Dschungel im Sturm

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Filmdaten
Deutscher Titel Dschungel im Sturm
Originaltitel Red Dust
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1932
Länge 86 Minuten
Stab
Regie Victor Fleming
Drehbuch John Lee Mahin
Produktion Irving Thalberg,
Hunt Stromberg
für MGM
Kamera Harold Rosson
Schnitt Blanche Sewell
Besetzung
Synchronisation

Dschungel im Sturm ist ein US-amerikanisches Filmdrama von Victor Fleming aus dem Jahr 1932. Das Drehbuch basiert auf einem Bühnenstück von Wilson Collison, das am 2. Januar 1928 seine Broadway-Premiere hatte. Der Film zählt zu den sogenannten Pre-Code-Filmen, die in der Zeit vor dem Hays Code, den Zensur- und Produktionsrichtlinien für US-Filme, produziert wurden. Bemerkenswert ist der Film vor allem durch zweideutigen Dialoge und die freizügige Handlung, die in einem nackten Bad in einer Regentonne von Jean Harlow gipfelt. Seine deutsche Premiere erfuhr der Film am 2. Mai 1981 im dritten Programm des Bayerischen Rundfunks.

Handlung[Bearbeiten]

Bis auf einige gelegentliche Ausflüge nach Saigon hat Dennis Carson sein Leben auf seiner Kautschukplantage im indochinesischen Dschungel verbracht. Die Plantage wird nur alle vier Wochen von einem alten Dampfer angefahren. Mit Denis leben die zahlreichen einheimischen Arbeiter, die Aufseher Mac und Guidon sowie der einfältige Hausdiener Hoy – Frauen gibt es hingegen auf der Plantage nicht. Dies ändert sich, als die Prostituierte Vantine dort Zuflucht findet, weil sie in Saigon mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist. Die freche und geschwätzige Blondine verliebt sich in Dennis und nennt ihn stets „Fred“. Dennis sieht in ihr jedoch nur einen kleinen Zeitvertreib.

Auf dem nächsten Schiff trifft mit dem Amerikaner Gary Willis ein neuer Vermesser für die Plantage ein. Begleitet wird er von seiner Frau Barbara. Gleichzeitig verlässt Vantine die Plantage mit dem Dampfer, um nach Saigon zurückzukehren. Zunächst stört es Dennis, dass sein neuer Angestellter seine Ehefrau mitgebracht hat, und auch Barbara hält nicht viel von Dennis, bis dieser Gary nach einem Malariaanfall das Leben rettet. Vantine kehrt auf die Plantage zurück, weil der Dampfer defekt ist, doch Dennis will nichts mehr von ihr wissen. Er verliebt sich indes in Barbara, worauf Vantine mit zunehmender Eifersucht reagiert. Nach einiger Zeit erwidert Barbara Dennis’ zärtliche Gefühle und beginnt eine Affäre mit ihm. Bis auf den gutmütig-naiven Gary wissen alle auf der Plantage davon. Dennis schickt Gary für einige Wochen zu einer Vermessung flussabwärts, um Barbara für sich zu haben.

Barbara und Dennis wollen schließlich heiraten, also muss Gary benachrichtigt werden, damit Barbara sich scheiden lassen kann. Dennis sucht Gary auf, bemerkt dabei jedoch Garys tiefe Liebe zu Barbara. Dennis kehrt zur Plantage zurück, gibt sich dem Alkohol hin und lässt sich von Vantine trösten. Vantine sieht endlich ihre Chance auf Dennis gekommen, bis Barbara hinzukommt. Als Dennis ihre Affäre beenden will und sich dabei wie ein Prolet aufführt, schießt ihn Barbara nieder.

Gary kommt zurück, nachdem ihn die Gerüchte über Barbara und Dennis erreicht haben. Barbara ist zu verstört, doch Vantine erzählt Gary, dass Barbara auf Dennis geschossen habe, weil dieser zudringlich geworden sei. Gary vergibt seiner Frau nach Vantines Erklärungen, hat für Dennis jedoch nur noch Verachtung übrig. Vantine verarztet Dennis nach seinem Schuss und pflegt ihn. Im Bett liest er einen Zeitungsartikel, der von der Abreise der Willis’ berichtet. Er merkt schließlich, dass er Vantine liebt.

