwohner: 1.721 (1. Jan. 2014) [1]
Postleitzahl: 691 85
Kfz-Kennzeichen: B
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Josef Hasník (Stand: 2014)
Adresse: Zahradní 613
691 85 Dolní Dunajovice
Gemeindenummer: 584428
Website: www.dolni-dunajovice.cz

Dolní Dunajovice (deutsch Unter-Tannowitz) ist eine Gemeinde mit 1721 Einwohnern (Stand 1. Januar 2014) in Tschechien. Sie liegt in Südmähren, 7 km nordwestlich von Mikulov (Nikolsburg) nahe der österreichischen Grenze und gehört dem Okres Břeclav (Bezirk Lundenburg) an. 4 km nördlich des Orts befinden sich die Thaya-Stauseen von Nové Mlýny (Neumühl). Der Ort war als ein Längsangerdorf angelegt.

Geographie[Bearbeiten]

Die Nachbarorte von Unter-Tannowitz sind im Norden Horní Věstonice (Ober-Wisternitz), im Osten Perná (Bergen), im Südosten Bavory (Pardorf), im Südwesten Březí u Mikulova (Bratelsbrunn) und Dobré Pole (Guttenfeld) und im Westen Brod nad Dyjí (Guldenfurt).

Geschichte[Bearbeiten]

Ansichten von Untertannowitz

Die erste Erwähnung von Donavicz stammt aus dem Jahre 1183. Die bairisch-österreichische ui-Mundart (Dialekte) mit ihren speziellen Kennwörtern, wie Bui, Huit (Bub, Hut), weist auf eine Besiedlung durch bairische Stämme hin, die nach 1050, aber vor allem im 12/13. Jahrhundert erfolgte.[2] Bis Mitte des 13. Jahrhunderts gehörte der Ort zur Herrschaft Nikolsburg. Ab 1276 kam der Ort unter die Verwaltung des Klosters Kanitz. Dieses wurde im Jahre 1526 aufgelöst. Der böhmische König und spätere Kaiser Ferdinand I. verkaufte Unter-Tannowitz an den böhmischen Vizekanzler Ziabka von Limberg. Aus dem großen Angerdorf in der vom Weinbau geprägten Landschaft entwickelte sich im Jahre 1590 ein Marktflecken. Von 1542 bis 1591 befand sich eine Niederlassung der hutterischen Brüder in der Ortschaft, womit der Ort als lutherisch galt.

Nach mehreren Herrschaftswechseln kam der Ort im Jahre 1618 an Siegmund von Teuffenbach und somit unter die Herrschaft Dürnholz, welcher der Ort bis 1848 angehörte. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Ortschaft im August 1619 von kaiserlichen Truppen geplündert und gebrandschatzt. Nach dem Einsetzen der Gegenreformation wird im Jahre 1640 wieder ein katholischer Pfarrer in Unter-Tannowitz erwähnt. Im Jahre 1759 wird den Bauern der Anbau von Kartoffeln empfohlen, doch sie weigern sich, diese neue Frucht anzupflanzen. Erst eine Hungersnot, zwölf Jahre später, bringt die Bauern dazu, Kartoffeln zu stecken. Zwischen 1787 bis 1883 wüteten vier schwere Großbrände, fünfmal brach die Pest aus und zwei Hungersnöte setzten der Ortsbevölkerung arg zu. 1785 wird der Herrschaftliche Meierhof aufgelassen und dessen Grund an Ansiedler und Erbpächter übertragen. Während der Napoleonischen Kriege wird Unter-Tannowitz in den Jahren 1805 und 1809 von französischen Truppen geplündert. Im Deutsch-Österreichischen Krieg 1866, wird von preußischen Soldaten die Cholera in die Ortschaft eingeschleppt. Im Jahre 1878 wurde im Ort die Freiwillige Feuerwehr gegründet. Von 1911 bis 1912 wird die Haupt- und die Bahnhofstraße gepflastert.

Der größte Teil der Bevölkerung lebte von der Landwirtschaft, wobei der seit Jahrhunderten gepflegte Weinbau einen besonderen Stellenwert einnahm. So waren im Jahre 1900, trotz der vorherigen Reblausplage im Jahr 1864, ungefähr 50 % aller Anbauflächen für den Weinbau genutzt worden. Ebenso gab es neben dem üblichen Kleingewerbe eine Gemeindeziegelei, eine Kunstmühle, einen Kalkofen, eine Dampfmolkerei und eine Bauholzhandlung. Zusätzlich wurde die Jagd im Gemeindegebiet betrieben, welche sehr ergiebig war.[3]

Nach dem Ersten Weltkrieg zerfiel der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn. Der Friedensvertrag von Saint Germain, 1919,[4] erklärte den Ort, der 1910 ausschließlich von Deutschsüdmährern bewohnt war, zum Bestandteil der neuen Tschechoslowakischen Republik. 1922 erfolgte die Elektrifizierung des Ortes. Durch die Bodenreform und die Sprachenverordnung kam es durch Siedler und neu besetzte Beamtenposten zu einem vermehrten Zuzug von Personen tschechischer Nationalität.[5] Diese Maßnahmen verschärften die Spannungen zwischen der deutschen und tschechischen Bevölkerung. Als auch die von den Alt-Österreichern geforderte Autonomie nicht verhandelt wurde und bewaffnete Konflikte drohten, veranlassten die Westmächte die tschechische Regierung zur Abtretung der Randgebiete, die im Münchner Abkommen geregelt wurde, an Deutschland. Somit wurde Unter-Tannowitz mit 1. Oktober 1938 ein Teil des deutschen Reichsgaus Niederdonau.[6] Nach dem Münchner Abkommen 1938 gehörte der Ort bis 1945 zum Reichsgau Niederdonau.

