Feh (Kleidung)
Feh bezeichnet das graue Winterfell mit weißer Bauchseite der östlichen (sibirischen) Unterart des Eichhörnchens.
Eines der ältesten aufgefundenen Bekleidungsstücke überhaupt bestand aus Eichhörnchenfell. Es fand sich in der italienischen Höhle von Arene Candide. Dem als Kleiner Prinz bezeichneten Mann, der vor etwa 23.000 Jahren beigesetzt wurde, war ein Pelzumhang beigegeben worden, der aus 400 Vertikalstreifen aus Eichhörnchenfellen bestand.[1] 423 Schwanzknochen wurden einem Umhang zugeordnet.[2]
Für einen einfachen Fehmantel werden, je nach Modell und Mode, ca. 80 Fehfelle benötigt, meist werden jedoch das Rückenfell und das Bauchfell getrennt verarbeitet. Eine Leipziger Innungs-Chronik aus dem Jahr 1732 veranschlagt für ein Innenfutter 180 Fehrücken in acht Zeilen.[3]
Kleidung aus Feh diente in früherer Zeit als Statussymbol, im Mittelalter war es zeitweilig nur dem Adel und hohen Würdenträgern gestattet, Feh zu tragen (siehe auch das Cape des Stiftsherren, die Almutia).
Damals unterschied man Rotwerk (Sommerfelle oder Feh mit rotbraunem Rücken), Grauwerk und Schwarzwerk (Felle mit dunkelgrauem Rücken). Wurden Rücken und Wamme (Bauch) in einem verarbeitet, so wurde die Bezeichnung Buntwerk gebraucht. Der Rücken allein hieß Kürsch, Grauwerk, Kleingrau oder auch Kleinspalt. Setzte man auf die Mitte der Fehwamme die Ohren auf, so trug es den Namen Schönwerk. Wurde allein von Werk gesprochen, so wurde darunter immer Eichhörnchen bzw. Feh verstanden.
Falsches Werk waren Imitationen vor allem aus weißen oder bläulichen Hermelin, im Gegensatz zum reinen Werk.[4]
Wird heute für nichtrussische Eichhörnchenfelle im Handel die Bezeichnung Feh verwendet, sollte die Herkunft mit angegeben werden, z. B. Amerikanisch Feh.
Die charakteristische Zeichnung des Buntwerks, das neben Zobel und Hermelin zu den begehrtesten Pelzwerken des Mittelalters gehörte, findet sich als meistgebrauchtes Zeichen in den Wappen der Kürschner. In den großen Städten waren die Kürschner teils spezialisiert, die Buntmacher arbeiteten Feh- und Hermelinpelze, die übrigen Kürschner nutzten die einheimischen Fellarten.
Die zeitweise enorme Verbreitung sieht man in der Mannessischen Liederhandschrift. Sie zeigt Fehfutter, Fehbesätze, Kopfbedeckungen, sogar Kronen aus Fehfell in der Verarbeitung zu Schönwerk in den meisten Personendarstellungen der insgesamt 138 Miniaturen.
Der Ort der Fehzurichtung (Gerbung) und Fehtafelfabrikation war bis zum Ersten Weltkrieg Weißenfels. Dort beschäftigten sich fast alle berufstätigen Frauen bis zur Einführung der Pelznähmaschine im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts in Heimarbeit mit dem Nähen von Fehfuttern.[4] Nach dem Krieg wurde die Fellart „durch die hohen Preise vom Markt genommen“ und die dortigen Kürschner mussten sich „bedeutend umstellen“.[5]
Eichhörnchenhaare werden unter der Bezeichnung Fehhaar auch zu feinen Pinseln verarbeitet. Vorzugsweise wird der Schwanz, fachsprachlich „Schweif“, von russischen und kanadischen Eichhörnchen verwendet. Pinsel aus Fehhaar werden unter anderem als Rouge- und Puderpinsel, Aquarellpinsel oder zum Auftragen von Blattgold verwendet. Von Schweifdrehern zu danach üppiger aussehenden Schweifen verdrehte Fehschwänze waren einmal ein häufiger Artikel in der Pelzindustrie, aus dem von Kürschnern und darauf spezialisierten Fehschweifverarbeitern Kragen, Capes und andere Kleinteile hergestellt wurden.
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Fehrückentafel (Halbfertigprodukt)
Einzelnachweise, Quellen [Bearbeiten]
- ↑ Art. Mantel, in: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Band 19, hier: S. 239.
- ↑ Catherine Panter-Brick: Hunter-Gatherers. An Interdisciplinary Perspective, Cambridge University Press 2001, S. 52.
- ↑ Erich Rosenbaum: Die Meisterstücken-Ordnung der Leipziger Kürschner. In: Das Pelzgewerbe, Jahrgang VII / Neue Folge, 1957 Nr. 4, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Leipzig u. a., S. 162. Sekundärquelle: Hauptbuch Vor E. Ehrsames Handwerck der Kürschner worinnen In Drey abgefassten Theilen beschrieben ist, was sich anno 1524 In bemeldeter Innung zugetragen hat. Beschrieben und Zusammen getragen von Johann George Herttel als Handwercks-Schreiber. Leipzig 1737.
- ↑ a b Paul Larisch: Die Kürschner und ihre Zeichen. Beiträge zur Geschichte der Kürschnerei, 1928. Selbstverlag, Berlin, S. 52-56, 148
- ↑ A. Feldmann, Berlin: Das deutsche Kürschnerei-Hausgewerbe. In: IPA, Internationale Pelzfach-Ausstellung, Internationale Jagd-Ausstellung, Leipzig, 1930. Amtlicher Katalog., S. 254
- Christian Franke/Johanna Kroll: Jury Fränkel’s Rauchwaren-Handbuch 1988/89, 10. überarbeitete und ergänzte Neuauflage, Rifra-Verlag Murrhardt