Erdnussöl

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Erdnussöl
Rohstoffpflanze(n)

Erdnuss (Arachis hypogaea)

Farbe

blaßgelb, klar[1]

Inhaltsstoffe
Ölsäure 35–69%[2]
Linolsäure 13–35%[2]
Palmitinsäure 8–14%[2]
Σ gesättigte Fettsäuren 16,9%[3]
Σ einfach ungesättigte Fettsäuren 46,2%[3]
Σ mehrfach ungesättigte Fettsäuren 32,0%[3]
Eigenschaften
Dichte 0,912–0,918[1]
Rauchpunkt 200–235 °C[4]
Herstellung und Verbrauch
Wichtigste Produktionsländer China, Indien, USA, Argentinien, Indonesien, Myanmar, Nigeria, Sudan, Senegal[2]
Flasche mit Erdnussöl

Erdnussöl ist das aus den Samen der Erdnuss (Arachis hypogaea) gepresste Pflanzenöl.

Gewinnung[Bearbeiten]

Nach der Ernte müssen die Erdnüsse für etwa 2–4 Wochen getrocknet werden, da während dieser Zeit der Wassergehalt von ca. 40 % auf nur noch etwa 7 bis 5 % reduziert wird. Anschließend werden die Erdnüsse, die nun einen Fettgehalt von etwa 45 % haben, von ihrer Schale befreit. Dies geschieht meist mit Hilfe von Scheibenmühlen oder Riffelwalzen. Um nun das Öl aus den Samen zu gewinnen, müssen diese über Siebe gereinigt, auf Walzenstühlen zerkleinert und in Schneckenpressen kaltgepresst werden. Will man den Restgehalt an Öl, der sonst im Presskuchen verbleiben würde, auch noch gewinnen, extrahiert man ihn mit n-Hexan. Aus dem Extrakt wird dann das n-Hexan abdestilliert, als Rückstand verbleibt Erdnussöl einer minderen Qualität, verglichen mit dem durch Kaltpressung gewonnenen Öl.

Durch eine Laugenbehandlung können Spuren von Aflatoxinen, die ins Öl gelangt sind, durch den Neutralisierungsprozess inaktiviert werden. Kaltgepresstes und extrahiertes Erdnussöl lassen sich zudem auch leicht mit Aktivkohle bleichen und desodorieren. Durch partielle Hydrierung gelingt außerdem die Weiterverarbeitung des Erdnussöls zu Arachidis oleum hydrogenatum (gehärtetem Erdnussöl).

Eigenschaften[Bearbeiten]

Man unterscheidet zwischen dem Erdnussöl und dem Afrikanischen Erdnussöl. Erdnussöl hat eine leicht gelbliche Färbung, wohingegen raffiniertes Erdnussöl aus einer weißen, fettig anzufühlenden Masse besteht. Afrikanisches Erdnussöl bildet eine farblos bis gelbstichige Flüssigkeit.

Kaltgepresstes Erdnussöl besitzt eine leichte bis deutliche Erdnussnote und riecht leicht fruchtig und rostig. Gehärtetes dagegen ist fast geruchlos. Auch afrikanisches Erdnussöl weist eine Erdnussnote auf. Geschmacklich ist afrikanisches Öl eher mild und nussig. Erdnussöl besitzt nach der ersten Kaltpressung noch einen sehr angenehmen Geschmack, raffiniertes allerdings ist fast geschmacklos. Der Rauchpunkt von Erdnussöl liegt bei etwa 160 °C, der von raffiniertem bei ca. 232 °C. Der Schmelzpunkt von Erdnussöl liegt zwischen −2 °C bis + 3 °C.

Vorteilhaft am Erdnussöl ist, dass es nicht so schnell ranzig wird wie viele andere Öle. Wenn es verschlossen, dunkel und gekühlt aufbewahrt wird, dann ist es ein bis zwei Jahre haltbar. Und selbst bei ungekühlter Aufbewahrung hält es sich mehrere Monate lang. Allerdings sollte auch beachtet werden, dass dieses Öl bei etwa 10 °C bereits dickflüssig wird und zwischen 3 bis −2 °C schließlich fest.

Allgemeine chemische Struktur von Ölen, wie Erdnussöl. Darin sind R1, R2 und R3 Alkylreste (ca. 10 bis 15 %) oder Alkenylreste (ca. 85 bis 90 %) mit einer meist ungeraden Anzahl von Kohlenstoffatomen. Erdnussöl ist wie andere Öle ein Gemisch von Triestern des Glycerins.