Im Zweiten Weltkrieg hatte der Ort 280 Opfer zu beklagen. Nach dessen Ende, am 8. Mai 1945, wurden die im Münchener Abkommen an Deutschland übertragenen Territorien wieder der Tschechoslowakei zugeordnet. Nach Abzug der Rotarmisten wurde der Ort von ortsfremden Tschechen besetzt, die die Häuser der deutschen Bewohner in Besitz nahmen. Viele Deutschsüdmährer flohen vor den einsetzenden Drangsalierungen oder wurden über nahe Grenze nach Österreich vertrieben. Bei den Nachkriegsexzessen und der Vertreibung der deutschen Ortsbevölkerung kam es zu 15 Ziviltoten.[7] Eine juristische Aufarbeitung der Geschehen hat nicht stattgefunden. Das Beneš-Dekret 115/46 (Amnestiegesetz) erklärt Handlungen bis 28. Oktober 1945 im Kampfe zur Wiedergewinnung der Freiheit..., oder die eine gerechte Vergeltung für Taten der Okkupanten oder ihrer Helfershelfer zum Ziel hatte, ...'für nicht widerrechtlich. Beim Versuch einer Nachkriegsordnung nahmen die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges am 2. August 1945 im Potsdamer Protokoll, Artikel XIII, zu den laufenden wilden Vertreibungen der deutschen Bevölkerung konkret nicht Stellung. Explizit forderten sie jedoch einen „geordneten und humanen Transfer" der "deutschen Bevölkerungsteile", die „in der Tschechoslowakei zurückgeblieben sind“.[8][9] Zwischen März und Oktober 1946 erfolgte die Zwangsaussiedlung von 1489 Unter-Tannowitzern.[10] 5 Personen verblieben im Ort, der wieder aufgesiedelt wurde. Gemäß dem Beneš-Dekret 108 wurden das Vermögen der deutschen Einwohner sowie das öffentliche und kirchliche deutsche Eigentum konfisziert und unter staatliche Verwaltung gestellt. Bis auf 50 Familien wurden alle der nach Österreich wild vertriebenen Unter-Tannowitzer in Übereinstimmung mit den ursprünglichen Überführungs-Zielen der Alliierten nach Deutschland weiter transferiert.[11] Einzelne Personen wanderten nach Belgien, Holland, Schweden, Kanada, Australien und den USA aus. Fünf Personen verblieben im Ort.[12]

Die Matriken wurden ab dem Jahr 1750 geführt.[13] Grundbücher werden ab 1635 geführt.

Wappen und Siegel[Bearbeiten]

Die Ortschaft dürfte bereits seit der Markterhebung im Jahre 1580 ein Siegel geführt haben, dieses älteste Siegel konnte jedoch bis heute nicht aufgefunden werden. Nur eine Kopie des Siegel hat sich erhalten. Es zeigt einen Baum, zwischen zwei Türmen, unter dem Baum ist ein Rebmesser abgebildet.

1580 erhielt die Marktgemeinde ein Wappen. Dieses bezog sich auf die Herrschaft von den Herren von Thurn und Valsassina, die einen Zinnenturm in ihren Wappen trugen. Schließlich erhielt Unter-Tannowitz ein Wappen, das eine grüne Tanne auf einem grünen Hügel zwischen zwei roten Zinnentürmen zeigte. Auch hier war unterhalb der Tanne ein silbernes Rebmesser abgebildet.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Volkszählung Einwohner gesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Deutsche Tschechen Andere
1793 2035
1836 2556
1869 2473
1880 2568 2556 10 2
1890 2664 2652 11 1
1900 2571 2571 0 0
1910 2690 2689 0 1
1921 2573 2515 28 30
1930 2778 2676 65 37
1939 2796
Quelle: 1793, 1836, 1850 aus: Südmähren von A-Z, Frodl, Blaschka
Sonstige: Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960, sv.9. 1984

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Kirche von St. Aegidius (tschechisch: Svatý Jiljí, davor St. Martin) (1400)
  • Dreifaltigkeitssäule
  • Pestsäule auf dem Rochusberg
  • Rathaus (1880)
  • Gasthof zum Weißen Rössel (1549)
  • Pranger (1581)
  • Kriegerdenkmal (1925)
  • Gedenkstein für Rudolf von Teuffenbach (1936)
  • Denkmal für Bürgermeister Johann Hemmel

