Milovice u Mikulova

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Milovice
Wappen von Milovice
Milovice u Mikulova (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihomoravský kraj
Bezirk: Břeclav
Fläche: 653 ha
Geographische Lage: 48° 51′ N, 16° 42′ O48.85194444444416.698611111111180Koordinaten: 48° 51′ 7″ N, 16° 41′ 55″ O
Höhe: 180 m n.m.
Einwohner: 412 (1. Jan. 2014) [1]
Postleitzahl: 691 88
Kfz-Kennzeichen: B
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Věra Antošová (Stand: 2007)
Adresse: Milovice 38
691 88 Milovice u Mikulova
Gemeindenummer: 584657
Website: obecni-urad.net/milovice

Milovice (deutsch Millowitz) ist eine Gemeinde im Jihomoravský kraj (Südmähren), Okres Břeclav (Bezirk Lundenburg) in Tschechien.

Geographie[Bearbeiten]

Das Dorf liegt in der Milovická pahorkatina. Die Nachbarorte sind im Osten Nové Mlýny (Neumühl), im Südosten Bulhary (Pulgram), im Südwesten Mikulov (Nikolsburg), im Westen Klentnice (Klentnitz) und im Nordwesten Pavlov (Pollau).

Geschichte[Bearbeiten]

Die Anlage des Ortes und die bis 1945 gesprochene bairisch-österreichische Ui-Mundart mit ihren speziellen Kennwörtern weisen darauf hin, dass die Siedler aus dem österreichischen bzw. süddeutschen Raum stammten.[2] Der Ort ist 1236 im Besitz der Landesherren der Přemysliden. 1332 findet sich das Dorf unter den Liechtensteinischen Orten zur Herrschaft Eisgrub gehörig. 1414 ist im Urbar eine Pfarrkirche belegt. Am Beginn des 16. Jahrhunderts, während der Reformation, befand sich im Ort eine Täufergemeinde, die 1604 ausgeplündert wurde. Die Namensform der Ortschaft änderte sich mehrmals, wird sie in einer Urkunde "Milowicz" (1300), später "Myltowicz an der Meydburch" (1301), "Milibicz" (1399) und "Milwicz" (1504) genannt. Matriken werden seit 1688 geführt. Onlinesuche über das Landesarchiv Brünn. [3] Grundbücher werden seit 1784 geführt.

Ab 1764 wurden die Kinder des Ortes im Gemeindegasthaus unterrichtet, ab 1784 begann man mit dem Halbtagsunterricht. Im Jahre 1817 wurde ein neues Schulgebäude gebaut.

Über Jahrhunderte hinweg wurde in Millowitz die ui-Mundart mit ihren speziellen Bairischen Kennwörtern des bairisch-österreichischen Stammlandes gesprochen. Auch das gelebte Brauchtum im Jahreskreislauf weist auf die im 11./12. Jahrhundert über Österreich erfolgte Besiedlung dieses Raumes hin.[4] Millowitz war ein landwirtschaftlich geprägtes Dorf, dessen Einwohner überwiegend in der Landwirtschaft und im Weinbau tätig waren. Ab dem 19. Jahrhundert verringerte sich jedoch die Anbaufläche kontinuierlich,so dass 1945 fast nur noch für den Eigenbedarf produziert wurde.[5]

