Dolní Věstonice

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Dolní Věstonice
Wappen von Dolní Věstonice
Dolní Věstonice (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihomoravský kraj
Bezirk: Břeclav
Fläche: 876 ha
Geographische Lage: 48° 53′ N, 16° 39′ O48.88777777777816.649166666667174Koordinaten: 48° 53′ 16″ N, 16° 38′ 57″ O
Höhe: 174 m n.m.
Einwohner: 322 (1. Jan. 2014) [1]
Postleitzahl: 691 29
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Jiří Klanica (Stand: 2006)
Adresse: Dolní Věstonice 7
691 29 Dolní Věstonice
Gemeindenummer: 584436
Website: www.obecdolnivestonice.cz

Dolní Věstonice (deutsch Unter-Wisternitz) ist heute eine Gemeinde mit 322 Einwohnern (Stand 1. Januar 2014) in der Südmährischen Region. Sie liegt 10 km nördlich von Mikulov (Nikolsburg). Der Ort ist als ein Straßenangerdorf angelegt.

Geographie[Bearbeiten]

Unter-Wisternitz liegt am Fuße der Pollauer Berge sowie am Ufer des „südmährischen Meeres“, das in den 1980er Jahren durch die Aufstauung der Thaya entstanden ist. Die Nachbarorte sind im Norden Tracht (Strachotín), im Süden Ober-Wisternitz (Horní Věstonice) und im Osten Pollau (Pavlov).

Geschichte[Bearbeiten]

Archäologische Ausgrabungen zeigen, dass die Region schon im Jungpaläolithikum besiedelt war. In den seit 1924 (mit Unterbrechungen) durchgeführten Grabungen wurde eine dichte Besiedlung durch Mammutjäger aus der Zeit des Gravettien freigelegt. Von besonderer Bedeutung sind mehrere gravettienzeitliche Bestattungen, darunter eine 1987 gefundene Dreifachbestattung. In der sogenannten „Hütte des Schamanen“ wurden Tierfiguren aus gebranntem Löss sowie die Überreste zweier Brennöfen gefunden (älteste Objekte dieser Art neben Krems-Wachtberg und Krems-Hundssteig). Das berühmteste Fundstück ist die ebenfalls aus Ton gebrannte Venus von Dolní Věstonice. Aus dem Frühmittelalter (Großmährisches Reich) gibt es Reste einer befestigten Siedlung. Im 12. und 13. Jahrhundert kamen deutsche Siedler aus dem bairisch-österreichischen Raum, deren ui-Mundart mit ihren speziellen Bairische Kennwörtern bis zur Vertreibung dieser Deutschsüdmährer 1945 gesprochen wurde[2] Der Ort wird 1312 urkundlich erwähnt und erhält 1460 das Stadtrecht. Matriken wurden seit 1579 geführt.[3] Onlinesuche über das Landesarchiv Brünn.[4] Ab dem 16. Jahrhundert siedelten Hutterer, die 1622 vertrieben wurden. Der Großteil von ihnen zog nach Siebenbürgen weiter.[5] Bereits vorher bekämpften die Jesuiten, angetrieben von Adam von Dietrichstein, den neuen Glauben. Im Dreißigjährigen Krieg kommt es 1619 zu einem Gefecht zwischen Aufständischen und Kaiserlichen auf der Peterswiese. Hierbei sollen an die 3000 Kaiserlichen gefallen sein. Im folgenden Rückzug lässt der kaiserliche Befehlshaber Dampierre das Dorf anzünden. Ab 1662 wurden Grundbücher im Ort geführt. Während der Napoleonischen Kriege wurde Unter-Wisternitz von französischen Truppen heimgesucht, welche große Mengen an Wein requirierten.

