Bad Radkersburg

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Radkersburg ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Weitere Bedeutungen sind unter Radkersburg (Begriffsklärung) aufgeführt.
Bad Radkersburg
Wappen von Bad Radkersburg
Bad Radkersburg (Österreich)
Bad Radkersburg
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Steiermark
Politischer Bezirk: Südoststeiermark
Kfz-Kennzeichen: SO (ab 1.7.2013; alt RA)
Fläche: 2,16 km²
Koordinaten: 46° 41′ N, 15° 59′ O46.68972222222215.988611111111209Koordinaten: 46° 41′ 23″ N, 15° 59′ 19″ O
Höhe: 209 m ü. A.
Einwohner: 1.310 (1. Jän. 2013)
Postleitzahl: 8490
Vorwahl: 03476
Gemeindekennziffer: 6 23 04
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptplatz 1
8490 Bad Radkersburg
Website: www.badradkersburg.org
Politik
Bürgermeister: Josef Sommer (ÖVP)
Gemeinderat: (2010)
(15 Mitglieder)
8
4
2
1
Von 15 Sitzen entfallen auf:
Das Rathaus mit dem Rathausturm
Das Rathaus mit dem Rathausturm
(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)
Radkersburg um 1830, Wonsiedler, Lith. Anstalt J.F. Kaiser, Graz
Rackhasburg auf einer Karte von 1728 von Matthäus Seutter

Bad Radkersburg (slowenisch Radgona; ungarisch (historisch): Regede) ist eine Stadtgemeinde mit 1310 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2013) im österreichischen Bundesland Steiermark (Bezirk Südoststeiermark) und Sitz des örtlichen Bezirksgerichtes (Gerichtsbezirk Bad Radkersburg). Mit 1. Jänner 2015 ist sie im Rahmen der steiermärkischen Gemeindestrukturreform mit der Gemeinde Radkersburg Umgebung zusammengeschlossen, die neue Gemeinde wird den Namen Bad Radkersburg weiterführen.[1]

Geografie[Bearbeiten]

Die Stadt liegt auf einer Höhe von 208 m an der Mur und verfügt über eine Fläche von 2,17 km². Sie liegt unmittelbar an der Grenze zur Republik Slowenien.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Radkersburg Umgebung Radkersburg Umgebung
Nachbargemeinden
Gornja Radgona (Slowenien)

Geschichte[Bearbeiten]

Wann Radkersburg als Siedlung erschlossen wurde, wo sich diese befand und wer sie gründete, ist nicht eindeutig rekonstruierbar. Auch der Zeitpunkt, ab dem Radkersburg unter landesfürstliche Herrschaft fiel, bleibt unbekannt. Die erste urkundliche Erwähnung findet sich 1182 (1299 als Ratkerspurch, Wortherkunft unbekannt, slawisch oder vom germanischen Rufnamen Radger), als Markt erwähnt ist es im ottokarischen Urbar von 1265/67. Vermutlich war Radkersburg ursprünglich ein Eigengut, gehörte also nicht dem Landesfürsten, sondern einem direkt vom König beschenkten Adeligen.[2][3]

Nach heutigem Forschungsstand wurde Radkersburg nicht, wie lange Zeit angenommen, vom Böhmenkönig Ottokar II. (1232–1278), sondern vom Habsburgerkönig Albrecht I. (1255–1308) als Stadt neu angelegt. Dem Erscheinungsbild der heutigen Stadt liegt ein präziser Konstruktionsplan zugrunde.[4] Bereits Ende des 13. Jahrhunderts war die Stadt von einer Mauer mit Türmen umgeben. Als Stadt erwähnt wurde der Ort erstmals 1299.[2]

Radkersburg war aufgrund seiner Grenzlage zu Ungarn seit dem 13. Jahrhundert immer wieder in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt. Die Bevölkerung überstand die sogenannte Baumkircher-Fehde (1469) und die zehnjährige Ungarnherrschaft (1480–1490) relativ unbeschadet.

Die Auseinandersetzungen mit dem Osmanischen Reich im 16. Jahrhundert zwangen zur Erneuerung und Modernisierung des Festungsbaus. Italienische Baumeister wurden aufgrund ihrer ausgezeichneten Kenntnisse im Festungsbau nach Österreich geholt. Mit der Bauleitung wurde der aus der Provinz Como stammende Domenico dell'Allio beauftragt. Die Hauptmerkmale der Renaissancebefestigung waren Bastionen, Kurtinen und ein tiefer Graben. Radkersburg wurde 1582 vom Reichstag zu Augsburg zur Reichsfestung erhoben.

