Flughafen Graz

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Flughafen Graz
Flughafen Graz Logo.svg
Luftbild Flughafen Graz.jpg
Kenndaten
ICAO-Code LOWG
IATA-Code GRZ
Koordinaten
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 9 km von Graz
Straße Süd Autobahn A 2,
Pyhrn Autobahn A 9,
Grazer Straße B 67
Bahn Bahn- und Busfahrplan
Basisdaten
Eröffnung 1913
Betreiber Flughafen Graz Betriebs GmbH (Holding Graz)
Terminals 1
Passagiere 881.740 (2013)[1]
Luftfracht 11.281 t (2013)[1]
Flug-
bewegungen
14.879 (2013)[1]
Kapazität
(PAX pro Jahr)
1.500.000 (erw. 2015)
Beschäftigte ca. 200
Start- und Lande-Bahnen
17C/35C 3000 m × 45 m Asphalt
17R/35L 760 m × 25 m Gras
17L/35R 640 m × 30 m Gras

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Der Flughafen Graz (auch Flughafen Graz-Thalerhof; IATA: GRZ, ICAO: LOWG, englisch Graz Airport) ist der nach Passagieraufkommen viertgrößte österreichische Flughafen und liegt im Süden von Graz, etwa 9 km vom Stadtzentrum entfernt. Er liegt großteils in der Ortschaft Abtissendorf in der Gemeinde Feldkirchen und zum kleineren Teil in der Katastralgemeinde Thalerhof in Kalsdorf. Der Flughafen dient seit 1. Oktober 2008 ausschließlich der zivilen Luftfahrt, ist Teil der Holding Graz (ehemals Graz AG, ehemals Grazer Stadtwerke) und Heimat des österreichischen Luftfahrtmuseums.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Tower des Flughafens
Die neu errichtete Abflughalle
Ankunftshalle des Flughafens
Tower bei der Anfahrt zum Flughafen

Der Flughafen Graz wurde inmitten des Grazer Feldes auf den Gründen einer ehemaligen römischen Villa errichtet, die Zentrum einer privaten Wirtschaftseinheit der Provinz Noricum gewesen sein dürfte.[2][3]

Ab 1913 wurde begonnen am damaligen k. u. k. Flugfeld Hangars zu bauen, ebenso wurde ein Grasflugfeld errichtet. Am 26. Juni 1914 startete schließlich das erste Flugzeug vom Grazer Flughafen.[4]

Im selben Jahr wurde auf dem heutigen Flughafenareal das Interniertenlager Thalerhof errichtet, welches bis 1917 bestand. In ihm waren im Laufe der Zeit mindestens 30.000 Ruthenen aus Galizien und Bukowina interniert, die als Sympathisanten Russlands verdächtigt wurden. Mindestens 3000 von ihnen starben an menschenunwürdigen Bedingungen und der Gewalt des Lagerpersonals.

Drei Jahre nach der Schließung des Lagers ging der Flughafen an die Steiermärkische Landesregierung über, auf dem man sich ausschließlich auf die Segelfliegerei konzentrierte, da militärische und zivile Luftfahrt verboten war. Zwei Jahre später ging die Verwaltung schließlich an die Republik Österreich über.

1925 wurde das erste Flugnetz in Österreich gebildet (Wien – Graz – Klagenfurt). In den folgenden Jahren stiegen die Flugbewegungen und der Flughafen wurde in das österreichische Funknetz integriert, bekam eine Peilstation und es wurde mit dem Bau eines Flughafengebäudes begonnen.

