Ernst Rudorff

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Ernst Rudorff
Unterschrift
Ernst Rudorff-Briefmarke, 1990

Ernst Friedrich Karl Rudorff (* 18. Januar 1840 in Berlin; † 31. Dezember 1916 in Lichterfelde bei Berlin) war ein deutscher Komponist, Musikpädagoge und Naturschützer.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Ernst Rudorff war ein Kind aus der Ehe des Juraprofessors Adolf August Friedrich Rudorff (1803–1873) mit Friederike Dorothea Elisabeth Rudorff geb. Pistor (1808–1887), genannt Betty. Ersten Klavierunterricht erhielt er von seiner Patentante Marie Lichtenstein (1817–1890), einer Tochter von Martin Hinrich Lichtenstein und Freundin von Clara Schumann

Musik[Bearbeiten]

Rudorff war von 1852 bis 1857 Schüler von Woldemar Bargiel und erhielt auf dessen Vermittlung einige Klavierstunden bei Clara Schumann, mit der ihn seitdem eine lebenslange Freundschaft verband. Ab 1859 studierte er am Leipziger Konservatorium, wo er Schüler von Ignaz Moscheles, Louis Plaidy und Julius Rietz war. Außerdem erhielt er Unterricht von Moritz Hauptmann und Carl Reinecke. 1865 wurde er Lehrer für Klavier am Kölner Konservatorium, wo er 1867 den Bach-Verein Köln gründete.

Im Herbst 1869 wurde er Professor für Klavier und Orgel an der Königlichen Hochschule für Musik in Berlin-Charlottenburg, wo er bis zu seiner Pensionierung 1910 tätig war. Daneben leitete er von 1880 bis 1890 als Nachfolger von Max Bruch den Stern’schen Gesangverein.

Rudorffs kompositorisches Werk ist der Musik der Romantik verpflichtet und zeigt u. a. den Einfluss Robert Schumanns. Er wird dem Kreis der sogenannten „Berliner Akademiker“ zugerechnet, zu dem unter anderen auch Friedrich Kiel, Max Bruch und Heinrich von Herzogenberg gehörten.

Er war Herausgeber von Carl Maria von Webers Euryanthe, der Klavierkonzerte und Klaviersonaten von Wolfgang Amadeus Mozart und der Briefe Webers an Hinrich Lichtenstein.

Naturschutz[Bearbeiten]

Er wuchs in Berlin auf, wo er auch den Großteil seines Lebens verbrachte. Regelmäßig zog er sich aus dem Stadtleben in das elterliche Anwesen Knabenburg in Lauenstein am Ith, einem Dorf im Weser-Leine-Bergland in Niedersachsen, zurück. Er erwarb die Ruine der Burg Lauenstein mit dem Burgberg, auf dem ein Bierlokal errichtet werden sollte,[1] um sie zu bewahren und allgemein zugänglich zu halten.

Rudorff erlebte den Einbruch der „neuen Zeit“ in sein Jugendidyll, Verkoppelung und Gemeinschaftsteilung in der Dorfmark betrafen auch das elterliche Gut. Er rettete in Lauenstein alte Eichen an einem Fußweg, verhinderte, dass in einem Wiesental Koppeln eingerichtet wurden und schuf dort Waldränder, Hecken, Galeriewälder entlang des Baches. Dadurch erreichte er, dass artenreiche Wiesengründe entstanden. Er setzte in dem schon umgebrochenen Land durch, dass Bäume und Hecken gepflanzt wurden.

Aus dem Siebengebirge brachte er Landschaftseindrücke mit in seine brandenburgische Heimat. Um 1886 forderte er in einer Eingabe die Schonung landschaftlicher Eigentümlichkeiten und in seinen Tagebüchern finden sich damals Gedanken über die Gründung eines „Vereins zum Schutze der Natur“. Viele prägende Landschaftselemente in und um Lauenstein würden ohne sein Wirken heute nicht mehr existieren.

1897 prägte Rudorff das Wort „Heimatschutz“ in einer ausführlichen Darstellung seiner Gedanken und Forderungen. Zusammen mit den beiden Artikeln im Grenzboten war dies der Anlass zur Gründung des Deutschen Bundes Heimatschutz am 30. März 1904. Hierbei war Rudorff dagegen, dass auch Deutsche jüdischen Glaubens und Frauen den Gründungsaufruf unterzeichneten. Auch in seinen Schriften bediente er sich völkischer Argumente. Mit seiner Vorstellung von Naturschutz als „Heimatschutz“ wollte er den ihm verhassten „Materialismus“ und die „Ideen der roten Internationale“ bekämpfen.[2]

Werke[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

  • Ueber das Verhältniss des modernen Lebens zur Natur. Berlin 1880.
  • Der Schutz der landschaftlichen Natur und der geschichtlichen Denkmäler Deutschlands. Vortrag, gehalten zu Berlin im Allgemeinen Deutschen Verein am 30. März 1892. Berlin 1892.
  • Heimatschutz. 1897 (Neudruck: Reichl, St. Goar 1994, ISBN 3-87667-139-6)
  • Aus den Tagen der Romantik. Bildnis einer deutschen Familie. Leipzig 1938 (Neudruck:Campus, Frankfurt a. M. 2008, ISBN 978-3-593-38162-6)
  • Carl Maria von Weber: Briefe an Hinrich Lichtenstein. Hrsgg. von Ernst Rudorff. Braunschweig 1900.

