Popice

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Popice (Begriffsklärung) aufgeführt.
Popice
Wappen von Popice
Popice (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihomoravský kraj
Bezirk: Břeclav
Fläche: 999 ha
Geographische Lage: 48° 56′ N, 16° 40′ O48.92722222222216.671111111111188Koordinaten: 48° 55′ 38″ N, 16° 40′ 16″ O
Höhe: 188 m n.m.
Einwohner: 955 (1. Jan. 2014) [1]
Postleitzahl: 691 27
Kfz-Kennzeichen: B
Verkehr
Straße: Vranovice - Hustopeče
Bahnanschluss: BrnoBřeclav
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Josef Urbánek (Stand: 2008)
Adresse: Hlavní 62
691 27 Popice
Gemeindenummer: 584819
Website: www.popice.iol.cz
Kirche St. Andreas

Popice (deutsch Poppitz) ist eine Gemeinde in der Region Südmähren in Tschechien. Die Ortschaft liegt 24 Kilometer nordwestlich von Břeclav und gehört zum Okres Břeclav. der Ort ist als ein Breitstraßendorf angelegt.

Geographie[Bearbeiten]

Das Dorf befindet sich am Fuße des Žlutý kopec (291 m) in der Talmulde des Popický potok.

Nachbarorte sind Uherčice im Norden, Starovice (Groß-Steurowitz) und Hustopeče (Auspitz) im Nordosten, Šakvice im Südosten, Strachotín (Tracht) im Süden sowie Pouzdřany (Pausram) im Westen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Ortschaft ist erstmals 1291 urkundlich erwähnt. Die bairisch-österreichische ui-Mundart (Dialekte) mit ihren speziellen Kennwörtern, wie Bui, Huit (Bub, Hut), weist auf eine Besiedlung durch bairische Stämme hin, die nach 1050, aber vor allem im 12./13. Jahrhundert erfolgte.[2] Später wurde Poppitz zusammen mit dem Ort Pausram von Heinrich II. von Liechtenstein an das Kloster Kanitz. Nach der Auflösung des Klosters und den Zurückkauf von Poppitz durch die Familie Liechtenstein gehörte der Ort von 1414 bis 1848 zur Herrschaft Nikolsburg. Während der Hussitenkriege wurde der Ort im Jahre 1426 von Hussiten verwüstet.

In den Jahre 1541 lassen sich die Täufer in Poppitz nieder, wodurch die Ortschaft als evangelisch galt. Nach dem Sieg der kaiserlichen Truppen in der Schlacht am Weißen Berg am Anfang des Dreißigjährigen Krieges setzte die Gegenreformation in Mähren ein. Daraufhin wurden die Täufer im Jahre 1622 des Landes verwiesen. Die meisten zogen nach Siebenbürgen weiter.[3] Während des Krieges wird Poppitz im Jahre 1621 von den Ungarn und 1645 von den Schweden unter Lennart Torstensson heimgesucht. Aufgrund der Bedeutung des Weinbaus in Poppitz erhielt der Ort im Jahre 1637 eine eigene Bergordnung. Durch den Bau eines Bahnhofs im Jahre 1839 erhält Poppitz einen Anschluss an das Bahnnetz. Im Jahre 1860 wird der Ort eine selbstständige Pfarre. Die Schule, welche 1621 erstmals erwähnt wird, wird im Jahre 1984 auf vier Klassen ausgebaut. Eine Freiwillige Feuerwehr wird im Jahre 1898 gegründet. Die Bevölkerung lebte größtenteils von der Vieh- und Landwirtschaft, wobei der Weinbau, für den 1/4 aller Anbauflächen genutzt worden ist, eine besondere Stellung einnahm. Angebaut wurden neben verschiedenen Getreidesorten auch diverse Obstsorten. Die Jagd auf Hirsche, Rehe, Hasen, Fasane und Rebhühner am Gemeindegebiet war ebenso einträglich. Ebenso gab es neben dem üblichen Kleingewerbe eine Mühle und eine Ziegelei in Poppitz.