Ab 1945, als die Besatzungsmächte in Österreich bestimmten, wurde der zivile wie militärische Flugverkehr in Graz – wie im restlichen Österreich auch – nur den Besatzern erlaubt. Zwei Jahre später ging der Flughafen wieder in österreichische Verwaltung über. Am 23. Juni 1951 genehmigten die Besatzer die Eingliederung des Grazer Flughafens in den internationalen Flugverkehr. Mit dem Staatsvertrag von 1955 bekam Österreich die Lufthoheit zurück. Bald wurde ein Ausbau des Flughafens notwendig, eine 1500 Meter lange Betonpiste mit entsprechender Befeuerungsanlage wurde, als Novität in Österreich, errichtet. Bereits 1962 konnte der 1000. Passagier gezählt werden und nach und nach wurde der Grazer Flughafen in das AUA-Netz eingegliedert und mit der Linie Graz – LinzFrankfurt kam die Eingliederung ins internationale Netz.

Die immer steigenden Fluggastzahlen erforderten den Ausbau der Piste auf 3000 m und den Bau eines neuen Abfertigungsgebäudes. Anfang der Achtzigerjahre wurde ein Präzisionsinstrumentenflugbetrieb der Kategorie III a/b installiert, was die Ausfallsrate wegen Nebels beinahe ausschloss. 1984 landete der erste Jumbo (Boeing 747) am Grazer Flughafen.

Zehn Jahre später wurde ein neues Flughafengebäude in Betrieb genommen, 2001 folgte ein neues Frachtgebäude sowie ein Jahr später der heutige Tower. 2002 gewann das steirische Architekturbüro Pittino & Ortner den Wettbewerb für die Erweiterung des Fluggastgebäudes, welches 2005 in Betrieb genommen wurde. Im Zuge des Baus der Koralmbahn soll weiters ein im Flughafengebäude integrierter unterirdischer Bahnhof (sowohl für den Nah- als auch für den Fernverkehr) den Anschluss vom Flughafen-Graz an das öffentliche Verkehrssystem entscheidend verbessern. Derzeit (Stand Dezember 2013) kann man den Flughafen über die S-Bahnlinie 5 Richtung Spielfeld-Straß ausgehend vom Grazer Hauptbahnhof in zehn Minuten erreichen (Haltestelle Flughafen Graz-Feldkirchen).[5] Dieser liegt dann etwa 3 Gehminuten westlich der Bahnhaltestelle.[6]

Seit 6. Juni 2012 ist der neueste Rollweg, Rollweg C („Charlie“), in Betrieb. Er wurde im Zeitraum März bis Mai 2012 errichtet.[7]

Bahnsystem und Navigationsanlagen[Bearbeiten]

Der Flughafen Graz verfügt über eine zentrale 3000 m lange und 45 m breite Start- und Landebahn in Süd-Nord-Ausrichtung (17C-35C, Stand 2011). Zwischen südlichem und nördlichem Aufsetzpunkt besteht eine Höhendifferenz von –10 m. Am südlichen Ende ist diese Bahn um eine Wendefläche verbreitert. Als Bahnbelag dient Asphalt. Entsprechend ihrer Tragfähigkeitsklassifikation (PCN 61, Flexibler Belag, Mittlere Untergrund-Tragfähigkeit und Reifendruckklasse ohne Begrenzung) können Flugzeuge bis zur Gewichtsklasse einer gewaltigen Antonow An-124-100 die Bahn auch im voll beladenen Zustand nutzen.[8] Ob die Startstrecke dann noch für einen sicheren Start in jedem Fall ausreicht, bleibt bei dieser Aussage einmal unberücksichtigt.

Bis zu rund 20 km/h Rückenwind erfolgen Landungen auf der 35C (aus Süden) und Starts auf der 17C (nach Süden).[9] Die Ursache dafür findet sich in der Lage des Flughafens südlich der Stadt Graz und den dahinter liegenden Bergen. So ist auch nur die Bahn 35C mit einem ILS (dt. Instrumentenlandesystem) ausgestattet. Aus Lärmschutzgründen führt die Flugsicherungsstelle Graz landende Flugzeuge meist jedoch radargestützt mit sogenannten Vektorangaben, das heißt per Funkspruch übermittelten exakten Höhen- und Richtungsangaben, an die Bahn heran.

