Enjott Schneider

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Enjott bzw N. J. Schneider (* 25. Mai 1950 in Weil am Rhein, bis 1998 Norbert Jürgen Schneider)[1] ist ein deutscher Komponist, Musikwissenschaftler und Hochschullehrer.

Allgemeines[Bearbeiten]

Enjott Schneider ist ein deutscher Filmkomponist. Er lebt und arbeitet in München, wo er seit 1979 – nach Studium und musikwissenschaftlicher Promotion in Freiburg – eine Professur an der Musikhochschule bekleidet. Zunächst handelte es sich um eine Professur für Musiktheorie, die aber später in die erste Filmmusikprofessur in Deutschland umgewandelt wurde. Die Studierenden von Enjott Schneider werden als Filmkomponisten ausgebildet.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

In seiner Jugend erlernte Schneider zahlreiche Instrumente, so unter anderem Violine, Klavier, Akkordeon, Trompete und Orgel. Im Alter von 19 Jahren nahm er in Huningue (Frankreich) eine Organistenstelle an. Ebenso betätigte er sich als Keyboarder in der Popgruppe Kaktus. Ab 1975 war er als Kirchenmusiker in Hinterzarten (Schwarzwald) tätig. 1969 nahm er ein Studium der Musiktheorie, Schulmusik, Orgel und Trompete an der Musikhochschule Freiburg im Breisgau auf. Gleichzeitig studierte er an der dortigen Universität Musikwissenschaft, Germanistik und Linguistik und promovierte 1977 bei Hans Heinrich Eggebrecht zum Dr. phil.

1988 richtete er das Tonstudio Augenklang ein, das 1997 durch das Greenhouse Studio abgelöst wurde. Um 1993 lehrte er am Staatlichen Filminstitut in Pune (Indien) und wurde 1996 an der Hochschule für Musik in München Professor für Komposition für Film und Fernsehen.

Schneiders kompositorisches Schaffen umfasst ein breites Spektrum: Werke für Orchester, Orgel, Kammermusik sowie Vokal- und Bühnenwerke. Seine zahlreichen Veröffentlichungen befassen sich mit Musiktheorie, Musikpädagogik, Neuer Musik und Musik in audiovisuellen Medien.

Enjott Schneider ist Mitglied im Aufsichtsrat der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA), seit März 2012 als Vorsitzender. Auf seiner privaten Webseite fasst er seine Philosophie in dem Satz zusammen „Musik ist Kunst, – kontra Kommerz und Kapitalismus.“[1] In einem Blogeintrag erläutert er: Wenn „heute ‚geistiges Eigentum‘ infragegestellt wird, dann geht es nicht ‚nur‘ um Komponisten- oder GEMA-Probleme, sondern es ist ein Indikator dass wir wieder zu feudalen und diktatorischen Mentalitätsstrukturen zurückfallen, – unsere Freiheit des Ausdruck[s] und der Meinung geht in der aggressiv-kapi[t]alistischen Reglementierung der Menschen durch Konzerne, internationalisiertes Kapital und Profitmaximierung zugrunde.“[2]

Am 25. Juni 2013 wurde Schneider zum Präsidenten des Deutschen Komponistenverbands gewählt.[3]

Ausgewählte Werke[Bearbeiten]

Musik für Kinofilme[Bearbeiten]

Musik für Fernsehfilme und -serien[Bearbeiten]

Musik für Dokumentarfilme[Bearbeiten]

  • 2002: Stalingrad – Der Angriff
Stalingrad – Der Kessel
Stalingrad – Der Untergang
  • 2004: Das Wunder von Bern. Die wahre Geschichte
Hitlers Helfer: Gustav und Alfried Krupp. Die Waffenschmiede
Das Große Drama von Dresden
  • 2006: Das Verflixte Dritte Tor – Wembley 1966: Die Wahre Geschichte
Stalingrad
  • 2007: Der Olympia-Mord. München72 – Die wahre Geschichte
Majestät! Die Deutsche und der König: Silvia und Carl Gustaf von Schweden
  • 2008: Franz Josef Strauß – eine deutsche Geschichte
Deichmann – Auf leisen Sohlen zum Erfolg
Das göttliche Paar: Bhumipol und Sirikit von Thailand
  • 2009: KRUPP – Mythos und Wahrheit
Daniel Westling – Der Prinz von Ockelbo
Wunder von Leipzig: Wir sind das Volk
Das Weltreich der Deutschen
  • 2010: Ein Prinz für Victoria
  • 2011: KÖNIGLICHE AFFÄREN: Carl Gustaf und die Schweden
  • 2012: Drei Leben: Axel Springer – Verleger – Feindbild – Privatmann