Die Bevölkerung von Unter-Wisternitz lebte zum Großteil von der Landwirtschaft. Hierbei nahm der seit Jahrhunderten gepflegte Weinbau eine besondere Rolle ein. Bis zur Reblausplage, 1864, wurden große Mengen an Wein produziert und verkauft. Danach nahmen die angebauten Weinbauflächen kontinuierlich ab, so dass um 1945 nur noch ein 1/3 der Fläche von 1880 bebaut wurde.[6] Neben dem üblichen Kleingewerbe besaß Unter-Wisternitz eine herrschaftliche Mühle, einen Ziegelofen, ein Brauhaus und zwei Betonwarenerzeugungen. Die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr erfolgte im Jahre 1880. Nach der Einführung der Telegraphie in Österreich-Ungarn wurde Unter-Wisternitz im Jahre 1898 an das Telegraphennetz angeschlossen.

Nach dem Ersten Weltkrieg zerfiel der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn. Durch den Vertrag von Saint-Germain, 1919,[7] wurde Unter-Wisternitz zum Bestandteil der neuen Tschechoslowakischen Republik. Die Ortsbewohner waren 1910 zu mehr als 99 % Deutschsüdmährer. Staatliche Maßnahmen folgten, wie die Bodenreform und die Sprachenverordnung, dadurch kam es zu einem vermehrten Zuzug von Personen tschechischer Nationalität.[8] Die entstehenden wachsenden Autonomiebestrebungen der Altösterreicher führten zu Spannungen innerhalb des Landes und im weiteren zum Münchner Abkommen,[9] das die Abtretung der sudetendeutschen Gebiete an Deutschland regelte. Zwischen 1938 und 1945 gehörte der Ort Unter-Wisternitz zum Reichsgau Niederdonau.

Im Zweiten Weltkrieg hatte der Ort 44 Opfer zu beklagen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges (8.Mai 1945) wurden die im Münchener Abkommen (1939) an Deutschland übertragenen Territorien im Rückgriff auf den Vertrag von Saint-Germain (1919) wieder der Tschechoslowakei zugeordnet. Nach Abzug der Rotarmisten wurden die Häuser der deutschen Bewohner allmählich von ortsfremden Tschechen in Besitz genommen. Vor den einsetzenden Drangsalierungen flohen viele über die nahe Grenze nach Österreich oder wurden hinüber getrieben. Bei den Nachkriegsexzessen und der „wilden“ Vertreibung der deutschen Ortsbevölkerung kam es zu 4 Ziviltoten.[10] Eine juristische Aufarbeitung der Geschehen hat nicht stattgefunden. Das Beneš-Dekret 115/46 (Amnestiegesetz) erklärt Handlungen bis 28.Oktober 1945 im Kampfe zur Wiedergewinnung der Freiheit..., oder die eine gerechte Vergeltung für Taten der Okkupanten oder ihrer Helfershelfer zum Ziel hatte, ...'für nicht widerrechtlich. Beim Versuch einer Nachkriegsordnung nahmen die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges am 2. August 1945 im Potsdamer Protokoll, Artikel XIII, zu den laufenden „wilden“ Vertreibungen der deutschen Bevölkerung konkret nicht Stellung. Explizit forderten sie jedoch einen „geordneten und humanen Transfer" der "deutschen Bevölkerungsteile", die „in der Tschechoslowakei zurückgeblieben sind“. [11] [12] Acht Unter-Wisternitzer verblieben im Ort. Aufgrund des Beneš-Dekret 108 vom 25.Oktober 1945, wurde das gesamte Vermögen der deutschen Bevölkerung konfisziert[13] und unter staatliche Verwaltung gestellt. Seitens der Tschechischen Republik erfolgte keine Abgeltung für das eingezogene Vermögen.

