Dobré Pole

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Dobré Pole
Wappen von Dobré Pole
Dobré Pole (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihomoravský kraj
Bezirk: Břeclav
Fläche: 698 ha
Geographische Lage: 48° 50′ N, 16° 33′ O48.83083333333316.545277777778186Koordinaten: 48° 49′ 51″ N, 16° 32′ 43″ O
Höhe: 186 m n.m.
Einwohner: 433 (1. Jan. 2014) [1]
Postleitzahl: 691 81
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Bohumil Ott (Stand: 2006)
Adresse: Dobré Pole 1
691 81 Březí u Mikulova
Gemeindenummer: 584410
Website: www.dobrepole.cz

Dobré Pole (deutsch Guttenfeld, kroatisch Dobro Polje) ist eine Gemeinde mit 433 Einwohnern (1. Januar 2014) im Okres Břeclav (Bezirk Lundenburg) in der Region Südmähren, Tschechien.

Geographie[Bearbeiten]

Sie liegt im Weinbaugebiet 8 km nordwestlich von Mikulov (Nikolsburg) in Südmähren an der Bahnlinie Břeclav-Znojmo (Lundenburg-Znaim). 1 km südlich verläuft die österreichische Grenze. Der Ort ist als ein Breitstraßendorf angelegt.

Die Nachbarorte sind im Osten Březí (Bratelsbrunn) und im Westen Novosedly na Moravě (Neusiedl am Sand).

Geschichte[Bearbeiten]

Der zur Herrschaft Dürnholz gehörende Ort wurde 1335 in einer Liechtenstein-Urkunde unter den Namen „Guetenvelde“ erstmals erwähnt. Weitere Namensformen waren „Guetenveld“ (1414) und „Gutenvelt“ (1455). Mit den dazugehörigen Ortschaften, also auch Guttenfeld, verkaufte 1578 Hartmann von Liechtenstein Dürnholz an Christoph von Teuffenbach. Dieser besiedelte den inzwischen verödeten Ort 1583 mit aus ihrer Heimat vor den Türken geflohenen Kroaten. Als eigenständige Volksgruppe konnten sie bis 1947/48 bestehen bleiben. Die Matriken werden seit 1686 und Grundbücher seit 1784 geführt.[2]

Die kroatische Bevölkerungsgruppe behielt über Jahrhunderte ihre Identität und ihre Bräuche bei. Zwar bedienten sie sich der deutschen Umgangssprache, doch wurde Kroatisch weiterhin gesprochen und den Kindern gelehrt.[3] Der deutsche Teil der Bevölkerung sprach die bairisch-österreichische ui- Mundart mit ihren speziellen Bairischen Kennwörtern, welche aus dem süddeutschen bzw. österreichischen Raum stammte.[4]

Im 19. Jahrhundert gab es in den Jahren 1868, 1874 und 1882 große Brände im Ort. Aus diesem Grund wurden fast alle Gebäude mit Ziegel eingedeckt. Als Lehre aus diesen Bränden wurde im Jahre 1884 eine Freiwillige Feuerwehr gegründet. Das Schulgebäude, welches 1809 gebaut worden ist, wurde im Jahre 1881 aufgestockt und renoviert. Ebenso erhielt Guttenfeld durch den Ausbau des Bahnnetzes in Österreich-Ungarn im Jahre 1890 eine Haltestelle an der Strecke Lundenburg-Znaim. Der größte Teil der Bevölkerung lebte von der Landwirtschaft, wobei der seit Jahrhunderten gepflegte Weinbau eine besondere Stellung einnahm. Die Reblausplage, um 1900, vernichtete jedoch einen Großteil der Weinbauflächen, so dass bis 1945 fast nur noch für den Eigenbedarf angebaut wurde.[5] Neben einem florierenden Kleingewerbe gab es noch eine Raiffeisenkassa und eine Milchgenossenschaft in Guttenfeld.