Zusammensetzung[Bearbeiten]

Erdnussöl besteht aus Triacylglycerinen, ist also ein Triester des Glycerins. Die Fettsäurereste im Erdnussöl sind variabel und abhängig vom Anbaugebiet der für die Ölgewinnung verwendeten Erdnüsse. Durchschnittlich enthalten Erdnussöle etwa 35 bis 69 % einfach-ungesättigte Ölsäurereste und ca. 13–35 % zweifach-ungesättigte Linolsäurereste. Daneben sind noch gesättigte Fettsäurereste, abgeleitet von ca. 8–14 % Palmitinsäure, etwa 1–4 % Stearinsäure, ca. 1–2 % Arachinsäure, noch etwa 2–5 % Behensäure und ca. 1–2 % Lignocerinsäure im Erdnussöl zu finden. Des Weiteren kommen Tocopherole (mehrere Vitamin E –Formen), weitere Antioxidantien, Lecithin, Kohlenwasserstoffe und Sterole vor. Es fehlen Omega-3-Fettsäurereste. Der Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäureresten ist relativ gering. Im Durchschnitt fällt aber auf, dass die Fettsäurereste des Erdnussöls aus Afrika einen erhöhten Ölsäureanteil enthalten, wohingegen im Erdnussöl aus Südamerika Linolsäurereste und Ölsäurereste etwa zu gleichen Teilen vorkommen.[2][3]

Verwendung[Bearbeiten]

Pharmazie und Medizin[Bearbeiten]

Im Bereich der Medizin und Pharmazie ist es vielseitig anwendbar. So kann es beispielsweise als Klistier zur Erweichung von hartem Kot im Enddarm angewandt werden oder wegen seines Gehalts an ungesättigten Fettsäuren in den Triacylglyceriden den Cholesterinspiegel senken. In der pharmazeutischen Technologie dient es als Trägerstoff für fettlösliche Wirkstoffe zum äußerlichen, enteralen oder parenteralen Gebrauch, besonders für Sexualhormone mit Depotwirkung und als Öl für Augentropfen. In der Dermatologie gilt Erdnussöl als hilfreich gegen Krusten und Hautschuppen im Bereich des Kopfes. Es kann aber ebenso zur Säuglingspflege und auch als Badezusatz zur Behandlung von subakuten, chronischen Ekzemen sowie bei atopischen Ekzemen und Ichthyosis verwendet werden.[3][2] Außerdem dient gehärtetes Erdnussöl wegen seines guten Wasseraufnahmevermögens als Salbengrundlage. Früher war es häufiger Bestandteil in alten Rezepturen wie beispielsweise in der Camphersalbe (Eine Salbe, die bei Muskel-, Gelenk- und Rheumaschmerzen oder bei Erkältung und Grippe helfen soll, da sie durchblutungsfördernd und schmerzstillend wirkt, und außerdem öfters in Nasensalben oder Erkältungsbalsamen zu finden ist.) Heute jedoch wird dieses Öl immer seltener zur Arzneimittelherstellung verwendet, da es trotz partieller Hydrierung der Doppelbindungen im Fettsäureanteil der Tricylglyceride immer noch ranzig wird.

Naturheilkunde[Bearbeiten]

Aber auch in der Naturheilkunde kommt Erdnussöl zum Einsatz, um u.a. Arteriosklerose, Blasenentzündungen, Sonnenbrände, Stress, Stuhlverstopfungen, Verdauungsschwächen und Cellulite nach dem Sonnenbaden zu behandeln.

Kosmetik[Bearbeiten]

In diesem Bereich wird Erdnussöl gerne als Massageöl verwendet, da es nur langsam in die Haut einzieht und gute Gleiteigenschaften besitzt. Deshalb bildet es ein gutes Basisöl für Massagen. Des Weiteren findet das Erdnussöl Einsatz als Badeöl oder zumindest als Badeölzusatz. Außerdem gilt dieses Öl hier wegen seines hohen Fettanteils auch als guter Hautschutz und kommt deswegen öfter in Haut- und Sonnenölen vor. Es ist sowohl für Säuglings- und Kinderpflege als auch für Haut- und Kopfhautpflegemittel anwendbar. Sehr gut hilft es auch gegen sehr trockene oder schuppige Haut und gegen Ekzeme.

Industrie[Bearbeiten]

Häufig wird dieses Öl auch in der Lebensmittelindustrie gebraucht, um Margarine herzustellen oder um Suppen und Gewürze zu verfeinern. Daneben kann es außerdem für die Produktion von Seifen oder Anstrichmitteln angewandt werden. Darüber hinaus wurde vor einiger Zeit in einem Versuch gezeigt, dass Erdnussöl auch zur motorischen Verbrennung geeignet ist.

Küche[Bearbeiten]

Aufgrund seines hohen Flammpunktes besitzt das Öl eine gute Hitzestabilität und findet besonders wenn hohe Temperaturen gewünscht sind, wie etwa beim Braten, Grillen oder Frittieren, Verwendung (vor allem in der chinesischen und asiatischen Küche).

Das bei der Ölgewinnung entstehende Koppelprodukt, der Presskuchen, wird gerne zu eiweißreichem Tierfutter oder zu Bodendüngemitteln weiterverarbeitet.

Mischbarkeit[Bearbeiten]

Das Öl ist in jedem Verhältnis mischbar mit Ether, Petrolether, Chloroform, Benzol; es ist schwer mischbar mit absolutem Ethanol und unmischbar mit Wasser.[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Spezifikationen Erdnußöl, raffiniert
  2. a b c d e f Erdnussöl. Abgerufen am 7. September 2010.
  3. a b c d e USDA National Nutrient Database for Standard Reference, SR19
  4. Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Das passende Fett zum Braten und Frittieren, 1. Januar 2003.