Matriken werden seit 1691 geführt. Alle Geburts-, Trauungs- und Sterbematriken bis zum Jahre 1949 befinden sich im Landesarchiv Brünn.[4] Grundbücher werden seit 1853 geführt.

Einer der Nachfolgestaaten Österreich-Ungarns nach dem Ersten Weltkrieg, 1914–1918, war die Tschechoslowakei, die jene deutschsprachigen Gebiete Böhmens, Mährens und Österreichisch-Schlesiens für sich beanspruchte, die ab Ende 1918 als Deutschösterreich galten. Der Vertrag von St. Germain[5] sprach diese strittigen Territorien gegen den Willen der dortigen deutschen Bevölkerung der Tschechoslowakei zu. Damit fiel auch Poppitz, dessen Bewohner 1910 zu 99,5 % Deutschmährer waren, an den neuen Staat. Maßnahmen folgten wie die Bodenreform und die Sprachenverordnung, wodurch es durch Siedler und neu besetzte Beamtenposten zu einem vermehrten Zuzug von Personen tschechischer Nationalität kam.[6] Elektrifizierung des Ortes wird im Jahre 1927 durchgeführt. In Folge des Münchner Abkommens wurde Poppitz zum 1. Oktober 1938 ein Teil des deutschen Reichsgaus Niederdonau. Am 1. April 1939 wurde Poppitz mit Deutsch-Konitz zur Gemeinde Waldberg vereinigt.

Am 14. April 1945 wurde der Ort von sowjetischen Soldaten besetzt, dabei kam es zu schweren Ausschreitungen gegen die Zivilbevölkerung und in der Folge zu Ziviltoten. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges (8. Mai 1945), der 74 Opfer forderte, kam die Gemeinde wieder zur Tschechoslowakei zurück. Nach dem Abzug der Roten Armee besetzten tschechische „Hausverwalter“ die Häuser der deutschen Bewohner, später auch Legionäre aus Bessarabien. Es kam zu Misshandlungen, an denen eine Frau verstarb. [7] Beim Versuch einer Nachkriegsordnung nahmen die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges am 2. August 1945 im Potsdamer Protokoll, Artikel XIII, zu den laufenden „wilden“ Vertreibungen der deutschen Bevölkerung konkret nicht Stellung. Explizit forderten sie jedoch einen „geordneten und humanen Transfer" der "deutschen Bevölkerungsteile", die „in der Tschechoslowakei zurückgeblieben sind“. [8] [9] Bis auf 28 Ortsbewohner wurden zwischen April und September 1946 alle Deutschsüdmährer [10] "offiziell" zwangsausgesiedelt. Aufgrund des Beneš-Dekretes 108 wurde das gesamte Vermögen der deutschen Einwohner sowie das öffentliche und kirchliche deutsche Eigentum konfisziert und unter staatliche Verwaltung gestellt. Es erfolgte keine Abgeltung für das eingezogene Vermögen.

In Übereinstimmung mit den ursprünglichen Überführungs-Zielen der Potsdamer Erklärung verlangte die Rote Armee den Abschub aller Sudetendeutschen aus Österreich nach Westdeutschland.[11] Von den Vertriebenen konnten trotzdem 104 Poppitzer in Österreich verbleiben, die restlichen 1200 Personen wurden nach Deutschland weiter transferiert. Je zwei Personen wanderten in die USA und Australien aus.[12]

Wappen und Siegel[Bearbeiten]

Das Siegel der Ortschaft wechselte im Laufe der Jahrhunderte. Das ursprüngliche Siegel zeigte einen Pflug, der durch ein Winzermesser (1750) und später durch einen Löwen mit einer Traube (19. Jahrhundert) ersetzt wurde.[13]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Volkszählung Häuser Einwohner insgesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Deutsche Tschechen andere
1793 180 924      
1836 192 1252      
1869 259 1361      
1880 260 1421 1411 10 0
1890 274 1478 1476 1 1
1900 286 1359 1356 2 1
1910 289 1366 1363 2 1
1921 292 1369 1302 32 35
1930 316 1376 1266 78 32
1939   1223      
Quelle: 1793, 1836, 1850 aus: Frodl, Blaschka: Südmähren von A-Z. 2006
Sonstige: Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960, sv.9. 1984