Neben dem ILS existiert, insbesondere für Sichtflieger, in beiden Richtungen ein optisches Anflug-Unterstützungssystem des Typs PAPI (engl. precision approach path indicator). Ein DVOR (dt. Doppler-Drehfunkfeuer), ein NDB (dt. ungerichtetes Funkfeuer) sowie ein DME (dt. Entfernungsmessgerät) ergänzen die Navigationsausstattung des Flughafens.

Östlich und westlich dieser zentralen Bahn liegen zwei Grasbahnen. Diese dürfen nur eingeschränkt genutzt werden und sind im Winter sogar geschlossen. Die 17L-35R hat eine Länge von 640 m und eine Breite von 30 m. Die 17R-35L ist 760 m x 25 m dimensioniert.

Bedeutung[Bearbeiten]

Zivil- und Militärluftfahrt[Bearbeiten]

Am Flughafen Graz ist der Rettungshubschrauber Christophorus 12 (C12) stationiert. Die Flugpolizei unterhält ebenfalls einen Stützpunkt.

Der militärische Teil des Flughafens befindet sich im westlichen Teil des Flughafengeländes und ist im Besitz des Bundesheeres.[10] Gemeinsam mit der dazugehörigen Kaserne, die unter anderem mehrere Hangars und eine Fliegerwerft beinhaltet, bildete sich daraus der „Fliegerhorst Nittner“.

Neben Zeltweg (LOXZ) war Graz bis 2008 die Basis für die Abfangjäger des österreichischen Bundesheeres. Da die Eurofighter ausschließlich in Zeltweg stationiert wurden, wurde der militärische Betrieb am Flughafen Graz mit 1. Oktober 2008 eingestellt. Die Werft war danach noch bis 9. Dezember 2013 in Betrieb.[11] Mit der kompletten Schließung verliert der Raum Graz und Umgebung einen traditionsreichen Militärluftfahrtstandort.

Die weitere Nutzung des Geländes von beträchtlicher Größe und der dortigen Aviation-Infrastruktur (Rollbahn, Gebäude, Tankstelle, Straßen und Asphaltflächen, Hangars etc.) ist nach wie vor unklar.

Am Flughafen befindet sich seit 1981 auch das österreichische Luftfahrtmuseum. Ebenso wird der Westteil der Flughafenanlage in den Sommermonaten für zahlreiche Fallschirmspringer-Absetzflüge genutzt.

Verkehrszahlen[Bearbeiten]

Der Flughafen Graz-Thalerhof ist nach Passagieraufkommen hinter Wien-Schwechat, Salzburg-Maxglan und seit 2009 Innsbruck-Kranebitten nur mehr der viertgrößte Flughafen in Österreich. Auch nach Frachtaufkommen ist er 2007 in Österreich auf Platz 4 abgerutscht. Bemerkenswert dabei ist, dass die Tonnage ankommender Fracht ein Vielfaches der abfliegenden beträgt.

Zahlen laut Flughafenverwaltung[1]
Jahr Passagiere Flugbewegungen Frachtaufkommen
in Tonnen
2005 0.893.346 18.880 10.085
2006 0.912.830 17.367 10.013
2007 0.948.294 17.855 11.319
2008 1.008.156 19.501 10.165
2009 0.948.380 18.065 08.230
2010 0.990.118 17.387 11.062
2011 0.976.543 15.958 10.977
2012 0.930.617 14.581 10.210
2013 0.881.740 14.879 11.281

Fluggesellschaften und Ziele[Bearbeiten]