Anmerkungen zum Inhalt[Bearbeiten]

Deutlich wird im Film der Unterschied zwischen den Paaren. Dennis und Vantine sind zwar rau und einfach, aber erweisen sich im Verlaufe des Films als stark; während das Ehepaar Willis fein und gebildet ist, aber insgesamt eher schwach wirkt. Vantine redet zwar viel und geht Dennis damit auf die Nerven, doch hat sie keine Angst vor Gefahren. Die zierliche Barbara ist im Kontrast dazu eher damenhaft, wenn sie sich zum Beispiel vor einem Tiger fürchtet. Im Verlauf des Films kann sie ihrem Mann nicht treu bleiben und erscheint daher schwach. Dieser wiederum wirkt ebenfalls schwach, da er seine Frau in eine Umgebung bringt, die weder zu ihm noch seiner Frau passt. Während Gary Tennisschläger in den tiefen Dschungel mitgebracht hat, muss der muskulösere Dennis ihm vor dem Malariatod retten und die Plantage betreiben. Besonders deutlich wird dies, wenn Dennis und nicht Gary in einer Szene einen Tiger erlegen kann.[1]

Der Film zeigt einige sehr realistische Einblicke in das Kautschukgeschäft. So werden Bäume aufgeschnitten, um aus ihnen den Kautschuksaft herzupressen, später im Film erklärt Dennis Barbara wie das Kautschuk sich im Zusammenspiel mit Essig verfestigt. Außerdem veranschaulicht der Film die spartanischen Lebensbedingungen auf Plantagen und den Wechsel zwischen Regen- und Trockenzeiten.

Spätere Kritik entzündete sich vor allem an der Darstellung der Einheimischen, die hauptsächlich durch den Hausdiener Hoy als Comic Relief representiert werden. Hoy spricht gebrochenes und grammatikalisch falsches Englisch (bzw. Deutsch in der Synchronisation) und nervt meistens die restlichen, aus Amerika stammenden Figuren, sodass diese ihn zurechtweisen. Die Masse der einheimischen Arbeiter wird als faul und unzuverlässig dargestellt, sodass die Aufseher auf sie genau aufpassen müssen, damit sie keine Dummheiten anstellen können. Eine solch undifferenzierte Darstellung von Ausländern war im rassistischen Amerika der 1930er Jahre nicht ungewöhnlich, auch andere Filme wie Vom Winde verweht bedienten sich solcher Darstellungen.

Der Film wurde in der Zeit des Pre-Codes gedreht, einer Phase des US-amerikanischen Films Anfang der 1930er Jahre vor der Einführung des Hays Codes, die schonungslos offen die amerikanische Gesellschaft widerspiegelte. Ein Merkmal des Pre-Codes waren anzügliche Dialoge. Zwar werden in Dschungel im Sturm keine Sexszenen gezeigt, doch sie werden mehrfach angedeutet und es sind zahlreiche Kussszenen enthalten. Viele Dialoge weisen anzügliche Anspielungen und Doppeldeutigkeiten auf. So sagt etwa der alte Aufseher Mac, wenn das Jahr 1894 wäre, wüsste er was er mit Vantine spielen würde. Weiterhin deutet Vantine ihre Arbeit als Prostituierte an, als sie erwähnt, dass sie es nicht gewohnt sei nachts zu schlafen. Die Figuren im Film sind keinesfalls Helden und verfolgen ihre eigenen Ziele: Vantine ist eine freizügige und freche Prostituierte, die der teilweise proletenhafte Dennis zu Beginn des Films in ihrer Verliebtheit ausnutzt. Auch die zunächst fein erscheinende Barbara beginnt eine Affäre mit Dennis.[2][3]

In einer Szene des Films nimmt Jean Harlow ein Bad in einer Regentonne. Diese Szene wiederholte sie ein Jahr später in dem Film Sexbombe (OT: Bombshell), wiederum unter der Regie von Victor Fleming.

Produktionsgeschichte[Bearbeiten]

Das Budget von Dschungel im Sturm betrug rund 400.000 US-Dollar, eine für damalige Zeit durchschnittliche Summe für einen Film. Das Drehbuch basiert auf einem Bühnenstück von Wilson Collison, das am 2. Januar 1928 seine Broadway-Premiere hatte, jedoch nur acht Tage lief und von der Kritik teilweise heftig zerrissen wurde. In den Hauptrollen wurden mit Clark Gable und Jean Harlow zwei aufstrebende Stars besetzt, die ein Jahr zuvor im Film The Secret Six in Nebenrollen erstmals miteinander gespielt hatten. Ursprünglich sollte Greta Garbo die Rolle der Vantine übernehmen, als diese ablehnte, bekam Harlow ihre Chance. Insgesamt sollten Gable und Harlow bis zu Harlows frühen Tod im Jahr 1937 sechs Filme miteinander drehen und zu bedeutenden Stars in Hollywood aufsteigen.