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Kirche St. Andreas (1696), Kupferturm (1863),
  • Rosalienkapelle (1717)
  • Marienkapelle (1815)
  • Bildstock (16. Jahrhundert)
  • Statue des Hl. Florian (2. Hälfte des 17. Jahrhunderts)
  • Statue der Dreifaltigkeit (1867)
  • Rathaus (1794, Neubau 1906)
  • Kriegerdenkmal (1933)

Sagen aus dem Ort[Bearbeiten]

Unter den deutschen Ortsbewohnern gab es eine Vielzahl von Mythen:

  • Die Schatzhüterin[14]

Quellen[Bearbeiten]

  • Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren., Poppitz: S.31; C. Maurer Verlag, Geislingen/Steige 1990, ISBN 3-927498-13-0
  • Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden., Poppitz, S.189f, Josef Knee,Wien 1992, ISBN 3-927498-19-X
  •  Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 212, 406, 407, 409, 424, 573 (Poppitz).
  • Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Nikolsburg von A bis Z, Poppitz, S.172f, Südmährischen Landschaftsrat, Geislingen/Steige 2006

Literatur[Bearbeiten]

  • Matthias Krebs: Heimat Südmähren - Sonnenland an der Thaya. 1955 ISBN 3-927498-11-4
  • Franz Josef Schwoy: Topographie vom Markgrafthum Mähren. 1793, Poppitz Seite 305
  • Dehio/Ginhart: Handbuch der Kunstdenkmäler in der Ostmark. 1942, Poppitz Seite 378
  • Gustav Gregor: Geschichte der Gemeinde Poppitz. 1959
  • Ilse Tielsch-Felzmann: Südmährische Sagen. 1969, München, Verlag Heimatwerk
  • Wenzel Max: Thayaland, Volkslieder und Tänze aus Südmähren, 1984, Geislingen/Steige
  • Gerhard Haas: Aus der Geschichte des Dorfes Poppitz. 1981
  • Gerhard Haas: Besondere Dialektwörter aus der Umgangssprache des Dorfes Poppitz und Auspitz. 1982
  • Luise Haas, Gerhard Haas: Dorfgeschichte von Poppitz.
  • Felix Ermacora: Die sudetendeutschen Fragen. Rechtsgutachten. Langen Müller Verlag, 1992. ISBN 3-7844-2412-0
  • Peter Glotz: Die Vertreibung, Ullstein, Hamburg 2003, ISBN 3-550-07574-X

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Popice – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB)
  2. Leopold Kleindienst:Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens, 1989, S. 9
  3. Bernd Längin:Die Hutterer, 1986, S.237
  4. Acta Publica Registrierungspflichtige Online-Recherche in den historischen Matriken des Mährischen Landesarchivs Brünn (cz,dt). Abgerufen am 13. März 2011.
  5. Felix Ermacora: Der unbewältigte Friede: St. Germain und die Folgen; 1919 -1989 , Amalthea Verlag, Wien, München, 1989, ISBN 3-85002-279-X
  6. Wolfgang Brügel: Tschechen und Deutsche 1918 – 1938, München 1967
  7. Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band III. Maurer, Geislingen/Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0,
  8. Charles L. Mee: Die Potsdamer Konferenz 1945. Die Teilung der Beute. Wilhelm Heyne Verlag, München 1979. ISBN 3-453-48060-0.
  9. Milan Churaň: Potsdam und die Tschechoslowakei. 2007, ISBN 978-3-9810491-7-6.
  10.  Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 605 (Vertreibungstransporte aus dem Kreis Znaim).
  11. Cornelia Znoy:Die Vertreibung der Sudetendeutschen nach Österreich 1945/46, Diplomarbeit zur Erlangung des Magistergrades der Philosophie, Geisteswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien, 1995
  12.  Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 212f (Poppitz).
  13. Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden, 1992, Poppitz S. 184
  14. Oberleitner/Matzura: Südmährische Sagen, 1921, S.122