Ferdinand Gregorovius

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Ferdinand Gregorovius

Ferdinand Gregorovius (* 19. Januar 1821 in Neidenburg (Ostpreußen); † 1. Mai 1891 in München) war ein deutscher Schriftsteller und Historiker.

Leben[Bearbeiten]

Gregorovius machte das Abitur an der Friedrichsschule Gumbinnen.[1] Er studierte Philologie und Geschichte an der Albertus-Universität Königsberg und hörte den Althistoriker Wilhelm Drumann. 1838 wurde er Mitglied des Corps Masovia, dem er zeitlebens eng verbunden blieb.[2] Die Studentenschaft wählte ihn (und den nichtkorporierten Dippe) am 21. Juli 1840 zum Entrepreneur der Huldigung für das neue Königspaar. Als Friedrich Wilhelm IV. und seine Frau Elisabeth Ludovika von Bayern Königsberg besuchten, trugen er und Wilhelm Jordan am 10. September 1840 die Carmen (Poesie) der Studentenschaft vor. Der ausführliche Bericht von Gregorovius ist erhalten.[3] Als Gregorovius nach der Promotion zum Dr. phil. die Albertina verließ, wurde er am 24. September 1841 mit einem Comitat verabschiedet.

Zur Geschichte der Stadt Rom sind seine Beiträge für die Geschichtswissenschaft diejenigen die wichtigsten, die das Zeitalter der Renaissance und des Humanismus betreffen. Neben Jacob Burckhardt, Georg Voigt, Ludwig von Pastor und Alfred von Reumont ist er die Autorität der deutschen Renaissanceforschung des 19. Jahrhunderts. Die Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter gilt als Klassiker der Literatur über die Renaissance. Außer diesem bekannten Werk gehört in dieses Zeitalter seine Biographie zu Papst Alexander VI. und zu Lucrezia Borgia. Nicht weniger bedeutsam, aber weniger bekannt sind seine Schriften zur griechischen Geschichte in byzantinischer Zeit oder auch von Athen im Mittelalter.

Bis heute tut man sich mit der Einordnung von Gregorovius schwer; denn zum einen unterscheidet ihn seine schriftstellerische Begabung von den Historikern der Ranke-Schule, zum anderen übersetzte er Werke italienischer Autoren ins Deutsche, so einen Teil der Schriften Giovanni Melis. Dass er nicht mit den etablierten Kollegen in Deutschland vernetzt war, lag wohl vor allem an seiner tiefen Abneigung gegen den preußisch-deutschen Obrigkeitsstaat – für den seine etablierten Kollegen in Deutschland standen. Italien war für ihn Exil.[4] Der Wert seiner Arbeiten wurde nie ernsthaft bezweifelt, obwohl er persönlich angefeindet wurde. Die häufigen Übersetzungen seiner Werke in andere Sprachen unterstreichen das.

Als er gestorben war, telegrafierten seine Angehörigen seinem Wunsch entsprechend nach Rom:[5]

„È morto Ferdinando Gregorovius, cittadino romano.“

München, 1. Mai 1891

Ehrungen[Bearbeiten]

In der Stadt Neidenburg erbauten ihm dankbare Freunde eine Denkmalanlage mit Gedenkstein und halbrunden Sitzbänken.[6]

Die Bayerische Akademie der Wissenschaften zählte ihn zu ihren Mitgliedern, ebenso die Accademia Nazionale dei Lincei in Rom seit 1876. Für sein Werk Die Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter wurde er 1876 der erste deutsche und der erste protestantische Ehrenbürger der „Ewigen Stadt“.

Im Königsberger Maraunenhof war eine Straße nach ihm benannt.[7] In Rom heißen noch heute eine Straße und ein Platz nach ihm.[8]

Auf Korsika wurde ein kleinerer Gipfel in der Nähe des Monte Rotondo im Restonica-Tal Aiguilles Gregorovius benannt.

Werke[Bearbeiten]