In Übereinstimmung mit den ursprünglichen Transfermodalitäten des Potsdamer Kommuniques verlangte im Januar 1946 die Rote Armee den Abschub aller Volksdeutschen aus Österreich nach Deutschland. Trotzdem konnten etwa die Hälfte der Unter-Wisternitzer in Österreich verbleiben, alle anderen wurden nach Bayern und Baden-Württemberg weiter transferiert. Vier Personen wanderten in andere europäische Staaten und eine Person in die USA aus.[14][15][16]

Wappen und Siegel[Bearbeiten]

Ein Ortssiegel ist seit 1490 bekannt. Das Siegel besteht aus einem Schild, welches eine Brücke, darüber zwei Weintrauben und darunter zwei Fische abbildet. Im Laufe der Jahrhunderte änderte sich das Siegel, beinhaltete aber immer die gleichen Figuren. Auch ein identes Wappen ist vorhanden.[17]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Volkszählung Einwohner gesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Deutsche Tschechen Andere
1793 630
1836 766
1869 779
1880 752 742 0 10
1890 826 812 1 13
1900 842 835 6 1
1910 771 768 3 0
1921 686 658 10 18
1930 688 642 36 10
1939 633
Quelle: 1793, 1836, 1850 aus: Südmähren von A-Z, Frodl, Blaschka
Sonstige: Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960, sv.9. 1984

Baudenkmäler[Bearbeiten]

  • Pfarrkirche zum hl. Michael, um 1400 Pfarre urkundlich erwähnt. 1581 Umbau und Erweiterung. 1724 - 1743 neuerliche Erweiterung mit barocker Umgestaltung durch Ignaz Lengelacher und seine Werkstätte.
  • Pfarrhaus (1850)
  • Marienstatue (1700)[18]
  • Volksschule (Kaiser-Franz-Josef-Jubiläums-Volksschule aus dem Jahre 1898)
  • Schulgebäude (1575, 1812 aufgestockt)

Tourismus[Bearbeiten]

  • Fundstücke der Ausgrabungen in einem Museum im Ort
  • landschaftlich reizvolle Umgebung im Biosphärenreservat Untere Morava
  • Freizeitangebote wie Wassersport und Fischfang

Brauchtum[Bearbeiten]

Die sechs Jahrmärkte waren am Montag nach Dreikönig (6.1.), nach Josef (19.3), nach dem 1. Mai, nach Jakobus (25.7), nach Matthäus (21.9) und nach Andreas (30.11).

Bis ins 20. Jahrhundert wurden in Unterwisternitz Hüterstangen und Weingartenhütten errichtet. An der Hüterstange war ein Bündel Kräuter befestigt, welche böse Geister abwehren sollten. In der Weingartenhütte selbst saß der Hüter, welche die Weingärten vor Diebstahl und Wildschäden zu bewahren versuchte.[19]

Sagen und Mythen aus dem Ort[Bearbeiten]

Unter den deutschen Ortsbewohnern gab es eine Vielzahl von Mythen:

  • Die Feuermannderl
  • Warum hier so viele Felberbam stehen
  • Der Hexentritt von Unter-Wisternitz [20]
  • Hexenumzug
  • Die Goldhenne[21]

Quellen[Bearbeiten]

  • Wilhelm Szegeda: Heimatkundliches Lesebuch des Schulbezirks Nikolsburg, 1935, approbierter Lehrbehelf, Lehrerverein Pohrlitz Verlag, Unter-Wisternitz Seite 97
  • Georg Dehio, Karl Ginhart: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler in der Ostmark, Band 1 Wien und Niederösterreich, 2 Auflage, Wien 1941, Unter-Wisternitz Seite 471.
  • Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden, 1992
  • Gerald Frodl, Walfried Blaschka: Kreis Nikolsburg von A–Z. 2006, Unter-Wisternitz Seite 13,
  •  Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 210, 232, 409, 421, 422, 553, 573 (Unter-Wisternitz).