Fluggesellschaft Ziele (Linie) Ziele (Charter)
Aegean Airlines Sommerflugplan: Heraklion
Air Berlin Berlin
Austrian Airlines Düsseldorf, Stuttgart, Wien
Winterflugplan: Innsbruck
Winterflugplan: Hurghada
Sommerflugplan: Antalya, Brindisi, Brač, Chania, Heraklion, Hurghada, Korfu, Kos, Neapel, Rhodos, Tallinn, Thira, Zakynthos
Bulgarian Air Charter Sommerflugplan: Burgas
Croatia Airlines Sommerflugplan: Brač
InterSky Salzburg, Zürich[12] Sommerflugplan: Lemnos, Naxos
Lufthansa Frankfurt am Main, München
Niki Luftfahrt Palma de Mallorca
Winterflugplan: Hurghada, Sharm El Sheikh, Teneriffa
Sommerflugplan: Antalya, Heraklion, Hurghada, Kavala, Kefalonia, Rhodos, Santorin, Sharm El Sheikh, Skiathos , Teneriffa
Pegasus Airlines Winterflugplan: Antalya
Sun Express Antalya
Tunisair Sommerflugplan: Enfidha
Turkish Airlines Sommerflugplan: Antalya

Zwischenfälle[Bearbeiten]

In der Datenbank des Aviation Safety Network[13] sind keine Flugzeugabstürze in der Nähe des Flughafens verzeichnet. Es ist nur ein Ereignis vermerkt, das aber damals in der Öffentlichkeit erhebliche Aufmerksamkeit weckte.

  • 7. August 2004: Ein Regionaljet Avro RJ 85 der Lufthansa CityLine befand sich im Anflug auf den Flughafen. Der kleine Vierstrahler wurde vom Co-Piloten gesteuert, als plötzlich Höhen- und Querruder ausfielen. Das Flugzeug war in diesem Augenblick nicht mehr unter Kontrolle. Der Kapitän meldete den Notfall und übernahm die Steuerung, die auf seiner Seite glücklicherweise funktionierte. Es gelang das Flugzeug wieder zu kontrollieren. Nach Warteschleifen mit Systemchecks landete D-AVRO sicher auf dem Flughafen. Dort standen alle verfügbaren Rettungskräfte für die Notlandung bereit. Die Meldung „Notlandung nach Totalausfall der Steuerung“ ging um die Welt.[14]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Zahlen, Daten & Fakten. Flughafen Graz, 29. August 2013, abgerufen am 3. Oktober 2013.
  2. http://www.flughafen-graz.at/home/presselounge/Mit-dem-Flugzeug-in-die-Roemerzeit---Eine-Fortsetzung.de.php Mit dem Flugzeug in die Römerzeit - Eine Fortsetzung, auf Website Flughafen graz > Presse Lounge, vermutlich 2009, abgerufen 23. Mai 2012
  3. http://www.flughafen-graz.at/home/presse_news/news/broschuere_roem_villa.pdf Die römische Villa Thalerhof, Broschüre, 2009, Hrsg.: Flughafen Graz BetriebsgmbH, Red.: Bernhard Hebert (Bundesdenkmalamt, Graz), Ulla Steinklauber - reich illustriert, Nordpfeil in Grafik auf S. 4 etwas missweisend, abgerufen 23. Mai 2012
  4. NN: 65 Jahre Flughafen Graz, in: Wilhelm Steinböck: Bilanz eines Jubiläums; Graz 1980.
  5. ÖBB-Personenverkehr AG Kursbuch aktuell Fahrplanbild 501 (pdf-Datei 108 KB, abgerufen am 15. Mai 2009)
  6. Flughafen Graz An- / Abreise Fahrplan (abgerufen am 15. Mai 2009)
  7. http://www.flughafen-graz.at/home/presse_news/news/Der-Flughafen-Graz-baut-neuen-Schnellabrollweg.de.php Presse Flughafen Graz
  8. Runway Info unter Airports IATA, Airports Runwayinfo
  9. LOWG Procedures
  10. Bundesministerium der Landesverteidigung
  11. Bundesheer verlässt Fliegerhorst nach 99 Jahren, ORF Steiermark, abgerufen am 9. Dezember 2013
  12. Berich Kleine Zeitung 15. Oktober 2012
  13. Airport Profile in englischer Sprache im Aviation Safety Network.
  14. Unfallbericht Lufthansa Flug 5386, in englischer Sprache.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Graz Airport – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien