Laconia (Film)

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Filmdaten
Deutscher Titel Laconia
Originaltitel The Sinking of the Laconia
The sinking of the Laconia.png
Produktionsland Vereinigtes Königreich, Deutschland
Originalsprache Englisch, Deutsch
Erscheinungsjahr 2011
Länge 180 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Uwe Janson
Drehbuch Alan Bleasdale
Produktion Nico Hofmann
Musik Enjott Schneider
Kamera Michael Schreitel
Schnitt Tobias Haas
Matthew Newman
Besetzung

Laconia (Originaltitel The Sinking of the Laconia) ist ein zweiteiliger deutsch-britischer Spielfilm aus dem Jahr 2011.[1] Er handelt von der Versenkung der RMS Laconia am 12. September 1942 und der folgenden Rettungsaktion durch Werner Hartenstein im Zweiten Weltkrieg, die zum Laconia-Befehl des Befehlshabers der U-Boote Admiral Karl Dönitz führte.

Handlung[Bearbeiten]

Hildegard Schmidt, die in München als Tochter eines deutschen Vaters und einer britischen Mutter geboren wurde, flieht mit ihrer sechs Wochen alten Nichte aus Deutschland vor der Gestapo, um über Ägypten nach England zu reisen. In Sues geht Hildegard Schmidt an Bord der Laconia, wo sie sich gegenüber den anderen Passagieren als Britin ausgibt. Mit ihr befinden sich auf der Laconia, einem zum Truppentransporter umgebauten Passagierschiff, neben über 360 weiteren zivilen Passagieren zugleich knapp 270 britische Soldaten, über 1.800 italienische Kriegsgefangene sowie mehr als 100 polnische Soldaten, die mit der Bewachung der Italiener betraut sind. Die Laconia macht sich auf die zunächst ruhige Fahrt durch den Golf von Sues und umrundet das Kap der Guten Hoffnung ohne weitere Zwischenfälle.

Doch als sich die Laconia im Atlantik vor der westafrikanischen Küste befindet, wird der Rauch ihres Schornsteins durch die Besatzung des deutschen U-Boots U 156 am Horizont gesichtet. In der Annahme, es handele sich um ein mit britischen Soldaten besetztes Kriegsschiff, eröffnet Kapitän Hartenstein, der Kommandant von U 156, das Feuer auf das Schiff. Daraufhin sendet die Laconia den Morsecode SSS zur Signalisierung, dass sie von U-Booten angegriffen wurde, und sendet zudem den Hilferuf SOS. Auf keine dieser beiden Funksprüche erhält sie Antworten. Infolge des Beschusses sinkt die Laconia. Als Hartenstein feststellt, dass sich nicht nur die vermuteten Soldaten, sondern auch Frauen, Kinder und über 1.800 italienische Kriegsgefangene an Bord befanden, befiehlt Hartenstein eine Rettungsaktion. Beim Sprung von der sinkenden Laconia entgleitet Hildegard Schmidt ihre kleine Nichte, die sie in den dunklen Wogen nicht mehr finden kann.

Das deutsche U-Boot nimmt mehrere hundert Schiffbrüchige an Bord, darunter Hildegard Schmidt, und reiht mehrere Rettungsboote am Heck des U-Bootes auf. Per Funk wird ein verschlüsselter Funkspruch an das in Paris befindliche Hauptquartier abgesetzt, um weitere Anweisungen zu erhalten, wie mit den aufgenommenen Passagieren im Hinblick auf die begrenzten Vorräte weiter verfahren werden soll. Das deutsche Oberkommando meldet sich nicht zurück. Daraufhin informiert Hartenstein in einem englischsprachigen Funkspruch die Alliierten über seine Situation und bietet an, dass er helfende Schiffe nicht angreifen würde, sofern er ebenfalls keine Bedrohung von See oder aus der Luft erfahre. Nach einiger Zeit treffen das deutsche U 506 unter Kapitänleutnant Erich Würdemann und einige Stunden später U 507 unter Korvettenkapitän Harro Schacht sowie das italienische U-Boot Cappellini ein und übernehmen die italienischen Soldaten sowie etwa die Hälfte der Briten.

Nachdem die drei U-Boote sich auf den Rückweg gemacht haben, wird die U 156, deren Besatzung eine Rot-Kreuz-Flagge an Deck ausgelegt hatte, von einem US-amerikanischen Bomber des Typs B-24 Liberator attackiert, der vom Militärflugplatz Wideawake auf Ascension gestartet war. Nach zwei Bombentreffern ist die U 156 schwer beschädigt und wird nur deshalb nicht versenkt, da der Bomber bei seinem Aufklärungsflug keine weitere Bomben mit sich führt. Nachdem der Bomber abgedreht hat, werden die von der U-Boot-Besatzung aufgenommenen Schiffbrüchigen von Bord geschafft und in Rettungsbooten ausgesetzt, damit das angegriffene deutsche U-Boot repariert werden und abtauchen kann. Den ausgesetzten Schiffbrüchigen wird die Anweisung mitgegeben, die Position nicht zu verlassen, da sich ein französisches Schiff auf dem Weg zu ihrer Rettung befindet. Drei der vier Rettungsboote halten sich an diese Empfehlung, das vierte versucht die knapp 650 Seemeilen entfernte afrikanische West-Küste aus eigener Kraft zu erreichen. Nach 30 Tagen auf See erreichen die letzten Überlebenden dieses Rettungsbootes die Küste. Die anderen drei Boote sind zwischenzeitlich von dem angekündigten französischen Schiff aufgenommen worden.

Noch während sich Hartenstein auf See befand, wurde von Befehlshaber der U-Boote Admiral Karl Dönitz der Laconia-Befehl herausgegeben, der untersagte, Schiffbrüchige aufzunehmen. Nach seiner Rückkehr erhält Hartenstein das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes.

Hintergrund[Bearbeiten]

teamWorx und die britische Firma Talkback Thames, beides Tochtergesellschaften der RTL Group, stießen bei der Suche nach gemeinsam zu verfilmenden Themen unabhängig voneinander auf die Geschichte des Untergangs der Laconia.[2] Von Beginn an wurde arbeitsteilig mit einem britischen Drehbuchautoren und einem deutschen Regisseur geplant, die mit Alan Bleasdale und Uwe Janson gefunden werden konnten.[2] Die Produktionsfirma des Films war teamWorx, das Schreiben des Drehbuchs dauerte mehrere Jahre.[3] Die Produktion kostete rund 14 Millionen Euro, es wurde in Südafrika gedreht.[1] Die Dreharbeiten begannen im September 2009 und endeten im November 2009.[4] Im Januar 2011 strahlte BBC Two den Spielfilm aus und sendete am 9. Januar 2011 eine halbstündige Dokumentation unter dem Titel The Sinking of the Laconia: Survivors' Stories, in dem Originaltöne von Überlebenden des Schiffsuntergang der Laconia zu hören sind. Der Film Laconia war erstmals am 2. und 3. November 2011 im deutsch-sprachigen Free-TV bei ARD und ORF zu sehen. Am 4. November 2011 wurde der Film von Warner Home Video auf DVD mit FSK-12-Freigabe veröffentlicht.

Der Film wurde in zwei Versionen veröffentlicht, eine für den englischen und eine für den deutschsprachigen Fernsehmarkt, die unterschiedliche Schwerpunkte setzten. Beide Schnittfassungen sind auf DVD erhältlich.[5]

Der Nachbau des U-Bootes für die Dreharbeiten kostete 300.000 Euro.[6] Es wurde ein hundert Tonnen schweres, seetaugliches Stahlgerüst angefertigt, das für die Außenaufnahmen des U-Bootes verwendet wurde.[2] Ebenso wurde die Laconia in Teilen für die Dreharbeiten nachgebaut.[2]

Soundtrack[Bearbeiten]

Am 4. November 2011 wurde der Soundtrack vom Musiklabel Alhambra veröffentlicht. Er enthält 23 Musiktitel mit einer Gesamtspieldauer von 67:40 Minuten.

Synchronisation[Bearbeiten]

Der Film, der in deutsch-britischer Koproduktion entstand, wurde in englischer Sprache aufgezeichnet. Die deutschen Darsteller synchronisierten sich selbst.[7]

Darsteller Sprecher[7] Rolle
Andrew Buchan Peter Flechtner Mortimer
Ken Duken Ken Duken Hartenstein
Thomas Kretschmann Thomas Kretschmann Admiral Dönitz
Franka Potente Franka Potente Hilda
Ciarán McMenamin Gerrit Schmidt-Foß Declan McDermott
Lindsay Duncan Kerstin Sanders-Dornseif Elisabeth Fullwood
Frederick Lau Frederick Lau Fiedler
Morven Christie Alexandra Wilcke Laura Ferguson
Matthias Koeberlin Matthias Koeberlin Rostau
Ludovico Fremont Nico Mamone Vincenzo Di Giovanni
Roland Hemmo 1. Offizier
Frank Röth Besatzungsmitglied
Thomas Nero Wolff ein Vater

Rezeption[Bearbeiten]

Während der Film in der englischen Schnittfassung nach der Erstausstrahlung auf BBC Two im Januar 2011 fast euphorisch gelobt wurde, stieß die bei der ARD-Erstausstrahlung im November 2011 gezeigte Fassung, die für die deutschen Zuschauer vereinfacht und mit erklärenden inneren Monologen angereichert war, auf Ablehnung bei der Kritik. So setzte der Kritiker der FAZ die britische Fassung als „Film für mündige Zuschauer mit Geschmack“ in Kontrast zur ARD-Version. Diese sei „ein zäher Verschnitt, aus dem alles, was auch nur ein Mindestmaß an Kombinationsvermögen verlangt, entweder herausgeschnitten oder zu Tode erklärt“ wurde.[8] „Zwölf Millionen versenkt“, urteilte Doris Priesching vom Standard, nach deren Meinung der Film „leider kein großer Wurf“ sei.[6]

Die Website "Schnittberichte", auf unterschiedliche Filmfassungen spezialisiert, urteilte: "Allerdings wurde für die deutsche Fassung aber eine eigene Version angefertigt, die scheinbar nichts mehr mit der britischen Version gemein hat, sondern durch zahlreiche Umschnitte, Rückblenden, Off-Kommentare und Szenenergänzungen versucht hat, den schrecklichen Melodramen näher zu kommen, für die die Degeto Film, die hier als Co-Produzent fungierte, berüchtigt ist und regelmäßig kritisiert wird."[9]

Berhold Seewald von der Welt urteilt, das Drehbuch habe „alle Mühe, die historische Balance zu halten“, die Handlung sei „holzschnittartig“, allerdings „nicht ohne Unterhaltungswert“: „Gerade im unklaren Changieren zwischen militärischem Auftrag, Vorurteil und Menschlichkeit gewinnt »Laconia« seinen Reiz.“ Im Vergleich mit dem Klassiker Das Boot und dem Blockbuster Titanic schlage sich der Film trotz vergleichsweise geringem Budget „achtbar“. Seewalds Urteil lautet, der Film sei „gut durchkomponiert, fesselnd erzählt und historisch ordentlich gewichtet“.[10] „Ohne Pathos und stereotype Figuren geht's nicht, aber der Zweiteiler setzt dem fast vergessenen, tragischen Kriegshelden ein würdiges Denkmal“, urteilt die Redaktion von TV Spielfilm und resümiert, der Film sei eine „Hommage an einen Mann mit Gewissen“.[11]

Die Frankfurter Rundschau verteidigte die Degeto-Fassung: [3] „Der englische Autor Alan Bleasdale hatte keine Bedenken, den deutschen U-Boot-Kapitän zum Helden der Filmhandlung zu erklären.“[3] „Die deutschen Produzenten von Teamworx wollten dagegen keinesfalls in Vergessenheit geraten lassen, das Hartenstein das Schiff erst abgeschossen und dann die Schiffbrüchigen gerettet hatte.“[3] Kritisiert wurde, dass die Nationalsozialisten um Karl Dönitz zu positiv dargestellt würden[12][13].

Andere deutsche Kritiker lobten, dass der Film „nahe am Vorbild“[12] sei. Es gebe keine „Geschichtsklitterung“.[12] Tilmann Gangloff von der Stuttgarter Zeitung war der Meinung, der Film habe große Schauwerte zu bieten, und lobte die „herausragenden Darsteller“, allen voran Ken Duken und Franka Potente.[2] Kritisch sah er die deutschsprachige Synchronisation des Films, durch die sämtliche Darsteller in deutscher Sprache zu hören sind und der Moment, in dem sich Hildegard Schmidt zur Rettung von Mortimer als Deutsche zu erkennen gibt, deutlich an Wirkung verliere.[2]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

2011 erhielten Johnathan Young, Alan Bleasdale, Hilary Norrish und Uwe Janson Nominierungen für einen BAFTA-Award in der Kategorie Best Drama Serial.[14][15] Für eine Goldene Nymphe beim Fernsehfilmfestival in Monte Carlo wurde Ken Duken als bester Hauptdarsteller in einer Miniserie im selben Jahr nominiert.[14][15]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Schiffe versenken zur Primetime, stern.de vom 2. November 2011, abgerufen am 2. November 2011
  2. a b c d e f Stuttgarter Zeitung: ARD-Spielfilm „Laconia“: Melancholischer Kommandant mit Courage, Tilmann Gangloff, 2. November 2011
  3. a b c d Frankfurter Rundschau: TV-Verfilmung: Der „nette Nazi“ Hartenstein, 2. November 2011, abgerufen am 2. November 2011
  4. Internet Movie Database: Budget und Einspielergebnisse
  5. schnittberichte.com: Laconia in alternativer Schnittfassung heute in der ARD: Deutsch-Englische Co-Produktion mit weitreichenden Unterschieden, Doc Idaho, 2. November 2011
  6. a b Der Standard: Zwölf Millionen versenkt, Doris Priesching, 1. November 2011
  7. a b synchronkartei.de: Synchronisation
  8. Uwe Ebbinghaus: Ein großer Film wird weichgezeichnet. In: FAZ, 1. November 2011, S. 35.
  9. Schnittberichte: Laconia in alternativer Schnittfassung heute in der ARD, Doc Idaho, 2. November 2011
  10. Die Welt: U-Boot-Krieg in der ARD: Die „Laconia“ und der gute Nazi Werner Hartenstein, Berhold Seewald, 2. November 2011
  11. TV Spielfilm: TV-Kriegsdrama: Zweiteiler nach Fakten, 2011
  12. a b c Millionen sahen U-Boot-Drama: Wie viel Wahrheit steckt in „Laconia“?, von Bernd Peters, berliner-kurier.de vom 3. November 2011, abgerufen am 3. November 2011
  13. Die „Laconia“ und der gute Nazi Werner Hartenstein, von Berthold Seewald, welt.de vom 2. November 2011, abgerufen am 3. November 2011
  14. a b UFA: Nominierungen für LACONIA – teamWorx-Produktion sowohl für BAFTAs als auch für Goldene Nymphe nominiert, Anja Käumle, 2. Mai 2011
  15. a b Internet Movie Database: Nominierungen und Auszeichnungen