Bühnenwerke[Bearbeiten]

  • Das Salome-Prinzip (1983)
  • Albert warum?, Kammeroper für sieben Sänger, Zuspielelektronik und neun Instrumentalisten (1998)
  • Diana – Cry for Love, Memorial für Soli, Chor, Ballett und Orchester (2001/02)
  • Bahnwärter Thiel, Oper in acht Bildern nach der gleichnamigen novellistischen Studie von Gerhart Hauptmann (2003)
  • nullvier – keiner kommt an Gott vorbei, Musical zum 100. Jubiläum des Fußballvereins FC Schalke 04
  • Fürst Pückler – Ich bin ein Kind der Fantasie, Oper in zwei Akten (2005)

Orchesterwerke[Bearbeiten]

  • Evolution, Konzert für Klavier und Orchester (1991)
  • Teatrissimo, Ratatouille für Orchester (1997)
  • Glocken-Sinfonie, „Lied an das Leben“ (1. Sinfonie) nach Texten aus dem Konzentrationslager Buchenwald (1998/99)
  • Sisyphos (Sinfonie Nr. 2) (2000)
  • Vivaldissimo, Konzert für zwei Trompeten, Streichorchester und Cembalo (2000)
  • Echo, Konzert für Orgel und Streichorchester (2002)
  • Veränderungen, Konzert für Sheng und Orchester (2002/03)
  • The Tinguely Machine for 12 brass players and symphonic orchestra (2004)
  • At the Edge of Time, Reflections on Mozarts Requiem KV 626 (2006)
  • Hiob, Konzert für Orgel und Orchester (2007)

Sonstige Werke[Bearbeiten]

  • Toccata „Schlafes Bruder“ für Orgel (Musik zur Verfilmung des Romans Schlafes Bruder von Robert Schneider, 1994)
  • Ali und der Zauberkrug, Ein musikalisches Märchen für Kinder, Text nach einem afrikanischen Märchen eingerichtet von Peter Andersen (2002)
  • Begleitmusiken zu einigen Silhouettenfilmen wie Dr. Doolittle und seine Tiere, Cinderella – Aschenputtel, Thumbelina – Däumelinchen, Puss-in-Boots – Der gestiefelte Kater
  • Eine Vertonung des Sonnengesangs des Franz von Assisi für gemischten Chor (Welturaufführung am 30. März 2008 in Inkamana (Südafrika), deutsche Erstaufführung am 25. Juli 2008 im Regensburger Dom, beide Male gesungen von den Regensburger Domspatzen)
  • Oratorium Augustinus für Soli, Chor und Orchester, uraufgeführt am 15. November 2009 in der Pfarrkirche St. Augustin Ingolstadt
  • Dominus resurrexit et ascendit, Oratorium zu Ostern und Himmelfahrt, uraufgeführt am 25. April 2011 in der Pfarrkirche St. Pantaleon Köln

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Kirchenmusik – Eine Kunstform stirbt aus? In: GEMA-Nachrichten, November 2005 (Ausgabe 172), S. 16–21 wiederveröffentlicht in: Forum Kirchenmusik, Mai–Juni 2006.
  • Komponieren für Film und Fernsehen. Schott-Verlag 1997. 3. Aufl. 2005, ISBN 3-7957-8708-4.
  • Die Kunst des Teilens. Zeit – Rhythmus – Zahl. 1991.
  • Handbuch Filmmusik II. Musik im dokumentarischen Film. Ölschläger, München 1989, ISBN 3-88295-132-X.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1990 Bayerischer Filmpreis für Filmmusik
  • 1991 Filmband in Gold für Filmmusik
  • 1996 Golden Score
  • 2001 in Biarritz den „Fipa d’or“ (beste europäische Filmmusik „series et feuilletons“)
  • 2007 Deutscher Fernsehpreis für beste Filmmusik

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Enjott Schneider: Enjott Schneider.... Website von Enjott Schneider, abgerufen am 27. Dezember 2013.
  2. Enjott Schneider: Keine Freiheit ohne Urheberrecht!!! Website von Enjott Schneider, 22. August 2012. Abgerufen am 27. Dezember 2013.
  3. Deutscher Komponistenverband unter neuer Leitung und mit neuem Look. Deutscher Komponistenverband, 30. Juni 2013. Abgerufen am 27. Dezember 2013.