Faenza

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Dieser Artikel beschreibt den Ort Faenza; zum gleichnamigen Filmregisseur siehe Roberto Faenza.
Faenza
Wappen
Faenza (Italien)
Faenza
Staat: Italien
Region: Emilia-Romagna
Provinz: Ravenna (RA)
Lokale Bezeichnung: Fënza
Koordinaten: 44° 17′ N, 11° 53′ O44.28333333333311.88333333333334Koordinaten: 44° 17′ 0″ N, 11° 53′ 0″ O
Höhe: 34 m s.l.m.
Fläche: 215 km²
Einwohner: 57.973 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 270 Einw./km²
Postleitzahl: 48018
Vorwahl: 0546
ISTAT-Nummer: 039010
Volksbezeichnung: Faentini
Schutzpatron: principale:
Madonna delle Grazie; secondari:
San Pier Damiano, Sant'Umiltà
Website: Faenza

Faenza ist eine Stadt mit 57.973 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2012) in der Provinz Ravenna in der norditalienischen Region Emilia-Romagna.

Lage und Daten[Bearbeiten]

Die im Zentrum der Region zwischen Imola und Forlì am Lamone liegende Stadt ist landwirtschaftlich (Weinbau und Obstanbau) geprägt. In römischer Zeit trug die Stadt den Namen Faventia.

Geschichte[Bearbeiten]

Faenza ist eine Stadt römischen Ursprungs, die schon in der Renaissance bekannt war durch die kunstvolle Herstellung von Tonwaren, die nach ganz Europa exportiert wurden. Der Mythologie zufolge war der Name der ersten Siedlung „Faoentia“ (etruskische und keltische Wurzeln), das heißt auf Latein „Splendeo inter deos“ oder zu deutsch: „Ich glänze unter den Göttern“. Schon der von den Römern verwendete Name Faventia ist zum Synonym für Keramik (Majolika) in verschiedenen Sprachen, darunter französisch (FaÏence) und englisch (faience).

Hier besiegte Quintus Caecilius Metellus Pius die Popularen-Armee von Gnaeus Carbo Papirius im Jahr 82 v. Chr.

Ab der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts n. Chr. erblühte die Stadt im Zuge ihrer landwirtschaftlichen Produktion und ihrer Entwicklung und Herstellung von Gebrauchskeramik, Ziegeln und Textilien aus Leinen.

Hier besiegte Totila mit einer ostgotischen Armee die Truppen des byzantinischen Reichs von Justinian I. in der Schlacht von Faventia im Jahr 542 n. Chr.

Nach einer Phase der Dekadenz, beginnend im zweiten Jahrhundert n. Chr. bis ins frühe Mittelalter, gelangte die Stadt ab dem 8. Jahrhundert wiederum zu Wohlstand. Nachdem sie im frühen Mittelalter von Bischöfen dominiert war, wurde sie eine freie Gemeinde und es begann für die Stadt eine lange Periode des Reichtums und einer regen Bautätigkeit, die ihren Höhepunkt unter der Herrschaft der Familie Manfredi erreichte. Erste Konsuln wurden im Jahr 1141 gewählt und ab 1155 führte ein Podestà (Administrator, Bürgermeister) die Regierung der Stadt. In den Kriegen zwischen den Ghibellinen und Guelfen, die in den folgenden Jahren begannen, war Faenza anfangs loyal zum Kaiser, dies wurde auch durch den Besuch von Friedrich Barbarossa, der hier einige Zeit Hof hielt, bestätigt. Die Chroniken berichten, dass im Januar 1164 zu Ehren Barbarossas eine Quintana (Reiterspiele) abgehalten wurde.

In 1178 jedoch wechselte Faenza die Seite und trat in den Lombardenbund ein. Durch innere Streitigkeiten konnte Maghinardo Pagano die Macht übernehmen, der für mehrere Jahre Bürgermeister und Capitano del Popolo blieb.

Die Manfredi waren ein Adelsgeschlecht germanischen Ursprungs, das von 1313 bis 1501 die Herrschaft über die Stadt Faenza ausübte und durch einen Vikariat im Gebiet des Kirchenstaates legitimiert war. Der Höhepunkt der Pracht wurde in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts unter Carlo II Manfredi erreicht, als die Innenstadt erneuert wurde. Im Jahre 1488 wurde Galeotto Manfredi von seiner Frau ermordet. Sein Sohn Astorre III folgte ihm, der aber bald darauf in Rom als Gefangener von Cesare Borgia getötet wurde, der Faenza 1501 besetzt hatte.