In den 1880er Jahren begann sich ein nationaler Konflikt zu entfalten, der vor allem die Sprachenfrage in Schule, Amt, Gericht und politischer Repräsentation betraf. Die Sprache der Radkersburger Bürger war in der Regel das Deutsche. Ihre Dienstboten hingegen und die bäuerliche Bevölkerung der murabwärts gelegenen Umgebungsgemeinden sprachen mehrheitlich slowenisch. Der Nationalitätenkonflikt eskalierte politisch-militärisch im Ersten Weltkrieg. Die Stadt war Garnisonsstadt der k.u.k. österreichisch-ungarischen Armee, 1914 lag hier das 2. Eskadron des Husaren-Regiments Nr. 16. Nach Ende des Ersten Weltkriegs besetzten Truppen des SHS-Staates (Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen) Radkersburg und seine Umgebungsgemeinden am linksseitigen Murufer. Es kam zum verratenen und fehlgeschlagenen Aufstand der deutschsprachigen Bevölkerung unter Johann Mickl am 4. Februar 1919. Die SHS-Truppen räumten das Gebiet erst im Juli 1920 im Tausch gegen das gleichfalls mehrheitlich deutschsprachige Abstaller Becken. Die Stadt wurde geteilt, der Stadtteil Oberradkersburg (Gornja Radgona) am anderen Ufer der Mur wurde Teil Sloweniens bzw. des SHS-Staates. Der Friedensvertrag von Saint-Germain machte Radkersburg endgültig zur geteilten Grenzstadt.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Nationalitätenproblematik durch den Nationalsozialismus auf die Spitze getrieben. Resultat der Politik des Großdeutschen Reiches war nicht nur die Zerstörung der Stadt – nur vier Häuser von 321 blieben unbeschädigt –, sondern für die Zeit danach ein Klima von Misstrauen, das die Grenzbevölkerung diesseits und jenseits der Grenze prägte; die gewaltsame Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung aus dem Umland rechts der Mur (z. B. Abstaller Becken) nach 1945 wirkte gleichfalls nachhaltig negativ auf die Beziehungen über die Mur hinweg.

Die Wiedereröffnung der Murbrücke am 12. Oktober 1969 führte wieder zu einer Annäherung Österreichs und der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien.

1975 wurde die Stadtgemeinde Radkersburg zum Kurort erklärt und führt seit 1. Januar 1976 die Bezeichnung Bad Radkersburg. 1978 wurde eine weitere Thermalquelle erschlossen, es folgte der Ausbau des Thermalbads Parktherme Bad Radkersburg.

Durch den Beitritt der Republik Slowenien zur Europäischen Union, am 1. Mai 2004, sowie den Beitritt zum Schengener Abkommen, am 21. Dezember 2007, sind die Grenzen wieder offen. Zahlreiche grenzüberschreitende Projekte bieten eine Chance zur Aussöhnung zwischen Österreichern und Slowenen.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderatswahlen
 %
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40
30
20
10
0
47,85 %
(+16,10 %p)
26,58 %
(-5,50 %p)
17,59 %
(-6,95 %p)
6,34 %
(n. k.)
1,64 %
(n. k.)
n. k.
(-11,63 %p)
2005

2010


Bürgermeister ist Josef Sommer (ÖVP).

Der Gemeinderat setzt sich nach den Wahlen von 2010 wie folgt zusammen: 8 Sitze ÖVP, 4 Sitze Bürgerliste Bad Radkersburg (BBR), 2 Sitze SPÖ und 1 Sitz Grüne.

Wappen[Bearbeiten]

Die Verleihung des Gemeindewappens erfolgte mit Wirkung vom 1. Jänner 1994.

Wappenbeschreibung: Ein achtspeichiges goldenes Rad in rotem Schild.[5]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Bad Radkersburg

Es finden sich in Bad Radkersburg sämtliche wichtigen Baustile vertreten, von der Romanik (Stadtgründungszeit) bis zum Jugendstil.