Die Regie sollte ursprünglich Howard Hawks führen, der jedoch nach Differenzen mit dem Stusio von Victor Fleming ersetzt wurde. Fleming erhielt im englischen Vorspann des Filmes keinen Credit. Sieben Jahre später sollte Fleming mit Clark Gable auch beim Hollywood-Klassiker Vom Winde verweht zusammenarbeiten und den Oscar als bester Regisseur erhalten. Für die Filmbauten von Dschungel im Sturm sorgte Cedric Gibbons, für den Ton war Douglas Shearer verantwortlich. Die Kostüme entwarf Gilbert Adrian. Der gesamte Film wurde nicht in Vietnam, sondern in einer großen Kulisse im MGM-Studio in Kalifornien gedreht. Dafür wurde eigens eine Dschungellandschaft nachgebildet und ein künstlicher Fluss angelegt.[4]

Die Dreharbeiten im September 1932 wurden teilweise vom Suizid von Harlows Ehemann, dem Filmproduzenten Paul Bern, überschattet. Harlow unterbrach für zehn Tage ihre Arbeit, während Szenen ohne ihre Beteiligung gedreht wurden. Der Film konnte trotz der Unterbrechung rechtzeitig fertiggestellt werden.

Synchronisation[Bearbeiten]

Es existiert eine Synchronfassung, in der Clark Gable von Norbert Langer und Tully Marshall von Peter Capell gesprochen wird.

Rezeption[Bearbeiten]

Die Veröffentlichung des Filmes in den Vereinigten Staaten fand am 22. Oktober 1932 statt. Zur Veröffentlichung in den europäischen Kinos kam es erst im Jahre 1933. Deshalb wurde der Film auch nie in den deutschen Kinos gezeigt, weil er den Nationalsozialisten als unziemlich galt. Seine deutsche Premiere erfuhr der Film am 2. Mai 1981 im dritten Programm des Bayerischen Rundfunks, fast fünfzig Jahre nach Erscheinen des Filmes. Weltweit spielte der Film gute 1,2 Millionen US-Dollar ein, also das dreifache des Budgets.[5]

1940 drehte Henry C. Potter ein Remake unter dem Titel Congo Maisie mit Ann Sothern und John Carroll in den Hauptrollen. Zur selben Zeit spielte Gable seine Rolle erneut in einem Radiohörspiel. Ein weiteres Remake drehte John Ford mit Mogambo, das 1953 in die Kinos kam. Clark Gable stand auch in diesem Film als Hauptdarsteller vor der Kamera. Seine Filmpartnerinnen waren dabei Ava Gardner und Grace Kelly. Beide Remakes spielten in Afrika.

Bei der Veröffentlichung waren die Kritiken wohlwollend. Mordaunt Hall schrieb in der New York Times, der Dialog sei zwar nicht besonders stark, doch würde Jean Harlow einige Lacher beim Publikum aus ihren Zeilen hervorbringen. Harlow würde perfekt in die Rolle passen und hätte eine gute Leinwandpräsenz. Auch Clark Gable und Mary Astor wurden gelobt, so würde Astor den Unterschied ihrer Figur zu Harlow gut herausstellen. Hall fand ebenfalls Gefallen an Gene Raymond und Tully Marshall, die aus ihren kleinen Rollen das Beste machen würden.[6] In den folgenden Jahrzehnten wurde der Film wegen des 1934 eingeführten Hays Codes bis in die 1960er-Jahre weitgehend vernachlässigt.

Dschungel im Sturm wurde 2006 ins National Film Registry des National Film Preservation Board aufgenommen. Heute sind die Kritiken bis auf Kritik an der Darstellung der Vietnamesen im Allgemeinen sehr gut. So fielen etwa alle sieben Kritiken bei Rotten Tomatoes positiv aus. Auch die folgenden Kritiken bewerteten den Film positiv:

„Flemings Film war mit seinen Hollywood-Stars seinerzeit ein großer Erfolg und gilt als ein Höhepunkt des erotischen Kinos der 30er Jahre.“

Lexikon des Internationalen Films[7]

„Gepfefferte Situationen und anzügliche Dialoge brachten Hollywoods Zensoren ins Schwitzen.“

Cinema[8]

„Die aufwändige Hollywoodproduktion basiert auf einem bekannten Bühnenstück von Wilson Collison und vereint gleich vier Superstars der 30er Jahre. Die Story verbindet gekonnt die knisternde erotische Atmosphäre mit den Naturgewalten des asiatischen Dschungels.“

Rheinische Post[9]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://derwahlberliner.wordpress.com/2012/04/30/dschungel-im-sturm-red-dust-usa-1932-filmanthologie-59/
  2. http://derwahlberliner.wordpress.com/2012/04/30/dschungel-im-sturm-red-dust-usa-1932-filmanthologie-59/
  3. http://pre-code.com/pre-code-follies-red-dust-1932/
  4. http://www.moviediva.com/MD_root/reviewpages/MDRedDust.htm
  5. Einspielergebnis auf imdb.com
  6. http://www.nytimes.com/movie/review?res=9802EFDE1E31E333A25756C0A9679D946394D6CF
  7. Dschungel im Sturm im Lexikon des Internationalen Films
  8. Dschungel im Sturm auf cinema.de
  9. Dschungel im Sturm auf rp-online.de