Březí u Mikulova

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Březí
Wappen von Březí
Březí u Mikulova (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihomoravský kraj
Bezirk: Břeclav
Fläche: 1304 ha
Geographische Lage: 48° 49′ N, 16° 34′ O48.81833333333316.5675191Koordinaten: 48° 49′ 6″ N, 16° 34′ 3″ O
Höhe: 191 m n.m.
Einwohner: 1.562 (1. Jan. 2014) [1]
Postleitzahl: 691 81
Kfz-Kennzeichen: B
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Petr Kern (Stand: 2012)
Adresse: Hlavní 113
691 81 Březí u Mikulova
Gemeindenummer: 584371
Website: www.brezi.cz
Ortsansicht

Březí (deutsch: Bratelsbrunn) ist eine Gemeinde im Okres Břeclav in Tschechien. Sie liegt 6 km nordwestlich von Mikulov (Nikolsburg) in der Region Südmähren. Einen Kilometer südlich des Dorfes verläuft die Landesgrenze zu Österreich. Der Ort ist als Breitstraßendorf angelegt.

Geographie[Bearbeiten]

Die Nachbarorte sind im Osten Mikulov (Nikolsburg), im Nordosten Bavory (Pardorf), im Norden Dolní Dunajovice (Untertannowitz) und im Westen Dobré Pole (Guttenfeld).

Geschichte[Bearbeiten]

Bratelsbrunn wurde im Jahre 1249 erstmals erwähnt und war im Besitz Heinrichs I. von Liechtenstein. Ab 1348 war der Ort im Besitz des Klosters Rosa Coeli. Das Kloster wurde jedoch im Jahre 1526 aufgelöst und so wechselte Bratelsbrunn in den Besitz des böhmisch-ungarischen Königs und späteren Kaisers Ferdinand I. Im Laufe der Jahrhunderte änderte sich die Schreibweise des Ortes mehrmals. So schrieb man 1309 „Bretensprvn“, 1332 „Pritresprvnn“, 1352 „Pretsprvn“, 1398 „Wratisprvn“, 1492 „Praitensprvn“, 1576 „Preittesprvnn“ und schließlich ab 1751 „Bratelsbrun“.

Nach der Verödung der Ortschaft am Anfang des 16. Jahrhunderts wurde Bratelsbrunn unter Franz von Thurn-Valsasina in den Jahren 1576–1585 neu besiedelt. Die Ui-Mundart (bairisch-österreichisch) mit speziellen Bairischen Kennwörtern, welche bis zum Schicksalsjahr 1945 gesprochen wurde, weist darauf hin, dass diese neuen Siedler aus dem österreichischen bzw. süddeutschen Raum stammten.[2] [3] Im Jahre 1618 wurde der Ort durch die Familie Teufenbach gekauft. Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort von Kaiserlichen und den Siebenbürgern unter Gábor Bethlen schwer verwüstet. Auch in den Napoleonischen Kriegen wurde Bratelsbrunn 1809 durch die Franzosen geplündert. In den Jahren 1831 und 1850 forderte die Cholera insgesamt 128 Opfer in Bratelsbrunn. 1858 zerstörte ein Großbrand 34 Häuser.

Der Erste Schulunterricht fand im Jahre 1696, und die erste Kirchweihe im Jahre 1696 statt. Seit 1740 gibt es eine eigene Pfarrei. 1880 erhielt Bratelsbrunn eine Haltestelle an der neuen Bahnlinie von Lundenburg nach Znaim. Hauptsächliche Erwerbszweige waren der Weinbau und die Landwirtschaft. Im Badehaus wurde die vorhandene schwefelhältige Heilquelle genutzt. Im Jahre 1880 erhielt der Ort eine Haltestelle an der Zugverbindung Lundenburg-Znaim. Im gleichen Jahr wurde eine Freiwillige Feuerwehr in Bergen gegründet. Der größte Teil der Einwohner lebte von der Landwirtschaft, wobei der sonst in Südmähren wichtige Weinbau nur eine untergeordnete Rolle gespielt hat. Neben dem üblichen Kleingewerbe gab es noch eine Mühle, eine Molkerei und ein Sägewerk. Zusätzlich wurden von vielen Frauen Handschuhe, Haarnetze und Perlmutterknöpfe in Heimarbeit gefertigt.