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz Josef Schwoy: Topographie vom Markgrafthum Mähren. 1793, Unter-Wisternitz Seite 445
  • Karl Absolon: Die Erforschung der diluvialen Mammutjäger-Station von Unter-Wisternitz an den Pollauer Bergen in Mähren. (1938)
  • Karl Jüttner: Ein burgwallzeitiges Gräberfeld bei Unter-Wisternitz. 1941
  • Bohuslav Klíma: Dolní Věstonice (1963)
  • Anton Kreuzer: Das Gefecht bei Unter-Wisternitz am 5. August 1619
  • Adalbert Oberleitner: Unter-Wisternitz im Wandel der Zeiten. 1967
  • Ilse Tielsch-Felzmann: Südmährische Sagen. 1969, München, Verlag Heimatwerk
  • Wenzel Max: Thayaland, Volkslieder und Tänze aus Südmähren, 1984, Geislingen/Steige
  • Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren. 1990, Unter-Wisternitz Seite 37
  • Felix Ermacora: Die sudetendeutschen Fragen, Rechtsgutachten, Verlag: Langen Müller, 1992, ISBN 3-7844-2412-0
  • Emilia Hrabovec: Vertreibung und Abschub. Deutsche in Mähren 1945 – 1947, Frankfurt am Main/ Bern/ New York/ Wien (=Wiener Osteuropastudien. Schriftenreihe des österreichischen Ost- und Südosteuropa Instituts) , 1995 und 1996

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dolní Věstonice – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB)
  2. Leopold Kleindienst: Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens 1989, ISBN 3-927498-092
  3. Generalvikariat Nikolsburg: Kirchlicher Handweiser für Südmähren
  4. Acta Publica Registrierungspflichtige Online-Recherche in den historischen Matriken des Mährischen Landesarchivs Brünn (cz,dt). Abgerufen am 10. April 2011.
  5. Längin: Die Hutterer, 1986, S.237
  6. Hans Zuckriegl: Ich träum' von einem Weinstock, Kapitel 7, S.263
  7. Felix Ermacora: Der unbewältigte Friede: St. Germain und die Folgen; 1919 -1989 , Amalthea Verlag, Wien, München, 1989, ISBN 3-85002-279-X
  8. Johann Wolfgang Brügel: Tschechen und Deutsche 1918 – 1938, München 1967
  9. O. Kimminich: Die Beurteilung des Münchner Abkommens im Prager Vertrag und in der dazu veröffentlichten völkerrechtswissenschaftlichen Literatur, München 1988
  10. Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Nikolsburg von A-Z, Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige, 2006, S.216
  11. Charles L. Mee: Die Potsdamer Konferenz 1945. Die Teilung der Beute. Wilhelm Heyne Verlag, München 1979. ISBN 3-453-48060-0.
  12. Milan Churaň: Potsdam und die Tschechoslowakei. 2007, ISBN 978-3-9810491-7-6.
  13. Ignaz Seidl-Hohenveldern: Internationales Konfiskations- und Enteignungsrecht. Reihe: Beiträge zum ausländischen und internationalen Privatrecht. Band 23. Berlin und Tübingen, 1952.
  14. Cornelia Znoy: Die Vertreibung der Sudetendeutschen nach Österreich 1945/46, Diplomarbeit zur Erlangung des Magistergrades der Philosophie, Geisteswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien, 1995
  15. Brunnhilde Scheuringer: 30 Jahre danach. Die Eingliederung der volksdeutschen Flüchtlinge und Vertriebenen in Österreich, Verlag: Braumüller, 1983, ISBN 3-7003-0507-9
  16. Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band III. Maurer, Geislingen/Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, Unter-Wisternitz 210, 232, 409, 421, 422, 553, 573.
  17. Liechtenstein-Archiv Wien/Vaduz, 1312/1336, 1414, 1490; Codex diplomaticus et episotlaris Moraviae VII/1; Statní oblastní archiv, Brno D 6/38, D 7/411, G 140/345; Okresní archiv Lundenburg;
  18. Johann Zabel: Kirchlicher Handweiser für Südmähren, 1941, Generalvikariat Nikolsburg, Unter-Wisternitz S.39
  19. Leopold Kleindienst: Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens, 1989, S.200
  20. Hans Zuckriegl: Im Märchenland der Thayana, 2000, Eigenverlag, S. 179f
  21. Adalbert Oberleitner, Josef Matzura: Südmährische Sagen, 1921, S.122fer