Nach dem Untergang der Borgia war Faenza von Ende 1503 bis 1509 kurze Zeit Raub der vordringenden Republik Venedig, die den Rückkehrversuch der Manfredi abwehrte und die Stadt besetzte. Geschlagen im Krieg der Liga von Cambrai, hatten die Venezianer Faenza jedoch der Kirche zu restituieren. In der Folgezeit bis 1797 war die Stadt der direkten Herrschaft der Kirche unterstellt. Die heutige Stadt hatte eine lange historische Entwicklung und wurde im Laufe der Jahre durch architektonische Einflüsse der Renaissance und des Klassizismus gebildet. Schon in der Renaissance wurde Faenza für die auch heute noch hergestellten Keramiken (Fayencen) bekannt, die hier allerdings Maiolica (abgeleitet von Mallorca) heißen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Faenza bietet zahlreiche Sehenswürdigkeiten wie den Palazzo del Podestà sowie das mittelalterliche Rathaus, teilweise als Backsteinbauten ausgeführt. Große Teile des Ortskernes wurden in den Jahren vor 2006 aufwendig restauriert. Der zentrale Platz im Ortskern ist flankiert von zwei Arkadengängen, wovon einer an den einzelstehenden Glockenturm (Campanile) mit freihängendem Läutwerk angrenzt. Der Duomo di San Pietro, ebenfalls aus Backstein, besitzt keinen Glockenturm, sondern nur ein kleines Geläut an der Rückseite. Im Dom befindet sich das Grab des Kirchenlehrers Petrus Damiani, der 1072 in Faenza starb.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Faenza existiert ein Gewerbegebiet, in dem Fahrzeugbetriebe, mechanische Werkstätten sowie Elektronikbetriebe beheimatet sind. Nordöstlich des historischen Stadtkernes befindet sich ein größerer Rangierbahnhof mit angeschlossenem Instandsetzungswerk. Faenza ist Sitz des Formel-1-Teams Scuderia Toro Rosso, das in der Formel-1-Saison 2005/2006 aus dem ebenfalls in Faenza ansässigen Rennstall Minardi hervorgegangen ist.

Kunsthandwerk[Bearbeiten]

Typische Fayencenarbeiten aus Faenza:

Faenza beherbergt ein Internationales Keramikmuseum. Das Museum zeigt Stücke aus aller Welt und aus allen Epochen, von Klassikamphoren bis zu den Werken von Chagall und Picasso, und es gibt eine reichhaltige Abteilung, die sich der Faenza-Töpferei im goldenen Zeitalter der Renaissance widmet. Weitere interessante Kunstsammlungen sind in der Städtischen Kunstgalerie, dem Diözesanmuseum und der Bendandi Manfredi Bibliothek zu besichtigen.

Die historische Produktion von Majolika ist weltweit als einer der höchsten Momente des künstlerischen Schaffens durch Keramik anerkannt. Einige günstige Bedingungen waren für den Erfolg verantwortlich: Ein Gebiet reich an Lehm und eine jahrhundertealte Geschichte der politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zur Toskana (insbesondere Florenz) ließen die Kunst und Produktion prosperieren.

Als Beleg für die Beliebtheit der Majolika aus Faenza über Jahrhunderte hinweg, hat am 18. August 2006 Québecs Premierminister Jean Charest bekannt gegeben, dass kanadische Archäologen den genauen Ort der ersten kanadischen Kolonie Charlesbourg-Royal entdeckt hatten,[2] und zwar mittels eines gefundenen Fragments einer dekorativen Platte, die in Faenza zwischen 1540 und 1550 hergestellt worden war. Sie konnte daher nur einem Mitglied der französischen Aristokratie in der Kolonie gehört haben.

Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Palio del Niballo: Reiterspiele, deren Wurzeln bis ins Jahr 1414 zurückreichen. Ihr Sinn bestand darin, Hannibal (Niballo ist eine Verballhornung von Hannibal) zu bekämpfen, der die Stadt einst belagerte. Niballo dient heute als Zielscheibe. Die Spiele finden jedes Jahr am vierten Sonntag im Juni statt. Der farbenprächtige Wettkampf in historischen Kostümen dauert mindestens zwei Stunden und dauert damit ungleich länger als der bekannte Palio di Siena. Reiter aus den fünf Ortsteilen (Rioni) kämpfen darum, wer als Erster die zwei lediglich acht Zentimeter großen Zielscheiben in den Händen einer Hannibalpuppe trifft. Die Veranstaltung findet im kommunalen Stadion „Bruno Neri“ statt und beginnt jeweils um 18 Uhr.[3]
  • Nott de Bisò: Glühweinnacht, jeweils am 5. Januar, bei dem man sich ab 19 Uhr auf dem zentralen Platz versammelt und dann eine Puppe, die in den Farben des siegreichen Stadtteil am Palio aus dem Vorjahr gekleidet, ins Feuer geworfen wird.
  • 100 km del Passatore: Ultramarathon der jeweils am letzten Samstag im Mai über 100 km von Florenz nach Faenza führt. Die Schwierigkeit besteht nicht nur in der Distanz, sondern auch in den enormen Höhenunterschieden, die im Apennin zu überwinden sind.[4]

Partnerstädte[Bearbeiten]

Faenza unterhält Städtepartnerschaften mit[5]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Faenza – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2012.
  2. canada.com Entdeckung der ersten französischen Kolonie
  3. Offizielle Seite des Palios (ital.) mit Bildern und Videos
  4. Offizielle Seite des Ultramarathons (ital.)
  5. Website von Faenza