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

  • Karl Renner, österreichischer Staatskanzler und Bundespräsident
  • Karl Gamperling, Generaldirektor der österreichischen Zentralbank
  • Josef Ringler, Zeichner, Maler und Ehegatte der Dichterin Ilse Ringler-Kellner
  • Hans Lederer (1914-2007), Heimatforscher und Südmährischer Kulturpreisträger 1996
  • Franz Gerstenbrand (*1924), Neurologe und südmährischer Kulturpreisträger 2002

Brauchtum[Bearbeiten]

Reiches Brauchtum bestimmte den Jahresablauf der 1945/46 vertriebenen, deutschen Ortsbewohner:

  • Die zwei Jahrmärkte waren am Montag nach dem 23. April und nach Lucia (13.12.)
  • Ebenso gab es den Brauch der Faschingsreben. Hierbei wurden den Bauern von Weingartenarbeitern vorgetriebene Weinreben übergeben.
  • Die Unter-Tannowitzer hatten den Spitznamen "Krotenschnitzer". Dieser Ausdruck dürfte aufgrund der vielen Kröten im Sumpfgebiet, dem Retzbach und den fünf Teichen im Ortsgebiet entstanden sein.[14]

Sagen aus dem Ort[Bearbeiten]

Unter den deutschen Ortsbewohnern gab es eine Vielzahl von Mythen:

  • Das Teuffenbach-Läuten
  • Der Löwe von Untertannowitz[15]

Literatur und Quellen[Bearbeiten]

  • Franz Josef Schwoy: Topographie vom Markgrafthum Mähren. 1793, Untertannowitz Seite 91
  • Johann Zabel: Kirchlicher Handweiser für Südmähren. 1940, Untertannowitz Seite 21
  • Dehio, Ginhart: Handbuch der Kunstdenkmäler in der Ostmark. 1942, Untertannowitz Seite 470
  • Josef Freising: Heimatbuch der Gemeinde Unter-Tannowitz. 1952
  • Josef Freising: Heimatbuch der Marktgemeinde Unter-Tannowitz. 1966
  • Leopold Kleindienst: Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens ISBN 3-927498-092
  • Ilse Tielsch-Felzmann: Südmährische Sagen. 1969, München, Verlag Heimatwerk
  • Wenzel Max: Thayaland, Volkslieder und Tänze aus Südmähren, 1984, Geislingen/Steige
  • Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren. Maurer, Geislingen/Steige 1990, ISBN 3-927498-13-0, Untertannowitz Seite 17
  • Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden. Knee, Wien 1992, ISBN 3-927498-19-X, Untertannowitz Seite 231f
  • Emilia Hrabovec: Vertreibung und Abschub. Deutsche in Mähren 1945 – 1947, Frankfurt am Main/ Bern/ New York/ Wien (=Wiener Osteuropastudien. Schriftenreihe des österreichischen Ost- und Südosteuropa Instituts), 1995 und 1996
  • H. Lederer, F. Gamperling: Unter-Tannowitz 2000. 1999
  •  Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 231, 234, 376, 406, 409, 411, 421-423, 425, 427, 431, 510, 573, 575 (Untertannowitz).
  • Gerald Frodl, Walfried Blaschka: Der Kreis Nikolsburg von A-Z. 2006, Unter-Tannowitz Seite 191

Weblinks[Bearbeiten]

Belege[Bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB)
  2. Leopold Kleindienst: Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens, 1989, S. 9
  3. Wilhelm Szegeda: Heimatkundliches Lesebuch des Schulbezirks Nikolsburg, 1935, approbierter Lehrbehelf, Lehrerverein Pohrlitz Verlag, Unter Tannowitz S. 82f
  4. Felix Ermacora: Der unbewältigte Friede: St. Germain und die Folgen; 1919 -1989 , Amalthea Verlag, Wien, München, 1989, ISBN 3-85002-279-X
  5. Johann Wolfgang Brügel: Tschechen und Deutsche 1918 – 1938, München 1967
  6. Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Znaim von A bis Z, 2009
  7. Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Nikolsburg von A-Z, Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige, 2006, S. 216
  8. Charles L. Mee: Die Potsdamer Konferenz 1945. Die Teilung der Beute. Wilhelm Heyne Verlag, München 1979. ISBN 3-453-48060-0.
  9. Milan Churaň: Potsdam und die Tschechoslowakei. 2007, ISBN 978-3-9810491-7-6.
  10. Archiv Mikulov, Odsun Němců – transport odeslaný dne 20. kvĕtna, 1946,
  11. Cornelia Znoy: Die Vertreibung der Sudetendeutschen nach Österreich 1945/46, Diplomarbeit zur Erlangung des Magistergrades der Philosophie, Geisteswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien, 1995
  12.  Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 234f (Untertannowitz).
  13. Acta Publica Registrierungspflichtige Online-Recherche in den historischen Matriken des Mährischen Landesarchivs Brünn (cz,dt). Abgerufen am 10. April 2011.
  14. Blaschka, Frodl: Der Kreis Nikolsburg von A bis Z, 2006, S. 194
  15. Oberleitner/Matzura: Südmährische Sagen, 1921, S. 119f