Einer der Nachfolgestaaten Österreich-Ungarns nach dem Ersten Weltkrieg, 1914–1918, war die Tschechoslowakei, die jene deutschsprachigen Gebiete Böhmens, Mährens und Schlesiens für sich beanspruchte, die seit Ende 1918 als Deutschösterreich galten. Der Vertrag von St. Germain [6] sprach die strittigen Territorien gegen den Willen der Bevölkerung der Tschechoslowakei zu. Damit fiel auch die südmährische Ortschaft Millowitz, deren Bewohner 1910 zu 99,86 % Deutschsüdmährer waren, an den neuen Staat. Die versprochene gleichberechtigte Stellung der Minderheiten wurde letztlich vom Mehrheitsvolk nicht zugestanden. Maßnahmen wie die Bodenreform oder die Sprachenverordnung folgen, um Tschechen in den deutschen Gemeinden anzusiedeln. Dies verschärfte die Spannungen. Als auch die von den Deutschsprachigen geforderte Autonomie nicht verhandelt wurde und bewaffnete Konflikte drohten, veranlassten die Westmächte die tschechische Regierung zur Abtretung der Randgebiete, die im Münchner Abkommen geregelt wurde, an Deutschland. Somit wurde Millowitz mit 1. Oktober 1938 ein Teil des deutschen Reichsgaus Niederdonau. - Das Gemeindegasthaus wurde 1923 umgebaut und erhielt zusätzlich einen Saal, eine Gemeindekanzlei, einen Eiskeller und eine Übernahmestelle der Milchgenossenschaft. Vor dem Gemeindegasthaus war ein Tanzplatz mit Trinkwasserleitung, welche 1920 errichtet wurde.

Im Zweiten Weltkrieg hatte der Ort 48 Opfer zu beklagen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges (8. Mai 1945) wurden die im Münchener Abkommen (1939) an Deutschland übertragenen Territorien, also auch Millowitz, im Rückgriff auf den Vertrag von Saint-Germain (1919) wieder der Tschechoslowakei zugeordnet. Während der Besetzung durch die sowjetische Armee gab es zwei Todesopfer unter der Zivilbevölkerung.[7] Am 1. Juni 1945 wurde ein Teil der deutschmährischen Ortsbewohner durch tschechische Revolutionsgarden der Vertreibungskolonne der Brünner-Deutschen (Brünner Todesmarsch) angegliedert und in Richtung Drasenhofen (Grenzübergang nach Österreich) 'wild' vertrieben.[7] Am 4. Juni 1945 wurde ein weiterer Teil der Ortsbevölkerung über Pulgram und Voitelsbrunn nach Österreich getrieben.[7] Dabei kam es zu acht Toten unter den Deutschsüdmährern. [8] Eine juristische Aufbereitung der Geschehen hat nicht stattgefunden. Das Beneš-Dekret 115/46 erklärt derlei Handlungen bis 28. Oktober 1945 im Kampfe zur Wiedergewinnung der Freiheit ... oder die eine gerechte Vergeltung für Taten der Okkupanten oder ihrer Helfershelfer zum Ziel hatte,... für nicht widerrechtlich. Den Abschluss der ethnischen Säuberung bildete die offizielle Zwangsaussiedlung der restlichen 41 deutschen Ortsbewohner zwischen dem 20. April und dem 17. September 1946.[7][9][10] Alles private und öffentliche Vermögen der deutschen Ortsbewohner wurde durch das Beneš-Dekret 108 konfisziert und die katholische Kirche in der kommunistischen Ära enteignet. Eine Restitution ist seitens der Tschechischen Republik nicht erfolgt. Millowitz wurde neu besiedelt.

Wappen und Siegel[Bearbeiten]

Ein Hinweis auf das Siegel des Ortes befindet sich im Mährischen Landesmuseum in Brünn. Dort zeigt eine Siegelfigur ein Pflugeisen und ein Rebmesser nebeneinander stehend. Es wird auf das späte 17. Jahrhundert datiert. Neuere tschechische Veröffentlichungen sprechen aber von einem Siegelbild, in welchem ein pfahlweise gestelltes Pflugmesser von viermal zwei Initialen "M", von denen die Hälfte kopfsteht, umgeben ist.[11]

Volkszählung Häuser Einwohner insgesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Deutsche Tschechen Andere
1793 70 373
1836 84 440
1869 87 457
1880 93 523 523 0
1890 98 575 566 5 4
1900 112 638 628 9 1
1910 126 690 689 1 0
1921 127 687 673 4 10
1930 151 597 583 2 12
1939 567

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Pfarrkirche hl. Oswald, 1670 zerstört, 1672 wiedererrichtet, Wehrturm 1693, 1742 erweitert, 1819 und 1845 renoviert.
  • Pfarrhaus 1771, Hl. Johann von Nepomuk, Hl. Florian, Hl. Wendelin, Friedhofkreuz 1758, Kriegerdenkmal 1926.