Nach dem Ersten Weltkrieg zerfiel der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn. Durch den Vertrag von Saint-Germain[4] wurde Bratelsbrunn, das im Jahre 1910 ausschließlich aus Deutschsüdmährern bewohnt war, zum Bestandteil der neu gegründeten Tschechoslowakei. Am 12. Dezember 1918 rückten tschechische Truppen in den Ort ein. Während der Zwischenkriegszeit kam es durch neue Siedler und neu ernannte Beamte zu einem vermehrten Zuzug von Personen tschechischer Nationalität.[5] Dies verstärkte sich durch die Bodenreform ab 1924, in welcher meist tschechischen Siedlern der Großteil der vorhandenen Gründe zugesprochen wurde. Aufgrund fehlender Rohstoffe geht in diesen Jahren der bis dahin wichtige Wirtschaftszweig der Perlmuttdrechslerei im Ort ein. Die Elektrifizierung des Ortes fand im Jahre 1926 statt. Nach dem Münchner Abkommen fiel Bratelsbrunn 1938 an das Deutsche Reich und gehörte bis 1945 dem Reichsgau Niederdonau an. Aufgrund der nun freien Absatzmärkte in Wien kommt es in Bratelsbrunn zu einem wirtschaftlichen Aufschwung.[6]

Durch einen Fliegerangriff starben am 11. Oktober 1944 zwei Personen auf dem Bahnhofsgelände. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, der 92 Opfer unter den Ortsbewohnern von Bratelsbrunn forderte, kam die Gemeinde wieder zur Tschechoslowakei zurück. [7] Viele Deutschsüdmährer flohen vor den einsetzenden Schikanen und Quälereien durch militante Tschechen und nationale Milizen über die nahe Grenze nach Österreich. Andere wurden über die Grenze getrieben. [8] Bei Nachkriegsexzessen an der deutschen Ortsbevölkerung sowie auch bei deren Vertreibung kam es zu elf Ziviltoten. [9] Das Beneš-Dekret 115/1946 erklärte bis zum 28. Oktober 1945 begangene Handlungen im Kampfe zur Wiedergewinnung der Freiheit ..., oder die eine gerechte Vergeltung für Taten der Okkupanten oder ihrer Helfershelfer zum Ziel hatte, ... für nicht widerrechtlich. Im August 1945 bestimmten die Siegermächte im Potsdamer Kommuniqués (Konferenz) [10] die Nachkriegsordnung. Die auch in den umliegenden Orten beginnenden „wilden“ Vertreibungen der deutschen Bevölkerung wurden darin nicht erwähnt, jedoch explizit ein „ geordneter und humaner Transfer" der "deutschen Bevölkerungsteile", die „in der Tschechoslowakei zurückgeblieben sind“, verlangt. Zwischen März und Juli 1946 erfolgte die Zwangsaussiedlung von 602 Bratelsbrunner nach Westdeutschland. [11] [12] Laut Bericht von Francis E. Walter an das US-Repräsentantenhaus erfolgten diese Transporte zu keiner Zeit in „ordnungsgemäßer und humaner“ Weise. [13] Im Ort verblieben sieben Personen. Aufgrund der Beneš-Dekrete 108 wurde das Vermögen der deutschen Einwohner konfisziert [14] und unter staatliche Verwaltung gestellt.

Die in Österreich befindlichen Bratelsbrunner wurden, bis auf 166 Personen, entsprechend den im Potsdamer Kommuniqués genannten "Transfer"-Zielen nach Deutschland abgeschoben. 1 Person wurde in der Schweiz und 1 in der damaligen DDR ansässig. [15] [16] Eine Gedenkstätte im Ortszentrum von Wildendürnbach in Niederösterreich erinnert an die Vertreibung der Bratelsbrunner.

Der Ort führte seit dem Jahre 1740 Matriken. Onlinesuche über das Landesarchiv Brünn. [17] Grundbücher werden seit 1797 geführt.

Wappen und Siegel[Bearbeiten]

Seit 1650 führt der Ort sowohl ein Siegel als auch ein Wappen. In beiden war ein rundgemauerter Brunnen mit einem aufragenden Gestänge, dazwischen ein Eimer und je einen Stern auf jeder Seite. [18]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Volkszählung Häuser Einwohner Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Insgesamt Deutsche Tschechen Andere
1793 191 1086
1836 265 1569
1869 281 1605
1880 283 1702 1695 0 7
1890 307 1769 1758 9 2
1900 337 1888 1859 20 9
1910 349 1931 1922 1 8
1921 356 1726 1636 24 66
1930 408 1757 1563 150 44
1939 1663

[19]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Pfarrkirche des St. Johannes (1858 in neuromanischem Stil neu aufgebaut)
  • Dreifaltigkeitssäule Hl. Florian
  • Kaiser Josef II. Denkmal (1910)
  • Rathaus (1845)
  • Postamt (1882)

Brauchtum[Bearbeiten]

Bis zur Vertreibung der deutschen Einwohner fand der Kirtag immer am 29. August statt. [20]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Friedrich Wymetal (* 18. Juli 1877 Brünn; † 9. August 1935 Bratelsbrunn) Vogel- und Schmetterlingsforscher

