Christoph Wulf

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Christoph Wulf (2010)

Christoph Wulf (* 4. August 1944 in Berlin[1]) ist ein deutscher Erziehungswissenschaftler und Professor für Anthropologie und Erziehung an der FU Berlin.

Leben[Bearbeiten]

Wulf verbrachte seine Kindheit in einem Pfarrhaus in Berlin-Britz. Nach dem Abitur auf dem Gymnasium Steglitz absolvierte er zunächst ein Studium der Geschichte, Erziehungswissenschaft, Philosophie und Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin, das er 1968 mit dem Magister Artium abschloss. 1969 ging er mit einem Stipendium der Volkswagen-Stiftung nach Marburg, um bei Wolfgang Klafki zu promovieren. Nach einer Informationsreise durch die USA als Gast des US-Bildungsministeriums verbrachte er ein Jahr mit Recherchen für seine Dissertation an den Universitäten von Stanford, Los Angeles, Boulder und New York. In den Jahren 1970 bis 1975 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung in Frankfurt. 1973 promovierte an der Philipps-Universität Marburg zum Dr. phil.; 1975 habilitierte er sich dort im Fach Erziehungswissenschaft. 1975 wurde er ordentlicher Professor für Erziehungswissenschaft an der Universität Siegen. Seit 1980 ist er Professor für Anthropologie und Erziehung am Fachbereich Erziehungswissenschaften und Psychologie der Freien Universität Berlin.

Gastprofessuren hatte Wulf unter anderem an der Université de Paris (Nanterre, St. Denis, Denis Diderot), der Fondazione San Carlo in Modena, der European Peace University, der Universiteit van Amsterdam, der Stockholms universitet, der University of London, der Universität Tokio, und der Jawaharlal-Nehru-Universität, New Delhi, sowie in Kioto, Beijing und Kazan; Forschungsaufenthalte an der Stanford University.

Wirken[Bearbeiten]

Wulf arbeitet an Fragen der Anthropologie, insbesondere der Pädagogischen Anthropologie. Arbeitsschwerpunkte liegen auf dem Gebiet der Mimesis- und Imaginationsforschung, der Performativitäts-, Gesten- und Ritualforschung sowie der ästhetischen und interkulturellen Erziehung. Dabei geht es ihm um das Wissen vom Menschen in einer globalisierten durch kulturelle Diversität charakterisierten Welt. Das Ziel seiner Forschungen liegt darin, mithilfe historischer und ethnographischer Methoden sowie philosophischer Reflexion einen Beitrag zum Selbstverständnis der Menschen in der heutigen Zeit zu leisten.

Mitgliedschaften[Bearbeiten]

  • Gesellschaft für Historische Anthropologie (Stellvertretender Vorsitzender)
  • Kommission Pädagogische Anthropologie der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (Initiator und Vorsitzender 1993-1999, zurzeit im Vorstand)
  • Deutsche UNESCO-Kommission (Mitglied); Fachausschuss Bildung (Vorsitzender) und Vizepräsident
  • Mitglied des Nationalkomitees „Bildung für nachhaltige Entwicklung“
  • Kuratoriumsmitglied des DAAD.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

Autor und Herausgeber
  • Die Bilder des Menschen. Imaginäre und performative Grundlagen der Kultur, Bielefeld: transcript, 2014.
  • Handbuch Pädagogische Anthropologie (mit Jörg Zirfas) (Hg.), Wiesbaden: Springer, 2014.
  • Anthropology. A continental perspective, Chicago: Chicago University Press, 2013.
  • Das Rätsel des Humanen. Einführung in die historische Anthropologie, München: Wilhelm Fink Verlag, 2013, ISBN 978-3-7705-4718-0.
  • Das Glück der Familie. Ethnographische Studien in Deutschland und Japan (mit Shoko Suzuki, Jörg Zirfas u.a.), Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2011, ISBN 978-3-531-18152-3.
  • Der Mensch und seine Kultur. Hundert Beiträge zur Geschichte, Gegenwart und Zukunft des menschlichen Lebens, Köln: Anaconda Verlag, 2010.
  • Wulf, Christoph u.a. Lernkulturen im Umbruch. Rituelle Praktiken in Schule, Medien, Familie und Jugend, Wiesbaden: VS Verlag 2007, ISBN 978-3-531-15175-5.
  • Pädagogische Theorien des Lernens (mit Michael Göhlich u. Jörg Zirfas) (Hg.), Weinheim/Basel: Beltz Verlag, 2007; 2. Auflage 2014.
  • Pädagogik des Performativen. Theorien, Methoden, Perspektiven (mit Jörg Zirfas) (Hg.), Weinheim/Basel: Beltz Verlag, 2007, ISBN 978-3-407-32074-2
  • Tanz als Anthropologie (mit Gabriele Brandstetter) (Hg.), München: Wilhelm Fink Verlag, 2007
  • Mythen des Blutes (mit Christina von Braun) (Hg.), Frankfurt/New York: Campus Verlag 2007.
  • Anthropologie kultureller Vielfalt. Interkulturelle Bildung in Zeiten der Globalisierung, Bielefeld: Transcript Verlag, 2006.
  • Zur Genese des Sozialen. Mimesis, Performativität, Ritual, Bielefeld: Transcript Verlag, 2005, ISBN 3-89942-415-8.
  • Anthropologie. Philosophie, Geschichte, Kultur. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2004, ISBN 3-499-55664-2 und Köln: Anaconda Verlag, 2009, ISBN 978-3-86647-403-1
  • Mimetische Weltzugänge (mit Gunter Gebauer), Stuttgart: Kohlhammer 2003; brasilianische Ausgabe 2004.
  • Anthropologie der Erziehung. Eine Einführung, Weinheim/Basel: Beltz 2001; englische Ausgabe 2002; spanische Ausgabe 2004.
  • Spiel, Ritual, Geste (mit Gunter Gebauer), Reinbek bei Hamburg: Rowohlts Enzyklopädie, 1998; dänische Ausgabe: Kopenhagen, 2001; französische Ausgabe 2004.
  • Logik und Leidenschaft. Erträge Historischer Anthropologie (mit Dietmar Kamper) (Hg.), Berlin: Dietrich Reimer Verlag, 2002.
  • Vom Menschen. Handbuch Historische Anthropologie, Weinheim: Beltz Verlag, 1997; 2. Auflage Mensch und Kultur, Köln 2010; japanische Übersetzung 2005.
  • Theorien und Konzepte der Erziehungswissenschaft, München: Juventa, 1977; 6. Auflage 1992.
Herausgeber
  • ZfE. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 1998ff.
  • Reihe Historische Anthropologie, 1988ff.
  • Reihe European Studies in Education, 1995ff.
  • Reihe Pädagogische Anthropologie, 1996ff.
  • Reihe Berliner Arbeiten zur Erziehungs- und Kulturwissenschaft, 2000ff.
  • Geschäftsführender Herausgeber von Paragrana – Internationale Zeitschrift für Historische Anthropologie, 1992ff.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender. 20. Ausgabe (2005). Bd. 3, S. 3945.