  • Rathausturm: Wahrzeichen der Stadt; die ersten drei Geschoße sind aus gotischer Zeit. Der obere Teil des Turmes wurde nach Zerstörung durch einen Brand 1806 neu aufgebaut.
  • Stadtpfarrkirche: Das Kirchenschiff der dreischiffigen gotischen Basilika geht aus einem ehemaligen Wehrturm hervor; an der Außenwand der Kirche befindet sich ein Fragment eines Freskos von Johannes Aquila.
  • Frauenkirche: aus dem Spätbarock.
  • Mariensäule: erinnert an die Pestplage von 1680; vor der Säule sind die Jahreszahlen in die Pflastersteine eingraviert, die an die Gegenreformation um 1600 erinnern.
  • Palais Herberstorff: Das Gebäude von 1583 besitzt den wohl schönsten Renaissance-Arkadenhof der Stadt.
  • Pistorkeller: Im Pistorkeller (Hauptplatz Nr. 30) befinden sich die ältesten profanen Fresken Österreichs von Johannes Aquila.[6]
  • Museum im alten Zeughaus: Regionalmuseum. Das Zeughaus mit den zweigeschoßigen Arkaden ist eines der schönsten Gebäude der Stadt.

1978 wurde Bad Radkersburg als bisher einzige Stadt Österreichs mit der Europagoldmedaille für Denkmalpflege ausgezeichnet. Die Stadt ist Mitglied im Verband Kleine historische Städte.

Tourismus[Bearbeiten]

Bad Radkersburg ist ein Kurort mit einer 80 °C heißen Thermalquelle. Dies zusammen mit der längsten Sonnenscheindauer in Österreich macht die Stadt zu einem attraktiven Fremdenverkehrsziel. Mit ca. 500.000 Übernachtungen pro Jahr ist der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Bad Radkersburg befindet sich am Ende des 365 km langen Murradwegs.[7]

Verkehr[Bearbeiten]

Bad Radkersburg ist durch die S-Bahnlinie 51 mit stündlicher Taktfolge über Spielfeld-Straß mit der Landeshauptstadt Graz verbunden. Die Strecke führte weiter bis Slowenien, ist aber für sechs Kilometer unterbrochen. Österreich und Slowenien planen eine Wiederherstellung der Bahnverbindung. Durch die Stadt führt die Südsteirische Grenz Straße (B 69), welche die Altstadt bogenförmig umfährt und nach Gornja Radgona (Slowenien) führt.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • 1930 Johann Mickl (1893–1945), Generalleutnant der deutschen Wehrmacht
  • 1976 Franz Wegart (1918–2009), Landeshauptmann-Stellvertreter
  • 2011 Karl Niederl, Pfarrer von Bad Radkersburg 1976–2011

Personen mit Bezug zur Stadt[Bearbeiten]

  • Johannes Aquila (Mitte 14. bis Anfang 15. Jahrhundert), Maler und Leiter einer mittelalterlichen Malerwerkstätte
  • Johann Puch (1852–1914), Industrieller, erlernte das Schlosserhandwerk in Bad Radkersburg
  • Dietrich Kittner (1935–2013), deutscher Kabarettist, lebte in Bad Radkersburg

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kundmachung der Steiermärkischen Landesregierung vom 26. September 2013 über die Vereinigung der Stadtgemeinde Bad Radkersburg und der Gemeinde Radkersburg Umgebung, beide politischer Bezirk Südoststeiermark. Steiermärkisches Landesgesetzblatt vom 14. Oktober 2013. Nr. 97, 28. Stück. S. 554.
  2. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatGeschichte. Anfänge. In: Stadt & Region. Tourismusregion Bad Radkersburg, abgerufen am 6. Mai 2009 (mit historischer Karte).
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatEntwicklung der Stadt im Laufe der Jahrhunderte. In: Walled Towns from division to co-division. Almadomus, Università degli studi di Bergamo, abgerufen am 6. Mai 2009 (dt., mit historischen Ansichten und umfangreicher Analyse der Stadtmauern).
  4. Erwin Reidinger: Die mittelalterliche Stadtanlage von Radkersburg. In: Bad Radkersburg: Naturraum und Bevölkerung, Geschichte – Stadtanlage – Architektur, Bad Radkersburg 1997, S.185-213.
  5. Mitteilungen des Steiermärkischen Landesarchivs 44/45, 1994/95, S. 48.
  6. Artikel des Bundesdenkmalamts (BDA) über die ältesten bekannten profanen Fresken Österreichs im Pistorkeller in Bad Radkersburg (Dezember 2006)
  7. Der Murradweg

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bad Radkersburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Bad Radkersburg – Reiseführer