Nach dem Ersten Weltkrieg zerfiel der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn. Einer der Nachfolgestaaten Österreich-Ungarns war die Tschechoslowakei, die jene deutschsprachigen Gebiete Böhmens, Mährens und Schlesiens für sich beanspruchte, die seit Ende 1918 als Deutschösterreich galten. Anfang 1919 wurde der Ort von tschechischen Truppen besetzt. Der Vertrag von Saint-Germain[6] 1919, erklärte diese strittigen Territorien und damit Guttenfeld, dessen Bewohner im Jahre 1910 zu fast 81 % der deutschen und zu 14 % der kroatischen Bevölkerungsgruppe angehörten, zum Bestandteil der neuen Tschechoslowakischen Republik. Daraufhin kam es zu einem verstärkten Zuzug von Arbeitern und Beamten tschechischer Sprachzugehörigkeit.[7] Die deutsche Schule wurde geschlossen, woraufhin die Kinder in Bratelsbrunn eingeschult wurden. Dafür wurde im Jahre 1919 eine tschechische Minderheitenschule eingerichtet. Im Jahre 1930 wurde das Gemeindegebiet entwässert. Maßnahmen wie die Bodenreform und die Sprachenverordnung, welche helfen sollten, Tschechen in den deutschen Gemeinden anzusiedeln, verschärften diese Spannungen noch. Als auch die von den Deutschsprachigen geforderte Autonomie nicht verhandelt wurde und bewaffnete Konflikte drohten, veranlassten die Westmächte die tschechische Regierung zur Abtretung der Randgebiete, die im Münchner Abkommen geregelt wurde, an Deutschland. Somit wurde Guttenfeld mit 1. Oktober 1938 ein Teil des deutschen Reichsgaus Niederdonau.

Im Zweiten Weltkrieg hatte der Ort 41 Opfer zu beklagen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges (8. Mai 1945) wurde der Forderung der ČSR-Regierung Beneš durch die Siegermächte entsprochen und die im Münchener Abkommen (1939) an Deutschland übertragenen Territorien, im Rückgriff auf den Vertrag von Saint-Germain (1919), wieder der Tschechoslowakei zugeordnet. In den Folgemonaten wurden die Häuser der deutschen Bewohner von tschechischen "Hausverwaltern" in Besitz genommen und 35 Familien über die Grenze nach Österreich vertrieben. Bei den einsetzenden Schikanen und Folterungen durch tschechische Milizen kam es zu vier Ziviltoten. Eine juristische Aufarbeitung der Geschehen hat nicht stattgefunden. Das Beneš-Dekret 115/1946 (Straflosstellungsgesetz) erklärt Handlungen bis 28. Oktober 1945 im Kampfe zur Wiedergewinnung der Freiheit..., oder die eine gerechte Vergeltung für Taten der Okkupanten oder ihrer Helfershelfer zum Ziel hatte, … für nicht widerrechtlich. Im August 1945 bestimmten die Siegermächte im Potsdamer Kommuniqués (Konferenz)[8] die Nachkriegsordnung. Die laufende, kollektive Vertreibung der deutschen Bevölkerung wurde darin nicht erwähnt, jedoch explizit ein „ geordneter und humaner Transfer" der "deutschen Bevölkerungsteile", die in der Tschechoslowakei zurückgeblieben sind, verlangt. Zwischen dem 15. März und dem 3. Oktober 1946 wurden 74 Personen nach Westdeutschland zwangsausgesiedelt.[9][10] Von den 1583 angesiedelten kroatische Familien verblieben 78 im Ort. Am Beginn der kommunistischen Ära (ab 1948) wurden sie als zu deutschfreundlich dargestellt und weitgehend nach Nordmähren zwangsumgesiedelt. Alles private und öffentliche Vermögen der deutschen Ortsbewohner wurde durch das Beneš-Dekret 108 konfisziert, das Vermögen der evangelischen Kirche durch das Beneš-Dekret 131 liquidiert und die katholische Kirche in der kommunistischen Ära enteignet. Eine Restitution ist seitens der Tschechischen Republik nicht erfolgt.

In Übereinstimmung mit den ursprünglichen Transfermodalitäten des Potsdamer Kommuniques verlangte im Jänner 1946 die Rote Armee den Abschub aller Volksdeutschen aus Österreich nach Westdeutschland. Drei Einwohner aus Guttenfeld wanderten nach Australien, zwei in die USA und eine nach Kanada aus.[11]

Die kroatische Bevölkerung wurde von der tschechischen Regierung zu unzuverlässigen Elementen erklärt und 1947/48 in das Landesinnere deportiert.[12] Der Ort wurde daraufhin mit slowakischen Einwanderern neu besiedelt.[13]

Wappen und Siegel[Bearbeiten]

Seit Mitte des 17. Jahrhunderts hat Guttenfeld ein Gemeindesiegel. Das Siegelbild zeigt ein Herz mit drei heraussprießenden Blüten zwischen lanzettförmigen Blättern. Das Herz ist weiter von drei kleinen Kreuzen umgeben.[14]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Volkszählung Häuser Einwohner insgesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Deutsche Tschechen Kroaten
1793 62 306      
1836 97 599      
1869 117 635      
1880 112 657 215 0 438
1890 134 678 637 38 3
1900 138 697 566 28 103
1910 142 700 573 26 101
1921 144 696 311 136 249
1930 160 699 156 216 327
1939   595      
Quelle: 1793, 1836, 1850 aus: Frodl, Blaschka: Südmähren von A-Z. 2006
Sonstige: Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960, sv.9. 1984

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Pfarrkirche St. Cäcilia (1653, renoviert 1852)
  • Schulgebäude (1809)
  • Pfarrhaus (1790)

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten]

  • Walter Hülse (1887-1958), deutscher Mediziner und von 1945 bis 1946 Vizepräsident der Provinz Sachsen

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz Josef Schwoy: Topographie vom Markgrafthum Mähren. 1793, Guttenfeld Seite 130
  • Liechtenstein Archiv Wien/Vaduz
  • Gemeindearchiv Guttenfeld (Grundbuch von 1784)
  • Johann Zabel: Kirchlicher Handweiser für Südmähren. 1940, Guttenfeld Seite 17
  • Walter Schneefuss: Die Kroaten und ihre Geschichte, Wilhelm Goldmann Verlag in Leipzig, 1942
  • Anton Kreuzer: Die Kroatensiedlungen in Südmähren. 1968
  • Wilhelm Kuretz: Guttenfeld, Ehrenbuch der Gefallenen beider Weltkriege.
  • Gerald Frodl: Geschichte der Marktgemeinde Dürnholz und des ehemaligen Herrschaftsgebietes. Bd. 1-2, 1970
  • Wenzel Max: Thayaland, Volkslieder und Tänze aus Südmähren, 1984, Geislingen/Steige
  • Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden. 1992, Guttenfeld Seite 85f
  • Gerald Frodl, Walfried Blaschka: Der Kreis Nikolsburg von A-Z. 2006, Guttenfeld Seite 95f
  •  Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB)
  2. Gerald Frodl: Geschichte der Marktgemeinde Dürnholz und des ehemaligen Herrschaftsgebietes, S. 140
  3. F.Held: Das deutsche Sprachgebiet von Mähren und Schlesien, 1888, S. 5
  4. Leopold Kleindienst: Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens, 1989, S. 9
  5. Hans Zuckriegl: Ich träum' von einem Weinstock, Kapitel 7, s. 262
  6. Felix Ermacora: Der unbewältigte Friede: St. Germain und die Folgen; 1919 -1989 , Amalthea Verlag, Wien, München, 1989, ISBN 3-85002-279-X
  7. Johann Wolfgang Brügel: Tschechen und Deutsche 1918 – 1938, München 1967
  8. Charles L. Mee: Die Potsdamer Konferenz 1945. Die Teilung der Beute. Wilhelm Heyne Verlag, München 1979. ISBN 3-453-48060-0.
  9. Archiv Mikulov : Odsun Němcå – transport odeslaný dne 20. kvĕtna, 1946
  10. Wilhelm Jun/ Ludislava Šuláková: Die Problematik des Abschubs der Deutschen in den Akten des Volksausschusses (MNV) und des Bezirks-Volksausschusses (ONV) Nikolsburg. Verlag Maurer, Südmährisches Jahrbuch 2001, S. 45, ISSN 0562-5262
  11. Cornelia Znoy: Die Vertreibung der Sudetendeutschen nach Österreich 1945/46, Diplomarbeit zur Erlangung des Magistergrades der Philosophie, Geisteswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien, 1995
  12.  Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 234 (Guttenfeld). S.
  13. Nikolaus Wilhelm-Stempin: Das Siedlungsgebiet der Burgenlandkroaten: In Österreich, Ungarn, Mähren und der Slowakei S. 39
  14. Die Landtafeln des Markgrafentums Mähren Band III, S. 74