[12]

Sagen aus dem Ort[Bearbeiten]

Unter den deutschen Ortsbewohnern gab es eine Vielzahl von Mythen:

  • Millowitz zur Mongolenzeit (Gründungssage)[13]

Quellen[Bearbeiten]

  • Anton Kreuzer: Geschichte Südmährens, Band I (Inhalt: Von der Frühzeit – 1918)
  • Anton Schwetter, Siegfried Kern: Der politische Bezirk Nikolsburg in historischer, statistischer und topographischer Beziehung 1884
  • Wilhelm Szegeda: Heimatkundliches Lesebuch des Schulbezirks Nikolsburg, 1935, approbierter Lehrbehelf, Lehrerverein Pohrlitz Verlag, Milowitz S.96
  •  Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 210, 223, 406, 411-412, 414-417, 423, 427, 428, 573 (Millowitz).
  • Gerald Frodl, Walfried Blaschka: Kreis Nikolsburg von A–Z, 2006, Millowitz S. 124
  • Hans-Jürgen Goertz: Die Täufer – Geschichte und Deutung, München 1980, ISBN 3-406-07909-1
  • Hans Zuckriegl: Wörterbuch der südmährischen Mundarten 1981-1998 (1999)
  • Hans Landsgesell: Südmährische Geschichten in der ui-Mundart
  • Hans Zuckriegl: Ich träum von einem Weinstock-Enzyklopädie des Weinbaues in Südmähren, Eigenverlag, Unterstützt von der Kulturabteilung des Amtes der Niederösterreichischen Landesregierung.

Literatur[Bearbeiten]

  • Freising, Josef: Ortsgeschichte Millowitz. 1936
  • Josef Beck: Die Geschichtsbücher der Wiedertäufer in Österreich-Ungarn, 1967
  • Rudolf Wolkan: Geschicht-Buch der Hutterischen Brüder. Wien 1923.
  • Gregor Wolny: Die Wiedertäufer in Mähren, Wien 1850
  • Wenzel Max: Thayaland, Volkslieder und Tänze aus Südmähren, 1984, Geislingen/Steige
  • Hans Zuckriegl: Im Märchenland der Thayana, 2000
  • Elfriede Paweletz-Klien: Die südmährischen ITZ-Dörfer und die Anfänge der Siedlungsgeschichte in Südmähren, 2007

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB)
  2. Leopold Kleindienst:Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens, 1989, S.9, ISBN 3-927498-09-2
  3. Acta Publica Registrierungspflichtige Online-Recherche in den historischen Matriken des Mährischen Landesarchivs Brünn (cz,dt). Abgerufen am 22 März 2011.
  4. Leopold Kleindienst:Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens, 1989, S.9, ISBN 3-927498-09-2
  5. Hans Zuckriegl:Ich träum' von einem Weinstock, Kapitel 7, S.262
  6. Felix Ermacora: Der unbewältigte Friede: St. Germain und die Folgen; 1919 -1989 , Amalthea Verlag, Wien, München, 1989, ISBN 3-85002-279-X
  7. a b c d  Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0.
  8. Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Nikolsburg von A-Z, Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige, 2006, S.216
  9. Cornelia Znoy: Die Vertreibung der Sudetendeutschen nach Österreich 1945/46, Diplomarbeit zur Erlangung des Magistergrades der Philosophie, Geisteswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien, 1995
  10. Archiv Mikulov, Odsun Němců – transport odeslaný dne 20. kvĕtna, 1946,
  11. Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden. Knee, Wien 1992, ISBN 3-927498-19-X, Millowitz Seite 135
  12. Johann Zabel: Kirchlicher Handweiser für Südmähren, 1941, Generalvikariat Nikolsburg, Millowitz S.
  13. Oberleitner/Matzura:Südmährische Sagen, S.99f