  • Geschichte des römischen Kaisers Hadrian und seiner Zeit. 1851 (online), Neupublikation als Hadrian und seine Zeit. Glanz und Untergang Roms. Edition Flaschenpost im Wunderkammer Verlag, Frankfurt am Main 2011, ISBN 978-3-941245-08-2.
  • Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter. 1859–1872. Neuausgabe, 2. Auflage. 4 Bände. Beck, München 1988, ISBN 3-406-07107-4.
  • Wanderjahre in Italien. 1856–1877. 5. Auflage. Beck, München 1997, ISBN 3-406-42803-7.
  • Der Ghetto und die Juden in Rom. Schocken, Berlin 1935 (Bücherei des Schocken Verlags Nr. 46)
  • Idyllen vom Baltischen Ufer. 1856, Neuauflage 1940. Gräfe und Unzer. Königsberg. hohesufer.com, Hannover 2011, ISBN 978-3-941513-17-4.
  • Geschichte der Stadt Athen im Mittelalter. Von der Zeit Justinians bis zur türkischen Eroberung. 1889. dtv, München 1980, ISBN 3-423-06114-6.
  • Römische Tagebücher 1852–1889, herausgegeben von Hanno-Walter Kruft. Verlag C. H. Beck, München 1991, ISBN 3-406-34893-9.
  • Lucretia Borgia und ihre Zeit, 1874, Neuausgabe, Wunderkammer, Neu-Isenburg 2009, ISBN 978-3-941245-04-4 (= Edition Flaschenpost).
  • Corsica. 1854. Societäts-Verl., Frankfurt (Main) 1988, ISBN 3-7973-0274-6.
  • Geschichte der Corsen. 1854. hohesufer.com, Hannover 2009, ISBN 978-3-941513-05-1.
  • Corsica. Aus meiner Wanderschaft im Sommer 1852. 1854. hohesufer.com, Hannover 2009, ISBN 978-3-941513-06-8.
die „Geschichte der Corsen“ und „Corsica. Aus meiner Wanderschaft im Sommer 1852“ bilden zusammen eine vollständige Neuausgabe des „Corsica“-Werks Gregorovius.
  • Neapel und Capri. Insel Verlag, Leipzig 1944, (Insel-Bücherei Nr. 340/2)
  • Die Insel Capri - Idylle vom Mittelmeer. Wolfgang Jess Verlag, Dresden 1952.
  • Capri. Korfu. Idyllen vom Mittelmeer. hohesufer.com, Hannover 2013, ISBN 978-3-941513-28-0.
  • Euphorion. Eine Dichtung aus Pompej in vier Gesängen Leipzig: F. A. Brockhaus 1858 books.google
  • Eine Reise nach Palästina im Jahre 1882. (Erstveröffentlichung 1883 und 1884.) München: C.H.Beck 1995, ISBN 3-406-38546-X.
  • Briefe nach Königsberg. München: C.H.Beck 2013, ISBN 978-3-406-65012-3.

Sonstige:

  • Konrad Siebenhorn´s Höllenbriefe an seine lieben Freunde in Deutschland (Herausgegeben von Ferdinand Fuchsmund und Hans-Joachim Polleichtner), hohesufer.com, Hannover 2011 (Erstausgabe 1843), ISBN 978-3-941513-18-1.
  • Werdomar und Władislav. Aus der Wüste Romantik, 2 Teile (1845), Die Idee des Polenthums. Zwei Bücher polnischer Leidensgeschichte (1848).
  • Polen- und Magyarenlieder (1849).
  • Göthe´s Wilhelm Meister in seinen socialistischen Elementen entwickelt (1849).
  • Der Tod des Tiberius (Tragödie, 1851).
  • Corsica, 2 Bände (1854).
  • Die Grabmäler der römischen Päpste. Historische Studien (1857).
  • Athenais. Geschichte einer byzantinischen Kaiserin (1882).
  • Der Kaiser Hadrian. Gemälde der römisch-hellenischen Zeit zu seiner Zeit (1884).
  • Kleine Schriften zur Geschichte und Cultur, 3 Bände (1887–1892).
  • Gedichte (1892).

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Ferdinand Gregorovius – Quellen und Volltexte
 Commons: Ferdinand Gregorovius – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Verzeichnis sämtlicher Mitglieder des Corps Masovia 1823 bis 2005. Potsdam 2006.
  2. Kösener Korps-Listen 1910, 141, 292
  3. Rüdiger Döhler (Hg.): Corps Masovia. Die 175jährige Geschichte von Königsbergs ältester und Potsdams erster Korporation im 21. Jahrhundert. München 2005, ISBN 3-00-016108-2, S. 61–62.
  4. Hansjakob Stehle: Ferdinand Gregorovius. DIE ZEIT, 26. April 1991.
  5. Hans Lippold: Ferdinand Gregorovius Masoviae Königsberg. Einst und Jetzt, Bd. 5 (1960) S. 62–71, hier: S. 62.
  6. Eine Ansichtskarte des Denkmals wurde am 22. Juli 2012 bei eBay verkauft. Art-Nr. 261068076404
  7. Robert Albinus: Königsberg Lexikon. Würzburg 2002.
  8. Alexander Rauchfuss: Ferdinando Gregorovius, è uno dei nostri. Corpszeitung der Altmärker-Masuren 85, Kiel 1989, S. 2672–2675.