Quellen[Bearbeiten]

  • Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren, Bratelsbrunn, S. 3, C. Maurer Verlag, Geislingen/Steige 1990, ISBN 3-927498-13-0
  • Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden, Bratelsbrunn, S. 37f, Josef Knee,Wien 1992, ISBN 3-927498-19-X
  •  Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 233 (Bratelsbrunn).
  • Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Nikolsburg von A bis Z, (2008), Bratelsbrunn, S. 49f
  • Wilhelm Szegeda: Heimatkundliches Lesebuch des Schulbezirks Nikolsburg, 1935, Bratelsbrunn: Seite 72

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz Josef Schwoy: Topographie vom Markgrafthum Mähren. 1793, Bratelsbrunn: Seite 72
  • Tschechoslowakische Statistik, Bd. 98, Band VI. Serie 7, Heft/I; Statistisches Jahrbuch 1938
  • Anton Kreuzer: Das mittelalterliche Bratelsbrunn. 1985
  • Johann Zabel: Kirchlicher Handweiser für Südmähren, 1941, Generalvikariat Nikolsburg, Bratesbrunn S. 14
  • Karl Heinz Bauer: Regesten des Urkundenbestandes der Gemeinde Bratelsbrunn 1576–1753. 1969
  • Wenzel Max: Thayaland, Volkslieder und Tänze aus Südmähren, 1984, Geislingen/Steige
  • Franz Peyer: Gedenkbuch der Ortsgemeinde Bratelsbrunn über die Jahre 1836-1895. 1991
  • Georg Dehio, Karl Ginhart: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler in der Ostmark, 1941, Bratelsbrunn S.162
  • Peter Glotz: Die Vertreibung, Ullstein, Hamburg 2003, ISBN 3-550-07574-X

Weblinks[Bearbeiten]

Belege[Bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB)
  2. Leopold Kleindienst:Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens, 1989, S. 9
  3. Universität Giessen (Hrsg): Sudetendeutsches Wörterbuch Bd.1, 1988, Oldenbourg Verlag, ISBN 978-3-486-54822-8
  4. Felix Ermacora: Der unbewältigte Friede: St. Germain und die Folgen; 1919 -1989 , Amalthea Verlag, Wien, München, 1989, ISBN 3-85002-279-X
  5. Johann Wolfgang Brügel: Tschechen und Deutsche 1918 – 1938, München 1967
  6. Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Nikolsburg von A bis Z, 2006, S. 51
  7.  Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 233 (Bratelsbrunn).
  8.  Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 233 (Bratelsbrunn).
  9. Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Nikolsburg von A-Z, Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige, 2006, S.216
  10. Charles L. Mee: Die Potsdamer Konferenz 1945. Die Teilung der Beute. Wilhelm Heyne Verlag, München 1979. ISBN 3-453-48060-0.
  11. Archiv Mikulov, Odsun Němců – transport odeslaný dne 20. kvĕtna, 1946,
  12. Ludislava Šuláková, übersetzt von Wilhelm Jun: Die Problematik des Abschubs der Deutschen in den Akten des Städtischen Volksausschusses (MNV) und des Bezirks-Volksausschusses (ONV) Nikolsburg: Südmährisches Jahrbuch 2001 S.45f, ISSN 0562-5262
  13. Walter, Francis E. (1950): Expellees and Refugees of German ethnic Origin. Report of a Special Subcommittee of the Committee on the Judiciary, House of Representatives, HR 2nd Session, Report No. 1841, Washington, March 24, 1950.
  14. Ignaz Seidl-Hohenveldern: Internationales Konfiskations- und Enteignungsrecht. Reihe: Beiträge zum ausländischen und internationalen Privatrecht. Band 23. Berlin und Tübingen, 1952.
  15. Cornelia Znoy:Die Vertreibung der Sudetendeutschen nach Österreich 1945/46, Diplomarbeit zur Erlangung des Magistergrades der Philosophie, Geisteswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien, 1995
  16. Emilia Hrabovec: Vertreibung und Abschub. Deutsche in Mähren 1945 – 1947, Frankfurt am Main/ Bern/ New York/ Wien (= Wiener Osteuropastudien. Schriftenreihe des österreichischen Ost-und Südosteuropa Instituts), 1995 und 1996
  17. Acta Publica Registrierungspflichtige Online-Recherche in den historischen Matriken des Mährischen Landesarchivs Brünn (cz,dt). Abgerufen am 20 März 2011.
  18. Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden, 1992, Bratelsbrunn Seite 37.
  19. Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960, sv. 9. 1984
  20. Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens, Band 3 (2001),