Kompositorisches Werk[Bearbeiten]

Orchesterwerke[Bearbeiten]

  • Ouvertüre zu Ludwig Tiecks Märchen Der blonde Eckbert op. 8
  • Ouvertüre zu Otto von der Schütz op. 12
  • Ballade in drei Sätzen op. 15
  • Serenade Nr. 1 A-Dur op. 20
  • Variationen op. 24
  • Symphonie Nr. 1 B-Dur op. 31
  • Symphonie Nr. 2 g-Moll op. 40
  • Romanze für Violine und Orchester op. 41
  • Romantische Ouvertüre op. 45
  • Symphonie Nr. 3 h-Moll op. 50
  • Serenade Nr. 2 G-Dur op. 60

Kammermusik[Bearbeiten]

  • Streichsextett A-Dur op. 5 (für 3 Violinen, Viola und 2 Violoncelli, 1865)

Vokalmusik[Bearbeiten]

  • Der Aufzug der Romanze für Soli, Chor und Orchester op. 18 (nach Ludwig Tieck)
  • Vier Lieder für gemischten Chor op. 36 (An den Mond; An der Bergeshalde; Es pirscht ein Jäger; Frühlingsnetz)
  • Herbstlied op. 43
  • Gesang an die Sterne für sechs Stimmen und Orchester (nach Friedrich Rückert)
  • zahlreiche weitere Kompositionen

Klaviermusik[Bearbeiten]

  • Variationen für zwei Klaviere op. 1, gewidmet "Frau Dr. Clara Schumann in innigster Verehrung"

Bearbeitungen[Bearbeiten]

  • Franz Schubert: Fantasie f-Moll für zwei Klaviere D 940, Bearbeitung für Orchester

Sammlung Rudorff[Bearbeiten]

Von seinem Großvater mütterlicherseits, Carl Philipp Heinrich Pistor, erbte Rudorff eine bedeutende Sammlung von Musik-Autografen, die dieser von Felix Mendelssohn Bartholdy hatte ordnen lassen. Rudorff vergrößerte diese Sammlung noch. 1917 wurde sie von der Musikbibliothek Peters in Leipzig erworben und kam mit dieser zur Musikbibliothek innerhalb der Stadtbibliothek Leipzig. Zu ihren bedeutenden Unikaten zählen sieben Johann Sebastian Bach zugewiesene Choralvorspiele, die erst 1985 von Franz Haselböck veröffentlicht wurden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Walther Schoenichen: Naturschutz, Heimatschutz. Ihre Begründung durch Ernst Rudorff, Hugo Conwentz und ihre Vorläufer. (Große Naturforscher, Band 16). Wiss. Verlagsgesellschaft, Stuttgart 1954, DNB 454450001.
  • Nancy B. Reich: The Rudorff Collection. In: Notes. 2nd Ser., Vol. 2, 1974, S. 247–261.
  • Andreas Knaut: Ernst Rudorf und die Anfänge der deutschen Heimatschutz-Bewegung. In: Edeltraut Klueting (Hrsg.): Antimodernismus und Reform. Zur Geschichte der deutschen Heimatbewegung. Wiss. Buchgesellschaft, Darmstadt 1991, ISBN 3-534-11528-7, S. 20–49.
  • Stephanie Twiehaus: Ernst Rudorf und die Familie Schumann. In: Schumann Studien. 6, 1997, ISSN 0863-2340, S. 165–178.
  • Hermann Franck: „Wenn Du dies liest…“ Tagebuch für Hugo. Hanser, München 1997, ISBN 3-446-18930-0. (über Ernst Rudorff als Kind)
  • Rudorff, Ernst Friedrich Karl. In: Walther Killy, Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie. Saur, München 2001, ISBN 3-423-59053-X, S. 443.
  • Gert Gröning: Die „ächte, lebendige Pietät für die Natur“ als Mittel zur Sicherung der eigenen privilegierten Lage – Der Musiker Ernst Rudorff als Natur- und Heimatschützer. In: Cordula Heymann-Wentzel, Johannes Laas (Hrsg.): Musik und Biographie. Festschrift für Rainer Cadenbach. Königshausen & Neumann, Würzburg 2004, ISBN 3-8260-2804-X, S. 328–343.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. E. O. Rasser: Professer Dr. Ernst Rudorff der intellektuelle Begründer des Bundes 'Heimatschutz'. In: Niedersachsen. Niederdeutsche Zeitschrift für Volkstum und Heimatschutz in Wort und Bild. 22. Jg., Nr. 10, Bremen 15. Februar 1917, S. 152.
  2. Ökologie von rechts. Braune Umweltschützer auf Stimmenfang. oekom-Verlag, München 2012, S. 34; Hans-Werner Frohn: „Naturschutz, starke Männer und völkische Ideologie.“ (end-frohn-_Rechtsextremismus_13_03_19(1).pdf); Peter Bierl: Grüne Braune. Umwelt-, Tier- und Heimatschutz von rechts. Unrast Verlag, Münster 2014, S. 35

Weblinks[Bearbeiten]